BiBo_KW36_2021

THERWI L

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9. SEPTEMBER 2021 | NR. 36

«Menschen haben schon immer Angst verspürt» Wir sind uns bewusst, dass die Re- daktion seiner Leserschaft mit dem folgenden Exklusiv-Interview eine «schwere Kost» vorsetzt. Umso mehr, als «Angst» ebenmeistÄngste weckt. Aber «Angst haben» gehört zum Menschsein – und das beginnt im Bébé-Alter und hört oft mit dem letz- ten Lebenstag auf.

speziell, dass wir so plötzlich als fünf- köpfige Familie die gesamte Zeit auf en- gem Raum auskommen mussten. Aller- dings sind wir in dieser Zeit auch zusam- mengewachsen: Die Kinder wissen jetzt, was mein Mann und ich beruflich und familiär den ganzen Tag tun müssen, wir kennen ihren Schulalltag besser. Wir mussten als Familie lernen, un- sere unterschiedlichen Bedürfnisse nach Nähe und Alleinsein auszutarieren. Ich glaube, unser Hund ist noch nie so viel Gassi gegangen, nämlich jedes Mal, be- vor einem von uns der Hüttenkoller drohte. Spannend fand ich, wie wir mit den Alltagseinschränkungen umzuge- hen lernten, ob wir nun Joghurt und Brot selber herstellten, mit den Nachbarn Le- bensmittel oder Blumensamen tausch- ten oder an unseren Musik- und Sport- kursen per Videokonferenz zu Hause teilnahmen… Jetzt sind wir über jede Lockerung froh, aber dennoch weiterhin vorsichtig. Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches «Därwil» und das Leimental schildern? Was zeich- net Therwil speziell aus? Wir lieben an Therwil die perfekte Lage zwischen Stadt und Land: Fast vor unse- rer Haustür beginnen die schönsten Fel- der, Weinberge und Wälder, die wir täg- lich zu Fuss, mit Hund, per Rad, mit Pick- nickkorb, oder auf dem Pferd geniessen können. Gleichzeitig sind wir mit dem ÖV schnell in der Basler Innenstadt und so- gar in den Elsässer oder Baden-Württem- bergischen Städtchen, falls mein franzö- sischer Mann oder ich als Deutsche ein- mal Heimweh haben. Toll finden wir an Therwil, wie un- glaublich warm- und offenherzig wir als Zugezogene mit Multikulti-Hintergrund hier aufgenommen wurden. Wir waren vorher um die halbe Welt gezogen, aber ein so tolles Netzwerk an Freunden und Nachbarn wie hier hatten wir nie! Ther- wil ist so persönlich, dass niemand von uns ins Dorf gehen kann, ohne vertraute Gesichter zu sehen und für einen Schwatz stehenzubleiben – und so gross, dass wir hier zum Sporteln, Einkaufen, Essen ge- hen, Kreativ werden, Musikmachen, sich ins Gemeinschaftsleben einbringen alles finden. Ich danke Frau Légé für das Gespräch und ein Interview, das zum Nachdenken anregt. So wie auch die Frontchronik, welche sich ebenfalls unseren Ängsten annimmt. Georges Küng Geld arbeiten, entlastet werden, dies durch eine Steuersenkung für tiefe und mittlere Einkommen oder Investitionen zugunsten der sozialen Wohlfahrt. Die 99%-Initiative führt z.B. zu mehr Prä- mienverbilligung und mehr Investitio- nen in Kinderkrippen. Das stärkt die Kaufkraft der tiefen und mittleren Ein- kommen und fördert die Gleichstellung.

Es war am 7. Juli, als meineWenigkeit ein E-Mail erhielt, dessen erster Satz so lau- tete: «Sehr geehrter Herr Küng – Während der letzten Monate habe ich das Sach- und Mitmach-Buch für Kinder und Eltern («Huch, die Angst ist da!»), zusammen mit meinem Kollegen Fabian Grolimund, ge- schrieben. Hätten Sie einmal Lust und Platz im BiBo, das Thema «Kinderängste» aufzu- greifen? Von Natur aus sehr neugierig, ist in den letzten Monaten ein regerAustausch mit der Verfasserin dieses Buches ent- standen. Heute dürfen wir ein Interview publizieren, wie es bis dato nur wenige in «meiner» 22-jährigen Amtszeit als BiBo-Chefredaktor gegeben hat. BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zu Ihrer Person und den beruflichen Werdegang erfahren? Ulrike Légé: Ich bin vor knapp 50 Jahren in Göttingen (Deutschland) geboren worden und habe auch dort meinen Schulabschluss gemacht. Studiert habe ich Biologie und Journalistik in Tübingen und Hamburg. Schon als Kind liebte ich es, mit meinen Eltern im Sommer zu Fuss und im Winter auf Skiern in den Schwei- zer Alpen unterwegs zu sein. Ich habe mich daher sehr gefreut, als ich 2001 dauerhaft in die Schweiz ziehen konnte, um in der Marketing-Kommuni- kation bei Novartis zu arbeiten. 2005 habe ich mich als freie Autorin und Jour- nalistin selbstständig gemacht, was mir mehr Zeit und Flexibilität für unsere drei Kinder (11, 13 und 16 Jahre) ermöglicht. Seit 2014 leben wir in Therwil und ken- nen das Dorf und sein Umfeld dank unse- res Labradoodles Sunny mittlerweile sehr gut! Sie haben kürzlich ein Sach- und Mit- mach-Buch über «Kinderängste» ge- schrieben. Wie definieren Sie persön- lich den Begriff «Angst»? Angst bekommen wir Menschen immer dann, wenn wir merken, dass unser kör- perliches Überleben oder unser emotio- nales Wohlbefinden bedroht sein könnte. Von Natur aus sind wir seit Beginn der Menschheitsgeschichte mit Sinnesorga-

nen ausgestattet, die unsere Umgebung dauernd aktiv daraufhin abscannen, ob uns etwas gefährlich werden könnte. Das ist überlebenswichtig, auch heute noch. Wenn wir etwas Bedrohliches sehen, hören, riechen oder fühlen, wird zu- nächst unser Mandelkern im Gehirn akti- viert, der seinerseits unseren ganzen Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Mit den Angstsymptomen wie Zittern, fla- chem Atem oder Bauchweh empfangen wir die Botschaft: «Achtung, jetzt könnte es gefährlich werden!» und sind körper- lich so auf ein schnelles Reagieren opti- mal vorbereitet. Die Angst durchläuft uns wie eineWelle und flacht von alleine wieder ab – umso mehr, wenn wir uns nicht gegen die Angst wehren, sondern sie annehmen und uns mit ihr aussöhnen können. Ist Angst – Ihrer Meinung nach – ein ständiger Begleiter der Menschen? Und sind Kinderängste «anders» als jene der Erwachsenenwelt? Menschen haben schon immer Angst verspürt – und so unangenehm das ist, hätten wir ohne dieses Gefühl nie über- lebt. Unsere Vorfahren mussten auf ihre Ängste hören, um nicht von Säbelzahn- tigern, Giftschlangen oder aggressiven Gegnern getötet zu werden. Sie konnten nur in engen, gut funktionierenden Ge- meinschaften überleben. Ihre Ängste warnten sie davor, sich sozial unpassend zu verhalten und aus der schützenden Gemeinschaft ausgeschlossen zu wer- den.Auch wenn uns heute nicht mehr die

gleichen Gefahren drohen, bewahrt uns die Angst vor vielen körperlichen, sozia- len oder emotionalen Risiken des moder- nen Lebens. Menschenkinder waren früher und sind heute noch ganz besonders verletz- lich. Es gibt typische Kindheitsängste wie die Angst vor dem Alleinsein, dem Dun- keln oder vor unberechenbaren Tieren. Diese veranlassen Kinder dazu, immer wieder die Nähe der schützenden Er- wachsenen zu suchen. Sich mit verschie- denen Ängsten auseinanderzusetzen, ist ein Teil der gesunden Entwicklung von Kindern. Wichtig ist, dass wir als Erwach- sene ihnen die nötige Geborgenheit ge- ben, um sicher gebunden immer wieder die Erfahrung zu machen: «Meine Eltern verstehen, dass ich gerade Angst habe. Ich kann mich mit ihrem Rückhalt meinen Ängsten stellen und merke, wie ich jedes mal ein kleines Stück mutiger werde.» Wenn wir unsere Kinder allerdings nur wegschicken und sagen «Davor musst du keine Angst haben!», verfestigen sich Kinderängste eher. Hat die Pandemie, die uns weiterhin fest «im Griff» hat, Angstzustände verstärkt oder vielleicht speziell ak- zentuiert? Die Pandemie ist für Erwachsene und Kinder eine völlig neue, noch immer un- berechenbare Situation. Sie hat uns viele Quellen von Nähe, Zuversicht und inne- rer Stärke im Alltag eingeschränkt, zeit- weise sogar ganz genommen. Psycholo- gische Studien haben deutlich gezeigt,

dass dies leider Angstzustände stark ver- stärkt hat. Ältere Menschen, gesundheit- liche Risikopatienten und ganz beson- ders Kinder leiden bis heute stark dar- unter: Vier von fünf Kindern fühlen sich durch die Pandemie belastet, fast jedes dritte Kind zeigt psychische Auffälligkei- ten (Quelle: COPSY Studien der Universi- tät Hamburg). Auch bei Erwachsenen zeigt sich eine starke Zunahme von Angststörungen. Wir Menschen können sogar mit dra- matischen, aber zeitlich begrenzten Mo- menten der Bedrohung sehr gut umge- hen: Fährt uns plötzlich ein Schreck in die Glieder, dann spüren wir ebenso wie un- sere Vorfahren, die Höhlenmenschen, wie sich die Spannung in unseren Mus- keln und die innere Anspannung danach von ganz alleinwieder abbauen. Schlimm ist an der Pandemie, wie lange wir nun bereits mit unseren Ängsten leben müs- sen, mit einem Dauer-Bombardement schlechter Nachrichten, aber noch immer einem grossen Unwissen, wie, wann und wo wir das nächste Mal bedroht sein werden. Umso wichtiger ist es, dass wir aktiv für Momente der Entspannung, Nähe und Ruhe sorgen. Wie sehr hat das Coronavirus Co- vid-19 Sie und Ihre Familie tangiert? Und im Alltag auch eingeschränkt? In der ersten Zeit des Home-Schoolings, danach mehrfach mit Kindern in Quaran- täne, zerriss mich der Spagat zwischen eigenem Beruf und schulischer Unter- stützung der Kinder. Es war auch sehr zählen damit zu den ersten 15 Minuten dazu. Die Aufträge wurden alle korrekt und gemäss Zeitvorgabe ausgeführt. Aus diesem Grund haben wir dieAlarmübung «erfüllt». Es gibt keineWertung, sondern nur «erfüllt» oder «nicht erfüllt». Die Ge- meinde Therwil gratuliert der Feuerwehr zu diesem erfreulichen Ergebnis.

GEMEINDEINFORMATIONEN

ALARMÜBUNG DER FEUERWEHR Bestens erfüllt

MARKT

Därwiler Herbschtmärt Bald ist es wieder so weit!Am Samstag, 18. September, findet von 10 bis 17 Uhr der traditionelle Herbschtmärt am Mittleren Kreis statt. Zahlreiche Stände präsentieren ein attraktives Warenangebot, wovon vie- les selbst hergestellt wird. Auch für Gau- men und Magen ist gesorgt: Es gibt eine Märtbeiz der Jungwacht Blauring, der Feu- erwehrverein sorgt mit seinen Füürwehr- sohle für Feststimmung, an der Marktbä-

In den Kommandoakten des Feuerwehr- inspektorates sind die Schutzzieldefini- tion und die kantonale Alarmübung ge- regelt. Die kantonale Alarmübung dient dazu, die Feuerwehreinsatzbereitschaft im Rahmen der kantonalen Schutzziel- definition zu überprüfen. Diese Alarm- übung findet immer tagsüber statt und gilt somit für das Tagespikett und das Kommando. Da viele Personen nicht an ihremWohnort arbeiten, ist dies auch die grösste Herausforderung, im Tagespikett genügend Personen zu versammeln. In- nerhalb von 10 Minuten müssen 8 An- gehörige der Feuerwehr (AdF) ab Zeit- punkt der Pagermeldung vor Ort sein. Geprüft wird das Stellen einer Schiebe- leiter, das Erstellen einer Druckleitung ab Fahrzeug mit Wasserabgabe sowie das Ausrüsten mit Atemschutz. Weiter wird auch vermerkt, wie vieleAdF nach 15 und 20 Minuten eintreffen. Die Alarmübung fand am Mittwoch, 1. September 2021 um 09.31 Uhr statt. Innerhalb von 10 Minuten waren bei uns 18 AdF vor Ort, zwei weitere AdF kamen in den darauf folgenden Minuten und

ckerei gibt’s Berliner, Simonini bietet Knob- lauchbrot an und auch am Stand des OK 799er Dorffescht kann man sich gütlich tun und sich über das Fest informieren. Frisches Gemüse und Obst sowie feine Spezialitäten runden das vielseitige Märtangebot ab. Ausserdem gibt es im Rahmen der Veran- staltung wie immer auch einen Kinder- flohmi.Wir freuen uns mit Ihnen wieder auf einen lebendigen, aktiven Märt!

PARTEIEN

VEREINE

SP THERWIL

GEMEINDE- UND SCHULBIBLIOTHEK THERWIL

Parolen zu den Abstimmun- gen vom 26. September • Ja zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Ehe für alle). Die Ehe für alle ist ein wichtiger und längst über- fälliger Schritt in Richtung Gleichstel- lung von homo- und bisexuellen Paaren in der Schweiz. Die Delegierten sagten einstimmig Ja zur Änderung des ZGB. • Ja zur Initiative «Löhne entlasten, Kapi- tal gerecht besteuern» (99%-Initiative). Die 99%-Initiative verlangt, dass die Kapitaleinkommen des reichsten Pro- zents über einem festzulegenden Betrag höher besteuert werden. Mit diesen Ein- nahmen sollen diejenigen, die für ihr

Stellenausschreibung Wir suchen per 1. Dezember 2021 oder nach Vereinbarung eine kompetente und kundenorientierte Persönlichkeit als Mitarbeiterin Bibliothek (ca. 30%) Alle notwendigen Informationen finden Sie unter www.bibliothek-therwil.ch.

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