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Allschwiler Wochenblatt

Freitag, 21. Juli 2017 – Nr. 29/30

Freizeitnutzung: Die Besucher des Waldes hinterlassen ihre Spuren Wald

Teile des Allschwiler Walds werden stark von Freizeitnutzern frequentiert. Dies erfordert Massnahmen des Forstbetriebs. «Es hat selten grosse Gruppen, aber man sieht immer Menschen», be- schreibt Markus Lack, Revierförs- ter Allschwil/vorderes Leimental, einen Besuch in den stark frequen- tierten Gebieten des Allschwiler Walds. So etwa im Gebiet Doren- bach, das entlang der Grenze Bin- ningen/Allschwil verläuft. Bei einem Spaziergang ist der Besucher dort nie allein – Jogger, eine Gruppe mit Reiterinnen, Grosseltern, die mit ihren Enkeln spazieren, Eltern, die mit ihren Kindern Bräteln, Hunde- halter mit ihren Schützlingen. DerWald –mit Vitaparcours und Lehrpfad – ist ein ideales Ausflugs- ziel und lockt gerade im Sommer viele Besucher an. «Der Allschwiler Wald ist der Erholungsraum Num- mer eins in der Gegend für die ge- samte Bevölkerung», so Lack. «Das drückt auch aus, wie wichtig er ist für die Lebensqualität der Leute.» Allein in den fünf Gemeinden des Forstreviers (Allschwil, Binningen, Bottmingen, Biel-Benken undOber- wil) leben 57’000 Menschen und auch von Basel aus ist der Wald ein- fach zu erreichen. «Die Belastung ist dort am grössten, wo es öffentliche Parkplätze oder Siedlungen in der Nähe hat», so Lack. Eine Studie der Universität Basel Ende der Neunzi- gerjahre habe gezeigt, dass im Do- renbachgebiet pro Jahr rund eine halbe Million Leute ein und aus ge- hen. Diese Zahl habe tendenziell Von Andrea Schäfer

Die Feuerstelle im Gebiet Dorenbach ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die rege Begehung durch den Menschen hinterlässt ihre Spuren: Der Boden ist verdichtet und es wächst nichts mehr. Fotos Andrea Schäfer

seither eher noch zugenommen. Der Forstbetrieb unterstütze die Frei- zeitnutzung des Waldes «zu 100 Prozent», so Lack, «das Problem ist einfach die Masse». Die Herausfor- derung des Forst-Teams sei, dafür zu sorgen, dass ein Gleichgewicht besteht zwischen Nutzung und Bei- behaltung des ökologischen Werts. Massnahmen, die lenken Das hiesige Forstrevier habe Pio- nierarbeit geleistet, indem es ein auf den Erkenntnissen der Studie der Uni Basel basierendes Erholungs- konzept erarbeitete. Es beschreibt verschiedene Massnahmen, um die Besucher auf ihren Ausflügen zu steuern – ganz unter dem Motto «Lenken statt Verbote». Teil dieser Lenkungsmassnahmen sei der Un- terhalt der rund 25 Kilometer Weg- strecke im Allschwiler Wald. Laut Lack gibt es drei Wegtypen, wobei

der erste Typ sehr gut unterhalten sei, sodass diese Strecken mit einem KinderwagenoderRollstuhl befahr- bar sind. AufWegendes zweitenTyp habe es bereits gröbere Steine und beim dritten Wegtyp handle es sich um Pfade, die nur zu Fuss begehbar sind. «Sokommendort automatisch nicht so viele Nutzergruppen hin und wir steuern bereits», erklärt Lack. Um die Freizeitnutzer auf den Waldwegen zu halten, bringe der Forstbetrieb dort durch Zurück- schneiden der Bäume mehr Licht in den Wald. So entstehen gestufte Strukturen mit Gräsern und Sträu- chern. «Das gibt automatisch einen natürlichen Schutzschild, sodass Menschen gar nicht auf die Idee kommen, sich vom Weg zu entfer- nen», so der Förster. Wo diese «grü- nen Wände» nicht ausreichen, ins- tallieren die Forstwarte Holzzäune

– eine typische Sommerarbeit – oder platzieren Asthaufen, um beispiels- weise illegale Bikerstrecken zu blo- ckieren. Es sei erlaubt, abseits der Wege zu Fuss durch den Wald zu gehen, stellt Lack klar. «In einemWald, wo es nicht viele Leute hat, ist das kein Problem, aber in einem Wald, der stark belastet ist, ist die Regenerati- on an gewissen Stellen nicht mehr gewährleistet.» Als Resultat gehe die Biodiversität in diesen Gebieten stark zurück. Mit der Einzäunung vonAbschnitten bringe der Forstbe- trieb dies wieder ins Lot. Der Zaun werde nach circa zwei bis fünf Jah- ren wieder entfernt, wenn sich die Natur erholt habe. «Man kann sich das vorstellen wie ein Schachbrett – es werden jedes Jahr Gebiete ein- und ausgezäunt», so der Förster. Aktuell sei circa eine Hektare Wald zur Regeneration eingezäunt.

Das Bild links zeigt nicht etwa die Schneise eines Erdrutsches, sondern «nur» ein vom Menschen rege begangenes Gelände nahe eines Waldweges. Der Abschnitt rechts hat sich nach einer mehrjährigen Einzäunung wieder erholt und wurde vor einem Jahr ausgezäunt.

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