WEINBREVIER SEPTEMBER 2018
EINE REGION IM WANDEL TOSKANA RENAISSANCE WEINREISE Eine von Pisa nach Grosseto
NEU IM KÖLNER WEINKELLER – POGGIO ANTICO No Barrique for Brunello.
BIO-SPEZIALISTEN – SALCHETO Mit Raumfahrttechnik für besseren Wein.
UNENTDECKTE REGION – TENUTA DI GHIZZANO Vorreiter aus den Terre di Pisa.
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Region
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TERRE DI PISA
Der Tourist, so soll Enzensberger einmal gesagt haben, “zerstört was er sucht, indem er es findet”. Aber wahrscheinlich steckt in dieser doppelten Wahrheit, dass alles nur einmal entdeckt werden kann und dass ein Entdecken im Massenwahn des modernen Tourismus gar nicht mehr möglich ist, noch eine ganz andere Dialektik. Auf unserer Reise durch die Toskana habe ich mich gefragt, ob der Zerstörer des Authentischen nicht auch zugleich ihr Retter sein kann. DIE RUHE DER SCHONEN HUGEL
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Der Geheimtipp TENUTA DI GHIZZANO
Der Geheimtipp TENUTA DI GHIZZANO
Exciting Heights POGGIO ANTICO
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im WEINKELLER NEU
Region CHIANTI
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Eine ganz normale Geschichte BADIA A COLTIBUONO
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Auf dem Gipfel des Chianti CASTELLO DI FONTERUTOLI
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Die wunderbare Welt des Barone Francesco CASTELLO DI BROLIO
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Region
MONTEPULCIANO
Die Toskana war auch im 20. Jahrhundert eine größten- teils landwirtschaftlich geprägte Region. Das es in vielen der kleinen Städte so aussah, als wäre man noch in Zeiten der Renaissance lag kaum daran, dass die Toskaner die alten Palazzi, Burgen und Landhäuser so schätzten, sondern sie hatten einfach kein Geld für neue. Aber selbst die Land- wirtschaft war mittlerweile unrentabel und so flohen immer mehr Toskaner aus den schönen Hügeln ihrer Heimat in die großen Städte oder direkt ganz nach Norden oder über den Atlantik. Die letzten Paläste verfielen, die Bauernhäuser waren verlassen und die Heimat immer unheimischer. Eigentlich war die Toskana nie das Sehnsuchtsland von Deutschen und Engländern gewesen. Auf ihren italienischen Bildungsreisen war Rom das Ziel und die Toskana bestand aus Florenz und vielleicht noch Siena. Das verehrte Kulturland Italien, war eine Ansammlung von Kulturstätten in Verbindung mit dem romantischen Ideal einer im einfachen Leben glücklichen Landbevölkerung. So hatte es das nie gegeben und spätestens in den 50er Jahren war auch der Schein verblasst. Die Landbevölkerung verschwand und auf die frei gewordenen Plätze drangen langsam andere vor. Touristen, italienische, deutsche, englische, die aus einigen flüchtigen Besuchen einen längeren Aufenthalt machten und Freunde und Bekannte mitbrachten. Sie strömten aus den Städten des Nordens in die Ruhe und Naturnähe der einsamen Hügel. Mit ihnen erwuchs auch wieder das Interesse an dem, was das Land hervorbrachte, wie Wein
und Käse und mit Ihnen kam auch das Geld zurück in die arme, aber an sich kulturreiche Region. Man muss es sich auch erst einmal leisten können, über die Qualität eines Olivenöls zu streiten oder einen alten Bauernhof oder Palazzo wohnlich einzurichten. Zugleich nahmen die Reisenden ihre Erfahrung und Liebe mit zurück und plötzlich trank man in Boston Brunello und ersetzte in Berlin die Butter durch Olivenöl. Der Stempel Toskana wurde ein Siegel der Liebe zum Einfachen aber Guten. Der Toskaner hatte mehr als einen Grund wieder Stolz zu sein und so kehrten einige zurück und viele der Dazugekommenen, waren bald toskanischer als viele Toskaner. Konvertiten eines guten Lebens. Manchmal muss man vielleicht die Heimat durch die Augen der Fremden sehen um sie wieder lieben zu lernen. Mit den Augen der Fremden und einheimischen Winzern als Führer sind wir von Pisa nach Gaiole, von Montepulciano nach Grosseto gefahren und haben Dinge neu gelernt und neu gesehen, waren erstaunt, belustigt, erschrocken und immer ein wenig in dieser toskanischen Stimmung, zwischen Gelassenheit und Aufbruch, zwischen Freude und der leichten Melancholie die einen in der Ruhe der schönen Hügel immer anweht. Hier ist unser Bericht... —
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Der einfallsreiche Michele
SALCHETO
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Weinbergssucher
POLIZIANO
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Region
MONTALCINO
Die Kunst der großen Weine LE PUPILLE
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Der Weinmathematiker
SIRO PACENTI
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Mehr Eleganz wagen
ALTESINO
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Exciting Heights POGGIO ANTICO
Der einfallsreiche Michele SALCHETO
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Region
MAREMMA
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Die Kunst der großen Weine
LE PUPILLE
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Epilog
Bestellen können Sie unser WeinBrevier über unsere Webseite unter www.koelner-weinkeller.de/weinbrevier_bestellen , hier finden Sie alle verfügbaren Titel. Sollten Sie sie nicht in Papierform benötigen, finden Sie PDFs zum Download unter www.koelner-weinkeller.de/weinbrevier_download
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Artikelliste
WEINBREVIER
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–– TOSKANA
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– A n ek do t en & H in w eise AUTO- FAHREN
PISA MAKING OF Zehn Tage, zehn Weingüter. Von Pisa, nach Siena, Montepulciano, Montalcino und schließlich in die Maremma. EINE WEINREISE FLORENZ SIENA
J eder , der I t a l ien mit dem A u t o b esu c h t , w ir d g ew a r n t , da s sei min dest en s so g ef ä h r l ic h w ie z u r R u sh h o u r in B a n g k o k . V iel l eic h t h a b en die meist en da ein f a c h Roberto Benignis flotte Taxifahrt in N ig h t o n E a r t h im K o p f . Denn in Italien gibt es strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen, es wird viel kontrolliert und geblitzt. Die Strafen sind mittlerweile drastisch und eigentlich ist der Italiener, besonders der Toskaner ja sehr ent- spannt, was man auch auf den Straßen merkt. Dass er hier und da sein umfangrei- ches und phonetisch großartiges Repertoire an “Schimpfworten”, ein Begriff der das nicht im Entferntesten trifft, einsetzen will, kann man ihm kaum verdenken. Vorsichtig fahren sollte man in der Toskana trotzdem, denn die Straßen machen den Eindruck, ihr Kurven- reichtum sei weniger der hügeligen Land- schaft, als eher einigen beherzten Schlücken Chianti während der Planung geschuldet. In Acht nehmen sollte man sich natürlich vor Urlaubern mit Mietwagen, die unvermittelt an jeder Aussicht, jedem römisch aussehen- den Trümmerhaufen – also quasi überall – bremsen und überhaupt so vorsichtig fahren, dass sie den geregelten Verkehrsfluss erheblich beeinträchtigen. Am gefährlichsten sind aber natürlich die Residenten aus Deutschland, England und anderen nordischen Ländern, die meinen, sie würden italienisch fahren, wenn sie mit ihrem SUV schnell auf der rechten Straßenseite die Kurve schneiden, ein paar italienische Schimpfwörter ausstoßen und das Steuer loslassen, um wild mit den Händen zu gestikulieren. Vaffan… —
MONTALCINO
MONTEPULCIANO
ISOLA D’ELBA
M A R E M M A
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“ W ir wollen nicht verkosten, nicht essen gehen”, steht auf unserer Reisean- kündigung fett ganz oben. Klar, ohne gutes Essen geht es in Italien natürlich nicht, aber in unseren Gesprächen mit den Produzenten wollten wir etwas über die Menschen und ihre Ideen erfahren.
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Über die Landschaft, die sie und ihre Weine prägt und über die Geschichte und vielleicht die Zukunft der Region. Wir haben Köche, Käsehersteller und Trüffelsucher besucht und befragt. Wir sind in die Städte und Dörfer gefahren und die holprigsten Landstraßen entlang. Wir haben unser Büro im Auto, der sündhaft teuren Bar am Piazza del Campo und auch am Pool im Bed & Breakfast aufgeklappt, haben mehr als 2.000 Bilder geschossen und zwischen Weinfass und Rebberg unsere Moleskines vollgeschrie- ben. Und zum Schluss mussten wir quer durch die Alpi Apuane nach Verona fahren, weil die Fluglotsen in der Toskana einen zusätzlichen Strandtag eingelegt haben.
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IN UNSEREN GESPRÄCHEN MIT DEN PRODUZENTEN WOLLTEN WIR ETWAS ÜBER DIE MENSCHEN UND IHRE IDEEN ERFAHREN.
2. | ANDREAS BRENSING
UND NOREEN RUDOLPH
3. | PASTA-KURS MIT
EMANUELA STUCCHI 4. | BÜRO IN MONTEPULCIANO
Wir – das sind Noreen Rudolph, Sommelière und im Kölner Weinkeller für die Sortimentsgestaltung und die Kontakte zu den Winzern zuständig, und Andreas Brensing, Geschäftsführer im Weinkeller und für alle Texte und Fotos in diesem WeinBrevier verantwortlich. —
1. | TRÜFFELSUCHE MIT MICHELE MANELLI VON SALCHETO IN MONTEPULCIANO
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G erade einmal 24 Erzeuger kommen auf etwas mehr als 80 Hektar Weinbau. Kein Wunder, dass die Region immer noch ein Geheimtipp ist, für Weinfreunde wie für Investoren. In den letzten Jahren haben sich einige bekannte Weingüter ein Stand- bein geschaffen. Man geht zwar noch verhalten mit der DOC um, möchte es aber nicht verpassen, sollte der Boom dann doch irgendwann einmal losgehen. Die Sangiovese ergibt in der Regel etwas weichere Weine als beispielsweise im Chianti, Cabernet, Syrah und Merlot gedeihen hier Bestens. Die Region ist fast so eine Art Mischung aus Bolgherie, Brunello und Maremma. Die besten Weine vereinen mediterrane Süffigkeit mit großer Finesse und einer feinen Frische. Unser Toskana-Geheimtipp.
SIENA TERRE DI PISA – REGION –
PISA
GEBIET SÜDÖSTLICH VON PISA Die nördliche Grenze ist das Arnotal mit Pontedera, im Süden fast bis Volterra, Hügelland der Colli Pisani und die Ebenen von Orciano und Peccioli, Weinbau wird hier eher vereinzelt betrieben (nur 80 Hektar), DOC seit 2011.
KLIMA MEDITERRAN MIT MEERESEINFLUSS, DURCHSCHNITTLICHE NIEDERSCHLAGSMENGEN
Oder auch die Colline Pisano, wie man die Hügel südöstlich von Pisa nennt. Wein wird hier schon seit etruskischer Zeit angebaut, aber die DOC wurde erst 2011 gegründet und gehört zu den kleinsten der Toskana.
BÖDEN KALK — MEERESSEDIMENTE — SCHWEMMLAND Sehr vielschichtig
ISOLA D’ELBA
REBEN ZUGELASSEN SIND SANGIOVESE, CABERNET MERLOT UND SYRAH Für DOC Rosso muß mindestens 70 % Sangiovese verwendet werden, für DOC Sangiovese 95 %.
REIFE MINDESTENS 16 MONATE Keine Regelungen für Riserva etc.
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QUALITÄT DIE KLEINE REGION IST SICHTLICH BEMÜHT SICH IM QUALITÄTS- SEGMENT ZU ETABLIEREN. NOCH EINE DER SPANNENDEN, UNBEKANNTEN REGIONEN DER TOSKANA.
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D ass hier der Ort Ghizzano liegt, merkt man erst, wenn man mittendrin ist. Vielleicht zwanzig kleine Häuser im alten Ortskern, nochmal so viele neuere auf den Berg- rücken vor und hinter dem Ort. Ein paar Leute, die am frühen Abend auf der Straße sind, schauen und grüßen. Wahrscheinlich weiß nach fünf Minuten jeder, dass Fremde im Ort sind. Hier fahren nicht oft Autos durch. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Straße hinter Ghizzano unvermittelt in einen Schotterweg übergeht und der Ortskern definitiv nicht für moderne Autos gemacht ist. Wir verstehen jetzt die Liebe vieler Italiener zu ihrem alten Fiat Panda. Am höchsten Punkt des Hügels steht fast quadratisch und toskanisch schlicht eine alte Villa mit einem Turm. Il Ghizzano. Alles hier heißt irgendwie Ghizzano, der Ort, die Straßen, der ganze Landstrich und das schon seit 700 Jahren. Der Turm, von dem aus man einen einmaligen Ausblick auf die Hügellandschaft der Colline Pisane hat, datiert auf das Jahr 1370 und wurde von den Vorfahren von Carla und Ginevra Venerosi Pesciolini gebaut. Seit 700 Jahren ist das Land in Familienbesitz und Ginevra, die das Weingut leitet, lässt kaum Zweifel daran, dass die Familie mindestens weitere 700 Jahre bleiben wird. Erst einmal treffen wir Mutter Carla, die uns durch den Garten direkt vor dem Haus führt. Von großen Mauern und Hecken umgeben
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In einem Olivenhain wächst das Gras mannshoch, “gemäht wird erst im Spätsommer, wenn die Vögel gebrütet haben”, erklärt sie uns, “das ist ein wichtiger Rückzugsraum für Fasane, Rebhühner und andere Wildvögel. Unser Wald darf auch nur sehr begrenzt bejagt werden. Wir machen regelmäßig Wildzählungen und entscheiden dann zusammen mit dem Forstamt, was und wieviel gejagt werden darf.” In der Tat sieht es um den Ort herum seltsam wild aus, wenig erinnert an ein klassisches Weingut. Wir lernen Luciana und Michele kennen. Luciana organisiert das Büro und Michele ist sowas wie der Winemaker oder Außenbe- triebsleiter. Man hat den Eindruck, dass auf Ghizzano die Zuständig- keiten nicht ganz so wichtig sind, denn während des Gesprächs wird klar, dass sich jeder irgendwie überall engagiert und am liebsten auch alles wissen will. 2003 hat Ginevra den gesamten Betrieb auf biologische Produktion umgestellt, in einer Zeit, in der fast alle Winzer in der Toskana das noch vehement ablehnten. “Zu teuer, geht nicht, das gibt keine Qualität, da verfault einem alles…” Es gehörte
TENUTA DI GHIZZANO Von Pisa geht es über eine langweilige Landstraße Richtung Südosten, die Toskana besteht aus kleinen Straßendörfern, Gewerbegebieten und hier und dort einigen verlassenen Hallen alter Landwirtschaftskooperativen. Kurz vor Peccioli wird die Straße enger und schlängelt sich durch ein kleines Tal. Sanfte Felder, unterbrochen von kleinen Waldabschnitten und ein paar Agritourisme Hinweis- schildern. Hier nennt sich die Straße schon Strada Communale di Ghizzano und plötzlich in einer Kurve geht es steil hinauf auf einen wild von Wäldern und Weinbergen durchzogenen Hügel. DER GEHEIMTIPP
und mit einer Mischung aus rechteckig angelegten Wegen, in strenge Formen geschnittenen Buchsbaumhecken, halb verwilderten Bäumen und den wilden Skulpturen nach Ovids Versen, besitzt er einen ganz besonderen Charme. Jährlich findet auch ein kleines Musikfestival statt. Carla begrüßt noch die zwei Hunde, denen es gar nicht gefällt, dass man sie wegen des Besuchs angebunden hat und dann steigt sie mit uns auf den alten Turm. Sie wohnt noch in der Villa, die man irgendwann einmal, vielleicht vor vier- oder fünfhundert Jahren, an den Turm gebaut hat. Über alte, aus- getretene Stufen geht es erst durch das Wohnhaus, über eine Galerie hoch oben im Gewölbe des… nun ja, Wohnzimmers und dann vielleicht zwanzig Meter hoch auf den Turm. Carla scheint das öfter zu machen, denn die ausgetretenen, steilen Stufen be- reiten der alten Damen keinerlei Probleme. “Das ist Ghizzano”, sagt sie freundlich lächelnd und zeigt auf die Landschaft drumherum. Ghizzano ist insgesamt 350 Hektar groß, davon werden aber nur 20 Hektar für den Weinbau verwendet und weitere 20 für die Produktion von Olivenöl. Es gibt viel Wald, ungemähte Grünstreifen, Sträucher und Blumenwiesen und einige verstreute Gehöfte. “Wir haben viele Flächen als ökologische Regenerationsflächen ausgewiesen”, wird uns Ginevra später erklären.
damals schon einiger Mut dazu, gegen den Strom anzuschwimmen, zum Glück gibt es in Ghizzano nur wenige Nachbarn und von denen baut keiner Wein an. Nur drei Jahre später wagte Ginevra dann den Schritt zur biodynamischen Anbauweise und seit 2008 ist sie auch offiziell zertifiziert. “Schwierig?” Michele zuckt die Achseln und lächelt, “Nein, eigentlich nicht. Wir waren alle davon überzeugt, also haben wir es durchgezogen.” Michele erzählt wie sich die Weine mit der Zeit verändert haben. Anfangs seien sie noch konzentrierter und holzbeladener gewesen, er nennt das American Style.
» WIR HABEN VIELE FLÄCHEN ALS ÖKOLOGISCHE REGENERATIONS- FLÄCHEN AUSGEWIESEN, DAS IST EIN WICHTIGER RÜCK- ZUGSRAUM FÜR FASANE, REBHÜHNER UND ANDERE WILD- VÖGEL. « G in ev r a V en er o si P esc io l in i
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1. | BLICK ÜBER DIE COLLE PISANI 2. | BIODYN-“SPRITZUNG ” AUF GHIZZANO 3. | VILLA GHIZZANO
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deutlich stärker unseren Charakter und die wachsen hier prima.” Später in den Weinbergen wird uns Michele zeigen, wieviel Spaß BioDyn-Weinbau machen kann. Auf einem Gaskocher steht ein alter verbeulter Topf in dem ein Präparat vorsichtig erwärmt wird. Auf seinem Quad hat Michele eine große Milchkanne und ein paar Sprühdüsen installiert, damit fährt er dann mit einem abenteuerli- chen Tempo durch die Rebzeilen und in jeder Kurve stellt er das Gefährt lachend auf zwei Räder. “War der früher mal Rennfahrer”, frage ich. “Nein”, meint Ginevra, “aber…, wie sagt man… Baywatch…” In einem anderen Weinberg steht Vincenzo und schneidet die überzähligen Triebe mit einer alten Handsense ab, die er immer wieder lässig in den Gürtel hängt. Er nickt freundlich, aber da die Reben wegen des vielen Regens im Mai wie wild austreiben, lässt er sich nicht in seiner Arbeit beirren. Vincenzo ist vielleicht Ende 70, vielleicht auch älter. “Auch schon länger dabei…” frage ich. “Seine Familie arbeitet seit dem 16. Jahrhundert auf Ghizzano”, meint Ginevra und Luciana ergänzt, “wir sind eben ein gutes Team.” Ich bin etwas verwundert, dass auch die jüngeren Arbeiter im Weinberg die gleiche Sense verwenden wie Luciano, aber das scheint gut und schnell zu gehen. “Willst du auch mal probieren?” Das Ding sieht scharf aus, mit Küchenmessern kenne ich mich ja aus, aber mit Sensen? Ich lasse also lieber die Finger davon. Wir besuchen noch einen Nachbarn von Ginevra. Theo sammelt Trüffel und da er sie ausschließlich auf dem Land von Ghizzano sammelt und dort alles Bio zertifiziert ist, sind das auch zertifizierte Bio-Trüffel, die Ersten Italiens. Er verkauft sie frisch und verarbeitet sie auch weiter zu Trüffelöl oder Crème. “Ginevra hat mich auf die Idee gebracht”, erzählt Theo “und mir dann auch bei der Zertifizierung geholfen.” In der kleinen Dorfbar, in der wir auf einen Espresso einkehren, werden wir lächelnd begrüßt, als gehörten wir längst zum
ESSENS BEGLEITER
NOREEN RUDOLPH
Klar, nach dem großartigen Erfolg des Brunello wollte jeder solche Weine machen. Aber das ist nicht wirklich Ghizzano, und so hat man nach und nach einen eigenen Stil entwickelt. Finessenreicher, mit einer gewissen italienischen Leichtigkeit, aber auch Schmelz und der typischen Säure der Sangiovese. Vor allem die Jahrgänge 2015 und 2016 zeigen, wie großartig diese Weine sein können und der schwierige 14er beweist, dass Bio-Anbau in manchen Jahren, mit denen der ein oder andere konventionelle Winzer seine Probleme hat, erstaunliche Weine ergeben kann. “Wer bestimmt den Stil von Ghizzano?”, fragen wir. “Alle Winzer sagen eigentlich immer der Boden”, meint Michele lächelnd, “aber das stimmt natürlich nur zum Teil. Das Team muss natürlich eine Idee haben und wenn die mit dem, was der Boden und Landschaft hergeben, übereinstimmt, dann kann ein großer Wein entstehen.” “Schaut mal, wir sind fast alle seit 1999 dabei”, ergänzt Luciana, “es hat bei uns kaum Wechsel gegeben und alle sind wir aus dem Ort und seiner direkten Umgebung. Das ist doch auch so eine Art Terroir…” Wir probieren den 15er Nambrot, der uns etwas wilder und ungestümer vorkommt als ältere Jahrgänge. “Ja, das war früher fast reinsortig Merlot, mittlerweile haben wir da mehr Petit Verdot und Cabernet Franc drin, jeweils so 20 %, die geben dem Wein
» ICH DENKE, AUTHENTISCHER KANN SICH EIN ROTER AUS DER TOSKANA NICHT ZEIGEN. DAS IST UR- WÜCHSIG UND DABEI SOOO FEIN... «
Team. Den Espresso zahlen? Kommt gar nicht in Frage, wir sind doch Gäste von Ghizzano. Das ist der Geist von Ghizzano, der versucht, dieses einzigartige Fleck- chen Erde zu erhalten. Wir fahren zusammen über einen löchrigen Schotterweg hoch nach Castelfalfi, jener seltsamen Mischung aus Toskana-Feeling und Disneyland. Vom alten Burgberg aus hat man einen wunderbaren Blick auf Ghizzano und die sanften Hügel der Colline Pisano. Die Sonne geht unter, vom Gewitterregen dampfen die Wiesen und die Zypressen stehen wie alte Säulen in die Landschaft getupft. Das ist so unglaublich toskanisch, dass es irgendwie befremdlich wirkt. “Das ist doch sicher nicht echt…” sage ich zu Luciana. “Nein, natürlich nicht. Das ist eine Fototapete, die nehmen wir wieder ab, wenn die Touristen weg sind.” —
» ALLE SIND WIR AUS DEM ORT UND SEINER DIREKTEN UMGEBUNG. DAS IST DOCH AUCH SO EINE ART TERROIR … « L u c ia n a L isi
2017 IL GHIZZANO BIANCO Tenuta di Ghizzano, Toscana
2016 IL GHIZZANO ROSSO Tenuta di Ghizzano, Toscana
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Die ersten Weine, die im Mittelalter mit einzelnen Regionen der Tos- kana, beispielsweise dem Chianti, in Verbindung gebracht wurden wa- ren offensichtlich weiß. Sie müssen also höchstes Ansehen genossen haben. Vielleicht ist es deshalb gar nicht so abwegig in der Toskana Weißweinreben anzubauen. Das hat sich sicher auch Ginevra gedacht und in den letzten zehn Jahren einige geeignete Weinberge mit den typischen weißen Rebsorten der Region bestockt: Trebbiano, Vermen- tino und Malvasia Bianca. Herausgekommen ist ein großartiger Be- gleiter zu italienischen Antipasti. Er ist frisch, aber mit einer verhalte- nen Säure, die angenehme Fülle und das perfekte Steinobst treffen auf eine markante Kräuterwürze. Ein echtes Fest für die Sinne! Wenn man bedenkt, wie aufwendig gearbeitet wird (biodynamischer Anbau, man belässt den Saft bis zu zwölf Stunden auf den Beerenhäu- ten, arbeitet nur mit Spontanvergärung) und wie komplex der Wein ist der dabei entsteht, ist der Bianco von Ghizzano ein echtes Schnäppchen. 8 – 10 °C 31310-17 0,75 l jetzt bis 2021 1l = 15,87 € statt 13,50 € 11,90 €
“Was ist dein Lieblingswein?” fragte Michele nachdem wir uns durch die Weine von Il Ghizzano verkostet hatten. “16er Il Ghizzano Rosso”, konnte ich ohne langes Nachdenken antworten. Lächeln, aber auch et- was Verwunderung. “Ist doch ganz einfach”, meinte ich, “Sangiovese und etwas Merlot machen ja viele mittlerweile, aber es so hinzubekom- men, dass der Merlot die Sangiovese überhaupt nicht maskiert, ihr nicht dieses herrlich widerspenstige Toskanische nimmt ist toll. Dann hat er etwas frisches ohne die kratzige Säure, die die Sangiovese ja mal gerne hat. Erinnert an Burgund, nur mit diesem großartigen italieni- schen Hedonismus. Den kann man eigentlich zu allem trinken, was die toskanische Küche hergibt und bei jedem Schluck ruft er einem zu: Hey, das Leben ist schön. Trink mich, sei glücklich.” Für das Geld eine kleine Sensation. Dunkle Waldbeeren und Schwarzkirschen treffen auf zarte Würzigkeit, ein Fest für die Sinne, frische, aber sehr elegante Säure, feine Tannine, sehr lebendig, wird gut reifen, notierten unsere Sommeliers – so kann man es auch sagen. 14 – 16 °C 30283-16 0,75 l jetzt bis 2022 1l = 15,87 € statt 13,50 € 11,90 €
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1. | VINCENZO 2. | GARTEN VON GHIZZANO
Rotwein
Weißwein
Biowein
Limitiert
Stark limitiert
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E s wurde auch direkt festgelegt, wie die Cuvée des Chianti auszusehen habe und zwar aufgrund eines Briefs von Bettino Ricasoli, der Ikone der Region. Leider ein folgenreiches Missverständnis (siehe Castello di Brolio auf S. 18), denn die Winzer wurden dazu verdammt, ihren Sangiovese unter anderem mit Malvasia, einer Weißweinsorte, zu cuvetieren. Für einfache Trinkweine in Ordnung, für große Weine extrem hinderlich. Nicht einmal einen reinsortigen Sangiovese durfte man Chianti nennen. So entstanden Anfang der 80er die ganzen Supertuscans. Wenn das Gesetz nicht erlaubte Top-Chianti zu machen, dann nannte man die Weine eben phantasievoll Concerto, Solaia oder anders und verkaufte sie als Landwein. Viele dieser Weine waren ein so großer Erfolg, dass man das Gesetz dann doch irgendwann änderte. Chianti Classico muss heutzutage zu mindestens 80 % aus Sangiovese bestehen, kann aber auch reinsortig sein. Weitere zugelassene Rebsorten sind Canaiolo, Colorino und einige andere regionale Sorten und die internationalen Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Qualitätspyramide hat man dreistufig aufgebaut: Annata, Riserva, Gran Selezione. Die Anforderungen dafür beziehen sich hauptsächlich auf die Fassreife der Weine. Natürlich wird ein guter Winzer nur seine besten Weine lange im Fass lagern und als Gran Selezione vermarkten, aber leider kann der Wein im Prinzip überall aus dem großen Gebiet stammen, das bevorzugt also eher die industrielle Weinproduktion. Langsam regen sich erste Ideen, Unterregionen festzulegen, wie zum Beispiel Monti, der historische Kern des Classico, wo Badia a Coltibuono und Brolio ihren Sitz haben. Erste Weingüter bauen einzelne Crus aus, aber da ist man von einer Regelung noch weit entfernt. Es tut sich aber was im Chianti und die gute Nachricht ist, dass die meisten Winzer ihre Zukunft in der Sangiovese sehen und nach der Internationalisierungswelle der 80er und 90er Jahre wieder auf authentisch toskanische Weine setzen.
SIENA CHIANTI Die Lega del Chianti war erst einmal nichts anderes, als ein Verteidigungsbündnis, das den Einfluss von Florenz in der südlichen Toskana sichern sollte. Die Städte Baliaccia, Monte Luco, Castellina, Radda und Gaiole sammelten sich unter einem Wappen, das einen schwarzen Hahn trug, der wohl Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit zugleich darstellen sollte. Mit der Zeit wurde das Wehrbündnis überflüssig, der Name blieb der Region aber erhalten und wurde immer stärker auch mit dem Wein identifiziert. Cosimo Medici, der ansonsten ziemlich unfähige, vorletzte Großherzog der Toskana, erließ 1716 einen Erlass, in dem er so etwas wie eine geschützte Herkunftsbezeichnung für den Chianti-Wein einführte. Vielleicht das Einzige, dem aus seiner Regierungszeit dauerhafter Erfolg beschieden war. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Ruf des Chianti so gut, dass man sich dazu entschloss, möglichst viele Toskaner daran teilhaben zu lassen. 1932 wurde die Region mal eben verachtfacht. Das eigentliche Chianti wurde in Chianti Classico umbenannt und fast verdoppelt, dann kamen noch die Unterregionen Montalbano, Rufina, Colli Fiorentini, Colli Senesi, Colli Aretini, Colline Pisane und 1987 Montespertoli, so wie einfach generischer Chianti hinzu. Zusammen gut 21.000 Hektar. Fatal war aber vor allem die Einschätzung der damaligen Kommission, dass alle Weinberge im Chianti gleichgestellt sein sollten. Man wollte möglichst viele Landwirte von dem prestigeträchtigen Namen profitieren lassen. Eine Idee, die auch noch heute dazu führt, dass man unter dem Namen Chianti armselige Weinchen genauso wie großartige Weine finden kann. – REGION –
FLORENZ
GEBIET HÜGELLAND ZWISCHEN FLORENZ UND SIENA
72.000 Hektar groß, davon stehen auf 7.000 Hektar Reben, der Weinbau erfolgt zwischen 200 und 600 Metern n.N. 580 Erzeuger sind im Consorzio, davon füllen ca. 380 unter eigenem Namen ab.
KLIMA MEDITERRAN — GEMÄSSIGT WARM VOR ALLEM IM BEREICH MONTI HÖHERE NIEDERSCHLÄGE
BÖDEN GALESTRO (tonhaltiger Schiefer) — KALKBÖDEN MIT LEHMEINLAGERUNG Aber auch Schwemmland und sandige Böden in den Tälern, die Verteilung ist uneinheitlich, aber der Galestro ist mehr im Nordwesten vertreten, während es in den Höhenlagen von Monti in kargen Sandstein übergeht.
REBEN CHIANTI CLASSICO
Muss zu mindestens 80 % aus Sangiovese gekeltert werden. Als Cuvéepartner sind autochthone Reben wie Colorino oder Malvasia Nera aber auch Merlot und Cabernet zugelassen, es gibt aber auch immer mehr reinsortige Weine, der Ertrag ist auf 56 Hektoliter pro Hektar beschränkt.
REIFE MINDESTENS EIN JAHR Für die Riserva zwei, Gran Selezione zweieinhalb.
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QUALITÄT SEHR HETEROGEN
Wegen der Größe des Gebietes gibt es Massenerzeuger und Qualitätswinzer neben- einander, in den Hügelbereichen gibt es mehr Qualitätsweinbau, da sich Massen- produktion nicht lohnt. Insgesamt ist man um eine Steigerung der Durchschnitts- qualität bemüht, im Top-Segment gibt es längst Weine von Weltgeltung.
WEINBREVIER — WWW.KOELNER-WEINKELLER.DE — BESTELLHOTLINE (0221) 139728-28 — ANGEBOTE GÜLTIG BIS 14.10.2018
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1051 waren es Vallombrosa-Mönche des Benediktiner Ordens, die weitab Städten im Tal, eine Dependance ihrer Hauptabtei nahe Florenz gründeten. Coltibuono wuchs über die Jahrhunderte und neben der kleinen Kapelle entstand ein Wehrturm, die Kapelle wurde zu einer trutzigen gedrungenen Kirche, die von innen erstaunlich groß wirkt, die Front des Klosters hatte irgendwann die eindrucksvolle Länge von 80 Metern und natürlich kam ein ansehnlicher Klostergarten hinzu. Hier pflegten die Mönche bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, abgeschieden von der Welt die benediktinische Regel “Ora et labora” – Bete und Arbeite. “Aaach, so abgeschieden waren die gar nicht damals,” meint Emanuela, “über die Hügel gingen wichtige Verkehrswege von Florenz nach Rom. Unten in den Tälern war ja alles versumpft. Und von den Dörfern und
EINE GANZ NORMALE GESCHICHTE BADIA A COLTIBUONO Die Berge oberhalb von Gaiole in Chianti sind dicht bewaldet, eine Art Urwald aus Stein-Eichen. Angeblich soll es sogar Wölfe geben. Aber vielleicht erzählt man das auch nur, damit die paar Wandertouristen, die sich her verirren, sich als Abenteurer fühlen können. Denn die Berge sind zwar steil, aber nicht schroff oder abweisend. Irgendwo, nach unzähligen Kurven auf einer engen Landstraße, liegt auf einer Lichtung die Badia a Coltibuono, die Abtei der guten Ernte. Hier sind wir mit Emanuela Stucchi verabredet, die zusammen mit ihrem Bruder Roberto das gleichnamige Weingut leitet und deren Familie die alte Abtei gehört.
Wir gehen in die alte Kirche. Trutzige romanische Bögen, einige spätere Ergänzungen, ein schlichter Bau. Benediktiner. Emanuela öffnet eine Tür unter dem Altar. “Ich stelle euch mal Benedikt vor. Er war einer der ersten Bewohner der Abtei.” In einem gläsernen Sarg liegt eine Figur in ein schwarzes Gewand gehüllt und mit einer dunklen Gesichtsmaske. “Voilá, Benedikt Ricasoli.” “Ricasoli? Da sind wir doch morgen, bei Francesco auf Castello di Brolio…”
ora et labora… Na ja.” Bauen konnten sie jedenfalls und wenn ich die alten Balken, schiefen Mauern, hohen Decken und den riesigen Park sehe, denke ich an die Nebenkostenabrechnung meiner Wohnung in Köln und weiß, dass ich mit Emanuela nicht tauschen möchte. “Als Kinder haben wir hier immer den Sommer verbracht, bei der Oma”, erzählt Emanuela, “die hat 30 Jahre lang alleine den ganzen Laden geschmissen, eine ziemlich starke Frau.” 1810 war nämlich Schluss mit den Mönchen. Napoleon hob die Mönchsorden auf und vertrieb die Mönche aus dem Kloster. “Montags kam der französische Verwalter”, meint Emanuela und sagte, “am Samstag seid ihr hier raus. Und die dachten sie seien eigentlich bis zum jüngsten Gericht eingebucht.” Der Staat, dem die Abtei jetzt gehörte, verkaufte sie, aber die ersten Besitzer hatten wenig Glück, so kam sie, samt der dazugehörigen landwirtschaftlichen Fläche, in die Familie Giuntini. Maria Luisa, die nach dem Tod ihres Mannes 1930 Coltibuono leitete, formte aus dem Landsitz mit allerlei landwirtschaftlicher Produktion einen modernen Landwirtschaftsbetrieb mit
Die Legende sagt, dass die Familie von Benedikt, die übrigens eng mit den Medici verwandt gewesen sein soll, das Kloster Badia a Colitibuono stiftete. Bendedikt habe sich dann den Ambrosianern angeschlossen und sei als Einsiedler auf einen nahen Berg gegan- gen, wo er seine Tage mit Fasten und Beten verbrachte. Am 20. Januar 1167 durfte Benedikt dann endlich zu seinem Schöpfer, und nur 263 Jahre später fand man zufällig in seiner Klause seinen völlig unverwesten Körper, aus dessen Mund ein Allium wuchs. Man brachte ihn in die nahe Kirche und unter der Protektion Lorenzo di Medici´s wurde Coltibuono nun ein beliebter Pilgerort. In der Renaissance hatte man ja auch viel Abbitte nötig. Bei Benedikt und der Ricasoli-Medici Familie schließt sich dann der Kreis zu heute, denn Emanuelas Mutter ist Lorenza di Medici. Und so sind aus den Gründern und Beschützern des Klosters selbst nach der Säkularisierung die Bewahrer geworden. Emanuela lacht, “na kann man so sehen…” Dabei hat ihre Mutter sich auf ganz andere Art und
» DAMALS WAR ABER AUCH NOCH ALLES NACH DEM MEZZADRIA-SYSTEM ORGANISIERT. DIE BAUERN PACHTETEN DAS LAND VOM EIGENTÜMER UND ALS PACHTZINS GABEN SIE IHM DIE HÄLFTE VOM ERTRAG. « E ma n u el a S t u c c h i
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einem Schwerpunkt im Weinbau. “Damals war aber auch noch alles nach dem Mezzadria-System organisiert. Die Bauern pachteten das Land vom Eigentümer und als Pachtzins gaben sie ihm die Hälfte vom Ertrag. Das war bis lange nach dem Krieg noch üblich, sogar bis in die 70er Jahre, wenn auch da die Krise schon gewaltig war,” erzählt Emanuela. “Mein Vater Piero fing dann an, die Weine nicht nur Fassweise sondern auch unter dem Label Badia a Coltibuono auf Flaschen gefüllt zu verkaufen. Das machten damals in der Region nur eine handvolle Betriebe und ihm half natürlich auch der bekannte Name der Abtei.”
Weise um das kulturelle Erbe der Toskana verdient gemacht. “Sie hat als eine der ersten angefangen, die Rezepte der toskanischen Küche zu sammeln und aufzuschreiben. So ist ein gutes Dutzend Kochbü- cher entstanden und bei uns die Tradition, auch das kulinarische Wissen der Region weiterzugeben. In Italien gehören Küche und Wein untrennbar zusammen.” Daher gibt es in Coltibuono nicht nur ein Restaurant, sondern auch in der alten Schlossküche eine Kochschule, in der man lernen kann wie man Pasta, Ribollita und andere toskanische Gerichte zubereitet. “Bevor wir uns das Weingut ansehen zeige ich euch noch was.” Wir steigen in Emanuelas Fiat Panda, “ich lebe in Florenz, da ist das das praktischste Auto…”, wobei sie, als ich auf den elektrischen Fensterheber drücke, direkt lachend meint, “zugegeben, das ist nicht der wahre Panda, sondern die Luxusversion…” Wir fahren einige Kurven, stellen den Wagen am Straßenrand ab und laufen ein paar Minuten einen steilen Berg hoch. Auf einem bewaldeten Gipfel gibt es einige Mauerreste und Erdlöcher. “Hier haben wir einen Brunnen ausgegraben”, erzählt Emanuela und begrüßt den Archäologen, der gerade Mittag macht, “dreißig Meter tief.” “Das datiert auf 400 bis
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1. | EMANUELA STUCCHI 2. | BADIA A COLTIBUONO 3. | DER WEINKELLER DER BADIA A COLTIBUONO
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800 vor Christi zurück”, ergänzt der Wissenschaft - ler, “eine etruskische Siedlung mit Wehranlage, strategisch sehr günstig gelegen an der höchsten Stelle der Region…” Der Hügel ist sehr lange bewohnt gewesen. Erst im Mittelalter scheint man ihn zugunsten des nahen Klosters aufgegeben zu haben. “Im Brunnen haben wir ein große Menge Traubenkerne aus etruskischer Zeit gefunden”, erzählt Emanuela, “man hat damals wohl Trauben geopfert damit er nicht versiegt. Die Kerne sind jetzt zur Untersuchung im Labor, wir wollen wissen was für Reben das waren und ob sie mit heutigem Rebmaterial verwandt sind.” “Das war sozusagen der Ur-Chianti”, scherze ich. “Nicht so ganz falsch, denn in einer alten Urkunde die wir auf Coltibuono entdeckt haben wird der Masselone, der unten durch Gaiole fließt, mit einem Wort bezeichnet, das ähnlich klingt wie Chianti. Man vermutet, dass das auf etruskische Wurzeln zurückgeht und auch der Name für die Region um Gaiole war. Aber ich befürchte, die Etrusker haben hier weiße Trauben angebaut.” Sie lächelt, zuckt mit den Schultern und wir steigen den Berg wieder herunter. Die Weinkellerei liegt weiter im Süden, hinter Monti, dem kleinen Ort der dieser Region des Chianti Classico den Namen gegeben hat. “Wir sind froh, dass wir hier vor 20 Jahren die Kellerei bauen und dem Wein so ein neues Zuhause geben konnten,” erzählt Emanuela. “Früher, zur Zeiten der Mezzadria wurden ja die Weine auf den verschiedenen Höfen bereitet und dann der Anteil für den Verpächter oben auf die Badia geschafft und da gelagert.” Der Bau erinnert ein wenig an eine mittel - alterliche Trutzburg, aber ist natürlich eine moderne Kellerei. “Ja, da oben kommen die Trauben rein und da unten gehen die Flaschen raus”, sagt sie freundlich und zeigt unbestimmt mit den Händen auf die modernen, puristischen Anlagen, “und den Rest dazwischen kennt ihr ja…” Sehr gut, auf unseren Reisen hören wir manchmal zwanzig Mal pro Woche, wie der Weinbereitungsprozess funktioniert und irgendwie ist es immer wieder erstaunlich. So viele Unterschiede gibt es da gar nicht. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass der Weinberg einen enormen Einfluss hat. Daher fahren wir auch direkt weiter in die Weinberge. Das Gelände südlich der Kellerei, wo die Weinreben stehen, ist sanft gewellt und der Boden besteht aus Tonlehm und Kalkstein. “Seit 1985 wurden hier keine Herbizide und Insektizide mehr verwendet, 1988 haben wir dann begonnen, fast alle Weinberge zu erneuern. Von Massenklonen auf Qualitätsträger. Abgeschlossen ist das immer noch nicht.” Wir gehen auf einen Weinberg zu, der gerade neu gepflanzt worden ist. Ein kleiner Hügel mit wunderbarer Sicht auf die Umgebung. “Ja”, sagte Emanuela, “Schlimm, die besten Weinberge haben auch immer die schönste Aussicht…” Seit 2000 sind alle Weinberge von Badia a Coltibuono auch biologisch zertifiziert. “Mein Bruder hat in Davis in Kalifornien studiert, das war die Wiege der Bio-Bewegung in den USA. Als er wieder zurückgekom- men ist, war sofort klar, das machen wir auch. Es sind ja viele kleine Schritte, die unsere einmalige Natur erhalten.” Großes Aufhebens davon hat man eigentlich nie gemacht, irgendwann war einfach das Biosiegel auf der Flasche. Fertig.
MARCO LINDAUER
BEWERTUNG
1. | BADIA A COLTIBUONO
» ICH MAG VIELE WEINE, ABER VOR ALLEM DIE, DIE SICH SELBST UND DEM STIL EINER REGION UND DEREN REB- SORTEN TREU BLEIBT, EGAL WAS DIE MODE GERADE RÄT. DIESE RISERVA IST SO EIN WEIN. «
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» DIE BESTEN WEINBERGE HABEN AUCH IMMER DIE SCHÖNSTE AUSSICHT… « E ma n u el a S t u c c h i
“Hier steht hauptsächliche Sangiovese, aber auch etwas Canaiolo, Colorino, Ciliegiolo, Mammolo, Fogliatonda, Pugnitello, Malvasia Nera, Sanforte. Alles alte toskani- sche Reben.” “Merlot, Cabernet, Syrah”, fragen wir. “Nooo”, ist die Antwort. Man hat sich auf die einheimi-
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schen Rebsorten spezialisiert und experimentiert da höchstens mit einigen älteren und in Vergessenheit geratenen Sorten. Vielleicht ist diese Authentizität auch das, was die Weine aus Coltibuono immer so ein wenig gewöhnungsbedürftig macht. “Alle Winzer sagen ihre Weine brauchen Zeit”, meint Emanuela Stucchi, “aber je mehr man auf die Sangiovese setzt desto eher stimmt das. Sie ist nun mal etwas spröde am Anfang, aber irgendwie dann doch unvergleichlich. Außerdem brauchen unsere Weine unbedingt was zu essen dazu. Pasta, Prosciutto, Formaggi…” und schon holt Emanuela einen Picknickkorb aus dem Panda. Wir setzen uns unter einen Baum an den Rand des Weinbergs und machen ein spätes Frühstück mit Salami, Lardo & Co. Natürlich von Schweinen, die oben im Wald in einem großen Freigehege nach Eicheln suchen dürfen. “Cinta Senese, eine alte Rasse die langsam wächst und die man nur im Freiland halten kann. Zum Glück gibt es immer mehr Leute, die sie wieder halten. War vom Aussterben bedroht.” Emanuela erzählt uns, dass sie schon für Robert Wilson auf der Opernbühne gestanden und für Fellini Theater gespielt hat: “Der hat mir eine blonde Perücke aufgesetzt. Eine seiner großartig schrägen Ideen.” Aber irgendwie geht es immer wieder zurück in die Toskana und zum Chianti. “Das ist unser Erbe”, sagt sie beiläufig und es ist schön zu wissen, dass etwas, das für uns das Besondere darstellt, etwas ganz Normales sein kann. Zum Picknick aber gibt es statt Sangiovese Wasser, da wir nachher noch einige Kilometer über die kurvigen Straßen des Chianti fahren müssen. Emanuela fragt nicht einmal nach, ob wir Wein wollen, “da habt ihr ja zu Hause genug von,” sagt sie fröhlich lächelnd. Irgendwie versteht sich hier alles von selbst. —
2015 CHIANTI CLASSICO Badia a Coltibuono, Toscana
2013 CHIANTI CLASSICO RISERVA Badia a Coltibuono, Toscana
“Mit Sangiovese gibt es keine einfachen Jahre”, sagt Emanuela Stucchi lachend, “die Rebsorte ist halt ein wenig wie wir…” Aber einfach kann ja auch jeder. 2015 war es die Kunst, eine gute Balance zwischen Fri- sche und Konzentration herzustellen. Bei den immer etwas schlanke- ren und frischeren Weinen von Coltibuono hat das ziemlich perfekt geklappt. Feines Bouquet von Schwarzkirschen, Orangenschalen und süßen Ge- würzen. Auch am Gaumen elegant und feingliedrig. Die dezent herbe Frucht ist klar und reif, wird von einer fantastischen Frische begleitet, die richtig Spaß macht und wundervoll animiert. Herrlich! Im langen Nachhall dann weich und mild. So geht authentischer Chianti Classico.
“2013 war eines dieser Jahre wo man bis Anfang September gar nicht richtig wusste, was dabei rauskommt,” erzählt Emanuela, “aber dann kam nach der großen Hitze im Sommer ganz schnell ein eher kühler Herbst und wir konnten den Erntezeitpunkt noch etwas rauszögern. Das war gut für die Balance der Weine.” So ist ein echter Klassiker ent - standen. Sangiovese und ein wenig der anderen drei lokalen Rebsorten Canaiolo, Ciliegiolo und Colorino ergeben einen absolut toskanischen Wein. Komplexes Bouquet mit eindringlicher Würze im Zusammenspiel von Sauerkirschen, getrockneten Feigen, Herbsttrompeten, schwarzem Tee und südlichen Kräutern. Im Geschmack dann überraschend frisch, gaumenfüllend saftig und ungemein lebendig. Die fein geschliffenen Tannine kehren als Bitterschokoladenaroma am Gaumen wieder. Bleibt lang und mit minziger Frische nach. Eine wirklich gelungene Riserva mit Charakter, Kraft und Finesse. 16 – 18 °C 30248-13 0,75 l jetzt bis 2026 1l = 29,20 € statt 23,50 € 21,90 €
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Ä hnlich wie Deutschland war das frühe Italien in viele kleine, mehr oder minder selbstständige Territorien aufgeteilt, und ähnlich wie in Deutschland dauerte es lang, bis diese zusammenwuchsen. In Italien fand das 1861 statt, zehn Jahre früher als in Deutschland. Natürlich gab es zwischen den Stadtstaaten und Fürstentümern vielerlei Konfliktpotential und das nicht erst in der dafür berühmt gewordenen Renaissance. Die Rivalität von Siena und Florenz ist schon wesentlich älter, während Siena seinen Einfluss immer wieder nach Norden auszudehnen versuchte, wollte Florenz nach Süden hin wachsen. So stießen die Einflusssphären unweigerlich aufeinander. Besonders umstritten war dabei das Gebiet von Castellina, Radda und Gaiole. Aber 1208 war der Streit entschieden. Bei einem Treffen auf Fonterutoli verzichtete das geschwächte Siena auf die Gebiete und so konnte Florenz seine Machtsphäre auch auf das Chianti ausdehnen. Zur Absicherung der Gebiete errichtete oder verstärkte man einige Fortifikationen. Das Castello di Brolio ist die vielleicht bekannteste, aber auch Fonterutoli – noch näher an Siena und noch eindrucksvoller direkt über dem Tal gelegen – gehörte zu diesen Wehranlagen. Für die Sienesen, die den Ort von der Stadtmauer aus sogar sehen können, muss das mehr als 300 Jahre lang eine Provokation gewesen sein. Als die Familie Mazzei 1435 durch eine Heirat nach Fonterutoli kam, war sie schon länger dem Chianti-Wein verbunden. Tatsächlich stellte das älteste Dokument, in dem die Ortsbezeichnung Chianti mit einem Wein in Verbindung gebracht wird, vierzig Jahre
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direkt oberhalb von Fonterutoli. “Wir sind 500 Meter hoch, höher geht es kaum im Chianti”, erzählt er, “ihr seht den einmaligen Rundum - blick. Wir haben immer Wind und viel Sonne.” Die 21 Hektar der Familie Mazzei verteilen sich auf 73 einzelne Weinberge, die man noch einmal unterteilt hat, so dass sich 120 Parzellen ergeben. Eine Kleinteiligkeit, die erstaunlich ist und woanders schon die Flurbereini- gung auf den Plan gerufen hätte. “Hier oben steht noch viel Merlot”, erzählt Filippo, “als mein Vater den gepflanzt hat, wussten wir noch nicht so viel über die Sangiovese. Eigentlich hatte man der Rebe damals nicht wirklich große Weine zugetraut – so entstanden die Supertuscans. Als
AUF DEM GIPFEL DES CHIANTI CASTELLO DI FONTERUTOLI Ein Castello, so will uns der Übersetzer weismachen, ist eine Art von Burg, vielleicht noch ein Schloss, aber wenn man nach Fonterutoli kommt, stellt sich das Ganze etwas anders dar. Fonterutoli ist eher ein kleiner Ort mit ein paar trutzigen Steinbauten, mal größer mal kleiner. Was man sonst toskanische Villa nennt, ist hier auf seine ursprünglichste Form zurückgeworfen, quadratisch, drei bis vier Etagen, keine Schnörkel und gewissermaßen in seiner Funktionalität erhaben. Nirgends eine Wehrmauer, ein Turm oder ein alter Wassergraben. Dabei ist die Geschichte des Castello di Fonterutoli durchaus eine kriegerische und geht zurück in die Urzeiten der italienischen Staatenbildung.
Mitte der 70er Piero Antinori mal bei uns zu Besuch war, erzählte er vom großen Erfolg seines Tignanello.
So etwas hatte damals in der
zuvor ein gewisser Ser Lapo Mazzei aus. Ungefähr 80 Menschen wohnen jetzt noch hoch oben im kleinen Weiler Fonterutoli und blicken hinab in die Ebene auf Siena. Vor ein paar Jahren hat die Familie Mazzei einen spektakulären Weinkeller in eine Mulde unterhalb des alten Dorfes gesetzt, oberhalb, direkt an den Weinberg angrenzend, gibt es eine Osteria mit großartiger toskanischer Küche, eine kleine Weinbar direkt an der Dorfstraße, einen Tasting Room und die Möglichkeit, verschiedene Weintouren, auch mit kulinarischer Begleitung zu buchen und natürlich ein Bed and Breakfast, denn nach all dem Wein sollte man sein Auto am besten stehen lassen. Insgesamt hat sich der Ort dadurch zu einem kleinen Touristenmagnet entwickelt. Auf dem Parkplatz stehen ein Ferrari aus Florenz, ein BMW aus den Niederlanden, ein Corsa
» ANFANG DER 90ER WAREN WIR DER MEINUNG, DASS WIR DEN CHIANTI MEHR IN DEN FOKUS RÜCKEN MÜSSEN. « F il ip p o M a z z ei
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Toskana niemand für möglich gehalten und natürlich begann mein Vater auch, Cabernet und Merlot zu pflanzen. 1981 war es dann soweit, da durfte man die Rebsorten im Chianti noch nicht verwen- den, also haben auch wir einen Vino da Tavola gemacht, den Concerto, und der schlug ein wie eine Bombe.” “Warum habt ihr den denn dann wieder drangegeben”, fragen wir. “Anfang der 90er waren wir der
aus Deutschland und ein VW Camper aus der Schweiz. Es ist gut besucht und trotzdem hat Fonterutoli seinen Charme nicht verloren. Das liegt auch am Team, dem es sichtlich Spaß macht, toskanische Lebensart zu verkaufen. Filippo und Francesco Mazzei leiten das Weingut – oder sollte man besser sagen das Genussunternehmen – jetzt schon in der 24. Generation. Die neuen Impulse, die sie einge- bracht haben, sind vielfältig. Filippo geht mit uns durch die Weinberge
Meinung, dass wir den Chianti mehr in den Fokus rücken müssen”, meint Francesco, “der Erfolg des Concerto war großartig, aber unser eigentlicher Top-Wein sollte ja ein Chianti Classico sein.” Aber es gibt doch den Siepi? “Ja der Siepi,” lacht Filippo, “von dem konnten wir uns nicht trennen. Der war ja immer aus einer Parzelle, also ein Einzella- genwein…” Eine gewisse Inkonsequenz gehört zum Winzerhandwerk, besonders zum italienischen, dazu. “Den Concerto haben wir jetzt wieder auferstehen lassen, weil wir es uns irgendwie wieder leisten können. Den Chianti haben die Leute ja jetzt gelernt und anerkannt. Da konnten wir neben der Merlot & Sangiovese Cuvée auch wieder eine Sangiovese & Cabernet Cuvée machen. Aber,” ergänzt Filippo, “es gibt immer noch viel zu viele billige und leider auch schlechte Chianti. Wir müssen, wenn wir dauerhaft Erfolg haben wollen, weiter die Identität des Chianti schärfen, das ist unser Fokus. Das Problem der Sangiovese ist, dass sie eine lange Reifeperiode benötigt. Wenn ich die unten im
1. | FILIPPO MAZZEI
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