Toskana-Renaissance | 2018

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1051 waren es Vallombrosa-Mönche des Benediktiner Ordens, die weitab Städten im Tal, eine Dependance ihrer Hauptabtei nahe Florenz gründeten. Coltibuono wuchs über die Jahrhunderte und neben der kleinen Kapelle entstand ein Wehrturm, die Kapelle wurde zu einer trutzigen gedrungenen Kirche, die von innen erstaunlich groß wirkt, die Front des Klosters hatte irgendwann die eindrucksvolle Länge von 80 Metern und natürlich kam ein ansehnlicher Klostergarten hinzu. Hier pflegten die Mönche bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, abgeschieden von der Welt die benediktinische Regel “Ora et labora” – Bete und Arbeite. “Aaach, so abgeschieden waren die gar nicht damals,” meint Emanuela, “über die Hügel gingen wichtige Verkehrswege von Florenz nach Rom. Unten in den Tälern war ja alles versumpft. Und von den Dörfern und

EINE GANZ NORMALE GESCHICHTE BADIA A COLTIBUONO Die Berge oberhalb von Gaiole in Chianti sind dicht bewaldet, eine Art Urwald aus Stein-Eichen. Angeblich soll es sogar Wölfe geben. Aber vielleicht erzählt man das auch nur, damit die paar Wandertouristen, die sich her verirren, sich als Abenteurer fühlen können. Denn die Berge sind zwar steil, aber nicht schroff oder abweisend. Irgendwo, nach unzähligen Kurven auf einer engen Landstraße, liegt auf einer Lichtung die Badia a Coltibuono, die Abtei der guten Ernte. Hier sind wir mit Emanuela Stucchi verabredet, die zusammen mit ihrem Bruder Roberto das gleichnamige Weingut leitet und deren Familie die alte Abtei gehört.

Wir gehen in die alte Kirche. Trutzige romanische Bögen, einige spätere Ergänzungen, ein schlichter Bau. Benediktiner. Emanuela öffnet eine Tür unter dem Altar. “Ich stelle euch mal Benedikt vor. Er war einer der ersten Bewohner der Abtei.” In einem gläsernen Sarg liegt eine Figur in ein schwarzes Gewand gehüllt und mit einer dunklen Gesichtsmaske. “Voilá, Benedikt Ricasoli.” “Ricasoli? Da sind wir doch morgen, bei Francesco auf Castello di Brolio…”

ora et labora… Na ja.” Bauen konnten sie jedenfalls und wenn ich die alten Balken, schiefen Mauern, hohen Decken und den riesigen Park sehe, denke ich an die Nebenkostenabrechnung meiner Wohnung in Köln und weiß, dass ich mit Emanuela nicht tauschen möchte. “Als Kinder haben wir hier immer den Sommer verbracht, bei der Oma”, erzählt Emanuela, “die hat 30 Jahre lang alleine den ganzen Laden geschmissen, eine ziemlich starke Frau.” 1810 war nämlich Schluss mit den Mönchen. Napoleon hob die Mönchsorden auf und vertrieb die Mönche aus dem Kloster. “Montags kam der französische Verwalter”, meint Emanuela und sagte, “am Samstag seid ihr hier raus. Und die dachten sie seien eigentlich bis zum jüngsten Gericht eingebucht.” Der Staat, dem die Abtei jetzt gehörte, verkaufte sie, aber die ersten Besitzer hatten wenig Glück, so kam sie, samt der dazugehörigen landwirtschaftlichen Fläche, in die Familie Giuntini. Maria Luisa, die nach dem Tod ihres Mannes 1930 Coltibuono leitete, formte aus dem Landsitz mit allerlei landwirtschaftlicher Produktion einen modernen Landwirtschaftsbetrieb mit

Die Legende sagt, dass die Familie von Benedikt, die übrigens eng mit den Medici verwandt gewesen sein soll, das Kloster Badia a Colitibuono stiftete. Bendedikt habe sich dann den Ambrosianern angeschlossen und sei als Einsiedler auf einen nahen Berg gegan- gen, wo er seine Tage mit Fasten und Beten verbrachte. Am 20. Januar 1167 durfte Benedikt dann endlich zu seinem Schöpfer, und nur 263 Jahre später fand man zufällig in seiner Klause seinen völlig unverwesten Körper, aus dessen Mund ein Allium wuchs. Man brachte ihn in die nahe Kirche und unter der Protektion Lorenzo di Medici´s wurde Coltibuono nun ein beliebter Pilgerort. In der Renaissance hatte man ja auch viel Abbitte nötig. Bei Benedikt und der Ricasoli-Medici Familie schließt sich dann der Kreis zu heute, denn Emanuelas Mutter ist Lorenza di Medici. Und so sind aus den Gründern und Beschützern des Klosters selbst nach der Säkularisierung die Bewahrer geworden. Emanuela lacht, “na kann man so sehen…” Dabei hat ihre Mutter sich auf ganz andere Art und

» DAMALS WAR ABER AUCH NOCH ALLES NACH DEM MEZZADRIA-SYSTEM ORGANISIERT. DIE BAUERN PACHTETEN DAS LAND VOM EIGENTÜMER UND ALS PACHTZINS GABEN SIE IHM DIE HÄLFTE VOM ERTRAG. « E ma n u el a S t u c c h i

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einem Schwerpunkt im Weinbau. “Damals war aber auch noch alles nach dem Mezzadria-System organisiert. Die Bauern pachteten das Land vom Eigentümer und als Pachtzins gaben sie ihm die Hälfte vom Ertrag. Das war bis lange nach dem Krieg noch üblich, sogar bis in die 70er Jahre, wenn auch da die Krise schon gewaltig war,” erzählt Emanuela. “Mein Vater Piero fing dann an, die Weine nicht nur Fassweise sondern auch unter dem Label Badia a Coltibuono auf Flaschen gefüllt zu verkaufen. Das machten damals in der Region nur eine handvolle Betriebe und ihm half natürlich auch der bekannte Name der Abtei.”

Weise um das kulturelle Erbe der Toskana verdient gemacht. “Sie hat als eine der ersten angefangen, die Rezepte der toskanischen Küche zu sammeln und aufzuschreiben. So ist ein gutes Dutzend Kochbü- cher entstanden und bei uns die Tradition, auch das kulinarische Wissen der Region weiterzugeben. In Italien gehören Küche und Wein untrennbar zusammen.” Daher gibt es in Coltibuono nicht nur ein Restaurant, sondern auch in der alten Schlossküche eine Kochschule, in der man lernen kann wie man Pasta, Ribollita und andere toskanische Gerichte zubereitet. “Bevor wir uns das Weingut ansehen zeige ich euch noch was.” Wir steigen in Emanuelas Fiat Panda, “ich lebe in Florenz, da ist das das praktischste Auto…”, wobei sie, als ich auf den elektrischen Fensterheber drücke, direkt lachend meint, “zugegeben, das ist nicht der wahre Panda, sondern die Luxusversion…” Wir fahren einige Kurven, stellen den Wagen am Straßenrand ab und laufen ein paar Minuten einen steilen Berg hoch. Auf einem bewaldeten Gipfel gibt es einige Mauerreste und Erdlöcher. “Hier haben wir einen Brunnen ausgegraben”, erzählt Emanuela und begrüßt den Archäologen, der gerade Mittag macht, “dreißig Meter tief.” “Das datiert auf 400 bis

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sieh e WEINLISTE

1. | EMANUELA STUCCHI 2. | BADIA A COLTIBUONO 3. | DER WEINKELLER DER BADIA A COLTIBUONO

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SEPTEMBER 2018

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