Toskana-Renaissance | 2018

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vese-Crus auf Brolio haben und damit die Besonderheit und Unter- schiede der Lagen besser darstellen können.” “Ok,” sage ich, “dann kannst du dich aber nicht mehr Lafite Italiens nennen, sondern musst auf La Tâche Italiens umschwenken.” “Könnte ich mit leben”, meint Francesco. Jetzt fahren wir aber endlich zum Schloss hoch, es wirkt mit seiner großen Mauer und den gotischen Anklängen seltsam aus der Zeit gefallen. “Ist es ja auch irgendwie”, sagt Francesco, “da gibt es wirklich alte Teile, aber vieles ist im 19. Jahrhundert nach dem damaligen Geschmack, nun ja, ergänzt worden. Neogotisch nennt man das. Aus neu mach alt. Da brauchte man ja auch keine Trutzburg gegen Siena mehr.” Von der Mauer aus, die eher einer großen Terrasse gleicht, hat man einen wirklich spektakulären

PREIS GENUSS VERHÄLTNIS

2015 BROLIO CHIANTI CLASSICO Barone Ricasoli, Toscana

dann unseren ersten Supertuscan gemacht, den Casalferro” Damals noch reinsortig Sangiovese, was man unsinnigerweise nicht als Chianti verkaufen durfte. Schließlich kam dann etwas Merlot hinzu, weil der sich in der Lage so gut machte. Bis schließlich im Casalferro Weinberg nur noch Merlot stand und der Wein, der mittlerweile nach den Regularien eigentlich ein Chianti hätte werden können, dann doch ein Supertuscan blieb. “Eine

Den Begriff “Saufigkeit” zu übersetzen fällt mir irgendwie etwas schwer. Ich versuche es mit allerlei Umschreibungen. “Wofür ihr in Deutschland alles Wörter habt…”, meint Francesco Ricasoli belustigt. Aber das trifft den Wein eben perfekt. Er ist nicht störrisch, nicht kompliziert, nicht an- strengend, aber auch kein Weinchen, von dem man nach einem Glas ge- nug hat, weil einem vielleicht langweilig wird. Weich und saftig kommt er daher, aber mit klarer Kirsch- und Pflaumenfrucht, und äußerst anspre - chender Gaumenfülle. Intensiv, aber kein Stück schwer. Die Cuvée enthält neben der Leitrebe des Chianti Classico, der Sangiovese, auch 15 % Merlot und 5 % Cabernet Sauvignon, von der ab und zu ein Hauch von Cassis durchschimmert. Ein Teil der Weine wird im Barrique ausgebaut, der Rest in Tonneaux Fässern, das gibt ihm auch in der Jugend schon viel Schmelz und feine, weiche Tannine. Der großartige Jahrgang 2015 tut das seine dazu. So geht moderner Chianti Classico mit Niveau und Trinkfluss. 16 – 18 °C 30143-15 0,75 l jetzt bis 2022 1l = 18,53 € im 11+1 13,90 € 2013 “CASTELLO DI BROLIO” CHIANTI CLASSICO GRAN SELEZIONE Barone Ricasoli, Toscana “ Das ist unsere Visitenkarte”, meint Francesco Ricasoli, “meine Vorstel - lung eines großen Chianti.” Zum ersten Mal hat Francesco im 13er Castello komplett auf den Merlot verzichtet, was den puristischen Ausdruck der Sangiovese noch verstärkt. Anfänglich wirkt er noch verschlossen, dann treten aber bald die klaren Fruchtaromen von Herzkirschen in den Vor- dergrund. Typisch untermalt von Unterholz und Anklängen an Rauch. Am Gaumen erahnt man bereits den feingliedrigen und zugleich konzen- trierten Schmelz, den die Reife mit sich bringen wird. Spannend wird er durch die rasante Säureader, typisch Sangiovese. Ebenso typisch, dass sie sich mit etwas Luft angenehm integriert, aber präsent genug bleibt, um den Wein immer frisch erscheinen zu lassen. Dieser Wein will reifen. “Das Brolio Terroir ist immer dieses Zusammenspiel von Frische und samtigen Tanninen”, erklärt Francesco. “Wir haben viele unterschiedliche Böden und der Castello ist ähnlich wie die Grands Vins im Bordeaux ein Aus- druck der Vielfalt, die im typischen Stil des Castello zusammengefasst wird.” Geradezu ein philosophischer Wein. Ein Wein, um darüber zu phi - losophieren – sowieso. Wenn man ihn jetzt schon probieren möchte, un- bedingt dekantieren! 16 – 18 °C 30146-13 0,75 l 2020 – 2030 1l = 47,87 € statt 39,90 € 35,90 €

verrückte Entwicklung, aber nach wie vor ein Einzellagenwein und ein echter Toska- ner”, meint Francesco. “Die Chianti-Ein - zellagen sind ein wichtiges Thema für mich. Was das angeht haben wir leider keine große Tradition, dabei ist die Region mit ihren vielen unterschiedlichen Böden und den weit verstreuten Weinber- gen eigentlich prädestiniert dafür. 2007 haben wir mit dem Colledilà angefangen. Ein Weinberg der wunderschön ge- schwungen nach Süden blickt und auf dem ein großartiger Sangiovese Klon steht.” Pur Sangiovese, so etwas darf zum Glück jetzt auch Chianti heißen. “Wir haben noch ein paar andere Einzellagen identifiziert, die besondere Weine hervorbringen. In ein paar Jahren werden wir hoffentlich drei bis vier Sangio -

Blick, im Innenhof gibt es ein kleines Museum, in dem unter anderem alte Armbrüste, Musketen, Säbel und andere Waffen in großer Zahl hängen. “Da war aber einer der Ricasoli echter Sammler”, meine ich. “Sammler? Nein,” entgegnet Francesco, “die stammen alle hier von Brolio. Wir haben 800 Jahre mehr oder minder kriegerische Geschichte. Da fällt einiges an.” Da freut man sich, das heute nur noch Touristen auf Brolio einfallen. Wir gehen durch die Räume die man als Tourist sonst nicht betreten darf. “Alleine die Heizung anzustellen würde ein Vermögen kosten”, meint Francesco. Durch eine versteckte Tür in der Wand gehen wir in einen gesonderten Trakt. “Hier waren die Köche, Diener, Zofen und was es sonst noch so gab untergebracht. Die hatten ihren eigenen Eingang und ein eigenes Treppen- haus. Eine komplett andere Welt damals. Für uns Kinder war das natürlich großartig in den Sommerferien. Abenteuer pur. Jetzt wäre es fast unmöglich, hier noch zu wohnen.”

» DIE CHIANTI- EINZELLAGEN SIND EIN WICHTIGES THEMA FÜR MICH. WAS DAS ANGEHT HABEN WIR LEIDER KEINE GROSSE TRADITION, DABEI IST DIE REGION MIT IHREN VIELEN UNTERSCHIEDLICHEN BÖDEN UND DEN WEIT VERSTREUTEN WEINBERGEN EIGENTLICH PRÄDESTINIERT DAFÜR. « F r a n c esc o R ic a so l i

ANGEBOT

95 Suckling

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1. | AUSLIEFERUNG AUF BROLIO 2. | IM FASSLAGER VON BROLIO

Rotwein

Weißwein

Biowein

Limitiert

Stark limitiert

SEPTEMBER 2018

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