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–– TOSKANA
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» WIR HABEN NOCH EIN PAAR ANDERE EINZEL- LAGEN IDENTIFIZIERT, DIE BESONDERE WEINE HERVORBRINGEN. IN EIN PAAR JAHREN WERDEN WIR HOFFENTLICH DREI BIS VIER SANGIOVESE- CRUS AUF BROLIO HABEN UND DAMIT DIE BESONDERHEIT UND UNTERSCHIEDE DER LAGEN BESSER DARSTELLEN KÖNNEN. « F r a n c esc o R ic a so l i
Unten in der Osteria gehen wir noch Mittagessen. Es ist Samstag, dort sitzen neben einer kleinen Hochzeits- gesellschaft, ein paar Touristen und einigen Nachbarn auch einige Fahrradfahrer, die auch der sportliche Dress und die Rennradschuhe nicht daran hindert Trippa, Bistecca und eine Flasche Chianti zu genießen. “Unsere Osteria soll für alle da sein”, erzählt Francesco, “hier bekommst du ganz typische Gerichte und kannst unsere Weine dazu trinken.” Den Espresso nehmen wir gegenüber vom Weingut in der Bar Brolio, wo wir schon morgens waren. Wir kommen uns direkt vor wie auf einer Zeitreise, alles sieht nach 50er Jahre aus, Stühle, Tische, selbst die Musik ist darauf abgestellt. An der Wand hängt ein Fahrrad mit Stahlrah- men in herrlichstem Fifties-Petrol. “Das hat einem bekannten Rennfahrer gehört. Wir haben alles auf die Eroica abgestellt. Das Radrennen mit historischen Fahrrädern ist eine der großen Attraktionen der Region. Da kommen dreitausend Radfahrer vorbei, auf Rädern die vor 1987 gebaut wurden. Viele sind aus den 50er und 30er Jahren. Ein großartiges Spektakel. Vor allem weil jeder Zeit hat. Da kommt dann schon mal der ein oder andere Rennteilnehmer auf einen Chianti rein.” Jetzt sitzen die Dorfbewohner und ein paar Touristen bei Wein, Bier oder Espresso. Francesco hält noch das ein oder andere Schwätzchen mit Leuten aus dem Dorf. “So eine Bar ist wichtig für den Ort”, erklärt Francesco. Er erzählt uns noch wo er all die alten Ausstattungstücke organisiert hat. Repliken, gehen ja gar nicht.
– A n ek do t en & H in w eise
ANDREAS BRENSING
CONDOTTIERE
» ICH HÄTTE DAMALS KAUM GEDACHT DAS DER SICH SO GROSS- ARTIG ENTWICKELN WIRD. FÜR MICH ALS SANGIOVESE- FAN EINE ECHTE OFFENBARUNG. EIN WEIN MIT DEM MAN SICH LANGE BESCHÄFTIGEN MUSS. «
E r h a t t e S ien a in g r o ß er N o t vo r dem S c h l immst en b ew a h r t , w a s der S t a dt p a ssier en k o n n t e: N ic h t F eu er , n ic h t P est , so n der n v o n F l o r en z ein g en o mmen zu w er den . D a f ü r mu sst e dem C o n do t t ier e ein g er ec h t er L o h n z u t eil w er den . Der Rat der 24 beratschlagte, was denn ein gerechter Lohn für diesen unschätz- baren Dienst wäre. Das war nicht mit Gold, mit Geld oder irdischen Ehren aufzuwiegen. Man war ratlos, bis ein junger Mann sich erhob und meinte, es sei doch ganz offen - sichtlich, was der einzige Lohn sein könne, “wir erklären ihn zum Stadtheiligen”. Die große Zustimmung wurde nach kurzer Zeit durch eine Stimme unterbrochen, “aber man kann doch nur jemanden heilig sprechen, der zuvor gestorben ist.” Die Antwort des jungen Ratgebers kam schnell und schlicht. “Eben.” Ein Condottiere, ein Heerführer, der sich mit einem Söldnerheer in den Dienst des Bestzahlenden stellte, gilt immer noch als eine Ausgeburt der Unmoral, dabei waren die meisten der toskanischen Condottiere genau das Gegenteil. Mit Söldnerheeren wurde bis weit ins 17. Jahrhundert Krieg geführt und die toskanischen Heerführer galten als umsichtig. Was nützte es ihnen auch, ihre Heere im Krieg der Städte zu verschleißen? Mit erfahrenen Truppen zu drohen und dann bei Verhandlungen das Beste herauszuholen war ihre Strategie. Große Schlachten waren selten und kleine Scharmützel endeten oft wenig blutig. In den seltsamen Manager-Se- minaren der 90er wurden die Condottiere oft als großartige Beispiele rücksichtsloser Führung dargestellt und direkt darauf griff man zum Machiavelli. Das nächste Missver- ständnis, der republikanisch gesinnte Niccolo stellte damit gar kein Ideal dar, er beschrieb lediglich den tatsächlichen Zustand unter den Medici in Florenz. Die freilich waren mehr als 300 Jahre erfolgreich. —
93 Suckling
A u s der SCHATZKAMMER v o n BROLIO
Zum Schluss besuchen wir noch eine alte Eiche, die riesig am Rande zwischen zwei Weinbergen steht. “Hier kommen viele Leute aus der Region hin, weil der Rundumblick so schön ist und man in ihrem Schatten herrlich verweilen kann”, erzählt Francesco. “Bernardo Bertolucci hat hier die Schlussszene aus Stealing Beauty gedreht. Nicht sein bester Film, aber an der Aussicht kann es nicht gelegen haben.” Vielleicht ist die Toskana einfach zu schön, um hier gute Filme zu drehen. —
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2010 COLLEDILÀ CHIANTI CLASSICO Barone Ricasoli, Toscana
Es ist eine kleine Revolution, die 2007 mit einer handvoll Flaschen begann. Fran- cesco Ricasoli füllte die ersten Fässer eines puren Sangiovese aus einer der besten Lagen südlich des Castello die Brolio ab. “Ja, irgendwie liegen die besten Weinber- ge zumeist auch an den schönsten Stellen,” sagt Francesco, denn der Blick auf das Schloss und das Chianti weiter unten ist wirklich atemberaubend. “Wir haben Bö- den mit einer tonhaltigen Textur die zugleich sehr kalkhaltig sind. Das ist ein sehr karges Terroir und durch die leichte Hangneigung haben wir auch noch einen per- fekten Wasserabfluss. Sehr wichtig, denn wenn es regnet, dann meist viel in kurzer Zeit.” Wir haben den Wein seit seinem ersten Jahrgang im Sortiment, aber vom 2010 haben wir alles gekauft, was wir bekommen konnten und eine halbe Palette unten im Keller erst einmal auf die Seite geschafft. Jetzt, nach acht Jahren ist es soweit. Der Wein ist zwar noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt, viel- leicht noch nicht einmal auf dem Höhepunkt, aber man sieht deutlich, was ein gro- ßer reinsortiger Sangiovese vermag. Vor allem in einem kühlen, aber perfekten Jahr wie 2010. Da sind die Schwarzkirschen, dieser Hauch von Likör, der aber so- fort wieder durch diese einmalige Sangiovese-Frische aufgefangen wird. Da sind getrocknete Feigen, wie mediterrane Kräuter, florale Anklänge und alles das gera - dezu schlank und ungemein animierend. Ein absolut beeindruckender Wein. Wir freuen uns schon, wenn in den nächsten Jahren weitere Einzellagen folgen werden. 16 – 18 °C 32010-10 0,75 l jetzt bis 2030 1l = 57,33 € 43,00 €
1. | BLICK ÜBER DAS CHIANTI
WEITERE JAHRGÄNGE COLLEDILÀ UND AUCH NOCH EIN PAAR FLASCHEN VOM 10ER CASALFERRO FINDEN SIE AUF SEITE 65 ODER UNTER WWW.KOELNER-WEINKELLER.DE/BARONE_RICASOLI
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SEPTEMBER 2018
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