Toskana-Renaissance | 2018

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Das breite Tal unterhalb der trutzigen Mauern von Montepulciano schimmert in sattem Grün. Leuchtend von den frischen Blättern der Reben, dunkel die Steineichen, hell, fast staubig von den Olivenbäumen und silbrig in der Sonne glänzen die Weiden unten am Bach. Mit Michele tauchen wir erst einmal ein in dieses Grün. Wir schlagen uns in die Wälder, um Trüffel zu suchen. Ein Nachbar nimmt uns mit. Regi die Hündin ist heute etwas nervös. Zu viele Fremde, aber schließlich findet sie doch einige Sommertrüffel, einen davon werden wir uns später über unser Carne Cruda raspeln. “Wir sind absolut verwöhnt”, sagt Michele, “die Natur hat alles, was man braucht und wo ist sie schon so schön sanft und zugleich wild wie hier?” Wir verkosten zuerst den Wein bei den Nachbarn. “Tolle Leute”, meint Michele, “die haben ein kleines B&B, ein paar Weinberge und suchen Trüffel. Beim Wein hab ich ihnen geholfen. Der ist jetzt auch Bio und wird bei uns im Weingut ausgebaut.” Mehr als nur ordentlich muss man sagen: der Wein, aber auch Micheles Nachbarschaftshilfe. D as Weingut steht nicht weit entfernt vom erstaun- lich schönen und touristisch nicht ganz so wilden, S. 68 sieh e WEINLISTE

SALCHETO DER EINFALLSREICHE MICHELE

mittelalterlichen Ort Montepulciano und trotzdem fühlt man sich weitab von allem. Das mag an der steilen, von Schlaglöchern übersäten Schotterpiste liegen, die hier herunterführt, aber sicher auch am Tal, das sich weit nach Osten öffnet und den Blick freigibt auf die Chiana Ebene und die nächste

“Ein findiger Toskaner...” meinen wir. “Nein,” antwortet Michele, “der war ein Habsburger, Österreicher. Hatte nur seinen Gefallen an der Toskana gefunden,” und er ergänzt lächelnd, “wie ich.” Micheles Familie ist nämlich eigentlich aus Modena, aufgewachsen ist er in Paris. Auch Winzer ist er nicht, eigentlich. Wirtschaftswissenschaften hat

Bergkette hinter dem Lago die Trasimeno. “Früher lebte man vom Bootsbau”, erzählt Michele. “Vom was?” “Na, die Ebene unten war permanent überflutet. Eigentlich eine Mischung zwischen See und Sumpf. Zum Transport von Waren brauchte man dann halt Schiffe.” Eine seltsame Vorstellung, eine Stadt auf einem Felsen weit entfernt vom Meer, die vom Schiffbau lebt. “Es gibt eine Zeichnung von da Vinci, da hat er den großen See eingezeichnet. Sieht aus wie ein riesiger Fisch, der von Arezzo bis Chiusi reicht, über 50 km lang. Damals schon hatte man die Idee, das Wasser abzuleiten, weil unten in der Ebene alles total von Malaria verseucht war.” Geschafft hat das dann aber erst Leopold II, als er Groß- herzog der Toskana war. Ende des

» ANDERE KINDER WOLLTEN FEUERWEHRMANN WERDEN, ICH IMMER NUR FARMER. « M ic h el e M a n el l i

er studiert, “aber den Job bei dem ich mich dann mit internationalem Steuer- recht befassen musste, hab ich nicht lange durchgehalten.” Das glaubt man ihm sofort. Mit seinen bunten Tattoos, der dominanten Brille, dem Rauschebart und den zum Zopf gebundenen Haaren kann man ihn sich schwerlich in einer großen Steuerkanzlei vorstellen. “Das Geschäft, die Zusammenhänge zu begreifen, das hat mir schon alles Spaß gemacht, aber irgendwie verkaufe ich auch gern… Und dann war da noch die Liebe zur Natur oder besser zur Landwirtschaft. Andere Kinder wollten Feuerwehrmann werden,

18. Jahrhunderts verwandelte er den Sumpf in fruchtbares Ackerland. “Der hatte für die damalige Zeit viele gute Ideen”, meint Michele. Nebenbei war die Toskana unter ihm der erste Staat weltweit, der die Todesstrafe abschaffte.

ich immer nur Farmer.” 1994 besuchte er in der Toskana Freunde und da waren dann irgendwie die paar Hektar Weinberge und ein kleines Weingut, an dem er sich beteiligte. Salcheto hieß der Weinberg und davon abgeleitet Salcheto das Weingut. Genau wie der kleine Bach in der Ebene, der toskanische Begriff für Weide. “Ah und dann hast du noch Weinbau studiert?” “Nein”, sagt er lächelnd, “nicht einmal eine Lehre gemacht… Das war eher, nun ja, learning by doing.” Er ist ein Tüftler, wie wir später noch sehen werden.

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1. | MICHELE MANELLI 2. | LICHTANLAGE

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SEPTEMBER 2018

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