Toskana-Renaissance | 2018

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Michele ist Tüftler und Praktiker. “Na, du bist ja ein Technikfreak,” sage ich. “Nein”, Michele spielt den Entsetzten, “ich bin ein Romanti - ker. Wein ist doch ein ausgesprochen romantisches Produkt. Schau dich um, du bist in einem der schönsten Landstriche der Erde, alles um dich herum ist Historie pur und daran denken die Leute, wenn sie unsere Weine trinken, das müssen sie auch schmecken. Dass ich dafür, wo es Sinn macht, die für mich beste Technik nutze, ist doch klar. Das haben die klugen Winzer vor 500 Jahren auch so gemacht. Apropos Romantik…”, meint

– A n ek do t en & H in w eise SALZ

des MONATS WEIN

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LEBENDIG UND INTENSIV, MIT DEN FRISCHEN, SAFTIGEN TANNINEN DER SANGIOVESE UND DAS ALLES NOCH IN BIO-QUALITÄT. DER HAT ABSOLUT DAS ZEUG ZUM LIEBLINGS-CHIANTI !

“ N ein ” , sa g t e die j u n g e D a me k a t eg o r isc h , “ da s ist k ein t o sk a n isc h es B a u er n b r o t . ” “ W a r u m n ic h t ? ” g a b ic h v er z w eif el t zu r ü c k , sc h l ieß l ic h h a t t en es a l l e, die die Toskana k a n n t en , a u sdr ü c k l ic h a l s a u t h en t isc h g el o b t . “ D a s S a l z , ” mein t e sie. “Was ist damit? Ich denke da kommt nur sehr wenig rein.” Die Italienerin lächelte nachsichtig aber unverzeihlich auf den Barbaren herab, der seinen Fehler nicht sofort erkannte. “Der Florentiner nimmt etwas mehr Salz. Fast so viel, wie in einem normalen Brot drin ist. Der Sienese nimmt gar kein Salz für sein Brot. Du musst dich also entscheiden.” “Warum nimmt denn der Sienese gar kein Salz?” “Dafür hat er kein Geld”, beschied sie ohne den Anflug von Ironie. “Schau, die haben es in mehr als 700 Jahren nicht einmal geschafft, ihren Dom fertig zu bauen. Die müssen immer noch dafür sparen…” Einige Wochen später wies ein Sienese mein – nun etwas stärker gesalzenes – Brot zurück. Ich stellte ihm die gleiche Frage. “Ach sagte er, das ist doch ganz einfach. In Florenz sind Salame und Käse einfach so laff im Geschmack, dass die ihr Brot salzen müssen. Die Armen.” —

Michele, “jetzt müssen wir noch zu unserem romanti- schen Wein kommen.” Als wir 2013 mit unserem Biskero Chianti angefan- gen hatten, war uns aufgefallen, dass der Wein eigentlich dann am besten schmeckt, wenn wir gerade die letzten Flaschen verkaufen. “Klar”, meinte Michele “Sangiovese braucht immer ein wenig Zeit. Selbst die Kleinen,

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wenn sie gut gemacht sind.” Wir haben also schnell überlegt ob man nicht eine Riserva des Biskero auflegen könnte und da Michele gerade ein Hektar neue Weinberge im Chianti Gebiet gekauft hatte, war aus der Idee schnell ein Wein geworden. 2015 war der erste Jahrgang, wo die Weinberge mit in die Bio-Produktion durften und 2015 war zum Glück direkt auch ein großes Jahr. Michele hat also die besten Chianti Trauben der Ernte rausgesucht und den Wein ein paar Monate in gebrauchte Holzfässer gegeben. “Nicht, dass der Wein eine Holznote bekommt, aber so wird er etwas schmelziger und lagerfähiger…” Jetzt, fast drei Jahre nach der Ernte, wollen wir ihn endlich auf den Markt bringen. In Italien kann es natürlich keinen Weingutsbesuch ohne Mittagessen geben, zum Glück müssen wir dafür nur wieder hochsteigen, denn neben der Kellerei gibt es zusammen mit den Büros und dem Verkauf auch ein kleines Bistro. Lange Holztische, Bänke, eine offene Küche. Das Gemüse kommt aus dem Garten und in der Küche stehen ein paar Hausfrauen aus der Nachbarschaft. Es gibt Erbsensuppe, Salat mit einem Pecorino, den Michele bei Freunden kauft, neben anderen lokalen Spezialitäten. Auch hier ist Einfachheit Trumpf. Dazu serviert er uns einen Weißwein mit seltsam bräunlicher Färbung. “Keine Angst”, sagt er, “kein Orange-Wein, bei dem ihr dann die Pattex- und Schimmelpilznote als großartig und vielschichtig loben oder euch mit einem interessant rausreden müsst.” Der Obvius ist ein ungeschwefelter Weißwein und als solcher natürlich ein wenig oxidativ. Zuerst ist das Aroma etwas ungewöhn- lich, aber vor allem zum Essen wird der Wein von Schluck zu Schluck besser. Ok, müssen wir auch haben, beschließen wir spontan. Als Hauptgang gibt es die Carne Cruda mit den selbstgesuchten Trüffeln. Gut das Regi nur das Leckerli genommen und uns die schwarze Knolle gelassen hat. Braver Hund. —

2015 BISKERO CHIANTI RISERVA Salcheto, Toscana

“Auch die Weinwelt dreht sich mittlerweile einfach zu schnell”, meinte Michele einmal. “Ich glaube, die meisten Winzer würden am liebsten die Riserva abschaffen und irgendwann verkaufen wir dann nur noch so Zeug wie den Beaujolais Primeur.” Oh Gott nein - dachten wir nur. “Ich habe in den letzten Jahren einige Weinberge dazu bekommen, die nicht mehr in Montepulciano liegen, aber das Zeug für richtig guten Wein haben. Aber das ist richtig klassisches Sangio- vese-Land, das braucht ein paar Jahre. Etwas länger im großen Holzfass, etwas länger auf der Flasche und schon hat man einen Wein, der richtig viel Spaß macht.” Wir haben Michele beim Wort genommen. Eine Selektion aus seinen besten Chianti- Parzellen, etwas mehr Flaschenreife, das müsste sich doch irgendwie finanzieren lassen dachten wir und da Michele immer für eine verrückte Idee gut ist, war er ziemlich schnell dabei. “Chianti”, sagt er fröhlich, als wir den Wein bei unserem Besuch kurz nach der Füllung verkosten, “da wollte ich ja eigentlich gar nicht viel machen. Unsere Identität ist Montepulciano, aber wenn ich den Wein jetzt so verkoste, dann ist der super gelungen.” Herrlich feinwürzig zeigt sich der Biskero Riserva nach drei Jahren Reife. Schwarze Kirschen und frische Waldbeeren schmeicheln dem Gaumen. Lebendig und intensiv, mit den frischen, saftigen Tan- ninen der Sangiovese und das alles noch in Bio-Qualität. Der hat absolut das Zeug zum Lieblings-Chianti! Und weil Michele bei der Preisverhandlung für den ersten Jahrgang lapidar meinte, “auf der Bank bekomme ich ja im Moment auch keine Zinsen, im Keller hab ich ja auch genug Platz und Strom brauch ich kaum, bin ja Selbstversorger,” können wir Ihnen den großartigen Jahrgang 2015 zu einem fast unglaublichen Schnäppchenpreis anbieten. Eine Riserva zum Einstiegspreis. So was kann nur der einfallsreiche Michele! 14 – 16 °C 31251-15 0,75 l jetzt bis 2022 1l = 10,53 € statt 11,00 € 7,90 €

1. | BLICK AUF MONTEPULCIANO 2. | MICHELE MANELLI IM FASSLAGER

Rotwein

Weißwein

Biowein

Limitiert

Stark limitiert

SEPTEMBER 2018

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