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dachten wir, dass wir die Marke so aufziehen können wie ein Château im Bordeaux. Aber schau dir mal die Weinberge an. Alle extrem unterschiedlich und oft weit auseinander.” Stimmt, dazwischen oft Täler, Wälder, Gras mit Weidevieh, Flächen auf denen Korn angebaut wird, Städte, kleine Gehöfte und ab und an auch mal ein Golfplatz. Die Toskana ist ziemlich offensichtlich nicht das Médoc. “Eben, auch unsere Sortimente sind ja nicht so. Klar, die Sangiovese dominiert, aber es gibt ja auch andere Rebsorten hier, Weißweine, Rosé. Das ist pure Vielfalt.” Also auch irgendwie nicht Burgund. Wir erkennen immer mehr, dass eine der ältesten Weinbauregionen der Welt eigentlich ganz jung ist und gerade ihre eigene Identität findet. Caggiole könnte ein Identitätsstifter für die ganze Region werden, ein Referenzwein dessen was möglich ist, wie wir nachher bei der Verkostung feststellen werden. “Glücklicherweise haben wir schon damals angefangen, den Weinberg neu zu bepflanzen, als wir noch gar nicht die Idee für einen Cru hatten. Das Rebmaterial war eher so lala. Jetzt haben wir hier die besten Klone stehen, dicht gepflanzt auf den besten Unterlagen und mit geringem Ertrag. Ab 2015 ist dann Caggiole endlich wieder ein Cru und zu 100 % aus Sangio- vese. Und dann hat uns die Natur im ersten Jahr auch noch einen wirklich großen Jahrgang geschenkt.” Federico strahlt. “Ich zeig euch mal mein neuestes Projekt.” Wir fahren weiter über die Schotterpisten, die unser Navi oft genug als Hauptstraßen ausgibt. An einem steilen Hang liegt ein altes Gehöft. Ein Kran und ein Bauzaun zeigen an, dass hier was passiert. “Das alte Haus gehörte zu den Weinbergen da oben. Das war alles aufgelassen, die Stöcke längst gerodet. Das haben wir dann alles neu gepflanzt. Ich denke, das ist ein großartiges Terroir, wird vielleicht in ein paar Jahren mal ein eigener Cru.” Wir biegen am Haus ab. “Tolle Aussicht…”, sage ich. “Ja, das hab ich an jemanden aus Rom verkauft,” meint Federico, “Verrückt. Wir haben ja jetzt die Schnellbahnstrecke, da braucht man nicht einmal zwei Stunden und seitdem gibt es immer mehr Leute aus der Hauptstadt die herkommen. Der hat einen irrsinnigen Preis geboten, weil er genau das Haus haben wollte. Hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, aber dann habe ich mir ausgerechnet wieviel tolle Weinberge ich davon kaufen kann…” Zurück im Weingut verkosten wir erst einmal die aktuellen Weine. Der 15er Caggiole hat wirklich etwas Besonderes, Einmaliges. Ein Wein voller Eleganz, der eher an einen Burgunder erinnert, als an das, was man von den Supertuscans so gewöhnt ist. Eine neue Dimension der Toskana irgendwie. “Und was ist dein Lieblingswein”, fragt Federico. “Der Rosso 2016”, antworte ich und weiß, das ich ein wenig gemein bin. Federico lacht. “Ja, der ist so was von saufig, so was von Sangiovese, das ist Toskana absolut auf dem Höhepunkt. Trinkfreudig, strapaziert den Geldbeutel nicht und schreit geradezu nach toskanischer Küche und Freunden am Tisch.” Das ist das Stichwort. Der Tisch ist nämlich schon gedeckt. Es gibt Lardo, Salame, Crostini, Pinzimonio und andere toskani- sche Spezialitäten und dazu Caggiole und Rosso. “Das ist lustig, dass du den Rosso gewählt hast”, meint Federico, “aber wahr - scheinlich merkt man an dem Wein am ehesten, dass wir in den letzten Jahren noch einmal einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht haben.” “Was habt ihr denn verändert”, frage ich etwas naiv. “Weißt du, es gibt 360 verschiedene Dinge die wichtig sind, um guten Wein zu machen, die man immer beachten muss, die man permanent ein wenig verändern muss und bei denen man immer noch viel dazulernen kann.” “Genau 360?” “Ganz genau, ich könnte sie dir jetzt aufschreiben…” “Äh, warum genau 360…” “Na für jeden Tag des Jahres eine und fünf Tage im Jahr hab ich halt frei.” Fünf Tage im Jahr frei? Man kann sich das bei Federico nicht so richtig vorstellen, aber wahrscheinlich macht er dann Urlaub auf Château Montrose. —
SPITZEN JAHR
ANDREAS BRENSING
BEWERTUNG
» ICH LIEBE DIE ITALIENISCHE KÜCHE UND TRINKE GERNE WEINE DAZU DIE UNKOM- PLIZIERT UND DOCH KOMPLEX SIND. ES GIBT WENIGE WEINE BEI DENEN DAS SO GELUNGEN IST. WOW ! «
92 Parker
DER b eso n der e WEIN b n b n b n b n b n b n b n
2016 ROSSO DI MONTEPULCIANO Poliziano, Toscana
2015 VINO NOBILE DI MONTEPULCIANO Poliziano, Toscana
2015 NOBILE DI MONTEPULCIANO “LE CAGGIOLE” Poliziano, Toscana
“Ja, die beiden Jahrgänge 15 und 16 haben uns richtig ver- wöhnt”, meint Federico, “aber wir haben eben in den letz - ten Jahren auch in die Weinberge und die Kellertechnik für die einfacheren Weine etwas investiert. Schließlich wollen wir ja auf den Rosso genauso stolz sein wie auf un- sere anderen Weine.” Das kann er auf jeden Fall, denn der 16er ist eine absolute Granate was das Preis-Genuss-Ver- hältnis angeht. Die Frische und die zupackende Art hat für die Toskana geradezu etwas burgundisches. Der Wein lebt nicht von der Fülle, sondern von seiner gigantischen Fröh- lichkeit. Die saftige Säure ist die einer reifen Frucht, eine herrliche Frische versprechend, die aber nie ins Herbe umschlägt. Man merkt, dass man die früher oft bitteren Tannine der Sangiovese mittlerweile perfekt im Griff hat. Die ätherischen Noten geben ihm noch eine gewisse Gran- dezza und es bleibt spannend abzuwarten, wie gut auch der “kleine” Poliziano sich die nächsten Jahre entwickeln wird. 16 – 18 °C 30636-16 0,75 l jetzt bis 2022 1l = 12,67 € statt 11,00 € 9,50 €
“Wir haben beim 15er den Holzeinsatz im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal etwas reduziert”, erzählt Federico, “ich denke die Welt ist reif für den puren Saft der Toskana, den Sangiovese.” Wenn er so ist wie der 15er Nobile auf jeden Fall. Dabei ist in der Cuvée noch etwas Canaiolo und Merlot enthalten, aber die Toskaner sind eben auch extrem pragma- tisch. “Canaiolo gab es hier ja schon immer und Merlot seit sicher 500 Jahren.” Klar, schließlich brachten alle um Italien streitenden Mächte etwas mit und die Toskaner suchten sich das Beste heraus. Im eher warmen Jahr 2015 zeigt er sich ganz deutlich von seiner noblen Seite. Ein wahnsinnig ange- nehmer, eingängiger Wein: Tiefe Fruchtaromen entströmen dem Glas, auch edle, ätherische Noten, die an feinsten Tabak erinnern. Der Gaumen ist komplett, supersaftig, trotzdem feingliedrig und lang. Wird sicher noch zulegen können, ist aber schon jetzt ein großer Genuss. Wäre das Musik, dann eine Opernarie von Puccini!
Federico kommt mit dem Caggiole seinem großen Traum ein Stück näher. “Ich habe immer alles in die Weinberge inves- tiert”, sagt er “immer in die, die ich für die besten gehalten habe. Oft diejenigen, die keiner wollte, weil die Erträge gering waren oder die Arbeit dort schwer. Ich denke, dass unsere besten Weine, die besten Weine der Region, aus solchen Sing- le Crus kommen sollten.” Mit dem Asinone hat er schon einen solchen Weinberg, mit dem Caggiole kommt jetzt ein weiterer hinzu. “Der Caggiole spricht vielleicht noch mehr dafür, was in unserer Region möglich ist.” In der Tat, im Glas verströmt er einen ganz erstaunlichen Duft. Ja, Sangiovese, aber von solcher Eleganz und Finesse, dass man sich eher an die ganz großen Namen des Burgund erinnert fühlt. Als ich ihn frage ob der Weinberg früher vielleicht einmal Chambertin gehei- ßen habe, lacht er laut auf und meint “Clos de Bèze…” Ja, der Caggiole hat das Zeug zu einer der ganz großen Weinikonen der Region, und vor allem ist er ein Schritt zu Toskanern, die mehr auf Eleganz, als auf pure Power setzen. 16 – 18 °C 31256-15 0,75 l jetzt bis 2026 1l = 113,33 € 85,00 € VORVERKAUF VERFÜGBAR AB ENDE SEPTEMBER
16 – 18 °C
30634-15 1l = 25,33 €
0,75 l
jetzt bis 2025
19,00 €
Rotwein
Weißwein
Biowein
Limitiert
Stark limitiert
SEPTEMBER 2018
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