Toskana-Renaissance | 2018

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Holzpfähle. Mannshoch, an jeden ein Rebstock angeschmiegt. Ein Kunstwerk im Weinberg? Giancarlo lächelt freundlich, “Alberello.” Wir kennen das aus dem Süden, wo es um jeden Tropfen Wasser geht und die Weinreben sehr niedrig gehalten werden und fast wie Büsche wachsen. Das aber erinnert uns eher an alte Steillagen an der Mosel. Einzelpfahler- ziehung, über die das Standardwerk des Weinbaus sagt: ein nicht mehr zeitgemäßes und mechanisierungsfeindliches Erziehungssystem.

“ D e n haben wir ganz neu gepflanzt, das dauert noch viele Jahre bis der in unseren Wein kommt, aber ich verspreche mir viel davon, denn es ist eine sehr natürliche Art der Erziehung. Ich habe eine bessere Beschattung und weniger Feuchtigkeit. Da wir jetzt schon sehen, dass es mal deutlich wärmer wird, es auf der anderen Seite immer mehr Perioden mit viel Wasser gibt, die Extreme also zunehmen, denken wir, dass ist die richtige Antwort drauf. Oder wir wollen es wenigstens mal versuchen. Außerdem”, er grinst, “kann ich um den Weinstock herumgehen, was mir viel Spaß macht.” Dass die Einzelpfahlerziehung wesentlich mehr Arbeit macht, erwähnt er nur am Rande, es scheint nicht so wichtig. Optimierung, so scheint es, wird nur im Sinne des Weins betrieben.

SIRO PACENTI DER WEINMATHEMATIKER

fässern, die er ausschließlich bei einer der besten französischen Tonnellerien bezieht. “Ja, die findet man sehr oft bei den Top-Erzeu - gern des Burgund, aber ich finde das macht auch Sinn. Ich will der Frische des Sangiovese ja keine Vanillesüße entgegenstellen. Der Wein soll in den Fässern langsam heranreifen und dabei seine Balance finden. Wir haben ja Zeit für den Wein. Beim Brunello müssen wir ohnehin fünf Jahre warten, bis wir ihn auf den Markt bringen dürfen.” Wir probieren im geschmackvoll spartanisch eingerichteten Verkos-

Siro Pacenti ist ein kleines Weingut. In einem guten Jahr kann Giancarlo vielleicht 60.000 Flaschen verkaufen, und so haben wir uns besonders gefreut, als man uns eine Zuteilung zusagte, denn mittler- weile darf Giancarlo eher verteilen, als dass er verkaufen muss. Dass dieser Erfolg in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet werden musste, lässt er einen kaum merken. Er klingt extrem durchdacht und präzise, aber immer mit einer lässigen Leichtigkeit, so als wäre das alles das Normalste der Welt. “Wie lange müssen wir denn noch auf den Einzelpfahlwein warten”, fragen wir. “In die eigenen Weine kommen bei mir nur Trauben von Rebstö- cken die mindestens 15 Jahre alt sind”, antwortet er, “alles andere verkaufe ich als Fassware.” Wir gehen zur Traubenannahme, wo zwei Sortierbänder und ein optischer Sortierer stehen. Viel Aufwand für die paar Flaschen, denke ich. “Bei der Sangiovese ist die Arbeit am Sortierband extrem wichtig. Wir wollen zwar Tannine haben für einen zupackenden und haltbaren Wein, aber bei der Sangiovese reichen schon kleine Mengen unreife oder ungesunde Trauben aus, um das fragile Gleichgewicht zu zerstören.” Und weil er einen durchaus kraftvollen Stil pflegt, passt dazu auch ein Ausbau in Barrique-

tungsraum die aktuellen Jahrgänge. Vor allem 15 und 16 interessieren uns. Beide hoch gelobt, von beiden verkosten wir den Rosso. “Was meint ihr,” fragt Giancarlo. Wenn man den Rosso als Zweitwein, als leichtfüßigen Bruder des Brunello abgespeichert

» IN DIE EIGENEN WEINE KOMMEN BEI MIR NUR TRAUBEN VON REB- STÖCKEN, DIE MINDESTENS 15 JAHRE ALT SIND. « G ia n c a r l o P a c en t i

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SEPTEMBER 2018

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