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sieh e WEINLISTE
unglaublich dynamischen Entwicklung in den letzten Jahren. Nur wenn wir gut sind, können wir unsere Reputation halten. Schaut mal, in Montalcino gibt es etwa 2.000 Hektar Weinberge. Davon sind vielleicht 100 Hektar mit Reben bestockt, die älter als 40 Jahre sind.” Da man bis vor kurzem nicht besonders viel über die Klone der Sangiovese wusste, hat man einfach gepflanzt und in den 70ern natürlich eher die, die einen hohen Ertrag versprachen. Giancarlo hat da Glück gehabt. Sein Vater hat schon damals die richtigen Reben gepflanzt. So gibt es einen Vecchie Vigne von ca. 35 Jahre alten Rebstöcken und den grandiosen PS von den ältesten Reben des Weingutes, allerdings nur in einer homöopathischen Auflage. Draußen vor dem Weingut treffen wir Siro in seinem Gemüse - garten, “ja die Artischockensaison geht gerade zu Ende”, meint er und kümmert sich um die noch jungen Tomatenpflanzen. Nein, einfach bei der Arbeit fotografieren, das geht nicht, er muss sich schon etwas zurechtmachen. “Mein Vater und meine Mutter wohnen immer noch in dem alten Steinhaus, das sie 1970 gekauft haben”, erzählt Giancarlo “und das Wichtigste ist für sie, den Gemüsegarten zu pflegen. Gemüse im Supermarkt kaufen? Geht gar nicht.” Wir fahren hoch nach Montalcino, wo selbst außerhalb der Saison die reichlichen Parkplätze voll sind und wir mehrfach herumfah- ren müssen, bis wir einen Platz ergattert haben. Wir kämpfen noch mit einem gefräßigen Parkautomaten, der alleine Montalcino schon zu einer reichen Stadt machen dürfte, und gehen dann zu einem guten Freund Giancarlos, der am Ortseingang eine Weinbar und Restaurant betreibt. “Ich empfehle euch den Thunfisch heute”, flüstert er uns zu. Ungewöhn - lich, wir sitzen auf einem Berg inmitten von grünen Hügeln und man empfiehlt ausgerechnet Thunfisch. Beide lachen. “Stimmt. Aber wir haben einen Fischer unten in der Maremma und wenn der anlandet, ruft der uns an, was wir haben wollen und den Thunfisch hat er gestern Nacht gefangen und uns heute Morgen vorbeigebracht. Das Meer ist gerade einmal 70 Kilometer entfernt.” Giancarlo hat einen 2006er Brunello mitgebracht. Ein großartiger Wein, und jetzt wissen wir, was er damit meint, dass seine Weine “auf Zeit gemacht” sind. Wir sprechen über den Weinbau in der Welt, über italienische Politik, so kurz vor der WM besser nicht über Fußball und darüber, was die Zukunft für den toskanischen Weinbau bringen wird. Nach dem Espresso werfen wir
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SPITZEN JAHR
MARCO LINDAUER
hat, ist man bei Siro Pacenti erst einmal ein wenig schockiert. Der 15er ist zupackend, aber besitzt wenigstens so einen Anflug von Charme. Der 16er gibt es einem knüppelhart und man weiß sofort, der wird groß werden. “Warum sollten wir einen einfachen Trinkwein erzeugen”, meint Giancarlo, “so groß ist das Gebiet nicht, und ich wollte meine Weinberge nicht ausdehnen, also konzentriere ich mich darauf, die Weine, die ich mache, so gut wie möglich zu machen und das heißt bei mir auch, haltbare Weine zu machen. Ich habe neulich bei einer Verkostung noch einen 88er Rosso aufgemacht, mein erster Jahrgang. Ich muss schon damals einiges richtig gemacht haben…” Weniger ist mehr, es käme ja auch niemand auf die Idee, aus den Pauillac Weinber- gen des Château Lafite einen Bordeaux generic zu machen. “Ich denke der 15er wird sich früher öffnen. Er wirkt zwar etwas dichter und mächtiger, ist aber weicher. Der 16er hat das Störrische des Burgund, für den sind zehn bis fünfzehn Jahre kein Problem und dann wird er sicher eine einmalige Eleganz mitbringen.” So gesehen sind dann zwanzig Euro für den Wein auch nicht viel Geld. Was war denn vor 88 frage ich ihn. “Angefangen hat das 1970, da war das Land günstig und viele Höfe wurden aufgegeben”, erzählt er. “Da hat mein Vater, der unten aus der Maremma kam, hier ein paar Hektar Land gekauft. Pelagrilli hieß der Hof und da hinten in dem alten Steinhaus wohnen meine Eltern immer noch. Er hat ganz klassische Landwirtschaft gemacht. Getreide, Obst, etwas Viehzucht und ein paar Hektar Wein. Der ging an große Abfüller und viel auch an Freunde. Irgendwann kamen dann auch die ersten Touristen und kauften. Nach und nach wurden immer mehr Flaschen direkt auf dem Hof abgefüllt.” “Und wie kamst du dann dazu? Wolltest du schon immer Winzer werden?” “Ich? Nein. Ich bin erst einmal weggegangen und habe Mathematik studiert. Mit Weinbau wollte ich eigentlich nichts zu tun haben. Aber wie es so kommt: 1988 musste ich dann plötzlich auf dem Weingut mithelfen, das ging nicht anders und irgendwie hab ich gemerkt, das macht mir Spaß.” Und dann kamen die goldenen 90er. Giancarlo setzte schnell nur noch auf den Weinbau, vergrößerte die Rebfläche behutsam und begriff schnell, dass der Brunello-Trend nur für die Weingüter nachhaltig sein würde, die ganz besondere Weine erzeugen. “Anfang der 90er habe ich dann mit der Universität Bordeaux ein Projekt zur physiologischen Reife der Sangiovese angestoßen.” Damals galt Sangiovese als reif, wenn er reif aussah oder genug Zucker angereichert hatte, um einen möglichst kräftigen Wein zu ergeben. Selbst an den Universitäten in Italien wusste man es nicht besser. “Aber ein Wein sollte ja aus mehr bestehen, als aus vergorenem Zucker, also habe ich Leute gesucht, die sich damit auskannten und die das mit mir für den Sangiovese untersuchen wollten. Das hat uns extrem weitergebracht.”
» SIRO PACENTIS BRUNELLI HABEN BEACHTLICHES REIFUNGSPOTEN- ZIAL. TROTZDEM SCHMECKE SIE MIR AUCH JUNG SEHR GUT, WEIL SIE DANN SCHON ALLES HABEN, WAS EINEN GROSSEN SANGIOVESE AUSMACHT. FÜR MICH SIND SIE MODERN UND ZEITLOS ZUGLEICH. «
91+ Parker
95 Suckling
2016 ROSSO DI MONTALCINO Siro Pacenti, Toscana
2012 BRUNELLO DI MONTALCINO “VECCHIE VIGNE” Siro Pacenti, Toscana
noch einen Blick auf das grandiose Panorama das sich von Montalcino aus darbietet. “Die Toskana ist ein guter Platz zum leben”, sagt Giancarlo versonnen, “das Problem ist, hier auch zu arbeiten…” —
“Man muss den Rosso ernst nehmen”, hatte uns Giancarlo gesagt, “Zweitwein wird dem, was wir da machen, nicht gerecht.” Stimmt, und wenn Giancarlo sagt, dass er meist die jüngeren Rebstöcke für den Rosso nehme, dann heißt das bei ihm, sie sind immerhin schon 15 Jahre alt. Andere Winzer vermarkten so etwas auch schon mal mit dem Auf- druck “Alte Reben”. Daher ist auch der angeblich frühe Zeitpunkt für den Trinkgenuss sehr relativ. Gerade beim großartigen 16er. Natürlich zeigt er sich im Duft schon recht offenherzig mit reifen Kir - schen, Pflaumen und feiner, süßer Toastwürze, aber man merkt sofort, da geht noch was. Klar, denn er ist konzentriert wie andernorts der Grand Vin und hat gleichzeitig einen kristallklaren, reifen Fruchtkern, der in der Mitte dieser berauschenden Würze steht. Wenn wir an den überschaubaren Preis denken, ein echtes Brunello-Schnäppchen. 16 – 18 °C 32102-16 0,75 l jetzt bis 2026 1l = 30,67 € 23,00 €
Wenn man bei Siro Pacenti von Vecchie Vigne, alten Reben, spricht, dann meint man wirklich alte Reben, ungefähr so alt wie die Appella- tion selber. Bei all der Sorgfalt und Präzision, die Giancarlo in den Weinbau einbringt, kann dabei nur ein großes Wein-Monument ent- stehen. Natürlich ist das Holz noch jugendlich dominant und der Wein beginnt sich erst langsam zu öffnen, aber mit viel Luft zeigt sich, dass man etwas Großes im Glas hat. Enorm konzentriert, aber nicht fett. Noten von getrockneten roten und schwarzen Früchten, auch typisch erdige Umrisse, dabei bleibt er bei aller Fülle immer sehr prä- zise und endet ewig lang mit Widerhall seiner feinen Säure- und Tanninstruktur. Die Alten Reben betteln geradezu um weitere Keller- lagerung, um ihre großartigen Anlagen entfalten zu können. Einfach gigantisch!
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Es ist faszinierend, wie stark der analytische Ansatz bei ihm verankert ist. Wahrscheinlich trägt er in sein Kellerbuch unter jedem Jahrgang ein quod erat demonstrandum ein. Auf der anderen Seite ist sein Keller relativ technikfrei, die üblichen temperaturkont- rollierten Tanks, aber wenig Revolutionäres. Es ist eher der Ansatz des Wissenschaftlers, der die Natur ergründen will, um sie zu beschreiben, statt um sie zu beherrschen. “Ich bin viel ins Bordeaux gefahren, habe da Praktika gemacht und immer versucht, das auf unsere Region, unseren Boden und unsere Reben anzuwenden. Wir sind eine sehr junge Region mit einer
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DAS WEINGUT SIRO PACENTI
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Stark limitiert
SEPTEMBER 2018
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