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“Ich fahre ganz langsam”, sagt Donata und gibt Gas. “Wir Italiener haben ja einen ganz eigenen Fahrstil”, meint sie lachend, und ich mache mir leichte Sorgen, weil die bis jetzt schnurgerade Straße, die von Le Pupille nach Süden führt, ganz plötzlich ziemlich kurvig und noch enger wird. Sie rückt sich die dunkle Sonnenbrille zurechtund redet drauf los. Ich denke an Roberto Benigni in Night on Earth und überlege kurz, ob ich jetzt wie der Monsignore einen Herzinfarkt bekommen muss. Wenigstens lässt sie beim Reden die Hände auf dem Lenkrad.
LE PUPILLE DIE KUNST DER GROSSEN WEINE
sieh e WEINLISTE
“ E s ist jetzt etwas weiter…” – beruhigend. Wir wollen Saffredi besuchen. Saffredi besuchen? Jetzt erst wird mir klar, dass ich diesen Wein nie wirklich als Einzellagenwein wahrgenommen habe und die meisten unserer Kunden wahrscheinlich auch nicht. “Ja, Saffredi. Das ist einzigartig, ihr werdet schon sehen.”
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geht es plötzlich auf einen Feldweg und schon stehen wir auf dem Gipfel. “Da,” sagt Donata und schweigt genießerisch. Vor uns und
neben uns ein paar Hektar Weinberge, die sich im Halbrund um die Spitze des Hügels legen. Der Blick von hier ist fantastisch. “Könnte fantastisch sein”, meint Donata, “ziemlich diesig heute. Aber da hinten liegen Orbetello und das Tyrrhenische Meer.” Saffredi ist eine ziemliche Höhenlage für die Region, 250 bis 300 Meter und immer dem Westwind ausgesetzt, denn vor uns erstreckt sich die Ebene der Maremma. Die ersten Reben hat Elisabettas Schwiegervater Alfredo gepflanzt und 1987 hat dann sein Freund Giacomo Tachis den ersten Wein daraus gemacht. “Saffredi”, erzählt uns Elisabetta später “haben wir ihn dann genannt, um Alfredo damit zu ehren, den alle nur Fredi nannten. Saffredi, das heißt so viel wie der Sohn Fredis. Dabei hat er den Cabernet eigentlich als Cuvée-Partner für den Morellino gepflanzt. Aber Giacomo, der ja an der Entstehung der wichtigsten Supertuscans wie Sassicaia, Solaia und Tignanello beteiligt war, meinte, wir sollten diesen Weinberg gesondert ausbauen.” Wir gehen ein wenig herum und wundern uns, denn unter dem rötlichen Lehm kommt etwas zutage, dass wir auf der ganzen Reise in der Toskana bisher noch nicht gesehen haben. “Schisto”, sagt Donata und hebt einen anthrazit schimmernden Stein auf. Schiefer. “Hier ist so ziemlich alles vertreten in dem Weinberg”, meint sie, “Kalk, Ton, aber
Donata Vieri ist seit einigen Jahren Kellermeisterin auf Le Pupille. “Das ist in Italien immer noch die Ausnahme” erzählt sie, “wenn ich mit Partnern spreche, die uns noch nicht so gut kennen, höre ich oft genug: Ja, das besprechen wir dann besser mit dem Kellermeister.” Jetzt hat sie tatsächlich beide Hände in der Luft: “Eh, ja. Hier bin ich!” Mittlerweile kurven wir über kleinste Sträßchen durch dichte Wälder und grüne Felder. “Luftlinie sind das vielleicht 30 Kilometer”, meint Donata, “und mit meinem Auto geht das ja auch noch, aber fahr mal mit dem Trecker hier rüber… Naja, ich wollte das ja so. Ich hab nach meinem Studium der Oenologie erst einmal noch Marketing drangehangen, dann war ich bei Banfi und auch mal in einem Labor, aber irgendwie hab ich gemerkt das ist nichts für mich. Riesiges Weingut, wo jeder auf irgendetwas spezialisiert ist, im Labor den ganzen Tag Weine analysieren. Ich muss raus in den Weinberg, aber natürlich auch in den Keller – irgendwie möchte ich eigentlich alles machen. Nur Labor oder nur im Büro, das wird doch schnell langweilig. Das ist der Vorteil von so einem kleinen Weingut, da kann ich alles machen. Den Trecker fahren, im Keller arbeiten und auch mal Kunden alles zeigen.” Sie
» ICH MUSS RAUS IN DEN WEINBERG, ABER NATÜRLICH AUCH IN DEN KELLER – IRGENDWIE MÖCHTE ICH EIGENTLICH ALLES MACHEN. « D o n a t a V ier i
biegt plötzlich scharf ab. “Scusi”, der Staub auf dem Schotterweg, der steil bergan führt, hängt wie eine milchige Fahne hinter uns, links
eben auch Schiefer. Ach ja, hier oben in dem alten Gebäude sind die ersten Jahrgänge des Saffredi entstanden, bevor die Kellerei unten ausgebaut wurde.” Wir fahren am mittelalterlichen Ort Pereta vorbei, der einsam auf einem kleinen Felssporn liegt und das ganze Tal der Albegna bis rüber nach Latium überblickt. Einige Kurven weiter biegen wir links hinter einer Hecke ab. Plötzlich stehen wir auf einem von Wald und Dornenbüschen umgebenen Plateau. “Poggio Valente”, meint Donata. “Ja, etwas weniger spektakulär. Da fehlt die Aussicht.”
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