GRUNDLAGEN | GERÄTE | BAUSTEINE – DER PRAXISNAHE EINSATZ ALLER WICHTIGEN DIGITALKOMPONENTEN Digitale Modellbahn mit Uhlenbrock
MAIK MÖRITZ
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INHALT
Impressum
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Vorwort
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KAPITEL 1 DIGITALE MODELLWELT
Fahren, Schalten und Melden im Digitalbetrieb
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1.1 Gewusst wie: Die Basics! Digitalbausteine im Zusammenspiel
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1.2 Bits und Bytes: Gleisprotokolle und Schnittstellen im Uhlenbrock-System 15 1.3 Auf der Höhe der Zeit! Moderner Digitalbetrieb mit LocoNet und RailCom 20
KAPITEL 2 STEUERGERÄTE AUS BOTTROP
Digitalzentralen für jeden Wunsch und jede Modellbahn
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2.1 Nicht nur für den Einsteiger: DAISY II und DAISY II WLAN
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2.2 Intellibox 2neo: Multifunktionszentrale mit Grafikdisplay und WLAN
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2.3 Intellibox 3: Digitales Flaggschiff mit Farbdisplay
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KAPITEL 3 AUSREICHEND ENERGIE
Zuverlässige Stromversorgung für Loks und Zubehör
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3.1 Strom für Loks und Züge: Zuverlässiger Fahrbetrieb mit und ohne Booster 43 3.2 Problempunkt Kehrschleife! Mit schneller Automatik gegen Kurzschlüsse 48 3.3 Uhlenbrocks Schaltnetzteile: Strom für Weichen, Signale und Beleuchtung 51
KAPITEL 4 SCHALTEN UND WALTEN
Steuerung von Signalen, Weichen und Zubehör
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4.1 Digitale Zubehördecoder: Signale, Weichen und Zubehör im Digitalbetrieb 57 4.2 Präzise Bewegungen: Servoantriebe auf der digitalen Modellbahn 60 4.3 Ganz nah am Vorbild: Digitale Licht und Soundfunktionen im Modell 63
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DIGITALE MODELLBAHN MIT UHLENBROCK
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KAPITEL 5 MELDEN UND STEUERN
Halb- und vollautomatischer Modellbahnbetrieb
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5.1 Gleisbesetztmeldungen: Wissen, wo sich welcher Zug befindet 73 5.2 Automatikbetrieb ohne PC: Uhlenbrocks Universalsteuerung in der Praxis 77 5.3 LISSY und MARCo: Digitaler Fahrbetrieb mit IR-Signalen und RailCom 80
KAPITEL 6 FAHRDIENSTLEITER
Wie im Original: Gleisbildstellpulte mit und ohne PC
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6.1 Uhlenbrocks Track-Control: DrS2-Drucktastenstellpult in Steckbauweise
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6.2 Gleisbildstellpulte mit PC: SpDrS60 und ESTW für die Modellbahn
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6.3 Win-Digipet: PC-Modellbahnsteuerung für Einsteiger und Profis
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KAPITEL 7 DIGITALE FAHRZEUGFÜHRER
IntelliDrive- und IntelliSound-Decoder für Lokomotiven und Wagen
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7.1 Uhlenbrock 74200: Lokdecoder für Wechselstrommotoren von Märklin
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7.2 IntelliDrive-2-Decoder: Einbau, Konfiguration und Betrieb
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7.3 Sound für die Bahn: Einsatz von IntelliSound-Decodern und -Modulen
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KAPITEL 8 HILFREICHE PC-TOOLS
Konfiguration von Digitalbausteinen mit dem Computer
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8.1 LocoNet-Tool: Programmierhilfe und Konfigurationsassistent
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8.2 Uhlenbrocks DigiTest: Test- und Programmiergerät mit PC-Anschluss
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8.3 IntelliSound-Ladeadapter: Sound laden von und mit dem PC
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DIGITALE MODELLBAHN MIT UHLENBROCK
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KAPITEL 1
DIGITALE MODELLWELT
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Digitale Modellbahnen sind schick und bringen heutzuta- ge einen enormen Funktionsumfang mit. Welche Kom- ponenten und Geräte dabei benötigt werden, hängt in erster Linie von den technischen Gegebenheiten und den persönlichen Vor- lieben des Anwenders ab. Wer lediglich eine überschaubare Anzahl von Lokomotiven und Zügen auf einer kleinen Anlage steuern möch- te, kommt schon mit wenigen Digitalkomponenten aus. Sollen auch Signale und Weichen digital geschaltet oder eine größere Anzahl an Schienenfahrzeugen bewegt werden, kommt der Modelleisenbahner um die Anschaf- fung weiterer Geräte nicht umhin. Wer sich dabei früh- zeitig auf wenige oder gar einen einzigen Digitalhersteller festlegt, erspart sich später eine Menge Ärger hinsichtlich möglicher Unverträglichkeiten innerhalb der gesamten digitalen Modellbahnwelt. Oft lassen sich die Komponenten des gleichen Herstel- lers sinnvoll vernetzen, was nicht nur den notwendigen Installationsaufwand, sondern auch mögliche Fehlerquel- len im Zusammenhang mit der Verkabelung minimiert.
Digitale Modellwelt FAHREN, SCHALTEN UND MELDEN IM DIGITALBETRIEB
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DIGITALE MODELLWELT
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1.1 Gewusst wie: Die Basics!
DIGITALBAUSTEINE IM ZUSAMMENSPIEL
Wer mit seinen Lokomotiven und Zügen digital fahren möchte, benötigt zunächst einmal eine Digitalzentrale. Diese erzeugt das digitale Steuersignal und stellt damit die Grundvoraussetzung für einen Digitalbetrieb dar. Die meisten Digitalzentralen bringen bereits von Haus aus einen kleinen eingebauten Booster mit. Mit derartigen Geräten lassen sich in den kleineren Baugrößen bzw. je nach Stromverbrauch oft schon mehrere Lokomotiven unabhängig voneinander auf dem gleichen Gleis steu- ern. Soweit die Digitalzentrale einen Handregler o.ä. mitbringt, werden für den einfachen Start in die digitale Modellbahnwelt keine weiteren Geräte benötigt. Mittlerweile werden vermehrt auch Digitalzentralen mit einer WLAN-Anbindung angeboten, sodass auch an- dere vorhandene Endgeräte, wie z.B. Smartphones oder Tablets, zur drahtlosen Bedienung der Modelleisenbahn benutzt werden können. MEHR STROM VON DER DIGITALZENTRALE MIT ZUSÄTZLICHEN BOOSTERN Wenn viele Lokomotiven und Züge gleichzeitig in Betrieb sind oder auch beim Einsatz von Lokomotiven und Zügen der großen Spurweiten, reicht der von der Digitalzentrale zur Verfügung gestellte digitale Fahrstrom nicht aus. In diesem Fall werden zusätzliche Fahrstrombooster benötigt und das gesamte Gleisnetz der Modellbahn in mehrere voneinander unabhängige Bereiche aufgeteilt. Die Übergänge zwischen den Gleisabschnitten müssen nach Herstellervorgabe sorgfältig isoliert werden, sodass jeder Booster lediglich seinen eigenen Fahrstrombereich versorgt und keine dauerhafte elektrische Verbindung zu den benachbarten Gleisabschnitten hat. Die kurzzeitigen Verbindungen zwischen den Boosterkreisen beim Über- fahren mit den Loks und Wagen sind zu vernachlässigen.
Die elektronischen Signale zur Steuerung der digitalen Modell- bahn werden von einer Digitalzentrale erzeugt. Diese ist für einen digitalen Modellbahnbetrieb daher unerlässlich.
In Verbindung mit WLAN-Digitalzentralen oder einem passen- den Interface lassen sich die Lokomotiven und Züge auf der digitalen Bahn auch mit dem Smartphone oder Tablet steuern.
Bei der drahtlosen Bedienung der Modellbahn können in vielen Fällen auch Handregler von Drittanbietern eingesetzt werden, wie hier am Beispiel der Roco-WLAN-Maus dargestellt.
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WEICHEN, SIGNALE UND ZUBEHÖR
Zu einer digitalen Modellbahn gehören natürlich auch Weichen, Signale und weiteres Modellbahnzubehör. Für den Fall, dass auch diese digital bedient werden sollen, werden zusätzliche Komponenten in Form von Digital- decodern benötigt. Eine Ausnahme bilden hier lediglich die digitalen Weichen und Signale aus dem Modellbahn- zubehör, die bereits ab Werk mit einem hauseigenen Digitaldecoder ausgerüstet sind und nach dem Kauf sofort in Betrieb genommen werden können. In der Regel erfolgt bei diesen Geräten die Stromversorgung und Steuerung dann gemeinsam über den Digitalstrom. Bei einer größeren Anzahl von Signalen und Weichen auf der Modellbahn kann es aufgrund der Stromaufnahme der Antriebe dann sinnvoll sein, dem gesamten digitalen Zubehör einen oder mehrere eigene Booster-Stromkreise zu spendieren. Konventionelle Signale und Weichen ohne eingebau- ten Digitaldecoder benötigen je nach Bauart zusätzlich entweder einen Schalt-, Magnetartikel- oder Servo- decoder. Dieser wandelt das digitale Steuersignal der Digitalzentrale in einen Schaltbefehl um. Für klassische Weichen und Formsignale mit Magnetantrieben kommen Magnetartikeldecoder mit kurzen Schaltimpulsen zum Einsatz. Lichtsignale und viele andere Zubehörkomponen- ten benötigen dagegen einen dauerhaften Schaltkontakt, sodass hier Schaltdecoder die richtige Wahl sind. Für die in letzter Zeit immer häufiger eingesetzten Servoantrie- be werden beim Einsatz mit der digitalen Modellbahn spezielle Servodecoder benötigt - eine Bedienung mit konventionellen Schalt- oder Magnetartikeldecodern ist hier nicht möglich. Einige Digitalspezialisten bieten heutzutage digitale Zubehördecoder mit bis zu 20 Ausgängen und mehr an, von denen jeder einzelne individuell und unabhängig voneinander auf Impuls- und Dauerbetrieb umgestellt werden kann. Auf diese Weise lassen sich viele unter- schiedliche Zubehörartikel mit einem einzigen Baustein schalten. Oft kann die eigentliche Stromversorgung der angeschlossenen Artikel sogar unabhängig vom relativ teuer erzeugten Digitalstrom erfolgen.
Um analoge Signale und Weichen digital zu bedienen, müssen Schalt- und Weichendecoder zwischengeschaltet werden.
Digitalbausteine, wie das LocoNet-Schaltmodul, gestatten auch einen Mischbetrieb von unterschiedlichen Verbrauchern.
STROMVERSORGUNG DER MODELLBAHN MIT SCHALTNETZTEILEN Moderne Schaltnetzteile haben den guten alten Modell- bahntrafo zur Stromversorgung der Modelleisenbahn in vielen Bereichen abgelöst. Gegenüber konventionellen Transformatoren sind Schaltnetzteile kleiner, leichter und deutlich effizienter. Außerdem können sie einen größe- ren Bereich an Eingangsspannungen verarbeiten, haben einen geringeren Standby-Verbrauch und liefern am Ausgang eine sofort verwertbare Gleichspannung, die in vielen Fällen sogar einstellbar ist. In größeren Stückzahlen hergestellt, bieten sie zudem ein deutlich besseres Preis-/ Leistungsverhältnis als konventionelle Trafos. Schaltnetzeile werden heutzutage von den allermeisten Digitalherstellern sowohl zur Stromversorgung ihrer Digi- talzentralen und Fahrstrombooster als auch zur Energie- versorgung des gesamten Modellbahnzubehörs inkl. der Anlagenbeleuchtung eingesetzt. Bei größeren Modell- bahnanlagen kommt hier schnell eine gewisse Anzahl an Netzteilen zusammen. Da Schaltnetzteile bauartbedingt
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für einen kurzen Moment einen recht hohen Einschalt- strom erzeugen, kann es durchaus vorkommen, dass beim zeitgleichen Einschalten mehrerer leistungsfähiger Netzteile die Sicherung in der Hausverteilung auslöst. Abhilfe schafft hier das zeitlich versetzte Einschalten der Modellbahnstromkreise, was in Verbindung mit einem oder mehreren Zeitrelais auch automatisch erfolgen kann. Aber Vorsicht! Arbeiten am 230-V-Netz sind lebensge- fährlich und dürfen nur von einer zugelassenen Fachkraft durchgeführt werden. RICHTIGE KABELAUSWAHL UND BERÜCK- SICHTIGUNG DER LEITUNGSQUERSCHNITTE Unabhängig davon, ob die Modellbahn über Modell- bahntrafos oder Schaltnetzteile mit Strom versorgt wird, kommt der gesamten Anlagenverkabelung eine besonders wichtige Bedeutung zu. Bei der Auswahl der Anschlusskabel muss unbedingt auf den notwendigen Leitungsquerschnitt geachtet werden. Wer dies nicht tut, riskiert im schlimmsten Fall die Auslösung eines Brandes. Für viele Anwendungen rund um die Modellbahn wird von den Modellbahnherstellern Litze mit einem Quer- schnitt von 0,14 mm 2 empfohlen. Dabei gilt es zu beach- ten, dass die gesamte Leitung nur bis max. 1,5 A belas- tet werden darf. Kleinere Querschnitte sollten auf der Modellbahn grundsätzlich nur in Ausnahmefällen einge- setzt werden. Für die Stromversorgung bis zu 5 A eignen sich Leitungen mit einem Querschnitt von 0,5 mm 2 . Bei einem Querschnitt von 0,75 mm 2 darf der Strom immer- hin schon bis zu 7,5 A betragen, was auch Modellbahn- anlagen der größeren Spurweiten ausreichend Reserven beschert. Selbstverständlich muss dabei jede am Netzteil angeschlossene Leitung den entsprechenden Querschnitt aufweisen, auch wenn beispielsweise nur eine einzelne LED angeschlossen ist. Grundsätzlich gilt: Je länger die Litze und je kleiner der Querschnitt, desto größer ist der elektrische Widerstand und damit auch der Spannungsverlust auf der Strecke. Gerade bei größeren Anlagen und längeren Kabelwegen ist es daher immer ratsam, eher einen größeren Quer- schnitt zu wählen, um die auftretenden Spannungsverlus- te so gering wie möglich zu halten.
Die betriebssichere Stromversorgung sollte für einen unbe- schwerten Modellbahnbetrieb stets die höchste Priorität haben. Dazu gehört natürlich auch der Strom für die Beleuchtung.
Schaltnetzteile mit passenden Stromverteilern haben den guten alten Modellbahntrafo mittlerweile in vielen Bereichen abgelöst. Sie sind kleiner, effizienter und preiswerter.
Bei der Auswahl der Anschlusskabel muss zum Schutz vor Brän- den unbedingt auf einen ausreichenden Querschnitt geachtet werden. Dann geht auch von Kurzschlüssen keine Gefahr aus.
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GLEISBESETZTMELDUNGEN UND AUTOMATISCHER FAHRBETRIEB
Neben der Handbedienung mittels Fahrregler, Smartpho- ne und Co. lassen sich digitale Modellbahnanlagen auch ganz oder teilweise automatisch steuern. In derartigen Fällen übernehmen spezielle Steuerbausteine oder ein PC die Bedienung der Lokomotiven und Züge. Auch die Weichen und Signale der kleinen Bahn werden dann in den meisten Fällen automatisch gestellt. Der manuelle und automatische Betrieb kann dabei auch Hand in Hand gehen. So ist es bei größeren Modell- bahnanlagen durchaus üblich, dass der Fahrbetrieb auf den längeren durchgängigen Streckenabschnitten ohne Dazutun des Modelleisenbahners über eine automatische Blockstreckensteuerung erfolgt. Auf diese Weise werden trotz einer hohen Zugfolge Auffahrunfälle sicher vermie- den und der Modelleisenbahner kann sich voll und ganz auf andere Aufgaben, wie z.B. den Fahr- und Rangier- betrieb im Bahnhof, konzentrieren. Auch selbstständig ablaufende Pendelzugstrecken oder die Steuerung eines verdeckten Schattenbahnhofs sind dankbare Aufgaben für einen automatischen Fahrbetrieb. Unabhängig davon, ob die Steuerung der Modellbahn über einen PC oder über spezielle Elektronikbausteine erfolgt, werden in jedem Fall Rückmeldungen über die Positionen der verkehrenden Züge benötigt. Die für den Automatikbetrieb zuständige Steuerung muss jederzeit wissen, wo genau sich welche Züge auf der Anlage befinden und ob die als nächstes zu befahrenden Gleis- abschnitte auch wirklich frei sind. Dazu wird das Schienennetz der gesamten Modellbahn in einzelne Streckenabschnitte eingeteilt, die elektrisch voneinander getrennt sein müssen. Spezielle Rückmelde- module überwachen die einzelnen Gleisabschnitte dauer- haft und melden jedes sich darauf befindliche Fahrzeug an die übergeordnete Steuerung. Je nach Gleis- und Digitalsystem können die Belegtmeldungen der einzelnen Gleisabschnitte über verschiedene technische Lösungen umgesetzt werden, welche wir allesamt im weiteren Verlauf dieses Buches selbstverständlich noch ausführlich kennenlernen werden.
Für den automatischen Fahrbetrieb eignet sich die Uhlenbrock- Universalsteuerung 68720. Ein PC wird dabei nicht benötigt.
Wer die Modellbahn z.B. mit einem PC steuern möchte, benö- tigt zur Abfrage besetzter Gleise spezielle Rückmeldemodule.
NAH AM VORBILD: GLEISBILDSTELLPULTE UND REALISTISCHE PC-STEUERUNGEN Nicht wenige Modelleisenbahner haben den Anspruch, eine möglichst naturgetreue und authentisch wirkende kleine Welt zu erschaffen. Der Wunsch, sich mit seiner Modellbahn so nah wie möglich am großen Vorbild zu orientieren, muss dabei beim digitalen Fahrbetrieb selbstverständlich nicht aufhören. Authentisch wirkende Gleisbildstellpulte lassen sich heutzutage für jedes gängi- ge Digitalsystem und jede dargestellte Modellbahnepoche einrichten. Sie sind vom Erscheinungsbild und der Bedie- nung der originalen Technik weitestgehend nachempfun- den und lassen das Herz eines jeden vorbildorientierten Modelleisenbahners höher schlagen. Gleisbildstellpulte mit echten Bedienfeldern und beleuchteten Gleissymbo- len können sowohl in der Realität als auch in Verbindung mit einem PC virtuell am Bildschirm dargestellt werden.
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und auf den Straßen einschalten um dann bis Mitternacht langsam wieder zu verlöschen. Am frühen Morgen er- wacht die kleine Modellwelt dann erneut zum Leben und lässt die Nacht nach und nach hinter sich. Wenn neben dem Wechsel von Tag und Nacht dann ab und zu auch noch ein Gewitter mit Blitz und Donner aufzieht oder sich der Himmel bei einem satten Regenguss merkbar verdun- kelt, kann von einer langweiligen Modelleisenbahnanlage mit Sicherheit keine Rede mehr sein. Modelleisenbahner, die ihre Modellbahnanlage mit typischen Hintergrundgeräuschen ausstatten möch- ten, werden in der digitalen Modellbahnwelt ebenfalls fündig. Oft genügen schon einzelne, gut ausgewählte Geräusche, um aus einer bestimmten Szene auf der Modellbahn ein lebendig wirkendes Ereignis zu machen. Mit Kirchenorgel und Glockenläuten wirkt die im Modell nachgebildete Hochzeit doch gleich viel interessanter. Aber auch Bahnhofsansagen oder das Läutwerk eines be- schrankten Bahnübergangs sind lohnende Anwendungen für einzelne Geräusche. Passende Soundmodule mit digi- taler Ansteuerung werden von verschiedenen Herstellern angeboten und lassen sich heutzutage problemlos in alle gängigen Digitalsysteme der Modellbahnwelt einbinden. Starre und eingefrorene Bewegungen können eine Modelleisenbahn schnell künstlich und unnatürlich wirken lassen. Die Anlage kann noch so anspruchsvoll und vorbildgetreu gestaltet sein – wenn sich außer den Lokomotiven und Zügen nichts in der eigenen kleinen Welt bewegt, will die gewünschte Stimmung des großen Vorbilds irgendwie nicht so recht rüberkommen. Meist reichen schon einige wenige bewegliche Funktionen links und rechts der Gleise, um überraschende Effekte zu erzielen, die schnell alle Blicke auf sich ziehen und die statische unbewegliche Modellbahnwelt vergessen lassen. Präzise und langsame Bewegungsabläufe lassen sich besonders gut mit Servoantrieben und Servomotoren realisieren. Die kleinen Antriebe sind universell einsetzbar und von ausgewählten Herstellern oft bereits mit inte- griertem Digitaldecoder erhältlich. Aber auch klassische Servoantiebe und Servomotoren ohne eigene Digitalsteu- erung finden über spezielle Servodecoder sehr einfach den Anschluss an die digitale Modellbahnwelt.
Gleisbildstellpulte mit echten Funktionssymbolen lassen sich in Verbindung mit dem Track-Control von Uhlenbrock nachbilden.
Für authentische Geräusche im Hintergrund sorgen spezielle digitale Soundbausteine, wie z.B. Uhlenbrocks Sound-Director.
LICHT, SOUND UND BEWEGUNG FÜR DIE DIGITALE MODELLBAHNANLAGE Zu einer zeitgemäßen digitalen Modellbahn gehören nicht nur die fahrenden Lokomotiven und Züge mit den Schienen, Weichen und Signalen. Auch das ergänzende Modellbahnzubehör kann und sollte in die digitale Steu- erung einbezogen werden. Wechselnde Beleuchtungssi- tuationen, dezente oder intensive Hintergrundgeräusche sowie typische Bewegungsabläufe sind untrennbar mit unserem alltäglichen Leben verbunden und bereichern die heimische Modellbahn enorm. Heutzutage lassen sich mit modernen LEDs überaus realistische Tag-/Nachtstimmungen erzeugen, die der gesamten Modellbahn einen ganz besonderen Reiz verlei- hen. Wer seine Modellbewohner über 24 Stunden beglei- tet, darf beispielsweise zusehen, wie sich bei beginnender Dämmerung nach und nach die Lichter in den Häusern
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NICHT OHNE DECODER: LOKOMOTIVEN UND ZÜGE IM DIGITALBETRIEB Bei den ganzen Überlegungen und Darstellungen hätten wir doch fast die Hauptdarsteller der kleinen Modellwelt vergessen. Neben aller Begeisterung für die realistische Anlagengestaltung und die digitale Steuerungstechnik mit all ihren faszinierenden Möglichkeiten sind es bei den meisten Modelleisenbahnern in erster Linie doch die fah- renden Lokomotiven und Züge, die den besonderen Reiz des Modellbahnhobbys ausmachen. Alle Lokomotiven und Triebwagen, die am digitalen Fahrbetrieb teilhaben wollen, benötigen zunächst einmal einen digitalen Fahrzeugdecoder. Der Fahrzeugdecoder ist das Herz eines jeden digital betriebenen Fahrzeugs auf der Modellbahn. Er empfängt die digitalen Steuersigna- le vom Gleis und setzt diese in die jeweiligen Fahr- und Schaltbefehle des Triebfahrzeuges um. Während neuere Fahrzeugmodelle oft schon ab Werk einen Digitaldecoder mitbringen, muss dieser bei anderen Modellen nachge- rüstet werden. Der jeweilige Decoder muss dabei natür- lich so gewählt werden, dass die technischen Anforderun- gen dem jeweiligen Fahrzeugmodell entsprechen. Dabei kommt es nicht nur auf den zur Verfügung stehenden Platz und evtl. vorhandene Digitalschnittstellen, sondern auch auf die elektrischen Eigenschaften des Modells an. Auch die grundsätzliche Bauart des Antriebsmotors sowie gegebenenfalls zusätzliche Sound- und Schaltfunktionen fließen in die Auswahl des Wunschdecoders ein. Alle gängigen Fahrzeugdecoder werden heutzutage mit Lötflächen, mit losen Kabelenden oder auch mit einer speziellen Digitalschnittstelle mit Stecker- und Buchsen- system angeboten, wie sie heutzutage bereits ab Werk bei vielen Lokomotiven vorhanden ist. Damit ausgerüstete Lokomotiven werden damit auch ohne Griff zum Lötkol- ben einfach und unkompliziert fit für den Digitalbetrieb. Für analoge Fahrzeuge oder betagtere Digitalmodelle sind im Fachhandel alle gängigen Digitalschnittstellen auch als Nachrüstplatinen erhältlich. Dazu vorab schon ein kleiner Tipp aus der Praxis: Wer ausreichend Platz hat, wählt für eine lange Lebensdauer optimalerweise immer den größten möglichen Decoder
Der Digitaldecoder übernimmt die Funktion des Lokführers. Hier ein IntelliSound-6-Decoder inkl. Energiespeicher.
Bei beengten Platzverhältnissen können Lokdecoder und Sound- modul auch abgesetzt voneinander installiert werden.
Für Fahrzeuge ohne eigenen Antriebsmotor kommen am besten spezielle Funktionsdecoder ohne Motorausgang zum Einsatz.
aus, um hinsichtlich der Belastbarkeit und der damit verbundenen thermischen Belastung eine bestmögliche Wärmeabfuhr und ausreichend Leistungsreserven beim Betrieb zu haben. Was bei Einbau und Betrieb der digita- len Fahrzeugdecoder sonst zu beachten ist, schauen wir uns im weiteren Verlauf des Buches noch genauer an.
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1.2 Bits und Bytes
GLEISPROTOKOLLE UND SCHNITTSTELLEN IM UHLENBROCK-SYSTEM
Grundsätzlich ist der Modelleisenbahner im Digitalbe- trieb nicht auf einen einzigen Digitalhersteller festgelegt. Alle marktführenden Komponenten sind innerhalb der gleichen Digitalprotokolle weitestgehend kompatibel und können in der Praxis gemeinsam eingesetzt werden. Sich bei der digitalen Modellbahn auf wenige verschie- dene oder sogar nur auf einen einzigen Digitalhersteller einzulassen, bringt meines Erachtens einige Vorteile mit sich. Viele Modellbahnhersteller, so auch der Digital- spezialist Uhlenbrock, arbeiten gerne mit einheitlichen Datenbussen zur Kommunikation zwischen den einzelnen Digitalkomponenten. Dies vereinfacht die Verkabelung der Modellbahn enorm und reduziert die Gefahr von Störungen erheblich. Wer sich intensiver mit der digitalen Welt der Modell- bahn auseinandersetzt, findet schnell heraus, dass so ziemlich jeder Digitalhersteller bei Betrieb und Technik seine eigene Philosophie verfolgt. Ein weiterer Vorteil bei der Festlegung auf einen oder einige wenige Digitalher- steller besteht daher darin, dass die Systemarchitektur aller Komponenten lückenlos zusammenpasst und einmal erlernte und verinnerlichte Zusammenhänge des einen Digitalbausteins auf viele weitere Komponenten aus dem gleichen Hause übertragen werden können. Dazu kommt noch, dass viele Digitalhersteller zur Verwaltung und Konfiguration ihrer Digitalkomponenten praktische Hard- und Softwarelösungen anbieten, die nicht selten für teures Geld gekauft werden müssen und für die Produkte anderer Hersteller oft nur eingeschränkt oder gar nicht benutzt werden können. Aber auch innerhalb des gleichen Herstellers lauern bei der Produktauswahl einige Fallstricke. So muss beim Kauf von neuen Digitalkomponenten unbedingt darauf geachtet werden, dass z.B. die Digitalschnittstellen und die Digitalprotokolle unabhängig vom Hersteller mit dem eigenen System konform sind.
Die Produkte des gleichen Herstellers besitzen untereinander oft auch Steckverbindungen außerhalb der Norm.
Die PluX22-Digitalschnittstelle ist genormt und kann in der Praxis auch herstellerübergreifend eingesetzt werden.
Die meisten Uhlenbrock-Digitalkomponenten bringen einen LocoNet-Anschluss mit und lassen sich über ein Systemkabel besonders einfach miteinander verbinden.
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