IHK-Magazin Ausgabe 08/2022

TITELTHEMA | ENERGIE

dest aufrechterhalten werden. Mittel- und langfristig müssen die erneuerbaren Energien aber mit hoher Intensität ausgebaut werden, sollen Deutschland keine dauerhaft hohen Stromkosten, mangelnde Wettbewerbsfähig- keit und Deindustrialisierung drohen. Das zeigt auch die im Oktober vorgestellte Stromstudie der IHK Metropolregion (siehe Seite 16). Hinsichtlich der Preisbildungsmechanismen kündigte die Bundesregierung vor kurzem einen 200 Milliarden Euro starken „Abwehr- schirm“ an, der den Anstieg der Energiekosten dämpfen soll. Die Expertenkommission „Gas und Wärme“ erarbeitete dazu Vorschläge für ein zweistufiges Entlastungsverfahren. Es soll eine staatliche Übernahme von Abschlags- zahlungen an die Energieversorger umfassen sowie eine teilweise Absenkung der Gas- preise auf zwölf Cent pro Kilowattstunde. Es ist jedoch unklar, in welchem Umfang diese Vorschläge Eingang in gesetzliche Regelungen finden. Manfred Schnabel, Präsident der IHK Rhein- Neckar, mahnt zur Eile: „Der Abwehrschirm muss nun schnell aufgespannt und auch hinsichtlich der Strompreise konkretisiert wer- den. Ebenso muss fortlaufend geprüft werden, ob weitere Schritte notwendig sind.“ Manche Ökonomen befürchten beispielsweise, dass ein Strompreisdeckel zu einer Verknappung des Angebots führt. Klar ist: Einfache Lösungen gibt es bei einer Problemlage dieser Größen- ordnung zwar nicht, doch die Zeit drängt, wenn es in Deutschland nicht dunkel und kalt werden soll. Dr. Stefan Burkhardt

Das lesen Sie im Titelthema

10 Versorgungssicherheit Wird den Betrieben der Strom abgedreht?

12 Lebensmittelbranche Wenn ein Industrieunternehmen unter Strom steht 14 Dienstleistungsbranche Wenn ein Betrieb den Strom-Verbrauch einer Kommune hat

15 Energieversorgung Welche Förderprogramme gibt es?

16 IHK-Stromstudie für die MRN Wirtschaft fordert Schulterschluss beim Ausbau erneuerbarer Energien 18 Drei Fragen an … Präsident Manfred Schnabel zur IHK MRN-Stromstudie

20 Alternative zu Gas und Co. Wenn Sonnetanken auf Bürokratie trifft 21 Service Wie unterstützt die IHK bei Energiefragen

finden ihre aktuelle Lage und die Aussichten als perspektivlos“, beschreibt DIHK-Präsident Peter Adrian die Stimmung unter den Unter- nehmen. Laut einer neuen Analyse des Bun- desverbands der Deutschen Industrie sehen sich 34 Prozent der Betriebe in ihrer Existenz gefährdet, fast jedes vierte Unternehmen will Teile der Produktion in das Ausland verlagern. Und wer nicht geht, könnte im perfekten Sturm aus Energiekosten, Inflation, rezessiven Dyna- miken und Zinswende aufgeben. Und jetzt? Die Priorität staatlicher Akteure bestand zunächst darin, die Mengenproble- matik zu lösen und über die Projektierung von LNG-Terminals und neue Gaslieferverträge die Energieversorgung Deutschlands zu sichern. Entscheidend für die Versorgungssicherheit ist aber nicht nur der gestiegene Stand der Gasspeicher, sondern auch der Gasverbrauch privater Haushalte in den ersten Monaten der Heizperiode. Und der liegt nach Aussage der Bundesnetzagentur noch immer zu hoch. Die Nachfrage nach Strom und Gas kann je- doch höchstens mittelfristig gedrückt werden, zum Beispiel durch Energieeffizienzmaß- nahmen, unternehmenseigene Photovoltaik- Anlagen, Wärmepumpen und die generelle Elektrifizierung der Produktion. Auf der Ange- botsseite kann die Stromproduktion kurzfristig durch eine Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern und Kohlekraftwerken zumin-

34 PROZENT

der deutschen Industrieunter- nehmen sehen ihre Existenz aufgrund der hohen Energie- kosten gefährdet. QUELLE: BDI

Umfrage der IHK Rhein-Neckar, an der sich 156 Industrieunter - nehmen beteiligt haben. Dem- nach sind über 90 Prozent der Industriebetriebe unmittelbar von den hohen Energiekosten betroffen. 16 Prozent der Befrag - ten geben an, ihre Produktion zurückzufahren. Jedes zehnte Unternehmen erwägt eine Ver - lagerung ihrer geschäftlichen Tätigkeit (Mehrfachnennungen möglich). Mehr zu Konjunktur auf Seite 28.

IHK-Umfrage zu Energiekosten Die Industriebetriebe in der Region sind massiv von den gestiegenen Energiepreisen betroffen. Als Reaktion fahren sie teilweise ihre Produktion runter oder erwägen, Produktion zu verlagern. Knapp drei Viertel gibt die gestiegenen Preise an die Abnehmer weiter. Befragt nach den Folgen einer möglichen Gasdrosselung um 25 Prozent, geben 14 Prozent der Unterneh - men an, ihre Produktion dann einstellen zu müssen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer

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