RZ_KW11_2017

AZA 4125 Riehen 1

17. März 2017

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

96. Jahrgang | Nr. 11

Nächste Ausgabe Grossauflage Die nächste RZ erscheint in 12’000 Exemplaren. Siewird in alle Haushalte von Riehen und Bettingen verteilt. Redaktion und Inserate: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehener-zeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

Jugendtreff: Renoviertes «Go-In» strahlt jetzt in neuem Glanz SeIte 2

Meisterpianistin: Lettin Arta Arnicane am dritten Schubertiade-Konzert SeIte 5

Bettingen: Kandidierende für Ersatzwahl in den Gemeinderat im Porträt SeIte 9

Langlauf: Athleten des SSC Riehen setzten sich im Engadin in Szene

SeIte 13

WorkFAIr 50+ Ein junger Verein engagiert sich für die Arbeitsplatzsicherheit älterer Arbeitnehmender «Dem letzten Arbeitsjahrzehnt Würde geben»

Über 50-jährige Arbeitneh- mende haben zunehmend Probleme, ihre Stelle zu behalten oder eine neue zu bekommen. Das war das Hauptthema einer Forums- veranstaltung im Gemeinde- haus Riehen. Mit rund 4000 Arbeitsplätzenbei einer Bevölkerungszahl von rund 22’000 sei Riehen punkto Beschäftigung wohl keine typische Schweizer Gemeinde, meinte der Riehener Gemeindepräsi- dent Hansjörg Wilde im Rahmen des Forums «Arbeitsmarktsituation der über 50-Jährigen» vom vergangenen Dienstagabend im Bürgersaal des Gemeindehauses. Als Unternehmer stelle er aber auch hier einen Wandel in der Arbeitswelt fest. Alte Werte wie Qualität, Betriebszugehörigkeit, Ver- trauen seien abgelöst worden durch Ansprüche wie günstig, schnell, digi- tal. Wo das hinführen werde, wisse er nicht. Auf jeden Fall gebe es heute Leute in fortgeschrittenerem Alter, die ihre Arbeit verloren hätten und nun praktisch ohne Chance seien, sich wieder in die Arbeitswelt zu inte- grieren. «Wir wollen vernetzen und das Thema weiterdenken», sagte Pascal Pfister als Moderator des Abends zur Begrüssung. Von ihm stammt der Satz «Die, die uns bis 70 arbeiten lassen wollen, und die, die keinen über 50 mehr einstellen wollen, das sind die- selben, oder?». Er hat ihn vor einigen Monaten auf Facebook gepostet, mit beträchtlichem Echo. Pfister, der sich aktuell umdas Prä- sidiumder SP Basel-Stadt bewirbt und im Grossen Rat politisiert, ist Präsi- dent des vor Jahresfrist gegründeten Vereins «Workfair 50+». Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, wie gross und umfassend die Proble- matik der Menschen über 50 in unse- rer Arbeitswelt mittlerweile geworden sei. Workfair 50+ bietet eine Beratung für Betroffene bei Erwerbslosigkeit und beruflicher Neuorientierung, Rolf Spriessler-Brander

zunehmend Teilzeit, dafür aber mehr- fach gearbeitet werden müsse und ein Job allein zunehmend nicht mehr existenzsichernd sei. Stossend sei, dass Schweizer Ar- beitnehmende – und ihre Arbeitgeber – mit zunehmendem Alter immer höhere Beiträge in die berufliche Vor- sorge einzahlen müssten, was dazu führe, dass ältere Arbeitnehmende für die Betriebe immer teurer würden, klagte Bayerdörfer, und warnte vor deren Abdriften in Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe. Während die über 50-Jährigen im monatlichen Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO mit drei Prozent unterdurch- schnittlich vertreten seien, würden sie bei den Regionalen Arbeitsver- mittlungszentren RAV zu 43 Prozent als Langzeitarbeitslose geführt. Und während die Zahl der Sozialhilfefälle zwischen 2001 und 2015 bei den 26- bis 35-Jährigen um 21 Prozent und bei den 36- bis 50-Jährigen um 42 Pro- zent angestiegen sei, betrage die Steigerung der Sozialhilfefälle bei den 51- bis 65-Jährigen unglaubliche 135 Pro-zent. Dies sei nicht als demo- grafischer Effekt erklärbar. «Das Thema ist lanciert» «Es muss darum gehen, dem letz- ten Arbeitsjahrzehnt Würde zu geben und Möglichkeiten zu schaffen, dass alle Arbeitswilligen und -fähigen bis zur ordentlichen Pensionierung im Arbeitsprozess bleiben können», er- klärte Gemeinderätin Annemarie Pfeifer. Mit dem Forum des Vereins «Workfair 50+» in Riehen habe nun quasi ein «coming out» stattgefunden und das Thema sei lanciert. Pfeifer forderte die Vereinsverant- wortlichen auf, ihre Ideen in die Po- litik einzubringen, denn es brauche viel Überzeugungskraft, um in der Wirtschaft andere Arbeitsmodelle anzustossen, in denen die Berufser- fahrung der über 50-Jährigen besser zur Geltung komme. Wieso zum Bei- spiel müsse man im Alter höhere Pensionskassengelder einzahlen? Auch in Riehen zeige sich der Trend, dass der Anteil der Sozialhilfebeziehen- den in den Altersgruppen zwischen 40 und 60 stark ansteigend sei. «Wir sehen das Problem, sind aber noch in der Aufwachphase», meinte sie dazu.

Die Gründungsmitglieder des Vereins «Workfair 50+» Roger Goetti (Zweiter von links), Pascal Pfister (Mitte) und Pierre Bayerdörfer (Zweiter von rechts), flankiert von Regierungsrat Christoph Brutschin (links) und Gemeinde- präsident Hansjörg Wilde (rechts) im Bürgersaal des Gemeindehauses. Foto: Rolf Spriessler-Brander

möchte Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen für ältere Arbeitneh- mende sowohl unterstützen als auch selber initiieren und ausserdem po- litisches Lobbying betreiben (www. workfair50plus.ch). Die Lebensstelle ist passé Das Thema «50 plus» beschäftige den Regierungsrat zunehmend, er- klärte der Basler Wirtschafts-, Sozial- und Umweltdirektor Christoph Brut- schin. Während man früher eine Lehre gemacht, einen Welschland- und/oder Auslandaufenthalt absol- viert und dann eine Lebensstelle in einem Betrieb angetreten habe, seien die Ansprüche heute deutlich höher. Eine Grundausbildung allein genüge

nicht mehr, um eine berufliche Karri- ere zu machen. Der Weiterbildungs- bedarf sei enorm gestiegen, das Wis- sen sei nicht mehr so stabil wie früher und man müsse sich im Verlauf seines Berufslebens ständig wandeln. Brutschin plädierte in diesem Zusammenhang für eine Weiterbil- dungspflicht, die sowohl vom Arbeit- geber als auch vom Arbeitnehmer wahrzunehmen sei. Ein Betrieb müs- se dafür sorgen, dass seine Angestell- ten fachlich auf der Höhe blieben, und auch die Arbeitnehmenden selber müssten ein Interesse daran haben, sich beruflich fit zu halten, um bei einer späteren Stellensuche vermit- telbar zu sein. Brutschin sprach sich ausserdem für längere Kündigungs-

Reklameteil Gültig auch auf Hemdenabos 20% Auf alle Artikel Alle Filialen fristen für ältere Angestellte aus. Hin- gegen warnte er vor den Gefahren eines Kündigungsschutzes für ältere Mitarbeitende, denn dies dürfte zur Folge haben, dass die Betriebe die Leute einfach früher entlassen wür- den. So lange das Wirtschaftssystem so funktioniere, wie es dies heutzu- tage tue, müsse man sich nach dessen Mechanismen ausrichten, ob man diese nun gut finde oder nicht. Hilfe für Menschen über 50 Pierre Bayerdörfer ist eines der drei Gründungsmitglieder des Ver- eins «Workfair 50+». In seinemVortrag sprach er vom Einzug «amerikani- scher Verhältnisse» in unsere Ar- beitswelt, eine Arbeitswelt, in welcher

Reklameteil

IBA-Projekt Förderbeitrag für «Am Zoll Lörrach-Riehen»

Bärlauch- Bratwürste jetzt ganz frisch als erste Frühlingsboten

Berlin unterstützt Lörrach

rz. Lörrach erhält rund 5,3 Millionen Euro für das Projekt der Internatio- nalen Bauausstellung (IBA) «Am Zoll Lörrach-Riehen». Die Entscheidung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicher- heit sei auf Empfehlung einer unab- hängigen Jury gefallen, teilt die Stadt Lörrach in einem Communiqué mit. Der Projektantrag basiert auf den Er- gebnissen des Ideenwettbewerbs zum IBA-Projekt und wurde gemeinsam mit der IBA Basel 2020 und mit Unter- stützung des Bau- und Verkehrsde- partements Basel-Stadt unter dem Titel «Zollquartier Lörrach» erarbeitet und beim Bundesprogramm «Förde- rung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus» eingereicht. «Die Ergebnisse des Ideenwettbe- werbs zeigen auf, welche städtebau- lichen Potenziale im Bereich des Zolls vorhanden sind», lässt sich Lörrachs

Oberbürgermeister Jörg Lutz zitieren. Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der IBA Basel 2020 und dank der Unterstützung der Projektpartner bei der Stadt Basel und der Gemeinde Rie- hen habe man diese Auszeichnung erreichen können. Sie stelle ein deut- liches Zeichen für eine grenzüber- schreitende Zusammenarbeit dar, sagt Jörg Lutz. Die IBA Basel 2020 unterstützte massgeblich die inhaltliche Erarbei- tung des Projektauftrags, denn durch die Ideen zum Projekt «Am Zoll Lör- rach-Riehen» werde ein zentraler und bisher vernachlässigter grenzüber- schreitender Stadtraumstädtebaulich aufgewertet, heisst es weiter. Damit entstehe ein Beitrag zur integrierten städtebaulichen Entwicklung der grenzüberschreitenden Agglomerati- on, getreu dem Motto der IBA Basel «Gemeinsamüber Grenzenwachsen».

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Mitten im Dorf – Ihre …

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