AUS DER MITGLIEDSCHAFT
Beziehungsorientierte Pflege
erfolgreich implementieren –
Hilfe im Alter gGmbH
entwickelt praxisnahes Konzept
Wie die Umsetzung von §113c SGB XI zur nachhaltigen Qualitätssteigerung in stationären Pflegeeinrichtungen führt
Klare Strukturen und Qualifizierung
Beziehungsorientierte Pflege ist kein Gegenentwurf zu Effizienz. Sie ist ihre Voraussetzung.
Ein zentrales Element ist die klareTrennung von fachlicher und organisatorischer Verantwortung: Pflegekoordinator*innen übernehmen die fachliche Verantwortung für den Pflegepro- zess ihrer zugeordneten Bewohner*innen und erfüllen die Vorbehaltsaufgaben gemäß Pflegeberufegesetz. Bereichslei- tungen tragen die organisatorische Verantwortung für ihren Wohnbereich und gewährleisten u.a. reibungslose Abläufe. Für alle Qualifikationsniveaus wurden detaillierte Stellenbe- schreibungen entwickelt – von Pflegehelfenden bis hin zu spezialisierten Funktionsstellen wie Palliativbeauftragte oder Gerontofachkräfte. Neu ausgebildete Pflegefachpersonen werden durch strukturiertes Mentoring und ein speziell konzipiertes Trai- ning für Berufseinsteiger*innen auf ihre Rolle vorbereitet. Für Pflegehilfskräfte bietet die trägereigene Evangelische PflegeAkademie eine 120-stündige Basisqualifikation an, die von pflegerischem Handling über Expertenstandards bis hin zu palliativer Begleitung reicht. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle SPES (Spiritualität – Palliative Care – Ethik – Seelsorge) wurden palliative Fallbesprechungen niedrigschwellig in tägliche Übergaben integriert – ergänzt durch einen erweiterten Biografiebogen auf Basis des Total-Pain-Konzepts i.A. an Cicely Saunders. Vier Phasen der Implementierung Das Konzept gliedert sich in vier klar definierte Phasen: Vorbereitung, Kommunikation und Beteiligung, Implemen- tierung sowie Begleitung und Evaluation. Zentral für die nachhaltige Verankerung ist eine gelebte Reflexionskultur: Regelmäßige Gesprächsrunden auf allen Ebenen ermög- lichen es, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ein offenes Kommu- nikationsklima und die sichtbare Unterstützung durch die Leitungsebene sind dabei ebenso wichtig wie eine systema-
Impressionen vom Abschlussfachtag
tische Herangehensweise. Die Transformation wird bewusst als Gestaltungschance begriffen – bestehende Arbeitsabläufe werden kritisch hinterfragt, Effizienzpotenziale identifiziert und Qualitätsverbesserungen nachhaltig verankert.
Investition in Qualität und Zukunftsfähigkeit
Die Erfahrungen aus dem Förderprojekt zeigen: Die Um- stellung auf beziehungsorientierte Pflege ist anspruchsvoll, aber lohnenswert. Sie verbessert die Pflegequalität und die Zufriedenheit der Bewohner*innen, stärkt Mitarbeitende in ihrer professionellen Rolle und erhöht die Attraktivität der Einrichtung als Arbeitgeber. Denn eines ist klar: Ein „One size fits all“ gibt es in der Pflege nicht. Das modular aufgebaute Konzept lässt sich flexibel an die strukturellen, personellen und organisatorischen Besonderheiten jeder Einrichtung anpassen.
Die Hilfe im Alter gGmbH – Mitgliedseinrichtung der Diakonie München und Oberbayern – hat gemeinsam mit der Hochschule München ein praxisnahes Implementierungskonzept für beziehungsorientierte Pflege entwickelt und zeigt, wie §113c SGB XI zur nachhaltigen Qualitätssteigerung genutzt werden kann. Pilotierung in zwei Einrichtungen
Gemäß §113c SGB XI wird die einheitliche Personalbemes- sung in stationären Pflegeeinrichtungen geregelt. Doch wie lassen sich diese Vorgaben so umsetzen, dass nicht nur gesetzliche Anforderungen erfüllt, sondern auch die Pflegequalität nachhaltig gesteigert wird? In einem dreijäh- rigen Förderprojekt haben die Hilfe im Alter gGmbH und die Hochschule München darauf eine überzeugende Antwort gefunden. Im Mittelpunkt steht das „Six-Senses-Framework" des britischen Pflegeforschers Mike Nolan, das die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen ins Zentrum stellt und die Bedürfnisse aller Beteiligten – Bewohner*innen, Ange- hörige und Mitarbeitende – gleichermaßen berücksichtigt.
Das Konzept wurde zunächst in zwei Piloteinrichtungen erprobt: den evangelischen Pflegezentren in Kochel und Dachau. Durch regelmäßige Workshops, Feedbackrunden und eine systematische Evaluation konnten sowohl Erfolgs- faktoren als auch Herausforderungen identifiziert werden. Die aktive Partizipation der Mitarbeitenden erwies sich dabei als entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung.
Die Hilfe im Alter gGmbH bietet interessierten Trägern auf Anfrage Beratung, Schulungen und Workshops an.
BIRGIT KENNERKNECHT Hilfe im Alter gGmbH der Inneren Mission München Landshuter Allee 40 | 80637 München bkennerknecht@diakonie-muc-obb.de | www.hilfe-im-alter.de
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P.E.G. Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft eG
Ausgabe April 2026
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