Traumanlagen selbst gestalten

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DEM LESER ZUM GELEIT: „DIES SEI JETZT MAL ...“

D ie Beschäftigung mit Modellen als verkleinerten Abbildern einer Wirklichkeit ist uns Menschen von frü- hester Kindheit an eigen. Kleine Kinder lieben Puppen, Spielzeugautos, Höhlen aus Decken, Häuser aus großen Kartons, schlicht alle denkbaren Verkleinerungen einer tatsächlich oder angenommen sie umgebenden Lebensrealität. Diese Modelle sind mehr als nur Platz- halter, mit denen Verhalten erprobt und geübt werden kann. Sie erreichen eine ganz eigene Ebene von Echt- heit und Bedeutung als Bezugsobjekte. Dabei ist den Kindern schon früh bewusst, dass es sich bei den geliebten Spielsachen nicht um die Reali- tät handelt, sondern um Modelle derselben. Die Wie- dergaben dürfen vereinfacht und abstrahiert sein, sie werden trotzdem erkannt. Es scheint, als genüge ein gewisses Grundgerüst an Merkmalen, um Dinge ein- deutig einem Vorbildobjekt zuordnen zu können. Zwei Beine, zwei Arme, ein Kopf ergeben einen Menschen, vier Räder mit rechteckigem Körper sind ein Wagen, ein Auto, eine Lok. Die tatsächliche Interpretation eines Objekts hängt vom Kontext und den Interessen des Be- trachters ab. Das Nicht-Gezeigte wird durch Phantasie ergänzt. Kinder drücken das im Spiel sehr deutlich aus: „Dies sei jetzt mal ...“.

Dieses „Dies sei jetzt mal ...“ kennen wir auch als Erwachsene. Jede Modellbahnanlage ist eine solche Aussage. Immer versucht der Erbauer, beim Betrachter den Eindruck einer bestimmten Vorbildsitua­ tion zu erzeugen. Der Erfolg hängt davon ab, ob es dem Erbauer gelingt, die Schlüsselelemente der darzu- stellenden Szenerie überzeugend zu gestalten. Dazu muss der Erbauer auf der einen Seite wissen, wovon die Erkennbarkeit im Wesentlichen abhängt und was die erzeugte Illusion zerstören würde. Auf der anderen Seite muss er aber auch die Fähigkeiten ha- ben, seine Erkenntnisse modellbauerisch umzusetzen. Ein Meister beider Klassen ist Josef Brandl. Er trifft im Spannungsfeld aus Abstraktion und Vorbildtreue das richtige Maß und weiß dabei die gestalterischen und handwerklichen „Illusionskiller“ zu vermeiden. Seine Arbeitstechniken sind professionell und lassen eine genaue Vorhersage über das Ergebnis zu. Dieses Buch zeigt, wie Josef Brandl die Wirklichkeit interpretiert und zu einem Modell kondensiert. Es lädt Sie zum Mit- und Nachmachen ein. Bauen auch Sie Schritt für Schritt Ihre eigene Traumanlage, bauen Sie wie Brandl! Tobias Pütz

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INHALTSVERZEICHNIS

Impressum 2 Vorwort 3 PLANUNG UND UNTERBAU 6 Rahmen und Füße 10 Plan übertragen, Spanten bauen 16 TRASSEN, GELÄNDE, VERKEHRSWEGE 26 Viadukte 32 Kleine Brücken 38

Gleise legen, anschließen, lackieren 44 Tunnel bauen, Landschaft formen 52 Straßen und Wege 70 Felsen, Boden, Grundfarbe 76 Gleise schottern und patinieren 86 BEOBACHTUNGEN 92 VEGETATION 98 Bodendecker und kleine Pflanzen 102 Arbeit mit dem Elektrostaten 106 Gräser, Stauden, hüfthohes Kraut 114 Büsche, Bäume, Wälder 126 Felder und Wiesen 136 Im Garten 140 Grün rund ums Haus 144 GEWÄSSER 150

Nachweis der Anlagenbilder 160

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Bevor der erste Zug fährt, bevor das erste Gleis verlegt, ja sogar bevor das erste Holz gesägt wird, steht die Anlagenplanung an. „Bauen wie Brandl“ heißt, sich von Beginn an über Abmessungen, Gleisführung und Landschaftsstruktur klar zu werden. Alle wesentlichen Entscheidungen über den späteren Eindruck der Anlage fallen jetzt, nachträgliche Ände- rungen sind zwar nicht unmöglich, aber doch aufwändig. PLANUNG UND UNTERBAU

D er Ablauf ist im Prinzip immer der gleiche: Ein Auftraggeber äußert seine Wünsche und im Gespräch entwickeln Josef Brandl und er erste Festlegungen für die zukünftige Anlage. Für den späteren Anlagenbesit- zer stehen dabei andere Dinge im Vordergrund als für den Anlagenerbauer. Als zukünftiger Besitzer träumt man von Gleisen, Bahnhöfen, Landschaften, Wäldern, malt sich die kleine Traumwelt aus, in die man spä- ter eintauchen möchte. Anforderungen wie „Mein Bahnhof soll vier Gleise haben“ oder „Ich brauche eine doppelgleisige elektrifizierte Hauptstrecke mit Licht- signalen“ werden in dieser frühen Projektphase von Josef Brandl zwar wohlwollend registriert, er stellt die entsprechenden Themen jedoch erst mal zurück. Wichtig ist ihm in diesen Momenten vor allem, In- formationen über den zukünftigen Aufstellungsort der neuen Anlage zu sammeln. Wie sind die Raummaße?

Welche Einschränkungen durch Fenster, Türen, Säulen bestehen? Wie erhält man Zutritt zu den Räumen? Ist ein Transport von Anlagensegmenten durch das Treppenhaus möglich oder benötigt man eine externe Lösung, z.B. in Form eines Schrägaufzugs? Wo sind die Engstellen beim Transport? Aus all diesen Daten ergeben sich die späteren maximalen Abmessungen eines Segments. Auch die Form der Anlage, ihre Lage im Raum, die notwendig freizuhaltenen Wege zur Be- dienung und Wartung der Modellbahn, allgemein: ihre Zugänglichkeit, sind nun Thema. Josef Brandl weiß aus Erfahrung, unter welchen Umständen welche Abstände zwischen Anlage und Wand und auch zwischen ein- zelnen Anlagenschenkeln sinnvollerweise eingehalten werden sollten. Nun erst kommen betriebliche Aspekte ins Spiel: Aus dem grundsätzlichen Thema (Bsp. Nebenbahn, Haupt-

Ein professionelles Zeichenbrett verfügt über die nötigen Einrichtun- gen, um präzise planen zu können. Das Doppellineal mit einstell- barem Drehwinkel macht z.B. exakt parallele Linien bei nicht-recht- winkligen Anlagenteilen möglich.

Ziel der Zeichnung ist es nicht nur, die Rahmenkonstruktion zu vi- sualisieren, sondern auch die notwendigen Maße zu ermitteln. Der Einfachheit halber notiert Josef Brandl die Abmessungen direkt in der Zeichnung.

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hochgerechnet, drei bis vier Stunden täglich für sein Werk zur Verfügung. Wenn er nicht Familie, Freunde und sonstige Freizeitaktivitäten vernachlässigen will, bleibt ihm sogar noch deutlich weniger Zeit für sein Hobby. Eine Anlage gleicher Größe wird er nur in einem Vielfachen der Zeit aufbauen können, die Josef Brandl für das Werk benötigt. Wir reden hier nicht von Monaten, sondern von Jahren. Jeder kennt das: Kein Mensch bleibt einfach stehen, bei jedem entwickelt sich die Persönlichkeit mit der Zeit immer weiter. Erlebnisse und Erfahrungen geben neue Anregungen, Interessen, Vorstellungen und Bedürfnisse verschieben sich. Hinzu kommt die dem Menschen innewohnende Neugier, Neues ausprobieren und haben zu wollen. Was passiert, wenn eine Modellbahn immer nur stückchenweise geplant wird? Der erste Anlagenteil sei seit zwei, drei Jahren fertig, er sei schön geworden und gut gelungen. Nun steht die Konzeption des nächsten Teiles an. Natürlich berücksichtigt man bei der Planung neueste Produkte der Industrie sowie Herstellungs-, Montage- und Gestaltungstechniken, die es vielleicht vor einigen Jahren noch nicht gab. Vielleicht haben sich, weil zwischenzeitlich ein tolles neues Lokomotivmodell vorgestellt wurde, die eigenen Betriebswünsche verändert. Vielleicht ... – es gibt noch viele Dinge, die sich beim Herangehen an die Mo- dellbahn geändert haben können und wahrscheinlich sogar geändert haben. Das Resultat ist in jedem Fall: Der Stil, der Charakter der neuen Teilanlage wird ein anderer sein als der des bereits bestehenden Anlagen- teils. Dies ist keinesweg schlecht, die Gesamtanlage wird auch weiterhin – entsprechende Bauqualität vor- ausgesetzt – wunderschön sein. Nur, sie ist eben nicht aus einem Guss, so wie es eine Brandl-Anlage ist. Gleisplanung am Computer Zurück zu Josef Brandls Vorgehen bei der Planung. Er verwendet die Software WinTrack zur konkreten Gleis- planung. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Weichen- straßen und Gleisverbindungen. Dem Schattenbahnhof und anderen verdeckten Gleisanlagen widmet er hier besondere Aufmerksamkeit, da die spätere Betriebssi- cherheit dieser schwerer zugänglichen Bereiche nicht zuletzt von einer sauberen Einhaltung des vom Herstel- ler vorgegebenen geometrischen Zusammenspiels der verschiedenen Gleisstücke abhängt. Im sichtbaren Be- reich verwendet Josef Brandl fast nur Flexgleis. Es wäre zwar mit WinTrack möglich, auch die Lage dieser bieg- samen Gleise bis auf den Millimeter genau festzulegen, aber hierauf verzichtet Josef Brandl, um unnötigen Aufwand zu vermeiden. Wichtig sind ihm hier vor allem die exakten Lagen und Relationen zueinander von Weichen und anderen ortsfesten Installationen wie z.B. Drehscheiben. Die so entstandenen Gleispläne lassen

bahn mit Durchgangsbahnhof, Abzweigbahn- hof) und aus den Verkehrswünschen des Auf- traggebers ergeben sich die Anforderungen für die Nutzlänge und Anzahl der Gleise im Schattenbahnhof. Auch dieser muss natürlich in einem Mindestmaß zugänglich sein, was sich wiederum auf die maximalen Abmessungen der verschiedenen Anlagenteile auswirkt. Als Ergebnis all dieser Überlegungen und Beratun- gen stehen schlussendlich die maximalen Eckmaße der zu bauenden Anlage fest. Das Wort „Eckmaße“ ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Eine durch Geraden begrenzte ungleichmäßige Fläche lässt sich am ein- fachsten über die Koordinaten ihrer Ecken beschreiben. Mit ihnen lässt sich schnell eine maßstäbliche Skizze der Anlagengrundform anfertigen, in der erste Über- legungen zur Gleisführung, zur Lage des Bahnhofs, zu notwendigen technischen Dingen wie z.B. einer Gleis- wendel eingezeichnet werden können. Entspricht diese Grobplanung den Vorstellungen des Auftraggebers, setzt sich Josef Brandl an den Computer, um einen detaillierten Gleisplan auszuarbeiten. Überlegungen vorweg Wer bauen will wie Brandl, sollte sich unbedingt an dieses grundsätzliche Vorgehen halten. Ein Kennzei- chen Brandl’scher Anlagen ist, dass sie wie aus einem Guss wirken. Zuallererst werden die Abmessungen der Anlage festgelegt und Fragen ihres Transports geklärt. Erst dann werden konkrete Überlegungen angestellt, ob und wie das gewünschte Thema auf der verfügbaren Fläche umgesetzt werden kann. Natür- lich kann man hier den Einwand vorbringen, dass es auch schöne Modellbahnanlagen gibt, die über einen längeren Zeitraum in verteilten Abschnitten entstanden sind – sogar von Josef Brandl selbst! Gerade dies führt aber auch zur Entkräftung des Einwands: Josef Brandl und eine Reihe anderer Mo- dellbauer haben über viele Jahre hinweg Erfahrungen gesammelt und dabei eine eigene typische „Hand- schrift“ entwickelt. Wenn ein solcher Modellbauer heute einen Anlagenabschnitt gestaltet und in zwei Jahren einen weiteren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beide Teile gut miteinander harmonieren, eben „wie aus einem Guss“ erscheinen. Meist sind diese Anlagenbauer Profis, sie beschäftigen sich beruflich mit der Modellbahn und erzielen ihren Lebensunterhalt in der einen oder anderen Art damit. Sie verwenden demnach acht Stunden eines Arbeitstages oder mehr zur Beschäftigung mit dem Thema, genügend Zeit zum Üben, genügend Zeit aber auch, um irgendwann eine Art „fertig-ausgebildet“-Status zu erreichen. Ganz anders der Anlagenbauer, der die Modellbah- nerei als Hobby in seiner Freizeit betreibt. Ihm stehen,

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sich gut im Maßstab 1:10 ausdrucken und sind eine wichtige Unterlage für die Entwicklung der Landschaft und die Planung des Anlagenunterbaus. Auch Letztere könnte man am Computer vornehmen, jedoch hat sich Josef Brandl entschlossen, hier bei klassischer Entwurfstechnik zu bleiben. Als Untergrund dient ihm dabei ein professionelles Zeichenbrett, das in seiner Neigung und Höhe verstellbar ausgeführt ist. Teil des Geräts ist weiterhin eine verstellbare Winkelschie- ne, mit der sich exakt definierte Winkel einstellen und zeichnen lassen. Gezeichnet wird mit Bleistift auf Trans- parentpapier – es soll möglich sein, später zu radieren und Änderungen einzufügen. Als Maßstab wählt Josef Brandl hier meist ebenfalls 1:10, d.h. ein 2 cm dickes Brett wird 2 mm dick gezeichnet. Diese Darstellung ist groß genug, um ausreichend genaue Maße für den späteren Zuschnitt abgreifen zu können. Bei der Anordnung der Quer- und Längsversteifun- gen innerhalb der einzelnen Rahmen folgt Josef Brandl einem einfachen Schema: Wenn möglich, werden die vordere und die hintere Anlagenkante in 20 cm Entfernung gedoppelt, die Längsspanten werden mit 40 cm Abstand gesetzt. Knifflig sind nur „schräge“ Winkel, hier hilft ein Blick auf die Wirtschaftlichkeit auf der einen und die Stabilität der Konstruktion auf der anderen Seite. Die in den Bildern dieser Seiten gezeigten Zeichnun- gen gehören zur Anlage Heigenbrücken (Vorstellung in Eisenbahn-Journal Josef Brandls Traumanlagen 1/2011, Magistrale im Spessart). Wer genau hinschaut und mit dem unten abgedruckten Gleisplan der Anlage vergleicht, erkennt, dass Josef Brandl unnötige Schnör-

kel vermeidet und pragmatisch vorgeht: Der Weg ins Anlagen-U weist beim Durchgang zwischen der Wen- del und dem gegenüberliegenden Hauptstreckenteil eine Engstelle auf. Um hier ein ungehindertes Durch- kommen zu gewährleisten, musste das Hauptstrecken- teil eine Einbuchtung erhalten – die Wendel gibt die Maße vor. Josef Brandl zog die Vorderkante nun bis zur Querversteifung zurück und erhielt damit einen ungefähr 70 cm breiten Durchgang. 60 cm Durchgang hätten auch genügt, aber um Vieles mehr an Arbeit und Kosten mit sich gebracht. Fazit: Bauen wie Brandl heißt, eine Anlage kom- plett in einem Stück zu planen. Dabei werden so viele äußere Bedingungen wie möglich berücksichtigt, die eigentliche Gleisplanung fixiert dagegen vor allem die Weichen und lässt dem Gleisverlauf eine gewisse Flexibilität. Der Grundrahmen wird ganz pragmatisch mit einem 20–40-cm-Raster vorgesehen.

Der Gleisplan der Anlage „Heigenbrücken“. Die relativ schmale Form ergibt sich aus den Raummaßen. Die U-Form ist asymmetrisch angelegt, um eine dynamische Linienführung der Gleise zu errei- chen. Am rechten unteren Ende des U ist eine Wendel zum Schat- ten- und Wendebahnhof angelegt. Ihre großzügigen Abmessungen

erfordern eine Einbuchtung auf der dem Mittelgang gegenüberlie- genden Anlagenseite, damit dieser Gang eine ausreichende Breite erhält. Der Ausschnitt der Rahmenzeichnung zeigt die entsprechende Stelle, die Josef Brandl um 20 cm bis zur inneren Querversteifung eingezogen hat.

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RAHMEN UND FÜSSE Josef Brandls Werke sind für spätere Ortsveränderungen vorbereitet. Statt Leichtbau wird Stabilität gefordert. Diese erfordert Masse! Material wird natürlich trotzdem nicht verschwendet.

I m Vergleich zu manch anderen Anlagen sind die von Josef Brandl relativ schwer. Dies ist nicht zuletzt der kräftigen Spantenbauweise des Untergrunds geschul- det. Wie beschrieben, besteht die Grundlage eines Anlagensegments aus einem umlaufenden Rahmen mit inneren Längs- und Querversteifungen. Letztere werden in 20 cm Abstand zur vorderen und hinteren Rahmenkante angeordnet. Die Längsversteifungen liegen in jeweils 40 cm Abstand nebeneinander und verlaufen durchgehend von der vorderen bis zur rück- wärtigen Rahmenkante. Als Material für den Grundrahmen verwendet Josef Brandl, wie bereits in verschiedenen Eisenbahn- Journal-Heften beschrieben, seit Jahren Abachi-Holz. Dieses aus Afrika importierte helle, leicht gelbliche Holz ist leicht und doch belastbar. Aufgrund seiner relativ geringen Masse ist es recht weich. Trotzdem ist es formstabil und neigt wenig zum Verziehen. Zum Bear- beiten sollten nur scharfe Sägen verwendet werden, für weniger scharfe Blätter ist es zu weich. Aufgrund seiner Formstabilität trotz wechselnder Feuchtigkeit und des angenehmen Oberflächengefühls wird Abachi gerne im Saunabau für Sitzlatten verwendet. Josef Brandls Rahmenbretter haben einen Quer- schnitt von 2 x 10 cm, was sich in Bezug auf die Dicke

als sehr vorteilhaft erweist, wie später zu sehen sein wird. Das Ablängen erfolgt rechtwinklig anhand der von der Rahmenzeichnung abgenommenen Maße. Genauigkeit ist wichtig, fast noch wichtiger ist jedoch, dass alle parallelen Bretter die genau gleiche Länge haben, um Spannungen beim späteren Zusam- menbau zu vermeiden. Direkt nach dem Schnitt wird das fertige Werkstück gekennzeichnet. Eine mit einem weichen Bleistift beidseitig angeschriebene Kennung macht das Stück unverwechselbar und man behält jederzeit den Überblick, was schon alles geschaffen wurde und was nicht. Rahmenbau mit der Tischkreissäge Verarbeitet werden die Stücke auf einer Tischkreissäge. So sind exakt rechtwinklige Schnitte möglich, Voraus- setzung für einen stabilen Rahmenbau. Gehrungen für schräge Rahmen werden durch passendes Verstellen des Sägeblatts erreicht. Hat man wenig Erfahrung mit der Säge, sollte man eine Testreihe mit Holzresten durchführen, um ein Gefühl für den entstehenden Versatz zu bekommen. Die inneren Quer- und Längsstreben werden verkämmt montiert. Die dazu nötigen Ausnehmungen lassen sich sehr gut ebenfalls mit der Tischkreissäge

Die für das Gitterwerk aus Abachi-Holz notwendigen Kammschlitze entstehen präzise mit Hilfe einer Tischkreissäge.

Die Ausnehmungen für die Versteifungen werden im rechten Winkel zum Rahmenbrett ausgearbeitet.

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Bei 10 cm hohen Brettern muss die Sägeschnitttiefe für die Kammschlitze auf möglichst exakt 5 cm eingestellt werden. Die aufrecht stehend gesägten Bretter erhalten so genau bis zur Mitte gehende Schlitze. Wichtig ist das parallele Verfahren der Bretter beim Sägen, sie dürfen

herstellen. Durch die Verkämmung entsteht ein in sich stabiles Holzgitter. Wichtig ist präzises Messen. Sitzt der Kammschlitz an falscher Stelle, wird das kreuzende Holz in einer falschen Lage gehalten. Zwar lässt es sich dann immer noch mit seinen Nachbarn verbinden, ein z.B. falsch geschlitztes Längsholz jedoch ragt vorne oder hinten aus der gewünschten Position heraus. Ist der Schlitz nur um 1 oder 2 mm „daneben“, mag der Fehler erst einmal gar nicht auffallen. Beim Zusammen- bau des Rahmens ergeben sich jedoch Spannungen in der Konstruktion bzw. ein Zusammenbau ist erst mal gar nicht möglich. Natürlich ließe sich eine um wenige Millimeter versetzte Schlitzung mit einer Raspel oder einem weiteren Sägeschnitt weit genug öffnen, um zumindest einen spannungsfreien Zusammenbau zu ermöglichen. Die Gesamtstabilität würde jedoch leiden, da das im Beispiel querliegende Holz nur einseitig Kontakt zum längsliegenden hätte. Der auf der anderen Seite ver- bliebene Schlitz müsste aufwändig gefüllt werden. Eine sichere Methode, korrekt sitzende Schlitze herzustellen, beginnt schon bei der Planung: Durch die einfache Struktur „20 cm sowohl von der vorderen als auch von der hinteren Rahmenkante bis zur Querver- steifung“ lassen sich die Kammschlitze in den Längs- versteifungen auf beiden Seiten fast alle mit einem fix auf das passende Maß eingestellten Anschlag auf der Tischkreissäge herstellen. Ausnahmen gibt es nur bei schrägen Anlagenkanten. Die Querversteifung muss mehrfach geschlitzt werden, immer im Abstand von 40 cm. Auch dies lässt sich per Anschlag gut bewerk- stelligen, wenn es gelingt, diesen in einen soeben erzeugten Schlitz greifen zu lassen.

nicht verkanten. Manche Tischkreissä- gen bieten Schlitten und Anschläge zur Unterstützung dieser Bewegung an. Das Holz ist 2 cm dick, also wird der Anschlag für die Längsversteifungen auf 22 cm abzüglich Sägeblatt- dicke gesetzt. Mit dieser Einstellung ergibt sich der entfernte Schnitt für den Schlitz. Legt man nun eine 2 cm dicke Beilage (ein Reststück vom Rahmenholz bietet sich an) zwischen das zu schlitzende Brett und den Anschlag und sägt erneut, erhält man den Schnitt für die rahmennahe Seite des Schlitzes. Sind die beiden äußeren Sägeschnitte gesetzt, kann man den zwischen ihnen stehen gebliebenen Kern mit einigen weiteren, nun von Hand geführten Schnitten schwächen und entfernen. Zum Schluss bleibt an der tiefsten Stelle der Kammschlitze ein wenig Grat stehen, der mit einer Raspel leicht zu glätten ist. Prüfen vor dem Kleben Eine Passprobe mit einem anderen Brett mit fertigem Kammschlitz zeigt nun, ob man gut gearbeitet hat. Die Teile müssen leicht, aber ohne viel Spiel ineinan- der passen. Alle Kammschlitze sollten gleich sein, so dass es egal ist, welches andere Brett zum Probieren

Mit dem Holzleim entsteht eine Verbin- dung, die kaum noch zu lösen ist.

An den Knotenpunkten werden die Bretter kammartig ineinander gesteckt.

Eine lange Schraube si- chert die Kreuzungsstelle.

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da sie nach einiger Zeit zum Durchhängen neigen können. Gut geeignet sind Multiplex- und Siebdruck- platten. Bei den Schrauben wählt Josef Brandl möglichst lan- ge Typen. Abachi-Holz ist relativ weich, so dass kurze Schrauben zu wenig Halt im umliegenden Holz finden können, besonders wenn die Schrauben von der Stirn- seite her entlang der Fasern ins Holz gedreht werden. Josef Brandl verwendet hier 4 mm dicke, 60 mm lange Typen mit Bohrspitze und 38 mm langem Teilgewin- de. Beim Schraubenkopf setzt Josef Brandl auf Torx, das mehr Führung und eine besser Kraftübertragung verspricht als der traditionelle Kreuzschlitz. Gutes Werkzeug ist Pficht Ein paar Gedanken zu den Werkzeugen und räum- lichen Gegebenheiten: Wer eine Modellbahnanlage auf hohem Niveau bauen möchte, ist – unabhängig von der bevorzugten Bauweise und vom Stil – auf gutes Werkzeug angewiesen. Wer hier spart, spart am falschen Ende. Die hier wiederholt angesprochene Tischkreissäge ist natürlich nicht zwingend, man kann die gewünschten Arbeitsergebnisse auch auf anderen Wegen erreichen. Allerdings sind mit einer Stich- oder Handkreissä- ge kaum ausreichend genaue Schnitte zu erzielen. Eine Kapp- und Gehrungssäge kann beim Zuschnitt der Rahmen- und Verstärkungsbretter gut eingesetzt werden, die Kammschlitze sind mit ihr aber nicht so einfach herstellbar. Dafür muss dann eine hochwertige Handsäge herhalten, mit der bei geduldigem Vorgehen gute Ergebnisse erzielt werden können.

gewählt wurde. Gibt es eine Unstimmigkeit, diese am besten sofort korrigieren und nacharbeiten oder gleich ein neues Brett anfertigen. Bei der Montage des inneren Rahmengitters werden die Kammschlitze beidseitig verklebt. Zusätzlich wird die Verbindung durch eine zentrale Schraube gesichert und dann mit einem Winkelspanner bis zum Abbinden des Holzleims fixiert. Die Verbindung zwischen Gitter und eigentlichem Rahmen erfolgt ohne Zapfen oder Dübel. Das Rahmenbrett wird stumpf vor das Gitter geklebt und geschraubt. Die so erreichte Festigkeit ist mehr als hinreichend. Auch an den Rahmenecken verfährt Josef Brandl nicht anders. Auch hier stoßen beide Rahmen- bretter ohne Gehrung stumpf aufeinander, werden verklebt und verschraubt. Wichtig ist auch bei der Verarbeitung der Rahmenbretter, für eine gute Verspan- nung zu sorgen, bis der Leim abgebunden hat. Eine ebene Montagefläche Um die Rahmen gut montieren zu können, benötigt man eine große ebene Fläche. Nur wenn man die einzelnen Teile flach aufliegend zusammensetzt, kann man ein wirklich planes Ergebnis erwarten. Da die Rahmengröße nicht über 150 x 150 cm hinausgehen sollte (allein schon aus Gründen der Handhabbarkeit), bietet es sich an, eine ca. 2 x 2 m große kräftige Platte vorzuhalten, die man auf Böcken auflegen kann. Es liegt nahe, für diese Arbeitsfläche eine geschlossene Kunststoffbeschichtung zu wählen, diese ist glatter und ebener als offenes Holz und lässt sich leichter reinigen. Spanplatten sollte man hier nur mit Bedacht wählen,

Eine Winkelklemme sorgt für Halt, bis der Leim ab- gebunden hat.

Die Verbindung der Versteifungen zum Rahmen wird stumpf, nur mit Leim und Schrauben hergestellt.

Holzdübel oder ähnliche mechanische Hil- fen sind nicht notwendig.

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Der fertige Rahmen soll absolut eben und rechtwinklig sein. Eine plane Montagefläche ermöglicht dies.

Größere Verpackungseinheiten decken den hohen Schraubenbedarf. Josef Brandl setzt grundsätzlich Typen mit Torx-Kopf ein.

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Als Auflageplatten für die Füße werden ca. 20 x 20 cm-Platten unter den Rahmen geschraubt.

Hier finden die Kopfplatten aller handelsüblichen Fuß-Systeme genügend Montageplatz.

Josef Brandl verbaut genau die Füße, die der Auftraggeber der Anlage bevorzugt.

Unter Umständen muss auch im Innern eines Rahmens eine Stütze vorgesehen werden.

Zur Probe klemmt Josef Brandl die Rahmenteile schon vor der Fuß- montage flach auf dem Boden liegend zusammen.

Hier sollen Rahmenteile nicht mehr getrennt wer- den. Holzleim und Schrauben fixieren sie endgültig.

Der Anlagengrundrahmen ist fast fertig zusammengesetzt, eine kleine Lücke im Vordergrund ist noch zu schließen.

Ein angeklemmtes Brett dient als temporä- rer Fuß, bis die Lücke geschlossen ist.

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Die Anschaffung einer eigenen Tischkreissäge für den Rahmenbau sollte man nicht gleich von der Hand weisen, auch wenn Argumente wie „Brauche ich längerfristig nicht“ oder „Dafür habe ich keinen Platz“ im Raum stehen. Zum einen kann man Tischkreissägen mieten, zum anderen gilt: Wenn das eigene Gerät ein hochwertiges Markengerät ist, hat man gut Chancen, bei einem Weiterverkauf einen vernünftigen Preis zu erzielen. Das Platzargument ist eigentlich keines – wer bauen will „wie Brandl“, benötigt einfach Platz. Sinnvoll ist ein eigener Raum, in dem „Dreck“ ge- macht werden kann. Dies kann durchaus das zukünf- tige Modellbahnzimmer sein, man sollte sich jedoch darüber klar sein, dass sich der Raum kurzfristig in eine

ausgewachsene Werkstatt verwandeln wird – und das nicht nur wegen des Rahmenbaus. Natürlich gibt es immer die Alternative, sich den kompletten Rahmen von einem Schreiner vor Ort bauen zu lassen. Sind die Rahmen fertig, testet Josef Brandl, ob sie zueinander passen und die gewünschte Form ergeben. Dazu legt er sie auf dem Boden aus und klemmt sie mit Handzwingen zusammen. Erst dann erhalten sie ihre Füße. Aus einer Tischlerplatte entstehen ca. 20 x 20 cm große Stücke. Diese werden an den notwendigen Stellen von unten gegen den Rahmen geschraubt. Auf diesen wie Knotenblechen wirkenden Platten lassen sich dann die Füße montieren. Welche das sein sollen, entscheidet der Auftraggeber. Es gibt verschiedene Systeme am Markt, die jeweils eigene Möglichkeiten mitbringen. Gemeinsam ist den meisten, dass eine ge- trennte Kopfplatte unter dem aufzuständernden Objekt montiert wird, in der dann der eigentliche Fuß befestigt wird. So bleiben die Füße demontierbar und das Objekt selbst besser transportierbar. Vom „Gesicht“ auf die Füße gestellt, werden die Rahmen nun erstmals miteinander verbunden. Dabei geht es darum, feste, aber doch lösbare Verbindun- gen zwischen der Rahmen herzustellen. Josef Brandl verwendet hier spezielle Muffen, die z.B. von Hobby- Ecke Schuhmacher als Modulverschraubung angeboten werden. Ihre Funktion ist es, präzise und ausschlag- sichere Löcher für die Rahmenverbindungsschrauben bereitzustellen. Gleichzeitig verteilen sie den Druck, den die Verschraubung auf das Holz ausübt, auf eine größere Fläche. Die eigentliche Verbindung zwischen den Rahmen wird duch M10-Maschinenschrauben mit Beilagscheiben und Flügelmuttern hergestellt.

Josef Brandls spezielle Lehre erlaubt es ihm, schnell und präzise die für die Modulverschraubung nötigen Löcher herzustellen.

Gebohrt wir mit dem Winkelschleifer und einem im Durchmesser passenden Fräskopf.

Nun können die Muffen eingesetzt und die Hilfsschrauben heraus- gedreht werden.

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Stück für Stück erhalten die Rahmen Abdeckplatten, die an den Kan- ten exakt an die Rahmen angepasst werden, einen Technik-Bereich

jedoch aussparen. So entsteht eine erste Anlagenfläche, die für die nächsten Schritte zur Arbeitsfläche wird.

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