DEM LESER ZUM GELEIT: „DIES SEI JETZT MAL ...“
D ie Beschäftigung mit Modellen als verkleinerten Abbildern einer Wirklichkeit ist uns Menschen von frü- hester Kindheit an eigen. Kleine Kinder lieben Puppen, Spielzeugautos, Höhlen aus Decken, Häuser aus großen Kartons, schlicht alle denkbaren Verkleinerungen einer tatsächlich oder angenommen sie umgebenden Lebensrealität. Diese Modelle sind mehr als nur Platz- halter, mit denen Verhalten erprobt und geübt werden kann. Sie erreichen eine ganz eigene Ebene von Echt- heit und Bedeutung als Bezugsobjekte. Dabei ist den Kindern schon früh bewusst, dass es sich bei den geliebten Spielsachen nicht um die Reali- tät handelt, sondern um Modelle derselben. Die Wie- dergaben dürfen vereinfacht und abstrahiert sein, sie werden trotzdem erkannt. Es scheint, als genüge ein gewisses Grundgerüst an Merkmalen, um Dinge ein- deutig einem Vorbildobjekt zuordnen zu können. Zwei Beine, zwei Arme, ein Kopf ergeben einen Menschen, vier Räder mit rechteckigem Körper sind ein Wagen, ein Auto, eine Lok. Die tatsächliche Interpretation eines Objekts hängt vom Kontext und den Interessen des Be- trachters ab. Das Nicht-Gezeigte wird durch Phantasie ergänzt. Kinder drücken das im Spiel sehr deutlich aus: „Dies sei jetzt mal ...“.
Dieses „Dies sei jetzt mal ...“ kennen wir auch als Erwachsene. Jede Modellbahnanlage ist eine solche Aussage. Immer versucht der Erbauer, beim Betrachter den Eindruck einer bestimmten Vorbildsitua tion zu erzeugen. Der Erfolg hängt davon ab, ob es dem Erbauer gelingt, die Schlüsselelemente der darzu- stellenden Szenerie überzeugend zu gestalten. Dazu muss der Erbauer auf der einen Seite wissen, wovon die Erkennbarkeit im Wesentlichen abhängt und was die erzeugte Illusion zerstören würde. Auf der anderen Seite muss er aber auch die Fähigkeiten ha- ben, seine Erkenntnisse modellbauerisch umzusetzen. Ein Meister beider Klassen ist Josef Brandl. Er trifft im Spannungsfeld aus Abstraktion und Vorbildtreue das richtige Maß und weiß dabei die gestalterischen und handwerklichen „Illusionskiller“ zu vermeiden. Seine Arbeitstechniken sind professionell und lassen eine genaue Vorhersage über das Ergebnis zu. Dieses Buch zeigt, wie Josef Brandl die Wirklichkeit interpretiert und zu einem Modell kondensiert. Es lädt Sie zum Mit- und Nachmachen ein. Bauen auch Sie Schritt für Schritt Ihre eigene Traumanlage, bauen Sie wie Brandl! Tobias Pütz
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