Traumanlagen selbst gestalten

Bevor der erste Zug fährt, bevor das erste Gleis verlegt, ja sogar bevor das erste Holz gesägt wird, steht die Anlagenplanung an. „Bauen wie Brandl“ heißt, sich von Beginn an über Abmessungen, Gleisführung und Landschaftsstruktur klar zu werden. Alle wesentlichen Entscheidungen über den späteren Eindruck der Anlage fallen jetzt, nachträgliche Ände- rungen sind zwar nicht unmöglich, aber doch aufwändig. PLANUNG UND UNTERBAU

D er Ablauf ist im Prinzip immer der gleiche: Ein Auftraggeber äußert seine Wünsche und im Gespräch entwickeln Josef Brandl und er erste Festlegungen für die zukünftige Anlage. Für den späteren Anlagenbesit- zer stehen dabei andere Dinge im Vordergrund als für den Anlagenerbauer. Als zukünftiger Besitzer träumt man von Gleisen, Bahnhöfen, Landschaften, Wäldern, malt sich die kleine Traumwelt aus, in die man spä- ter eintauchen möchte. Anforderungen wie „Mein Bahnhof soll vier Gleise haben“ oder „Ich brauche eine doppelgleisige elektrifizierte Hauptstrecke mit Licht- signalen“ werden in dieser frühen Projektphase von Josef Brandl zwar wohlwollend registriert, er stellt die entsprechenden Themen jedoch erst mal zurück. Wichtig ist ihm in diesen Momenten vor allem, In- formationen über den zukünftigen Aufstellungsort der neuen Anlage zu sammeln. Wie sind die Raummaße?

Welche Einschränkungen durch Fenster, Türen, Säulen bestehen? Wie erhält man Zutritt zu den Räumen? Ist ein Transport von Anlagensegmenten durch das Treppenhaus möglich oder benötigt man eine externe Lösung, z.B. in Form eines Schrägaufzugs? Wo sind die Engstellen beim Transport? Aus all diesen Daten ergeben sich die späteren maximalen Abmessungen eines Segments. Auch die Form der Anlage, ihre Lage im Raum, die notwendig freizuhaltenen Wege zur Be- dienung und Wartung der Modellbahn, allgemein: ihre Zugänglichkeit, sind nun Thema. Josef Brandl weiß aus Erfahrung, unter welchen Umständen welche Abstände zwischen Anlage und Wand und auch zwischen ein- zelnen Anlagenschenkeln sinnvollerweise eingehalten werden sollten. Nun erst kommen betriebliche Aspekte ins Spiel: Aus dem grundsätzlichen Thema (Bsp. Nebenbahn, Haupt-

Ein professionelles Zeichenbrett verfügt über die nötigen Einrichtun- gen, um präzise planen zu können. Das Doppellineal mit einstell- barem Drehwinkel macht z.B. exakt parallele Linien bei nicht-recht- winkligen Anlagenteilen möglich.

Ziel der Zeichnung ist es nicht nur, die Rahmenkonstruktion zu vi- sualisieren, sondern auch die notwendigen Maße zu ermitteln. Der Einfachheit halber notiert Josef Brandl die Abmessungen direkt in der Zeichnung.

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