RZ-KW20_2019

Riehener Zeitung 

Freitag, 17. Mai 2019

Nr. 20

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WALDBEGEHUNG Die Bürgergemeinden Riehen und Bettingen luden gemeinsam in den Wald

EINWOHNERRAT Gemeinde Riehen soll Schulraum erwerben rs. Im Rahmen der Einwohnerratssit- zung vom kommenden Mittwoch ste- hen mehrere Interpellationen zur Be- antwortung an. Themen sind dabei die Finanzierung von Ski- und Klas- senlagern in der Primarschule, das Verkehrsregime nach Beendigung der Strassenbauarbeiten des Kantons ent- lang der Tramlinie, Klimapolitik, Ar- mutsbekämpfung und Frauenstreik. Wegen geänderter Strukturen in- nerhalbder Gemeindeverwaltung ste- hen Änderungen in der Schulverein- barung mit Basel-Stadt und Bettingen, im Schulvertrag Bettingen-Riehen und in der Schulordnung an, die in Bettingen bereits genehmigt wurden und sachlich keine Änderung bringen. Ein wichtiges Traktandum betrifft die Gebäude des Schulraumprovisori- ums auf dem «Hebelmätteli» an der Niederholzstrasse 93. Die Gemeinde soll diese vom Kanton erwerben. Die- sem Vorschlag des Gemeinderats ha- ben die Sachkommissionen Publi- kumsdienste und Behörden (SPBF) und Bildung und Familien (SBF) in einem gemeinsamen Bericht einstim- mig zugestimmt. Der mit dem Kanton vereinbarte Kaufpreis, der sich durch den Buchwert in der Kantonsrech- nung sowie die Rückbaukosten und Brandschutzmassnahmen errechnet, beträgt 943’000 Franken. In seinem Bericht zum Anzug von Martin Leschhorn Strebel (SP) betref- fend Zukunft von Kirchenräumen als Quartiertreffpunkte in Riehen ver- weist der Gemeinderat darauf, dass er Anfang April 2019 für die Unterstüt- zung von Initiativen aus den Quartie- ren per sofort Mittel von jährlich 40’000 Franken bewilligt habe, und zwar zulasten des Leistungsauftrags der Publikums- und Behördendiens- te. «Mit den nun geschaffenen neuen Fördermöglichkeiten für Anliegen aus den Quartieren allein, die sich ja nicht nur auf Angebote in oder bei kirchlichen Treffpunkten beschrän- ken, kann die Gemeinde allfällige existenzielle (Finanzierungs-)Heraus- forderungen der Kirchen nicht lösen. Sie kann aber einen Beitrag zu einer lebendigen, quartiernahen Nutzung leisten. Weitergehende, existenzielle Massnahmen müssten Fall für Fall angeschaut werden», schreibt der Ge- meinderat im Bericht und beantragt, denAnzug als erledigt abzuschreiben. Als erledigt abschreiben lassen will der Gemeinderat auch den Anzug von Caroline Schachenmann (EVP) betref- fend autonomes Wohnen im Alter. Der Gemeinderat bilanziert: «Künftig ist aufgrund der demographischen Ent- wicklung in der Gemeinde Riehen mit einem erhöhten Bedarf an intermediä- ren Strukturen zu rechnen. Massnah- men von Seiten der Gemeinde wurden zumBeispiel mit der Implementierung der Siedlungs- und Wohnassistenz be- reits ergriffen. Es gibt jedoch weiterge- henden Handlungsbedarf, insbeson- dere im Bereich ‹Wohnen mit Service›. Die zuständige Sachkommission Ge- sundheit und Soziales wird regelmä- ssig über die Entwicklungen in diesem Bereich informiert werden.» Im Zwischenbericht zu einem An- zug der SMV schreibt der Gemeinde- rat, derzeit sei ein Planungsbüro dar- an, das Riehener Busnetz inklusive Ruftaxibetrieb zu überprüfen. Die Ergebnisse lägen bis Sommer 2019 vor.

Im Einsatz für einen stabilen Wald

Oberhalb des Fischer-Hofs informiert Revierförster Andreas Wyss über die Jungbaumpflanzung zum Erhalt der Artenvielfalt. Fotos: Michèle Faller

Andreas Künzi bereitet unter dem fachmännischen Blick von Forstwart- lehrling Mathieu Schmid das Terrain für eine junge Eiche vor.

und zur sogenannten Drahthose, die für Nadelhölzer und Sträucher geeig- net sei, komme der Flächenschutz des Zauns rund um das Waldstück. Nicht zuletzt sei auch die Jagd mit dem lau- fend angepassten Abschussplan ein Wildschutz, ergänzte Stiegeler. Mithilfe beim Pflanzen von Jungbäumen Es folgte eine fachgerechte De- monstration einer Jungbaumpflan- zung durch Forstwartlehrling Mathi- eu Schmid, der jeden Handgriff sorgfältig kommentierte. Zaghaft zu- erst, doch immer zahlreicher und eif- riger machten sich die Anwesenden von der Bürgerrätin bis zum Gemein- depräsidenten ans Pflanzen von jun- gen Eichen. Voller Elan wurde die Wiedehopf-Hacke geschwungen und einige der Bäumchen fanden unter zufriedenem Lächeln ihren Platz im Waldboden. Nach getaner Arbeit ging es in die Kalkdarre, wo Guido Bader über den neu entstehendenWaldentwicklungs- plan berichtete. Während auf dem Plan von 2003 noch die Holzprodukti- on als Vorrangfunktion dominierte, ist es beim aktuellen Entwurf der Na- turschutz. Bader ging insbesondere auf den Erosionsschutz ein, der ange-

sichts von Starkniederschlägen wie im Sommer 2016 an Wichtigkeit zu- nehme. Erosionsschutzwälder, die das langsame Versickern des Regen- wassers begünstigen, seien im unte- ren Maienbühl, im Haid, in der Kalk- darre, imLinsberg und in der Allmend in Bettingen geplant. Im Linsberg informierte Andreas Wyss wie bereits Ende August am Bet- tinger Waldumgang bei Regenwetter über die Trockenheit. «Der Nieder- schlag kommt heute zwar konzent- rierter, doch insgesamt nimmt er ab» stellte der Revierförster klar. Insge- samt biete sich zwar ein grünes Bild, doch der obere Teil der Kronen sei bei vielen Bäumen abgestorben, erklär- ten Wyss und Bader. Da es hier weder Rastplatz noch Finnenbahn gebe, könne man sich erlauben, die Bäume etwas länger zu beobachten. Ansons- ten müssten die lädierten Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden. «Die Natur wirft die detaillierte Pla- nung über mehrere Jahre, wie sie frü- her üblich war, über den Haufen», sag- te Bader. «Heute müssen wir öfter reagieren als agieren.» Nach dieser Fülle an geistiger Nah- rung begab sich die Gruppe zum Abendessen ins Restaurant Baslerhof in Bettingen. tekturbüro als Vertragspartner richte- te. Das Beurteilungsgremium, in dem auch die Gemeinde Riehen vertreten war, konnte im vergangenen Februar fünf Projekte jurieren und hat den ers- ten Rang an die federführende Unter- nehmung Erne AG Holzbau aus Lau- fenburg in Zusammenarbeit mit Harry Gugger Studio AG aus Basel vergeben. Mit dem ausgewählten Siegerpro- jekt «Sheperd’s home» sei ein architek- tonisch, aber auch ökonomisch sehr gutes Projekt gewählt worden, heisst es in der Medienmitteilung des Fi- nanzdepartements. Und weiter: «Die Verfasser schlagen einNebeneinander aus länglichen Punktbauten und dy- namischen Freiräumen vor, das auf den vorgefundenenQualitäten des Be- stands aufbaut. Die vorgeschlagenen Neubauten werden mit grosser Sorg- falt und Rücksicht auf den Baumbe- stand situiert. Sie heben sich in Kör- nung, Form und Ausdruck bewusst von den Bestandsbauten ab. Das Zu- sammenspiel von Alt und Neu führt zu einer bemerkenswerten Durchläs- sigkeit und Luftigkeit des Areals.» Die grosse Stärke des Projektvor- schlags liege in den überzeugenden Grundrissen. Sämtliche Wohnungen seien nach dem Prinzip des Durch- wohnens organisiert, sodass jede Ein- heit von einer belebteren Eingangssei- te und einem ruhigeren Privatbereich profitiere. Das offene Treppenhaus und die jeweils beidseitig angelager- ten Lauben böten Raum zum gemein- schaftlichen Austausch. Sollte es gegen das noch einzurei- chende Baugesuch keine Einsprachen geben, werden die dreijährigen Bau- arbeiten in diesem Herbst beginnen.

Die ehemaligen und aktuellen Mit- glieder der beiden Bürger- und Ge- meinderäte, des Basler Bürgerrats, des Riehener Einwohnerrats sowie Ver- treter aus Forst- und Landwirtschaft sowie Jagdwesen folgten dem Revier- förster zu einem Waldstück oberhalb des Bauernhofs. Zuerst berichtete Wyss, weshalb das 60 Aren umfassende Waldstück verjüngt wird: Der Altholzbestand sei geschwächt gewesen, insbesondere aufgrund des Eschentriebsterbens. Immer wieder seien Bäume in der Nä- he des beliebten Erholungswegs um- gefallen, weshalb zirka 200 Bäume, vor allem Eschen und Buchen, gefällt worden seien. Um Baumarten einzu- bringen, die optimal mit Veränderun- gen umgehen können, sei eine künst- liche Verjüngung mit Eichen und anderen seltenen Baumarten wie Edelkastanie, Kirschbaum und Spei- erling beschlossen worden. «So kön- nen wir den Wald langsam zum Kli- mawandel hinführen, ohne die Artenvielfalt einzuschränken», so Wyss. Forstwart Walo Stiegeler klärte da- rauf über die drei Methoden des Feg- und Frassschutzes vor Rehen auf: Zum «Tube» aus abbaubarem Materi- al, der vor allem Laubbäume schütze,

Eine Jungbaumpflanzung mit Integrationsfaktor, der neue Waldentwicklungsplan und der Trockenstress im Linsberg waren die Themen der Waldbegehung. Altbekannt ist, dass dieWaldumgänge der Bürgergemeinden Riehen und Bettingen sowohl lehrreich als auch unterhaltsam sind. Neu waren letzten Freitag gleich zwei Dinge: Die beiden Bürgergemeinden führten die Wald- begehung zusammen durch – die letz- te gemeinsame fand im Oktober 2001 statt – und deren Gäste durften heuer nicht nur theoretisches Wissen verar- beiten und mitdiskutieren, sondern dem Forst aktiv unter die Arme grei- fen. Nach einem Imbiss auf dem Hof Fischer und der Begrüssung durch den Riehener Bürgerratspräsidenten Martin Lemmenmeier, Kreisforstin- genieur beim Amt für Wald beider Ba- sel Guido Bader und Revierförster für Bettingen und Riehen Andreas Wyss machte sich die Gruppe auf den Weg. Michèle Faller lov. Am Hirtenweg 16 bis 28 in Riehen entstehen neue erschwingliche Woh- nungen. Dies schreibt das Basler Finanzdepartement in einer Medien- mitteilung. Durch eine bessere Aus- nutzung der Parzelle könne die heu­ tige Anzahl Wohnungen von 32 auf 63 verdoppelt werden. Um dieses Ziel in städtebaulicher, architektonischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu er- reichen, haben Immobilien Basel- Stadt und Städtebau & Architektur (BVD) in enger Abstimmung ein Vari- anzverfahren durchgeführt, dessen Resultate nun vorliegen. 2009 beschloss der Riehener Ein- wohnerrat, den Baurechtsvertrag mit Basel-Stadt über die Wohnsiedlung am Hirtenweg 16 bis 28 nicht zu ver- längern. Somit folgte das Parlament dem Antrag des Gemeinderats, der nicht mehr ganze Siedlungen mit günstigen Wohnungen in der Ge- meinde haben wollte, weil dies zu einer Gettoisierung führen würde. Damit gehört die Siedlung seit nun- mehr zehn Jahren ganz dem Kanton. Da die Liegenschaften in die Jahre gekommen sind, ist in naher Zukunft eine Sanierung notwendig. Vor diesem Hintergrund hat Immobilien Basel- Stadt verschiedene Szenarien zur Er- gänzung der Wohnungen geprüft. «Im Sinne eines haushälterischen Um- gangs mit dem Boden wurde entschie- den, das Potenzial der heute unternutz- ten Parzelle besser auszuschöpfen und zusätzliche Wohnungen zu schaffen», erklärt Barbara Neidhart, Leiterin Kommunikation und Marketing bei Immobilien Basel-Stadt. Insgesamt befänden sich heute fünf Gebäude auf der Parzelle, vondenendrei inbewohn-

WOHNUNGSBAU Immobilien Basel-Stadt nutzt am Hirtenweg 16 bis 28 die bestehende Parzelle besser aus Der Kanton baut erschwinglichen Wohnraum am Hirtenweg

Kraft, der nach vergünstigten Kondi- tionen berechnet wird, analog dem Modell «Sicheres Wohnen im Alter». Die Information an die Mieterinnen und Mieter der rückzubauenden Ge- bäude habe bereits stattgefunden, er- wähnt Barbara Neidhart. Das Projekt sowie das umfassende Unterstüt- zungsangebot von Immobilien Basel- Stadt sei auf positives Echo gestossen. «Sheperd’s home» gewinnt Im April des letzten Jahres wurde ein Gesamtleistungswettbewerb in en- ger Zusammenarbeit zwischen Immo- bilien Basel-Stadt und Städtebau und Architektur ausgeschrieben, der sich an Totalunternehmermit einemArchi-

tem Zustand saniert und zwei rückge- baut und durch drei Neubauten ersetzt würden. Damit könne der Kanton dringend benötigten erschwinglichen Wohnraum schaffen, sagt Neidhart. Die Etappierung der Bauphasen ist so geplant, dass die Mieter am Ort bleiben können. Bevor das von ihnen bewohnte Gebäude rückgebaut wird, können sie jeweils in einen bereits fer- tiggestellten Neubau umziehen. Vom Zeitpunkt des Umzugs bis am Ende der Bauphase erhalten die Mieter laut dem Communiqué eine Mietzinsre- duktion und bezahlen im Neubau bis Bauende den Mietzins ihrer alten Wohnung. Danach tritt ihr definitiver Mietzins für die Neubauwohnung in

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