RZ_KW13_2017

AZA 4125 Riehen 1

31. März 2017

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

96. Jahrgang | Nr. 13

Redaktion und Inserate: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehener-zeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

«Einseitig»: Anwohner der Umfahrungsroute mit Petition und Rekurs seite 2

Streit: Tramhaltestelle «Burgstrasse» sorgt für erhitzte Gemüter

Versammlung: Auch die Bürgerinnenkorporation hat Nachwuchssorgen seite 9

Eröffnung: Die renovierte Filiale der Migros Bank erstrahlt in neuem Glanz seite 12

seite 3

seite 14

NeueröffNuNg Am Samstag, 1. April, geht der neue Steppenblüte-Laden auf

KoNKurs «Kinetic Gym» muss den Betrieb einstellen

Mit Infoschreiben abgespeist

Gutes für guten Zweck

Wer im Steppenblüte-Laden einkauft, tut sich selber etwas Gutes und unterstützt neben- bei Menschen mit gesundheit- lichen Beeinträchtigungen. Hoch oben auf dem Regal tummeln sich Schnecken, Hunde und Hasen aus Holz, dort stehen in Reih und Glied bunte Kindergartentäschchen mit Froschkönig- und Piratendeko. Ein paar Schritte weiter Kerzen, Tas- sen, Portemonnaies, Postkarten und hinten ein paar Bücherregale. Und noch einiges mehr. Zwischen den noch leeren Tablaren und halbausge- packten Kartons bewegen sich ge- schäftig ein paar Frauen. «Sind die anderen Taschen schon hier?», klingt es von der einen Seite. «Wo gibt es noch mehr Etiketten?» von der ande- ren.Morgen ist es aber soweit: Der Rie- hener Steppenblüte-Laden, der von der Baselstrasse 21 an die Schmied- gasse 32 umgezogen ist, lädt zur Neu- eröffnung. Die Basler «Steppenblüte» verfolgt seit über 40 Jahren das Ziel, Menschen mit einer vorübergehenden oder dau- ernden Beeinträchtigung in Wirt- schaft und Gesellschaft zu integrie- ren. Der Name bezieht sich auf ein Bibelzitat (Jesaia 35.1–7): «Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.» Dies verweist auf die christlichen Grundwerte der Institu- tion, die in Bezug auf das Aufblühen der Steppe die Rolle des Wassers über- nimmt. Über 40-jährige Erfolgsgeschichte Bereits Anfang 1970er-Jahre stell- ten in der Steppenblüte-Werkstatt Menschen, die am Rand der Gesell- schaft standen, in Freizeitarbeit die ersten Holzspielwaren her. Ab 1976 wurde für ein Taschengeld gearbeitet – der offizielle Start der Steppenblüte. 1978 kam ein Ladenlokal hinzu. 1983 wurde der Verein Steppenblüte-Ar- beitsgemeinschaft gegründet, der als «geschützte Werkstatt» von der IV an- erkannt ist und seither dem Personal Michèle Faller

Das «Kinetic Gym» an der Ecke Baselstrasse/Rössligasse empfängt ab sofort keine Kunden mehr. Foto: Loris Vernarelli

vor: «Seit mehreren Wochen funktio- nierten die Geräte dort nicht mehr mit TV-Signal, was den Kunden mitgeteilt wurde», schreibt sie. Fitnesskunden müssen sich nach Alternativen umschauen Wenn die Leitung eines funktio- nierenden Betriebs von einem Tag auf den anderen die Lichter löscht, ver- heisst das in der Regel nichts Gutes. Das ist auch hier der Fall: Recherchen der RZ haben ergeben, dass die Med- con GmbH den Konkurs angemeldet hat. Dies hat insbesondere für die Fit- nesskunden Folgen, die sich ab sofort ein neues Center suchen müssen. Ge- mäss dem Infoschreiben an der Ein- gangstür arbeitet die Medcon daran, für diese Personen «eine zufrieden- stellende Lösung» zu finden. Womög- lich wird eine Zusammenarbeit mit dem Fitnesscenter «Sportarena» an der Burgstrasse angestrebt. Mit einem blauen Auge davongekommen sind hingegen die Reha- und Physiothera- pie-Patienten, die ihre zuvor verein- barten Termine seit Anfang Woche an der Schützengasse 37 wahrnehmen können. Das Gesundheitszentrum war der Zweitstandort der Medcon, er wird jetzt unter dem Namen «Physio- therapie Jordi» weitergeführt. Gerne hätte die Riehener Zeitung mit Barbara Jordi, Geschäftsleiterin und Inhaberin derMedconGmbH, ge- sprochen. Bis Redaktionsschluss war sie jedoch weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar.

Verärgert und empört: Viele Kunden des «Kinetic Gym» standen in den letzten Tagen vor verschlossenen Türen. Über die Gründe der plötzli- chen Schliessung wurden sie im Dunkeln gelassen. Loris Vernarelli Der junge Mann steht verdutzt vor der verschlossenen Tür. «Das kann doch nicht sein!», sagt er mehrmals, bevor er erneut einen Blick auf das Informa- tionsschreiben wirft, das am Eingang hängt. «Leider müssen wir Ihnen mit- teilen, dass das Fitness der Medcon GmbH und der Standort Baselstrasse 60 unerwartet geschlossen werden mussten. DieMedcon GmbHwird den Betrieb an der Baselstrasse 60 bis auf Weiteres einstellen», steht hier schwarz auf weiss.WährendderMann ungläubig den Kopf schüttelt, erzählt er, dass er aus medizinischen Grün- den regelmässig ins Fitnessstudio ge- he. Anfang der letzten Woche sei er letztmals im Kinetic Gym gewesen und nichts habe auf eine baldige Schliessung hingedeutet. Im Gegen- teil: «Mein Bruder war auch dabei, weil er erstmals ein Abo lösen wollte. Der Mitarbeiter hat ihm die Geräte er- klärt und weitere nützliche Infos ge- geben. Hätte der Fitnesstrainer ge- wusst, dass bald Schluss ist, hätte er meinem Bruder wohl von einem Abo abgeraten.» Er gehe deshalb davon aus, dass die Mitarbeitenden keine Ahnung von der bevorstehenden Be- triebseinstellung hatten. Was ihn momentan am meisten nerve, sei die Tatsache, dass er als Kunde über die Schliessung nicht in- formiert worden sei. «Das ist eine Frechheit!», zischt er. In der Mittei- lung an der Glastür steht zwar, dass alle Kunden und Patienten in einem persönlichen Schreiben nähere und detailliertere Informationen erhalten werden. Auf ein solches hat der junge Mann allerdings bisher umsonst ge- wartet. Gleiches gilt auch für die RZ- Leserin, die uns per E-Mail kontak- tiert hat. Als Reha-Patientin habe sie seit dem 21. März keinen Zutritt mehr zum Gebäude, obwohl sie einen Ter- min vereinbart hatte. Telefonisch sei auch niemand erreichbar. Gespürt, dass etwas nicht stimmte, hatte die Medcon-Kundin schon Wochen zu-

Ladenleiterin Nadja Dal Mas und Mitarbeiterin Renata Läuchli vor den vollen Regalen des neuen Steppenblüte-Ladens. Fotos: Michèle Faller

mitsamt Sitzecke zum Schmökern, ausserdem das etwas ausgebaute Ge- schenkangebot für Männer, erklärt die Ladenleiterin und zeigt Tassen mit schlichtem Design, technische Gadgets, originelle Pflegeprodukte und – aus der eigenen Werkstatt – ein Wein-Küchenregal. «Ebenfalls neu ist die Plattform für Leute, die ihre Pro- dukte auf einem gemieteten Tablar verkaufen können», so Nadja Dal Mas. «Wir hatten immer wieder An- fragen und nun ist das möglich.» Am Samstag, 1. April, zwischen 9 und 17 Uhr können sich alle selber vom breiten Angebot überzeugen. Zusätzlich locken ein Glücksrad, ein Angelspiel für die Kleinen, Knabbe- reien und Getränke sowie ein am Er- öffnungstag abgegebenes Prozent- heftchen mit monatlichen Vergünsti- gungen bis Ende Jahr – von der Handtasche bis zu den handgemach- ten Teigwaren.

normale Löhne bezahlen kann. Heute stellt die Steppenblüte für rund 80 Menschen mit IV-Rente geschützte und gecoachte Arbeitsplätze in der Werkstatt und den zwei Läden bereit – in Riehen seit 2011.

Längere Öffnungszeiten und Männergeschenke

«Wir haben ein grösseres Angebot und neu auch über Mittag geöffnet», fasst Ladenleiterin Nadja Dal Mas die Neuigkeiten zusammen. Neu seien auch die beiden Arbeitsplätze vor der Theke für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf, die auch die Produktion der Werkstatt unterstütz- ten, wenn nicht grade ein grosser An- sturm im Laden sei. So kann die Kundschaft sogar einen Blick darauf werfen, wie ein Teil der hier verkauf- ten Produkte entsteht. Neu im Ange- bot seien Bücher aus dem christ- lichen und dem Geschenkbereich

Reklameteil

Reklameteil

Die Steppenblüte-Klassiker sind die Holzspielwaren.

Frische Spargeln aus Frankreich

weisse und grüne aus der Camargue

Telefon 061 643 07 77

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Kurz vor der Eröffnung des Ladens geben Nadja Dal Mas und Renata Läuchli den Regalen den letzten Schliff.

9 771661 645008

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