Rütter – Das Magazin

KÖRPERSPRACHE

Widersprüchliche Signale sind oft ein Grund, weshalb unsere Vierbeiner nicht das tun, was wir von ihnen erwarten oder gera- de möchten. Wir dürfen nicht vergessen: Kommunikation findet nicht nur durch Worte statt. Mit unserer Mimik, unseren Gesten, unseren Bewegungen und unserer Haltung sprechen wir eben- falls, und das unentwegt. Unser Körper ist sozusagen „immer auf Sendung“. Und da unsere Hunde über den visuellen Kanal wichtige Informationen über ihre Umgebung einholen, kriegen sie meist alles mit, was unser Körper so „erzählt“. Unsere vierbeinigen Freunde wissen oft schon vorher, was wir gleich tun werden. Das kennst du sicher auch: Du bist im Home- office und machst zwischendurch immer mal eine kurze Pause, um dir einen Kaffee zu holen. Dein Hund liegt bei dir in der Nähe und döst vor sich hin. Er reagiert nicht, wenn du in die Küche gehst und dich dann wieder an den Schreibtisch setzt. Irgend- wann stehst du auf, weil du ein paar Minuten frische Luft schnap- pen willst – und, zack, ist dein Fiffi hellwach und steht freudig wedelnd neben dir. Dein Hund weiß genau, jetzt wird’s interes- sant! Woher er das weiß? Er hat genau hingeschaut, hat erkannt, wie sich deine Haltung beim Gedanken an einen kurzen Spa- ziergang mit deinem Vierbeiner verändert hat, wie sich deine Muskeln entspannt haben, wie dein Blick zur Haustür oder zum Fenster hinausgeschweift ist. Selbst kleinste Nuancen entgehen ihm nicht. Deinem Hund kannst du nichts vormachen. Er liest in dir wie in einem offenen Buch. Umso wichtiger ist es deshalb, dass das „Buch Mensch“ für unsere Hunde auch verständlich ist. Aber woran liegt es, dass wir Zweibeiner uns oft so schwer damit tun, klar und deutlich zu kommunizieren? Um dies zu verstehen, schlagen wir einen

kleinen Bogen zum Thema Kommunikation allgemein. Ganz nüchtern betrachtet, ist Kommunikation die Übertragung von Informationen von einem Sender zu einem Empfänger. Sagst du zu deinem Hund „Platz“, und dein Vierbeiner legt sich hin, dann findet hier gleich mehrfach ein Austausch von Informationen statt: Du – als Sender - sagst das Signalwort „Platz“, und dein Hund – der Empfänger der Nachricht – legt sich ab. Seine Nach- richt an dich wiederum ist: Ich führe die Handlung aus, die ich mit dem Wort „Platz“ verknüpft habe. Sender und Empfänger von Nachrichten wechseln also ständig. Die meisten Menschen geben ihrem Hund nicht nur Hörzei- chen, sondern auch Sichtzeichen. So hebst du zum Beispiel den Zeigefinger, während du deinem Vierbeiner „Sitz“ sagst, oder du deutest mit der flachen Hand Richtung Boden und meinst damit „Platz“. Immer wieder beobachte ich im Training, dass der Mensch seinem Hund ein Hörzeichen für „Sitz“ gibt, dabei aber eine Handgeste für „Platz“ macht. Legt sich der Vierbeiner dann hin, kommt das Feedback „Ich hatte aber ,Sitz‘ gesagt.“ Verbal hat der Mensch dies durchaus getan. Sein Körper hat jedoch etwas an- deres mitgeteilt. Es war die kleine Geste – die flache Hand, die zum Boden zeigt –, die dem Vierbeiner vermittelt hat: Begib dich in eine liegende Position. Der Hund hat also mehr auf die Kör- perbewegung als auf das gesprochene Wort seines Menschen geachtet. Das ist nicht ungewöhnlich: Wir Menschen nutzen im Austausch viel häufiger unsere Lautsprache, während Hunde – als ursprüngliche Jäger – eher den lautlosen, und dabei insbe- sondere den visuellen Kommunikationsweg wählen. Biologisch gesehen ist das sinnvoll: Nur wer gut beobachtet und so poten- „ Der Hund achtet mehr auf die Körperbewegung als auf das gesprochene Wort “

Klare Signale erleichtern die Kommunikation

46 Martin Rütter 7/2022

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