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FREITAG, 6.12.2019 98.Jahrgang | Nr.49 NÄCHSTE AUSGABE GROSSAUFLAGE

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Feiern: Einschaltung der Weihnachtsbeleuchtung im Dorf und im Niederholz SEITE 2

Kriminalität: Wie man sich vor Einbrechern wappnen kann

Volleyball: KTV Riehen schlägt B-Ligisten im Cup in drei schnellen Sätzen SEITE 18

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GEDENKSTÄTTE Die Institution würdigte den ehemaligen Chefredaktor der Riehener Zeitung Albert Schudel mit einer Gedenktafel und einem Vortrag

Zu Ehren eines grossherzigen Menschen

RZ-RedaktorinMichèle Faller referierte «als eine seiner Nachfolgerinnen» über den ehemaligen Chefredaktor ihrer Zeitung.

Die Besucher der Veranstaltung, darunter viele Angehörige Albert Schudels, betrachteten neugie- rig die eingeweihte Tafel. Fotos: Nathalie Reichel

Die Erinnerung an den Mut, das Engagement und die Nächstenliebe von Albert Schudel kann nicht so leicht verblassen. Auch nicht 16 Jahre nach seinem Tod. «Im Grunde genommen ist es mehr alsMut, was Albert Schudel in seinem Leben gezeigt hat – es ist Zivilcou- rage.» Mit diesen Worten begrüsste Johannes Czwalina vergangenen Dienstagabend in der Gedenkstätte die Besucherinnen und Besucher, unter denen sich auch viele Angehö- rige des Geehrten befanden. Der Leiter der Institution an der Inzlin- gerstrasse wies darauf hin, dass Zivilcourage mit Verantwortung zu tun habe. Der Riehener Albert Schudel habe in diesem Sinne seine Verantwortung als Mensch und Journalist stets bewusst wahrgenom- men und seine Authentizität auch unter dem Druck der Kriegszeit be- wahren können. Ein Vortrag von Michèle Faller, Redaktorin der Rie­ Nathalie Reichel

die Meldung kommentiert, dass das Tram nicht mehr via Riehen über die Grenze fahren würde. Seinem Text sei zu entnehmen, sagte die Referentin, dass man sich in Riehen über diesen Ausfall gefreut habe. Dass diese Ehr- lichkeit oftmals unangenehme Reak- tionen auslöste, bestätigt der anony- me Leserbrief, den Schudel daraufhin als Antwort erhielt und auch veröf- fentlichte. Faller zitierte die an ihn gerichteten Zeilen: «Sollten Sie noch einmal abfällige Bemerkungen über unseren grössten Nachbarstaat ma- chen, so werden Sie eine ganze Reihe von Abonnenten verlieren.» Doch sei es durchaus nicht bei diesen Ermah- nungen geblieben, fuhr die Journalis- tin fort und erzählte, dass Albert Schudel auch mit dem Tod bedroht worden sei. Wegen der Pressekontrolle, die es auch in der neutralen Schweiz wäh- rend des Kriegs gab, begann sich der Chefredaktor etwas zurückhaltender auszudrücken. Seine Kritik brachte er immer noch an, bloss nicht mehr direkt, sondern zwischen den Zeilen. «Er zitierte gerne Schriftsteller, Philo- sophen und immer wieder die Bibel, wobei der Inhalt stets auf aktuelle Er- eignisse anspielte», veranschaulichte

Michèle Faller. Trotz seiner diskreten Haltung sei jedoch auch die damalige Riehener Zeitung von schriftlichen Rügen, Verwarnungen und sogar der Beschlagnahmung einer Ausgabe nicht verschont geblieben. Zur Zeit der Judenverfolgung sei Albert Schudel Zeuge eines ergreifen- den Vorfalls geworden, erzählte Faller: In Riehen sei die Polizei gerade dabei gewesen, eine jüdische Familie, die über die grüne Grenze geflüchtet war, zurück nach Deutschland zu bringen. Schudel habe die Polizisten angefleht, die Flüchtlinge nicht abzuweisen, sei jedoch erfolglos geblieben. Lebenslange Menschenliebe Nach der Übergabe der Zeitungs­ leitung im Jahr 1975 an seinen Sohn Christoph sei Albert Schudel mit dem «Blättli» verbunden geblieben. «Er ist immer wieder auf der Redaktion vor- beigekommen, aber ohne jemals vor- zuschreiben, wie die Arbeit zu machen sei. Er hat auch interessiert nachge- fragt, wie es den Leuten gehe», zitierte Faller die Worte ihres Kollegen Rolf Spriessler. Sie betonte auch, dass Schu- dels Engagement für die Menschen nach demKrieg nie aufgehört habe; die Referentin nannte als einschlägige

Beispiele seinen Einsatz bei Amnesty International sowie seine jahrelange Beteiligung im Riehener Gemeinderat und im Kirchenrat. Diese Menschen- liebe konnte seine älteste Tochter aus dem Publikum übrigens bestätigen: «Sein Leben lang hat er sich dafür ein- gesetzt, dass niemand umkommt. Das ist das wichtigste Erbe von ihm.» Michèle Faller schloss ihren Vor- trag mit den Worten: «Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, sich gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zu wehren und auszusprechen.» Allmählich begaben sich die Zuschauerinnen und Zu- schauer dann in den Vorhof, gespannt auf die bevorstehende Einweihung der Gedenktafel. Johannes Czwalina liess sie angesichts der eisigen Kälte nicht lange warten und nahm die Ab- deckung von der Tafel ab, die nun in voller Pracht unter der Rubrik «Sie zeigten Zivilcourage» glänzt. Der In- formationstext zu Albert Schudel wurde auf Deutsch und Englisch vor- gelesen und Czwalina erklärte: «Diese Tafeln tragen eine grosse Bedeutung und sind deshalb mit viel Liebe und riesigem Aufwand angefertigt.» Das zeigte sich: Die Gedenktafel wurde danach noch lange bestaunt.

hener Zeitung (RZ), und die an­ schliessende Einweihung einer Ge- denktafel würdigten Albert Schudel in gebührender Weise. Aufmerksam folgte das Publikum der Erzählung von Michèle Faller, die seit fast zehn Jahren bei der RZ arbei- tet. «Es ist mir eine Ehre, als eine seiner Nachfolgerinnen über ihn be- richten zu dürfen», sagte sie. Albert Schudel wurde 1910 in Riehen ge­ boren, wuchs in der Gemeinde auf und bildete sich zum Schriftsetzer aus. In den 1930er-Jahren begann er, im Geschäft seines Vaters, bei der Riehener Zeitung also, zu arbeiten. Schudel junior redigierte zuerst das «Blättli», wie er die RZ nannte, begann dann zu schreiben und übernahm nach dem Tod seines Vaters wenige Jahre später zusammen mit seinem Bruder Samuel die Zeitungsleitung. Pressekontrolle und Drohungen Besondere Beachtung fand Albert Schudel als Berichterstatter während der schwierigen Kriegsjahre. Faller er- klärte, der Chefredaktor habe sich nicht davor gescheut, in seinen Arti- keln offene Kritik zu äussern und sei- ne ehrliche Meinung kundzutun. So habe er zum Beispiel im April 1939

Reklameteil

BETTINGEN Vor der Einwohnergemeindeversammlung vom 10. Dezember

FONDATION BEYELER 6. 10. 2019–26. 1. 2020

St. Niklaus’ Leibspeise feurige Gulaschsuppe, gekocht von unserem Partyservice

Schwarze Zahlen und grosses Investitionsvolumen lov. Wie jede Einwohnergemeindever- sammlung im Dezember steht auch jene in Bettingen vom kommenden Dienstag im Zeichen des Budgets für das nächste Jahr. Erneut wird der Ge- meinderat um Präsident Patrick Götsch tiefschwarze Zahlen präsen- tieren können: Bei einem Aufwand von 11,85 Millionen Franken rechnet die Exekutive mit einem Ertragsüber- schuss von satten 2,83 Millionen Franken. Investitionen sind im kom- menden Jahr in der Höhe von 846'500 Franken vorgesehen, was eine Zu- nahme der Nettoinvestitionen um 771'500 Franken zur Folge hat. Der Ertragsüberschuss bei den Steuern bewegt sich mit 9,56 Millio- nen Franken weiterhin auf einem ho- hen Niveau, fällt jedoch etwas gerin- ger als im Budget 2019 aus. Und dies, obwohl die Steuererträge aufgrund des Inkrafttretens der Steuervorlage 2017 und zu einem kleineren Teil we- gen der Topverdienerinitiative deut- lich angestiegen sind. Wie die Exeku- tive in den Kommentaren zumBudget betont, stiegen jedoch abhängig von den Mehreinnahmen bei den Steuern auch der Finanzausgleich und die Ab- geltung für die zentralörtlichen Leis- tungen deutlich an. Der Betrag er- rechnesichanhanddesDurchschnitts des laufenden und des vergangenen Steuerjahres im kantonalen Schnitt. Die Position im Budget 2020 (-2,71 Mio. Franken) sei entsprechend mit vielenUnsicherheitenbehaftet. Trotz- dem schlägt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung eine Steuer- senkung von 1,5 Prozent bei der Ein- kommens- und von 3,5 Prozent bei der Vermögenssteuer vor. Alle anderen Verwaltungsbereiche warten mit mehr oder weniger hohen Nettoaufwänden auf. Hier sticht der Bereich «Bildung» mit einem Minus von 2,26 Millionen Franken heraus.

Resonating Spaces

TobaKhedoori, Untitled (grid), 2015 (Detail),Öl auf Leinen, 94×94×2,5 cm, LosAngelesCounty Museum ofArt, erworbenmit zurVerfügung gestelltenMitteln von Lenore S.undBernardA.Greenberg, © TobaKhedoori,CourtesyRegenProjects, LosAngeles&David Zwirner. Foto: FredrikNilsen

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190910_FB_RRESONATING_SPACES_Riehener_Zeitung_54x55.indd 1 10.09.19 11:13 Mitten im Dorf –  Ihre Riehener Zeitung

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