Nordea Nordic Friends 2023 - German

MARKTKOMMENTAR 15

Laurent Gorgemans , CFA, Global Head of Investment Products bei Nordea Asset Management:

Abkühlung für die Inflation

Etappenziel erreicht: Es gibt Entspannungstendenzen bei der Inflation. Aber: Der Kampf der Zentralbanken ist noch nicht beendet, zudem droht eine Rezession. Absicherung und flexible Anlagestrategien sind daher gefragt.

Endlich zeigen die weltweit vorherrschende restriktive Geldpolitik und die Verschärfung der Finanzbedingungen sowie der Kreditvergabe- standards (nach den jüngsten Bankenturbulen- zen) Wirkung: Das bringt die ersehnte Abkühlung für die Inflationsdaten. Insbesondere die Gesamt- inflation lässt dank sinkender Erdgaspreise nach. Das bedeutet aber nicht, dass der Kampf der Zentralbanken beendet ist, denn die Kerninflation – ohne volatilere Posten wie Lebensmittel und Energie – ist nach wie vor hoch. Finanzkonditionen verschärfen sich weiter Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigen ein eher gemischtes Bild: Einige Indikatoren deuten auf geringeres Wachstum hin, zum Beispiel die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung, während andere nach wie vor stabil bleiben. In der Folge zeigten sich die Renditen von US-Staatsanleihen in letzter Zeit im Zuge der Verhandlungen über die Schuldenobergrenze recht volatil. Die Zentral- banken bleiben bei ihren Inflationserwartungen von rund zwei Prozent und behalten weitere Zinserhöhungen auf der Agenda. Wir könnten in den USA im Jahr 2023 zwei Quartale mit negativem Wachstum erleben – also per Definition eine Rezession. In Europa wird es im laufenden Jahr laut den Konsenserwartungen ein sehr geringes Wirtschaftswachstum geben. In diesem Umfeld dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinserhöhungen fortsetzen, um die Kerninflation und vor allem die Erwartungen an die künftige Inflation zu dämpfen. In China wurde nach den Sitzungen des Nationalen Volkskon­ gresses und der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes der wachstumsfördernde Kurs noch einmal betont und die Geldpolitik an- schließend gelockert. Die Inflation ist in diesem Teil der Welt gut eingedämmt. Das Ziel für das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts lautet fünf Prozent.

Vorübergehende Abkühlung: Die Gefahr der Überhitzung scheint vorerst gebannt, denn die weltweiten Inflationszahlen sind rückläufig.

Diese Lösungen gibt es für Anleger Einige Segmente der Finanzmärkte sind heute attraktiver als im Jahr 2022: Die Renditen von Anleihen (Staats- oder Kreditanleihen) scheinen angesichts der düsteren Wirtschaftsaussichten für einige Anleger interessant zu sein. Real gesehen wird es jedoch schwieriger. Im Falle eines stärkeren wirtschaftlichen Abschwungs sind Covered Bonds nach wie vor eine sichere Sache. Auch Unternehmen mit stabilen und robusten Cashflows dürften gut zurechtkommen. Bei festverzinslichen Wertpapieren und bei Aktien wird die Volatilität für den Rest des Jahres hoch bleiben. Hier bieten sich Lösungen an, die die Flexibilität in ihrer Anlagestrategie ausspielen und die verschiedenen Richtungen der Finanzmärkte ausnutzen können. 

AUSGABE NR. 1/2023

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