IHK-Global Business Ausgabe 2/2026

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TÜRKEI Milliardenprojekte in der Chemiebranche

Ziel ist es, die hohe Importabhängig- keit bei Vorprodukten wie Polypro- pylen und Polyethylen deutlich zu reduzieren. Beide Projekte sollen die türkische Eigenproduktion stärken und stabile Lieferketten für Kunststoffhersteller schaffen. Für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, Mess- und Regel- technikhersteller sowie Engineering- Dienstleister entstehen hier direkte Geschäftschancen. Auch die türkische Kunststoffbranche wächst weiter: Der Verband PAGEV erwartet 2025 ein Nachfrageplus von 11 Prozent (Menge) beziehungsweise 9 Prozent (Wert). Rund 70 Prozent der eingesetzten Maschinen sind importiert, wovon knapp ein Fünf- tel aus Deutschland stammt. Damit bleibt der Markt für deutsche Maschi- nenhersteller, insbesondere in den Segmenten Spritzguss, Extrusion und Automatisierung weiter interessant. Gleichzeitig wird der Preiswettbewerb härter, da viele türkische Unterneh- men auf günstigere Gebrauchttechnik ausweichen. Langfristig sind Investitionen in moderne, ressourcenschonende Maschinenparks absehbar, um die Energieeffizienz zu steigern und internationale Nachhaltigkeitsstan- dards zu erfüllen. Die Türkei positioniert sich somit als wachstumsstarker Chemie- und Kunststoffstandort zwischen EU und Nahost mit steigenden Investitio- nen und einhergehendem Bedarf an moderner Technologie, Know-how und nachhaltiger Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen bietet dies neben Exportchancen für Industrie- und Umwelttechnik auch Koopera- tionsmöglichkeiten in Forschung, Digitalisierung und Emissionsma- nagement, sowie einem wachsendem Nearshoring-Markt in Zeiten globaler Lieferengpässe. GTAI/IHK

Die türkische Petrochemie dürfte von den Milliardeninvestitionen weiter an Schub gewinnen – so auch die Tüpraş-Raffinerie in Kocaeli.

Für deutsche Anbieter bedeutet das: steigende Nachfrage nach energie- effizienter Anlagentechnik, Digita- lisierungslösungen und Umwelt- technologien. Auf dem türkischen Markt dürften Lösungen zur Prozess- optimierung, Automatisierung und Emissionsminderung somit zukünftig deutlich stärker nachgefragt werden. Auch weil trotz schwieriger Rahmen- bedingungen türkische Großunter- nehmen weiterhin auf Expansion setzen: • SASA Polyester investiert 25 Mil- liarden US-Dollar in ein integriertes Chemie- und Hafenprojekt in Adana mit einer geplanten Kapazität von 13 Millionen Tonnen jährlich. • SOCAR/Petkim plant ein zehnjähri- ges Investitionsprogramm über 7 Milliarden US-Dollar für neue Polyolefin-Anlagen in Aliağa (Izmir).

Die türkische Chemieindustrie bleibt trotz hoher Energiepreise, Importabhängigkeit und globaler Unsicherheiten ein zentraler Wachs- tumstreiber des Landes. Mit Expor- ten von 3,4 Milliarden US-Dollar allein im Juli 2025 beweist sie internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich daraus vielfältige Chancen – ins- besondere im Bereich Technologie, Anlagenbau und Nachhaltigkeitslö- sungen. Mit dem neuen Klima-Rahmen- gesetz und der Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems (ETS) schafft die Türkei 2025 erst- mals einen verbindlichen Rahmen für Emissionsüberwachung und CO2-Re- duktion. Der Investment Plan 2025 fördert zusätzlich grüne und digitale Transformation.

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IHK Global Business 02/2026

ihk.de/rhein-neckar

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