IHK-Global Business Ausgabe 2/2026

AMERIKAS

USA Pharmaindustrie bleibt innovativ

aussichtsreiche Medikamente in der Entwicklung haben. Die Stärken in der Forschung tragen dazu bei, dass viele innovati- ve Medikamente zuerst in den USA zugelassen werden. In Bezug auf die jährlichen Umsätze machen Biophar- mazeutika mittlerweile einen Anteil 53,8 Prozent aus und haben chemi- sche Arzneimittel damit überholt. Mit dem Gesetzespaket „One Big Be- autiful Bill Act“ verbessert die Trump- Regierung die steuerliche Behandlung von Forschungsausgaben erheblich: Unternehmen können in den USA ihre inländischen Forschungskosten nun vollständig im Jahr der Ent- stehung absetzen, statt sie über fünf Jahre abzuschreiben. Sorge bereitet hingegen die mas- siven Kürzungen der staatlichen Forschungsgelder. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind bei der Medikamentenentwicklung

auf Zuschüsse durch die National Institutes of Health (NIH) ange- wiesen. Die Trump-Regierung hat für das Haushaltsjahr 2026 eine Kürzung des NIH-Budgets um rund 40 Prozent vorgeschlagen – von etwa 48 Milliarden US$ auf rund 28 Mil- liarden US$. Um Pharmakonzerne zu mehr Pro- duktion in den USA zu bewegen, setzt US-Präsident Donald Trump auf Zölle – geht dabei aber taktisch vor. Ein geplanter Einfuhrzoll von 100 Prozent auf patentierte Arzneimittel wurde vorerst ausgesetzt, um Verhandlungs- spielraum zu schaffen. Der Ansatz zeigt Wirkung: Seit seinem Amtsantritt haben Unter- nehmen Investitionen von über 400 Milliarden US$ angekündigt. Pfizer verpflichtet sich beispielsweise, 70 Milliarden US$ in den Ausbau von Produktion und Forschung in den USA zu stecken. GTAI/IHK

Zwar verliert das Wachstum der US-Pharmabranche derzeit etwas an Schwung, bleibt aber mit einem erwarteten durchschnittlichen Plus von 4,7 Prozent pro Jahr bis 2029 nach wie vor stark. Schätzungen des IQVIA-Institut zufolge sollen die Arzneimittelumsätze in drei Jahren die Marke von 600 Milliarden US-Dollar (US$) überspringen. Angetrieben wird das Wachstum durch Innovation. In den nächsten Jahren dürfte die Food and Drug Ad- ministration (FDA) zahlreiche neue Medikamente zulassen. Die Pipeline umfasst viele neue Wirkstoffe für Krebs-, Immun- und Nervenerkran- kungen sowie zur Behandlung von seltenen Krankheiten – ergänzt durch neue Therapien für lebensstilbedingte Leiden wie Übergewicht. Was viele neue Arzneimittel eint, ist der hohe Preis. Der Median der jährlichen Therapiekosten neu zugelassener Medikamente liegt bei rund 350.000 US$. Entsprechend macht der Anteil dieser hochpreisigen Spezialtherapien am Gesamtmarkt 54 Prozent aus und wächst weiter an. Die bevorstehende Welle auslaufen- der Patente verstärkt den Drang zur Innovation. Bis 2030 sind rund 200 Medikamente von dem sogenannten „Patent Cliff“ betroffen, darunter viele umsatzstarke Blockbuster. Wegen der dadurch aufkommenden Konkur- renz durch Generika und Biosimilars drohen den betroffenen Herstellern Einbußen von mehr als 90 Milliarden US$ jährlich. Als Ausweg bleibt den Pharmaanbie- tern deshalb nur, neue Medikamente zu entwickeln und dadurch frische Einnahmequellen zu erschließen. Derzeit haben Unternehmen mehr als 8.300 neue Produkte in der präklini- schen Phase oder in Phase-I-Studien. Schwerpunkte liegen auf der Ent- wicklung von Therapien gegen Krebs, neurologische Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Pharmariesen wie Merck oder Johnson & Johnson kaufen verstärkt Unternehmen zu, die

Innovation als Wachstumsmotor: Die US-Pharmaindustrie setzt auf neue Medikamente, um Umsatzverluste durch auslaufende Patente zu kompensieren.

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IHK Global Business 02/2026

ihk.de/rhein-neckar

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