EUROPA
POLEN Investitionen in Gaskraftwerke
Abschnitt verbindet Zentralpolen über Gustorzyn und Wronów mit der litauischen Grenze. Von strategischer Bedeutung ist zudem die 250 Kilome- ter lange Pipeline von Gustorzyn zur Hafenstadt Gdańsk. Mehrere Teil- abschnitte werden mit Direct-Pipe- Verfahren gebaut, während dessen die Bohrung gleichzeitig mit der Verle- gung der Gasleitung erfolgt – Techno- logie und Maschinen stammen vom deutschen Hersteller Herrenknecht. Über die Leitung bei Gdańsk soll künftig Flüssigerdgas ins Landes- innere fließen. Grundlage ist ein schwimmendes Terminal (FSRU), das verflüssigtes Erdgas von Lieferanten entgegennimmt und in den gasförmi- gen Zustand zurückwandelt. Das Spe- zialschiff wird von einem japanischen Anbieter gemietet und soll 2028 in Betrieb gehen. Bereits jetzt prüft Gaz- System den Bedarf für ein zweites FSRU. Die Nachfrage unter Groß- abnehmern aus Polen, Deutschland, Tschechien und der Slowakei gilt als hoch. Die verbindliche Abfrage „Open Season“ ist für das erste Quartal 2026 angekündigt. Schon in der Vergangenheit enga- gieren sich deutsche Unternehmen beim meerseitigen Ausbau von Polens Kapazitäten für den Gasimport. Die Bonner TGE Gas Engineering war am Ausbau des LNG-Terminals in Świnoujście beteiligt. Beim Bau der Baltic Pipe – einer Gasleitung von Norwegen nach Polen – setzte Gaz- System ebenfalls auf Lieferanten aus Deutschland. Die Beispiele zeigen: Der polnische Gasmarkt bleibt ein chancenreicher Zielmarkt für deut- sche Anbieter. GTAI/IHK Gaz-System veröffentlicht den Aus - bauplan für das Gasnetz mit allen wichtigen Investitionsvorhaben auf einer Internetseite: gaz-system.pl/pl/system-przesylowy/ rozwoj-systemu-przesylowego/ krajowe-plany-rozwoju.html
Energie für neue Kraftwerke: Flüssigerdgas spielt in Polen eine wachsende Rolle bei der Versorgungssicherheit und beim Kohleausstieg. Im Bild: Das LNG-Terminal in Świnoujście.
Polen setzt beim Umbau seiner Energieversorgung zunehmend auf Erdgas. Bis 2031 soll der jährliche Gasverbrauch um mehr als 50 Pro- zent steigen – auf rund 28,5 Milliar- den Kubikmeter. Erdgas gilt als Brückentechnologie, um die Abhän- gigkeit von Kohle zu verringen. Dafür entstehen neue Kraftwerke, Leitun- gen und Importterminals. Deutsche Unternehmen sind an zahlreichen Projekten beteiligt. Siemens Energy liefert Gasturbinen für mehrere Anlagen, darunter zwei Projekte der Orlen-Konzerns Tochter Energa in Gdańsk und Grudziądz. In Krakau beauftragte der staatliche Energieversorger PGE 2025 ein polni- sches Konsortium mit dem Bau einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im Wert von rund 200 Millionen Euro. In Rybnik und Gryfino entstehen Gas- kraftwerke mit jeweils knapp 600 Me-
gawatt Leistung – hier kooperiert Siemens Energy mit Polimex Mostos- tal. Auch im Warschauer Stadtteil Siekierki ist ein Projekt in Planung: Die Orlen-Tochter Termika will ein bestehendes Kohlekraftwerk durch eine moderne Gas-und-Dampf-Anlage (GuD) ersetzen. Die Vergabeentschei- dung steht noch aus. Viele Vorhaben werden über den staatlich geförderten Kapazitätsmarkt finanziert. Dabei erhalten Betreiber Vergütung für die Bereitstellung von Kapazitäten, die im Bedarfsfall ins Netz eingespeist werden können. Für hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung-Projekte stehen staatliche Förderprämien zur Verfügung. Parallel zum Kraftwerksausbau in- vestiert Polen in die Gasinfrastruktur. Der Netzbetreiber Gaz-System plant bis 2035 mindestens 2.000 Kilo- meter neue Leitungen. Ein zentraler
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IHK Global Business 02/2026
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