EUROPA
NIEDERLANDE Regierung will 500 Vorschriften streichen
Während die Regierungsbildung noch läuft, treibt die geschäftsführende Regierung den Bürokratieabbau voran: Wirtschaftsminister Vincent Karremans kündigte an, bis Sommer 500 Vorschriften abzuschaffen. Regulie- rungen gelten als Hauptfrustration der Wirtschaft und hemmen Standortattraktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Politik mit klaren Zielen, Deadlines und messbaren KPIs ist selten. Der niederländische Ansatz: konkrete Maßnah- men, Zuständigkeiten und Zeitpläne – inklusive Zwischen- bilanz. Vor Weihnachten wurden bereits 218 Regeln identi- fiziert, abgeschafft oder in Umsetzung, wie Karremans auf einem Unternehmergipfel erklärte. „Der Reflex des Staates ist oft, Risiken mit neuen Regeln abzusichern. Das erstickt Unternehmertum und Innovationsklima“, so Karremans. Seit der Offensive am 5. September 2025 erfassen alle Ministerien systematisch belastende Vorschriften. Grund- lage: Rückmeldungen von Unternehmern, Analysen in neun Branchen, Untersuchungen bei Mittelständlern und Hinweise des Regulierungskontrollrats. Bereits beschlossene konkrete Entlastungen für Unter- nehmen: • Wegfall der jährlichen Mobilitätsberichte für Unterneh- men bis 250 Mitarbeiter: Kleine und mittlere Unterneh- men müssen nicht mehr erfassen und melden, wie ihre Beschäftigten zur Arbeit kommen. • Befreiung von Tachografenpflicht für leichte E-Nutzfahrzeu- ge: Unternehmer, die elektrische Liefer- oder kleinere Lkw einsetzen, müssen keine zusätzlichen Geräte installieren und keine Arbeits- und Ruhezeiten manuell dokumentieren. • Weniger Pflichtfragebögen des Statistikamts CBS: Unter- nehmen werden seltener und weniger umfangreich zu statistischen Erhebungen verpflichtet – ein spürbarer Abbau administrativer Lasten. • Verwarnung statt Geldbuße bei verspäteter Krankmel- dung an das UWV
Strukturierter Bürokratieabbau: Die niederländische Regierung sendet ein klares Signal an den Wirtschaftsstandort – Regulierung soll Schutz bieten, aber nicht lähmen.
• Verbindlichkeit des Betriebsarzturteils bei Reintegrations- prüfungen: Das Urteil des Betriebsarztes ist künftig maß- geblich, ohne dass Unternehmen nachträglich mit abwei- chenden Bewertungen durch das UWV rechnen müssen. Auch EU-Regeln stehen im Fokus: Die Niederlande be- teiligen sich an der Vereinfachungsinitiative der EU-Kom- mission und überarbeiten Anti-Geldwäsche-Vorgaben gemeinsam mit Wirtschaft und Behörden. AHK/IHK Informationen der niederländischen Regierung zum Zwi- schenstand des Bürokratieabbaus sind auf der Website der AHK Niederlande verfügbar: dnhk.org/de/news/2026/buerokratieabbau-offensive-in- den-niederlanden-regierung-streicht-bis-zum-sommer- 500-vorschriften
ÖSTERREICH Wirtschaft erholt sich langsam
Energiepreise und Inflation nimmt ab. Tarifabschlüsse bleiben moderat, die Produktivität soll steigen. Auch die Inflation sinkt – nach 4 Prozent im Oktober 2025 wird für 2026 ein Wert von 2,4 Prozent prognostiziert. Öffentliche Ausgaben sollen um 4 Pro- zent wachsen, Ausrüstungsinvestitio- nen um 2,6 Prozent. Der private Ver- brauch legt leicht zu, gestützt durch
Nach zwei Jahren Schwäche zeigt die österreichische
hohe Ersparnisse. Im Außenhandel wird ein Plus bei Importen und Exporten erwartet, trotz geopolitischer Risiken. Der bilaterale Handel mit Deutschland gewinnt wie- der an Dynamik, vor allem in Maschi- nenbau und Fahrzeugtechnik. Österreich steht damit vor einer vor- sichtigen, aber stabilen Wachstums- phase. GTAI/IHK
Wirtschaft wieder leichte Aufwärts- tendenzen. Laut EU-Kommission stieg das Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,3 Prozent, für 2026 wird ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Investitio- nen und ein moderat wachsender Konsum treiben die Erholung an. Der Kostendruck durch hohe Löhne,
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IHK Global Business 02/2026
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