IHK-Global Business Ausgabe 1/2026

EUROPA

zu gestalten, die insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen Wachstum, Diversifizierung und eine höhere Resilienz gegenüber globalen Krisen eröffnet. Gleichzeitig gilt es jedoch, darauf zu achten, dass Handelsabkommen sich mit den harten Fakten von Handel und Wirtschaft auseinandersetzen und nicht mit übermäßigen europäischen Vorgaben überfrachtet werden. Ist der EU-Binnenmarkt ausreichend integriert, so dass Ihr Unternehmen frei agieren und konkurrieren kann? Hofmann: Auch in dieser Frage waren sich die Unter- nehmen mehrheitlich einig. Der europäische Binnen- markt sollte Unternehmen vor allem eines bieten: vorhersehbare Rahmenbedingungen, reibungslose grenzüberschreitende Abläufe und faire Wettbewerbs- bedingungen. In der Praxis beobachtet man viele Einzellösungen und steigenden Verwaltungsaufwand, was insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen Unsicherheit schafft und die Betriebskosten erhöht. Die bereits eingeleiteten Reformbemühungen sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es ist nun entscheidend, dass die Europäische Kommission diese Anstrengungen konsequent fortführt und weiter intensiviert, um den Binnenmarkt effizienter, transpa- renter und für Unternehmen tatsächlich nutzbarer zu gestalten. Hat sich der Verwaltungs- und Regulierungsaufwand in den letzten 12 Monaten spürbar verringert? Hofmann: Die Rückmeldungen der Unternehmen waren eindeutig: Eine deutliche Mehrheit sieht bislang keine spürbare Entlastung beim Verwaltungs- und Regulierungsaufwand. Dabei ist genau das notwendig. Ein erfolgreiches und nachhaltiges Geschäftsumfeld braucht klare, einfache und verlässliche Regeln. Unter- nehmen müssen investieren können – in neue Techno- logien, in Innovation und in wirtschaftlich tragfähige Nachhaltigkeit – anstatt Zeit und Ressourcen in Büro- kratie und komplexe Berichtspflichten zu stecken. Die Bestrebungen im Rahmen der Omnibus-Gesetz- gebung sind deshalb wichtig und begrüßenswert. Sie stellen einen pragmatischen Ansatz dar, verschiedene Regelwerke in einem Schritt zu überarbeiten, Büro- kratie abzubauen und Verfahren zu vereinheitlichen. Wirklich pragmatisch wäre es jedoch, nicht nur zu vereinfachen, sondern überflüssige Berichtspflichten konsequent abzuschaffen – damit Unternehmen spür- bar entlastet werden und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Herr Hofmann, ganz herzlichen Dank für diese inte- ressanten Einblicke in einen Tag Parlamentsarbeit in Brüssel und dass Sie Ihre ganz persönlichen Eindrücke in Ihrer Rolle als „Europaabgeordneter“ mit uns geteilt haben. Das Gespräch führte Matthias Kruse, Geschäfts- führer International bei der IHK Rhein-Neckar.

Beeindruckend: Über 700 Unternehmensvertreter aus ganz Europa füllten am 4. November den Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Sie diskutierten mit Spitzenrepräsentanten des Parlaments und der EU-Kommission, wie bessere Rahmenbedingungen für in der EU ansässige Unternehmen aussehen könnten.

Mittendrin, nicht nur dabei: Die Teilnehmer der deutschen Delegation sind bereit für die Debatte, darunter Paul Hofmann aus Mannheim (zentral).

Auch in Stimmungsbildern per Knopfdruck vermittelten die knapp 750 Unternehmerinnen und Unternehmer die Sorgen und Erwartun- gen der europäischen Wirtschaft an die anwesenden hochrangigen Vertreter von Parlament und EU-Kommission.

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IHK Global Business 01/2026

ihk.de/rhein-neckar

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