TITELTHEMA | AUSBILDUNG
E in „Lukas Becker“ erhält deutlich mehr Antworten auf eine Bewerbung als eine „Habiba Mahmoud“ – auch wenn sie bessere Noten hat. Im Juli 2025 kam die Universität Siegen in ihrer Studie „Herkunft schlägt Leistung“ zu folgendem Er- gebnis: Wer einen migrantisch klin- genden Namen hat, hat es bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz schwerer als vermeintlich deutsche Bewerberinnen und Bewerber. Laut Studie befürchten viele Unterneh- men Sprachbarrieren, kulturelle Distanz oder zusätzlichen bürokra- tischen Aufwand etwa wegen feh- lender Aufenthaltsgenehmigungen. Und stellen daher nicht „Habiba“, sondern „Lukas“ ein. Um bei der Fachkräftesicherung alle Potenziale zu heben, ist allerdings ein offener Blick gefragt, etwa in Richtung von Geflüchteten und Zugewanderten. „Wir können es uns nicht leisten, Potenziale zu ver- schwenden“, warnt Ekkehard Köh- ler, Professor für Wirtschaftsdidak- tik und sozioökonomische Bildung an der Universität Siegen. IHK-Vize- präsident Karl Breer stimmt dieser Aussage zu. „Bei uns arbeiten 1.200 Menschen aus 58 Nationen. Ohne unsere Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter mit Migrationshintergrund könnten wir viele lebenswichtige Dienstleistungen wie OP-Reinigun- gen und Desinfektionsmaßnahmen nicht erbringen“, so der Geschäfts- führer der Breer GmbH (siehe Seite 14). Nur wer heute ausbildet, hat mittel- fristig die dringend benötigten Fachkräfte. Ausbildung verläuft im besten Fall antizyklisch – trotz wirtschaftlicher Einbrüche und unsicherer Zeiten muss jetzt aus- gebildet werden, um die Lücken, die Verrentung absehbar in der Beleg- schaft hinterlassen wird, schließen zu können. Wichtig sind daher Unternehmen, die offen sind. Die vorurteilsfrei Menschen eine Chance geben, auch solchen mit Flucht- oder Migra- tionserfahrung. Wie Memet Cifci.
Er ist zusammen mit seinem Bruder Burhan Geschäftsführer der Super- marktkette Serpa. Seit vielen Jahren bildet das Unternehmen junge Men- schen aus, zuletzt vermehrt auch Geflüchtete (siehe Seite 12). Integration gelingt, wenn die gesamte Belegschaft mitzieht und wenn den Menschen gleich zu Beginn unter die Arme gegriffen wird. Diesen Tipp gibt das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flücht- linge“, das gegründet wurde, um praktische Erfahrungen und Wissen zu bündeln. Träger des Projekts ist die DIHK Service GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Deut- schen Industrie- und Handelskam- mer (siehe Seite 15). Und auch bei der IHK gibt es zahlreiche Unter- stützung (siehe Seite 15). Wenn am Ende alle Hürden geschafft ist, steht hoffentlich der erfolgreiche Übergang in eine Festanstellung. Auf der Liste der 130 Besten aus unserer Region in der Aus- und Weiterbil- dung des Jahres 2025 (siehe Seite 26) stehen nicht nur die „Lukas Becker“-Vertreter dieser Welt. Spielt es eine Rolle, wie die Prüfungsbesten 2025 mit Vornamen heißen, ob sie – wie manche vielleicht denken – eine Migrationsgeschichte haben? Nein. Weshalb? Die IHK-Organisation in Baden-Württemberg gibt darauf mit ihrer seit November auf Social Media laufenden Initiative eine Antwort. Die Initiative trägt den Namen „Weil es ohne Fachkräfte nicht geht“. Texte im Titel: Ba
Wir können es uns nicht leisten, Potenziale zu verschwenden.
Ekkehard Köhler
Im Titel
12 Serpa Markt Die Heidelberger geben geflüchteten Menschen eine Chance
15 Tipps I. So gelingt Integration im Unternehmen 15 Tipps II. So überwinden Betriebe Schwierigkeiten bei der Integration
14 Breer Hier zählt Leistung, nicht Herkunft
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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026
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