TITELTHEMA | AUSBILDUNG
SERPA Gekommen, um zu bleiben
Im Serpa Markt werden auch geflüchtete Menschen ausgebildet. Nicht aus Altruismus, sondern weil gute Mitarbeiter gebraucht werden. So wie Ilhan Senköy aus der Türkei
P arzarcik ist ein Dorf im Osten der Türkei. Es liegt mehr als tausend Kilome- ter von Istanbul entfernt. Die syrische Grenze ist viel näher als die Grenze zur EU. Doch dort sieht Ilhan Senköy seine Zukunft, und deshalb ist er vor vier Jahren nach Deutschland geflüchtet. Der 21-Jährige ist Kurde. Das Asylverfahren von Ilhan Senköy ist noch nicht abge- schlossen, doch er setzt alles daran, dass er bleiben, eine Familie gründen, sich ein Leben hier aufbauen kann. Die Basis hierfür: eine Ausbildung. Diese absolviert er seit dem Sommer im Serpa Markt in Heidelberg. „Die Arbeit gefällt mir“, sagt er in fast perfektem Deutsch, das er sich in fünf Monaten Sprachkurs erarbeitet hat. Auch in der Berufsschule komme er gut zurecht, Fächer
wie Mathematik fielen im leicht. Ilhan Senköy ist in der Türkei zwölf Jahre zur Schule gegangen, hat Abitur gemacht und danach zwei Jahre im Restaurant einer befreundeten Familie gearbeitet. Nun lernt er also Einzelhan- delskaufmann, und dass er überhaupt die Chance dazu hat, ist Memet und Burhan Cifci zu verdanken. Die beiden Brüder betreiben eine Supermarktkette, die unter dem Namen Serpa firmiert und in drei Bundes- ländern – Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen – 19 Filialen betriebt. Das Sorti- ment umfasst Obst und Gemü- se, Fleisch, Käse, Brot, medi- terrane Produkte. Die Brüder Cifcis sind Türken der zweiten Generation. Ihr Vater kam einst als Gastarbeiter nach Deutsch- land, und als der Betrieb, in dem er zuletzt gearbeitet hatte,
dicht machte, gründete er den ersten Serpa-Markt. Nun führen die Söhne das Geschäft, und die dritte Generation hilft auch schon mit. „Als wir noch Kinder waren, haben wir uns jeden Sommer von unseren Klassenkamera- den verabschiedet und gesagt: ,Wir kommen nicht mehr zurück‘“, erzählt Memet Cifci. Doch sie sind immer wieder zurückgekommen. Der Vater hat das Geschäft vergrößert und später seinen Söhnen übergeben. Die Beiden haben weiter expandiert. Insgesamt arbeiten rund 300 Beschäftig- te in den Serpa Märkten. Seit mehr als 20 Jahren bildet das Unternehmen junge Men- schen aus. In den vergangenen zwei, drei Jahren handelt es sich bei einem Großteil der Auszubildenden um Geflüchte- te, oder sie wurden – vermittelt über eine Agentur – aus dem Ausland für die Ausbildung an- geworben. „Die Arbeitsmotiva- tion ist hoch, die jungen Leute machen alles sehr sorgfältig, sind pünktlich und höflich“, sagt Memet Cifci. Dass sie Deutsch könnten, sei Vor- aussetzung, wobei unter der Kundschaft auch viele Türken, Afghanen, Griechen, Aserbaid- schaner seien. Viele von ihnen sprächen Türkisch, da klappe es dann sowieso mit der Kom- munikation. „Die Menschen wollen etwas erreichen, sie wollen sich ein Leben aufbau- en und wissen, dass sie dafür eine Ausbildung brauchen“, hat Memet Cifci die Erfahrung gemacht.
Ich würde mir wünschen, dass einfach mehr Betrie- be die Aus- bildung von geflüchteten Menschen einmal aus- probieren.
Memet Cifci
Ilhan Senköy (rechts) absolviert im Serpa Markt von Memet Cifci (links) und seinem Bruder Burhan seine Aus - bildung zum Einzel- handelskaufmann.
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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026
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