IHK-Magazin Ausgabe 1/2026

TITELTHEMA | AUSBILDUNG

BREER „Bei uns zählt Leistung, nicht Herkunft“ Die Heidelberger setzen immer wieder Zeichen für Vielfalt. Karl Breer über Vorurteile, Rassismus, aber auch positive Erfahrungen.

jungen Menschen mit Migrations- hintergrund einen Ausbildungsplatz anzubieten und waren dann häufig positiv überrascht vom enormen Engagement dieser jungen Menschen. Beflügelt durch diese hohe Motiva- tion wurden viele dieser Auszubilden- den, die in unserem Unternehmen die Ausbildung absolviert haben, zu Landessiegern und Jahresbesten in ihren Ausbildungsberufen. Läuft bei der Ausbildung von Men- schen mit Flucht- oder Zuwande- rungserfahrung denn alles glatt? Breer: Zeigen Sie mir eine Ausbil- dung, die ohne Herausforderungen verläuft. Spaß beiseite: Vor allem Ausbildungsbetriebe, die sich zum ersten Mal dazu entschließen, einen Azubi mit Migrationshintergrund einzustellen, sind oft skeptisch. Es gibt halt immer noch Vorurteile. Als unser Unternehmen vor ungefähr 20 Jahren immer internationaler wurden, gab es innerhalb der Be- legschaft hin und wieder durch- aus Sprüche, die zweifellos einen rassistischen Ursprung hatten. Auch heute gibt es zum Teil noch Ressen- timents unter den verschiedenen Ethnien. Entmutigen sollte einen dies als Unternehmer allerdings nicht, denn in der Regel kann man bereits nach kurzer Zeit erleben, wie aus dem ‚fremden‘ Mitarbeiter ein geschätzter Kollege wird, der hilft, den Job zu erledigen! Wir dürfen Herausforderungen bei der Integra- tion nicht verschweigen. Menschen kategorisch vom Ausbildungsmarkt auszuschließen, verschlechtert je- doch die Zukunftschancen sowohl für Unternehmen als auch für junge Migranten. Ru

Ist stolz auf seine internationale Belegschaft: Karl Breer, (hintere Reihe, 2. von links), Vorsitzender des IHK-Berufsbildungsausschusses, mit (vordere Reihe von links) Engin Seegmüller, Zakaria Zemmouri-Moujahid, Louie Gomez, Amjad Safi, Nsaif Jasim Marsho (3. Landessieger*) und (hintere Reihe von links) Kristina Cuko (3. Landessiegerin*), den Ausbildungsleiterinnen Ayse Seegmüller und Leonie Berberich sowie Robin Bender (1. Landessieger**) (bei der Prüfung *zum Handwerksgesellen/zur Handwerkgesellin im Gebäudereinigerhandwerk bzw. **zum Kaufmann im Büromanagement)

viele lebenswichtige Dienstleistungen nicht erbringen. Schon mein Großva- ter hatte den Wahlspruch: ‚Uns inte- ressiert nicht, wo jemand herkommt, sondern wo er hin will!‘ Bei uns zählt Leistung, nicht Herkunft. Was wünschen Sie sich von anderen Unternehmen? Breer: In den letzten Jahren hat sich bereits viel zum Positiven verändert. Viele Firmen waren aufgrund des Bewerbermangels darauf angewiesen,

Herr Breer, spielt bei Ihnen im Unternehmen Herkunft eine Rolle? Karl Breer (mit einem Augen- zwinkern): Ja, natürlich! Denn in unserem Unternehmen arbeiten be- reits über 1.200 Menschen aus 58 Na- tionen. Insbesondere freue ich mich daher über jeden Bewerber, der aus einem Land kommt, aus welchem wir noch keine Beschäftigte haben. Aber ernsthaft. Wichtig ist: Ohne unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund könnten wir

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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026

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