IHK-Magazin Ausgabe 1/2026

AUS DER IHK

JAHRESSCHLUSSEMPFANG 2025 „Gestalten wir die Reformen, die unser Land braucht!“ IHK-Präsident Manfred Schnabel zog eine nüchterne Bilanz der wirtschaftlichen Lage und präsentierte zugleich eine Vision für die Zukunft des Landes und des Standorts.

D ie vielbeschworene Wirt- schaftswende sei nicht geschafft, stellte IHK- Präsident Manfred Schnabel beim Jahresschlussempfang im Mannheimer Rosengarten vor rund 700 Gästen aus Wirt- schaft, Politik, Hochschulen, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Gesellschaft fest. Er ver- wies auf zentrale Kennzahlen: ein sinkendes Bruttoinlands- produkt pro Kopf, schwache Exporte, geringe Auslastung in vielen Branchen, ausufernde Staatsausgaben und ein Poten- zialwachstum nahe Null. Auch der internationale Vergleich falle ernüchternd aus. Wachs- tumsschübe in den USA und China zeigten, wie sehr Europa und vor allem Deutschland ins Hintertreffen geraten sei. Viele Industriebetriebe dächten laut einer BDI-Umfrage über die Verlagerung von Produktion ins Ausland nach. Trotzdem betonte der Präsi- dent die noch vorhandenen Stärken des Standorts, vor allem eine forschungsstarke Unternehmenslandschaft, Hidden Champions, die duale Ausbildung und die nach wie vor hohe Kreditwürdigkeit des Staates. Der IHK-Präsident identifizier- te fünf zentrale Belastungen für den Standort: Finanzen, Arbeitskosten, Regulato- rik, Energiekosten und die internationale strategische Wettbewerbsposition. Darauf

basierend zeichnete Schnabel eine Vision des Landes und des Standorts. Diese umfasse unter anderem ein Land mit nachhaltiger Finanzpolitik über Generationen hinweg, positiver Arbeitskultur, einem wirtschaftsfreundlichen und sicherheitspolitisch stark auf- gestellten Europa. Um diese Vision zu realisie- ren, brauche es eine „Agenda 2035“. Mit diesem Namen knüpfte Schnabel bewusst an die Agenda 2010 der Regie- rung Schröder an, die gezeigt habe, dass Deutschland zu Re- formen fähig sei. Für die not- wendige Agenda 2035 müsse Deutschland einerseits seine Stärken bewahren – Kredit- würdigkeit, duale Ausbildung, Mittelstand – und andererseits von Anderen lernen, um die Schwächen anzugehen: vom dänischen Arbeitsmarkt, dem schwedischen Rentensystem, dem estnischen E-Govern-

Unser Be- triebssystem ist gut – die soziale Markt- wirtschaft. Aber jedes noch so gute Betriebssys- tem braucht irgendwann ein großes Update.

Manfred Schnabel

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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026

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