IHK-Magazin Ausgabe 1/2026

AUS DEN UNTERNEHMEN

FERTIA HEALTH „Digitaler Freund in schweren Stunden“

Die Heidelberger gehen im Bereich Frauenmedizin neue Wege. Im Zentrum: eine App, die die Nutzerinnen weitreichend begleiten soll – vom ersten Zyklustag bis zur Menopause.

G ibt es bessere Momente, um eine innovative Idee rund um Kinderwunsch und Schwangerschaft zu ent- wickeln, als bei einem Spazier- gang mit dem Kinderwagen? Bei Ruben Kuon (41) und Anna-Lena Hudalla (41) war es so. „Ich war gerade in Eltern- zeit, als wir in Heidelberg- Handschuhsheim auf dem Feld unterwegs waren, über das Thema gesprochen und gemerkt haben, dass wir sehr ähnliche Ideen haben“, sagt Kuon. Und Hudalla ergänzt: „Wir wussten um die Probleme, die Frauen hierzulande bei den Themen haben. Deshalb haben wir Fertia Health gegründet.“ Es ist das Herzensprojekt des interdisziplinären Gründer- teams, zu dem neben Dr. med Ruben Kuon, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Heidelberg, und der mehrfachen Unterneh- merin Anna-Lena Hudalla Dr. Kilian Vomstein (40), Frau- enarzt und Reproduktionsme- diziner, zählt. Die Drei haben es sich zum Ziel gesetzt, Frauen vom ersten Zyklustag über Schwanger- schaft und Kinderwunsch bis zur Menopause digital zu begleiten und zu unterstüt- zen. Der Ansatz: Frauen sollen nicht mehr monatelang auf Termine warten oder mit Un- sicherheiten und Wissenslü- cken leben. Die kostenlose App basiert laut Unternehmens-

Zweites Standbein der Fertia Health GmbH ist die dezentra- le Diagnostik: Nutzerinnen be- stellen Test-Kits nach Hause, entnehmen selbst Blutproben und schicken sie direkt ans Labor. Die Basisfunktionen, auch die KI-Beratung, sollen dauerhaft kostenlos bleiben. Für die Bluttests und Präven- tionskurse gibt es verschiede- ne Angebotspakete, teilweise übernehmen die Kranken- kassen sogar die Kosten, so Hudalla. Geplant ist das Fertia Health-Angebot stetig auszu- bauen, unter anderem auf die Themenfelder Hormonstörun- gen und Endometriose. JR

angaben aufevidenzbasierten Informationen, biete psycho- logische Hilfe und ermögliche über eine digitale Sprechstun- de den direkten Kontakt zu Fachärzten. „Unser Unterneh- men wird genau dort ansetzen, wo medizinische Notwendig- keit und persönliche Belastung sich kreuzen. Wir haben ein Team aus Wissenschaft, Medi- zin, Psychologie und Techno- logie gebildet, um dies zu er- reichen“, erläutert Anna-Lena Hudalla, die sich auf FemTech- Unternehmen spezialisiert hat und unter anderem auch Geschäftsführerin der HejMe- no GmbH ist. Angeführt von Hebamme und Psychologin Lisa Göpfert bietet das 2023 gegründete Unternehmen auch persönliche Beratungen an. Integriert in die App ist der Fertia AI-Guide, ein KI-Chat- bot. Dieser beantworte Fragen rund um die Uhr, empathisch und medizinisch fundiert, indem er ärztliche Leitlinien, psychologische Kurse und Hebammenwissen kombinie- re. „In heiklen Momenten, wie nach einem Schwanger- schaftsverlust oder wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ist der AI-Guide ein echter Gesprächspartner. Gerade abends, wenn man über vieles nachdenkt und sich allein fühlt, ist es wichtig, jemanden zur Verfügung zu haben – selbst wenn es ‚nur‘ ein digitaler Freund ist“, betont Hudalla.

ZAHLEN UND FAKTEN 25.000 App-Downloads seit der Gründung 2023

Haben Fertia Health gegründet: Kilian Vomstein (links), Anna-Lena Hudalla und Ruben Kuon

fertia.de

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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026

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