AUS DEN UNTERNEHMEN
21UPCYCLING Kaffeesatz zu Tischplatten Das Heidelberger Unternehmen entwickelt Verfahren, um aus Abfallstoffen hochwertige Produkte zu fertigen. Abnehmer ist beispielsweise die Möbelindustrie.
C hristian Wegmann klopft auf die Tischplatte: Hört sich an wie hartes Holz – ist es aber nicht. „Das war vorher Kaffeesatz“, erklärt der Geschäftsführer von 21upcycling. Der Namen transportiert die Geschäftsidee: Es geht um „Upcycling“, also um die Wiederverwertung von Abfall, sodass am Ende höherwertige Produkte entstehen. Ein Beispiel dafür ist der Tisch aus Kaffeesatz. Ein Rohstoff, von dem laut Wegmann jährlich zwei Millionen Tonnen in Deutschland anfallen. „So viel Kompost können Sie gar nicht aufschütten, zumal ein großer Teil verbrannt wird. Dabei entweichen 3,6 Millionen Tonnen CO2“, erklärt
andere Industrieabfälle. Daraus entstehen Wandpaneele, Bodenbeläge, aber auch einfache Schlüsselanhänger und Schreibtischunterlagen. Ebenfalls im Angebot: Möbel wie etwa Stühle, Küchenzeilen, Lautsprecher oder Gitarren. Die Fertigung der Produkte übernehmen Lohnhersteller, die Halbzeuge für die Werkstoff- und Holzindustrie pro- duzieren. Für kleine Aufträge hat 21upcycling eine eigene Werkstatt. Am Unternehmenssitz in Heidelberg entwickelt das Unternehmen im eigenen Labor die jeweiligen
der Unternehmer. Auf den Kaffeesatz aus dem heimischen Filter sei man nicht angewiesen. Wegmann berichtet, dass der Abfall in weit größeren Mengen anfällt, wenn die Indus- trie aus Kaffeebohnen Öle oder Duftstoffe extrahiere. Eine ideale Rohstoffquelle für das Heidelberger Unternehmen. Dieses setzt beim Upcycling auf das Konzept der „Zirkularität“. Bedeutet: Alle Produkte aus recyceltem Material sind so gestaltet, dass sie nach ihrer Nutzungsdauer in einem geschlossenen Kreislauf bleiben. Die
Verfahren und betreibt einen Showroom, um seine Produkte zu präsentieren. In einem der Regale des Showrooms wird eine unscheinbare Schallplatte gezeigt, die scheinbar aus dem Vinyl-Zeitalter stammt. Irrtum, wie Wegmann aufklärt: „Das ist die erste Schallplatte der Welt, die aus Biofasern gefertigt wurde.“ So viel Innovation muss belohnt werden: 2024 wurde 21upcycling mit dem German Design Award und dem
German Innovation Award ausgezeichnet. Und 2025
Produkte werden erneut zu 100 Prozent recycelt – und es kommen wieder hochwertige Güter auf den Markt. Wichtig ist Weg- mann ebenfalls, „ohne Zugabe von schädlichen Chemikalien zu produzieren.“ Gegründet wurde 21upcyc- ling im Jahr 2022. Christian Wegmann war viele Jahre in der IT-Branche tätig, be- vor er sich dazu entschloss, sein Interesse für ressour- censchonende Produktions- weisen unternehmerisch zu nutzen. „Es ist Zeit, sich ent- schieden für einen sozialen und ökologischen Wandel einzusetzen“, sagt der Heidelberger. Weitere Abfallstoffe neben dem er- wähnten Kaffeesatz sind Textilien, kunststoffbeschichtetes Papier und
überreichte Thekla Walker, baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, den Heidelbergern persönlich am Unternehmenssitz die nächste Auszeichnung. Sie dürfen sich jetzt Zukunfts.Länd. Macher nennen.Man darf gespannt sein, welche Preise im neuen Jahr folgen ... Lei
21upcycling.com
Zukunftsmacher made in BW: 21upcycling-Gründer Christian Wegmann
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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026
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