AUS DEN UNTERNEHMEN
ST. HIPPOLYT MÜHLE EBERT Insekten mit Crunch-Effekt
Hochwertige Nahrungsmittel für Pferde – damit verdienen die Dielheimer ihr Geld. Jetzt gehen sie neue Wege. Welche, erzählt Geschäftsführer Ivo Roger Ebert-Brenninkmeyer
Herr Ebert-Brennikmeyer, Sie leiten zusammen mit Marcel Lieber die Ceprico GmbH. Was steckt dahinter? Ivo Roger Ebert- Brenninkmeyer: Wir setzen auf Insekten als Nahrungs- und Futtermittel und züchten dafür Mehlwürmer. Ivo Roger Ebert-Brenninkmeyer (links) und sein Vater Bernd sind die Geschäftsführer der St. Hippolyt Mühle Ebert GmbH.
Schmeckt das denn? Ebert-Brenninkmeyer: Ja, etwas nussig. Wegen des Crunch-Effekts ein guter Ersatz für Knabbereien. Man- che Menschen mögen das eklig finden, aber zum Ver- gleich: Die gesamte Bevölke- rung in Deutschland nimmt im Jahr rund 5.000 Tonnen Insekten zu sich, ohne es zu wissen. Und zwar direkt über wurmstichiges Obst oder Gemüse oder verarbeitet, beispielsweise in Marmelade. Ebert-Brenninkmeyer: Definitiv. Wir arbeiten in der Schweiz bereits mit der coop-Genosseschaft zusam- men. Die Lebensmittelkette bietet unsere getrockenten Tenebrio Molitor als Snack an, in ausgesuchten Groß- städten wie Zürich oder St. Gallen. Zielgruppe ist ein eher intellektuelles Käufer- segment, das auf Nachhal- tigkeit Wert legt. Was hat es mit der Tiernah- rung auf sich? Ebert-Brenninkmeyer: Auch als Futter sind die Larven der Mehlwürmer geeignet, zum Beispiel für Vögel und Fische. Daher zielen wir Gibt es für Ihr Produkt einen Markt? ebenfalls auf Vogelzüchter und Aquarianer als Kun- den. Unser Umsatz ist noch sehr gering, wir stehen erst am Anfang einer breiten Vermarktung. In unserer Pilotlarvenfarm produzieren wir trotzdem bereits ein paar 100 Kilogramm Mehlwür- mer im Monat.
Wieso haben Sie dieses Ge- schäftsmodell für sich entdeckt? Ebert-Brenninkmeyer: Insekten als Nahrung sind keine Spiele- rei. Als Proteinquelle könnten zum Beispiel Mehlwürmer erheblich helfen, den Ressour- cenverbrauch auf der Erde zu senken. Das wird durch einen Vergleich deutlich: Maßstab ist die Produktion eines Kilo- gramms Protein. Dafür werden bei Mehlwürmern zehn Kilo- gramm Futter gebraucht, bei Rindern sind es 61 Kilogramm.
ZAHLEN UND FAKTEN
1988 gegründet 160 Mitarbeiter
Insekten als Nahrung sind keine Spielerei.
Ivo Roger Ebert-Brennikmeyer
Gibt es weitere Argumente für Insekten als Proteinquelle? Ebert-Brenninkmeyer: Die Grundlage für proteinhalti- ges Tierfutter kam früher aus Schlachtereien. Davon gibt es immer weniger. Der Trend geht zu vegetarischer und veganer Ernährung. Für Fleischfresser wie Katzen oder Hunde bleiben Insekten als sinnvolle Quelle übrig, um sie ausreichend mit Protein zu versorgen. Und nicht zu vergessen: Aus dem 19. Jahrhundert sind beispielswei- se Rezepte für Maikäfer-Suppe überliefert. Der Geschmack: ähnlich einer heutigen Krebs- suppe. Wer kann da schon wiederstehen? Lei
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IHK Magazin Rhein-Neckar 01 | 2026
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