RZ_KW09_2019

AZA 4125 Riehen 1

Buchen Sie jetzt Ihr Inserat auf der Front

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

Kleiner Preis – grosse Wirkung! Ihr Frontinserat

FREITAG, 1.3.2019 98.Jahrgang | Nr.9

Fr. 550.– Fr. 700.–

Aboausgabe

Grossauflage

REDAKTION UND INSERATE: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehener-zeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

Jungunternehmen: Neue und innovative Produkte – auch dank Riehener Ideen SEITE 2

Versammlung: Ein gutes letztes Jahr für die Bürgerinnenkorporation SEITE 3

Schach: SG Riehen siegt und kann nicht mehr aus der 1. Bundesliga absteigen SEITE 13

FONDATION BEYELER Wie fühlt sich «Zeichnen mit Picasso» an? Ein Selbstversuch Auf der Suche nach der freien Linie

EINWOHNERRAT Ein Holzboden und ein Steuerfuss

rs. Mit 28:8 Stimmen hat der Einwoh- nerrat einem Kredit von 2,46 Millionen Franken zur Sanierung der Reithalle Wenkenhof zugestimmt. Der Rat hat sich mit 21:12 dafür entschieden, dies nur unter der Bedingung zu tun, dass wie heute wieder ein Holzparkettboden eingebaut wird. Die Vorlage hatte einen Terrazzo- Bodenbelag vorgesehen (ein auf Sand und Zement basierender Hartbetonbe- lag), und zwar, weil die vorgesehene Bodenheizung damit effizienter funkti- oniere. Hauptbestandteil der Sanie- rung ist der Ersatz der alten Ölheizung durch eine auf Nutzung von Erdwärme basierende Methode (Prinzip Erdkörbe mit Wärmepumpe). Die SP hatte eine Rückweisung der Vorlage beantragt, und zwar nicht, um die anstehende Gebäudesanierung zu verhindern, sondern weil sie vor Bewil- ligung der Sanierung ein Nutzungskon- zept der Reithalle festgesetzt haben wollte. Die SP argumentierte, heute sei die Reithalle für Vereine und Private kaum nutzbar, da die Kosten zu hoch seien. Noch am Mittwoch reichte SP- Einwohnerrat Matthias Gysel eine Mo- tion «Reithalle Wenkenhof für alle» ein. Patrick Huber (CVP) und Sachkom- missionspräsident Thomas Strahm (LDP) hatten argumentiert, das Kon- zept der Gemeinde bestehe darin, die Reithalle nicht selber zu betreiben, son- dern sie einer privaten Betreiberin zu verpachten und dafür einen Pachtzins einzunehmen. Einer privaten Pächte- rin, die einen Gewinn erwirtschaften müsse, könne man keine engen Vorga- ben bezüglich ihres Betriebskonzeptes machen. Grosse Diskussionen gab es zumAn- trag des Gemeinderates, in der Gemein- desteuerordnung die Grundstückge- winnsteuer von 45 auf 50 Prozent der vollen Kantonssteuer heraufzusetzen. Das war gemäss den Verhandlungen zum neuen Finanz- und Lastenaus- gleich zwischen Kanton und Gemeinde (FILA2) zwar so vorgesehen gewesen, die entsprechende Anpassung der Ord- nung war aber vergessen gegangen, ob- wohl der Kanton die Grundstücksge- winnsteuer im Gegenzug gesenkt hat. Mehrere Fraktionen wollten den Steuer- fuss aus der Ordnung herausnehmen und, analog zum Steuerfuss der Ein- kommens- und der Vermögenssteuer, jährlich durch das Parlament festsetzen lassen. Ein entsprechender Änderungs- antrag scheiterte aber und der Antrag des Gemeinderats, in der bestehenden Ordnung lediglich den Steuerfuss von 45 auf 50 Prozent zu erhöhen, kam durch. Da kein Verzicht auf zweite Le- sung beschlossen wurde, dürfte das Ge- schäft nochmals vor den Rat kommen.

Jeden Donnerstagmorgen öffnet die Fondation Beyeler für Kreative eine Stunde früher. Und ebnet den Weg vom Herzklopfen zum befreienden Aha-Erlebnis. Es ist kurz vor neun Uhr morgens, die Kassenhäuschen sind noch leer und die Tür der Fondation Beyeler wird ge- rade erst aufgemacht. Mit mir warten zehn Gleichgesinnte. Was uns verbin- det: Wir wollen zeichnen, und zwar mit keinem Geringeren als mit Pablo Pi- casso. Natürlich wissen wir alle, dass der Titel «Zeichnen mit Picasso» nicht wörtlich gemeint ist und keine Séance ansteht, um mit dem verstorbenen Künstler zu kommunizieren. Doch auch so macht sich bei mir eine gewis- se Nervosität breit. In nur einer Stunde soll ich es schaffen, auf den Spuren des grossen Picasso zu zeichnen? In einem Schwung Herzlich werden wir von Tasnim Baghdadi in Empfang genommen, mit Klappstühlen ausgestattet und in den Ausstellungsraumgeführt, wowir uns imHalbkreis vor der «Femme nue cou- chée (Marie-Thérèse)» niederlassen. Elegant und schwungvoll präsentiert sich die Zeichnung und erinnert an das heutige Motto «Wege der Linie: Von der Kontur zum Raum». Es wird nämlich während der Picasso-Aus- stellung jeden Donnerstagmorgen im Museum gezeichnet. Während wir das Werk auf uns wirken lassen, be- richtet die Kunstvermittlerin, dass Picasso stets mindestens ein Skizzen- heft bei sich trug. Wie die Linienfüh- rung umschrieben werden könnte, möchte sie nun von ihren Schützlin- gen wissen. «Rund» wird genannt, «geschwungen» und die Kunstver- mittlerin ergänzt, die Linie wirke fast unendlich. Tatsächlich sind weder Anfang noch Ende eindeutig erkenn- Michèle Faller

Kunstvermittlerin TasnimBaghdadi und die Kreativen vor «Le Sauvetage» und «Femme nue couchée (Marie-Thérèse)».

bar. Die Zeichnung – obwohl sie klar eine liegende Frauenfigur zeigt –wirkt beinahe wie ein Ornament. Doch jetzt gilt es, nicht abzuschwei- fen, denn die freundliche Kunstver- mittlerin formuliert die erste Aufgabe: ein Gesicht zu zeichnen, ohne den Stift abzusetzen.WirdürfenunseinKlemm- brett holen, Papier und Stifte. Glückli- cherweise gibt die Fachfrau eine Emp- fehlung ab: Ein Fineliner oder Bleistift sei geeignet, oder auch ein Kohlestift. Ich raffe etwas hektisch das Material zusammen, setze mich, klemme ein hellgrünes Blatt fest und nehme den Bleistift in die Hand. Es könnte jetzt losgehen. Ich starre auf die leere grüne Fläche und fühle mein Herz klopfen. Dann wage ich einen Blick auf das ebenfalls noch ziemlich jungfräuliche Blatt meines Klappstuhlnachbars und schaue dann in sein Gesicht. Wir müs- sen beide grinsen. «Wie in der Schule!»

eine Nase ganz allein für sich? Auch das Ohr hatte ich mir einfacher vorge- stellt und die Füssemeiner Figurmuss ich in klobige Schuhe stecken. Ein paar verstohlene Blicke nach links und rechts – dabei müsste ich nur nach vorne schauen, denn Picassos bizarres Porträt ist auch in seinen Ein- zelteilen alles andere als naturalis- tisch. Am Schluss verbinden wir alles mit geraden und geschwungenen Li- nien und kolorieren unser Werk. Ziemlich picassolike! Als Drittes widmen wir uns der «Femme assise dans un fauteuil (Do- ra)». Erst auf den zweiten Blick sind die Beine der hölzern wirkenden Dora von den Stuhlbeinen zu unterscheiden. Hier sollen wir wie unser grosses Vor- bild einen Bildraum kreieren und eine sitzende Figur hineinsetzen. Erlaubt sind nur gerade Linien und Plastizität ist erwünscht. «Eine Art Bauklotzfi- gur», umschreibt die Kunstvermittle- rin und voller Hingabe machen wir uns ans Werk. «Die Linie ist so frei, dass al- les damit gemacht werden kann», fasst Baghdadi am Schluss Picassos Ansatz zusammen. So weit sind wir vielleicht noch nicht ganz, doch schon ein gutes Stück näher dran! Denn mit den drei Methoden, die uns die Fachfrau näher- gebracht hat, hat sie das vor einer Stun- de noch unwahrscheinlich Scheinende geschafft: Wir haben Picasso ein klein wenig über die Schulter geschaut.

Dabei liebte ich dort das Fach Zeichnen. Ich fasse also Mut und fange an. Zuerst eine Pupille, das ganze Au- ge, ein zweites, direkt geht’s zur Nase, dann der Schnurrbart, ein lächelnder Mund – das läuft ja wie am Schnür- chen! Am Schluss bin ich ganz zufrie- den mit meinem Porträt. «Nun viel- leicht noch ein Gesicht im Profil …», sagt die Kunstvermittlerin aufmun- ternd und ich setze den Bleistift noch- mals an. Das Ergebnis: Ein lächelnder Herr ohne Hinterkopf und mit gefähr- lich spitzer Nase. BeimdrittenGesicht- chen verliere ich die Nerven und kritz- le drauflos. Doch immerhin mit Schwung! Das ist denn auch das Fazit der kleinen Zeichnungsklasse: Hat man sich einmal überwunden, ist es sehr befreiend, die Linie sich verselbst- ständigen zu lassen. Ziemlich picassolike! An der gegenüberliegenden Wand hängt «Femme dans un fauteuil». Hier gehe es um Linie und Perspektivbre- chung, erklärt Baghdadi. Tatsächlich ist die Frau im Lehnstuhl nur schwer erkennbar. Die neue Aufgabe er- scheint mir einfacher: Es gilt, alle Komponenten einzeln zu zeichnen und das Blatt danach jeweils um 90 Grad zu drehen. Vergnügt und von der klaren Anweisung bestärkt mache ich mich an die Arbeit. Doch bald kom- men die Tücken. Wie zeichnet man

Reklameteil

Neu: unser Vegi-Burger

FONDATION BEYELER 3. 2. –26. 5. 2019

als Alternative oder Beilage zu Fleisch

Telefon 061 643 07 77

RZ050724

190109_FB_PICASSO_Anzeige_Riehener_Zeitung_113x55_02.indd 1 Mitten im Dorf – Ihre Riehener Zeitung

09.01.19 11:48

0 9

Die eine oder andere hat Zeit für eine Zusatzaufgabe: Workshopbesucherin beim Abzeichnen von «Le Sauvetage». Fotos: Michèle Faller

9 771661 645008

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online