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Birsfelder Anzeiger

Freitag, 6. Dezember 2019 – Nr. 49

Die Tendenz: «Birsfelden

Politik

Aus dem Landrat Kriminalität der digitalisierten Welt Heute haben sich zahlreiche Handlungen ins Internet ver- schoben. Wir müssen nicht mal mehr das Haus verlassen, um einkaufen zu können, Ferien zu buchen, soziale Kontakte zu pflegen oder Rechnungen zu bezahlen. Überall hinterlassen wir Spuren und geben Daten bekannt. Dieser offene Umgang mit Informationen und die fast unbegrenzten Möglichkeiten des Internets bringen auch Ge- fahren und Herausforderungen mit sich. Denn die Kriminalität hat ihren Weg längst auch in die virtuelle Welt gefunden. Der Begriff «Cybercrime» fasst die Kriminalität imInternet zusam- men. Dabei geht es vor allemum Betrug, Fälschung oder uner- laubten Zugriff auf Daten. Viele kennen wohl die offensichtli- chen Phishing-Mails, die uns auffordern unser Passwort an- zugeben oder die freundlichen Nachrichten, dass wir eine hohe Geldsumme gewonnen haben sollen und bloss noch unsere Bankverbindung ange- ben müssten. In Baselland wurde in den letzten fünf Jahren jede zwölfte Person Opfer von Internetkrimi- nalität, doch nur 20 Prozent meldete dies der Polizei. Diese Zahlen sind steigend. Der Kan- ton Basel-Landschaft hat diese Herausforderung unserer digita- lisierten Zeit erkannt. Er hat bereits eine Strategie ausgearbei- tet, um professionell auf solche Delikte reagieren und sie ent- sprechend ahnden zu können. Weitere wichtige Teile der Stra- tegie sind Informationsveran- staltungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung sowie Aus- und Weiterbildungen der Mitarbei- tenden der Polizei und Staatsan- waltschaft. Zur Umsetzung dieser Strate- gie braucht es zusätzliche perso- nelleund finanzielleRessourcen. DerLandrathatdiesegesprochen und ermöglicht so, die Internet- kriminalität zu bekämpfen. *Landrätin SP Baselland Von Désirée Jaun*

ist enorm im Aufwind» Der Gemeinderat will in Birsfelden ein vielfältiges Wohnangebot schaffen. Das will er mit einer Quote erreichen.

Von Patrick Herr

Vor rund einem Jahr hat Franz Büchler einen Antrag eingereicht, der die «Förderung der Wohnungs- vielfalt und des preisgünstigen Wohnungsangebots in Birsfelden» zum Ziel hatte. Der Gemeinderat hat nun ein Regelwerk ausgearbei- tet, das beachtenswert ist. An der Gemeindeversammlung vom 16. Dezember wird es im Traktandum 2 um Quoten gehen. Wird auf ge- meindeeigenem Boden gebaut, sollen künftig 50 Prozent der Woh- nungen Genossenschaftswohnun- gen sein. Es gäbe schweizweit keine vergleichbare Regelung, schreibt der Gemeinderat in den Erläuterun- gen zur Gemeindeversammlung. Und auf privatem Boden sollen bei Quartierplanungen Kaufpreis und Miete von mindestens 20 Prozent der neuen Wohnungen unter dem Birsfelder Median für Neubauwoh- nungen liegen. Wir haben darüber mit Gemeindepräsident Christof Hiltmann gesprochen. Wie oft sind Sie in den vergangenen Wochen auf diese neuartige und aussergewöhnlicheRegelungange- sprochen worden? Ehrlich gesagt nicht viel mehr als bei anderen Vorlagen. Aber es gab schon Rückmeldungen. … und wie war der Tenor? Ganz unterschiedlich. VonZustim- mung bis Ablehnung war alles dabei. Der Grundtenor in der Vernehm- lassung war von links bis rechts eher positiv. Hat das den Gemein- derat überrascht? Nicht unbedingt. Denn das Thema Wohnungsangebot und die Sorge über steigende Mieten ist weit ver- breitet. Wie ist es zu diesem Reglement gekommen, dass es so schweizweit offenbar noch nicht gibt? Birsfelden befindet sich im Um- bruch. Es wird viel gebaut und neuer Wohnraum entsteht. Dabei ist sich der Gemeinderat bewusst, dass es insbesondere bei den Ange-

Der Reglements- vorschlag des Gemeinderates ist gemäss Christof Hiltmann «einzigartig». Foto zVg

Eswürde denWegdesGemeinderats, welcher er für die Entwicklungsvor- haben auf gemeindeeigenem Boden sowieso in Planung hat, bestätigen. Wagen wir noch einen Ausblick. Wie soll – in den Augen des Ge- meinderates–dieWohnungspolitik in Birsfelden aussehen? Birsfelden lebt seit je her von der Vielfalt seiner Bevölkerung.Dies ist und bleibt auch für die Zukunft das erklärte Ziel des Gemeinderats. Birsfelden – der Wohnort für Jung und Alt, Familien und Singles, Naturverbundene und Urbane. Damit verknüpft ist auch die Ent- wicklungvonBirsfelden.Wostehen wir hier? Birsfelden ist enorm im Aufwind. Die Standortvorzüge derGemeinde kommen immer mehr zum Tragen. Die Gemeinde ist als Wohnort sehr beliebt und gesucht. Die vielen baulichen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind Ausdruck dieser neuenRealität. DieKehrseite dieser Dynamik sind überdurchschnitt- lich viele Baustellen. Wie gross ist die Chance, dass die Gemeindeversammlung die- sem Reglement zustimmt? Lassen wir uns überraschen. Ich hoffe, dass am 16. Dezember viele Stimmberechtigte den Weg in die Aula Rheinpark finden werden. Vielen Dank für das Gespräch.

boten auf gemeindeeigenem Boden Vorgaben braucht, welche die Vielfalt des Wohnungsangebots sicherstellen. Das ist der Hinter- grund zu diesem Reglement. Was sinddieZiele, die derGemein- derat mit diesem Reglement errei- chen möchte? Es sind zwei: erstens die Förderung von Wohnungsangeboten, welche die Identifikation der Bewohner- schaft mit der Gemeinde stärken. Diesbezüglich schneiden Genos- senschaften neben Wohneigentum am besten ab. Zweitens soll sicher- gestellt werden, dass vielfältige Angebote inBezugauf Preis,Grösse und Zielgruppen entstehen. Sie sprechen von einem Pilot-Reg- lement … Nun, das Wort «Pilot» ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Tatsache ist, dass unser Reglements-Vorschlag auf die Situation Birsfeldens ausge- richtet und daher einzigartig ist. Damit würde aus Sicht desGemein- derates eine Chance verpasst, in Bezug auf die zukünftigen Woh- nungsangebote bei Quartierplänen einMindestmass an Vielfalt sicher- zustellen. Was würde ein Nein zu diesem Reglement bedeuten?

Was für unmittelbare Konsequen- zen hat ein Ja?

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