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Die Bundeswehr wurde reformiert und zunehmend für Auslandseinsätze im Rahmen von NATO-, EU- und UN-Mis- sionen eingesetzt, z. B. auf dem Balkan, in Afghanistan oder Mali. Auch der Be- griff der „vernetzten Sicherheit“ gewann an Bedeutung – also das Zusammenspiel von Diplomatie, Entwicklungspolitik und militärischen Mitteln. Insgesamt markierte die Zeit nach dem Kalten Krieg eine Abkehr von der rein defensiven Ausrichtung hin zu einer aktiveren, international eingebundenen deutschen Sicherheitspolitik. Diese neue deutsche Sicherheitspolitik geriet jedoch bald unter Druck durch ein Russland, das zunehmend offensiv und imperialistisch auftrat. Die Anne- xion der Krim 2014 und der russische Überfall auf die gesamte Ukraine 2022 markierten eine sicherheitspolitische Zeitenwende. Beide Vorgänge stellten einen tiefgreifenden Bruch mit der euro- päischen Friedensordnung dar. Deutsch- land und Europa reagierten zunächst mit wirtschaftlichen Sanktionen und diplomatischen Mitteln, hielten jedoch an einer insgesamt kooperationsorien- tierten Haltung gegenüber Russland fest. Die Bundesregierung erkannte, dass die bisherigen Mittel nicht ausreichten, um Europas Sicherheit zu gewährleisten. Die von Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner historischen Rede vom 27. Feb- ruar 2022 beschriebene Zeitenwende brachte eine Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung im Rahmen der NATO. Die risikoscheue deutsche
Sicherheitspolitik wich einer realisti- scheren, robusteren und strategischeren Sicht der Dinge. Das Waffensystem Panzer, das seit der Zäsur von 1990 sukzessive an Bedeu- tung verloren hatte, wurde neu gedacht. Der Leopard 2, dieses Spitzenprodukt der deutschen Rüstungsindustrie, wurde modernisiert und grundlegend ver- bessert. Der Panzer wurde in geringen Stückzahlen an die Ukraine geliefert, damit steht jetzt erstmalig ein deut- scher Kampfpanzer wieder im scharfen Einsatz. Mittelfristig wird die Entwicklung neuer Waffensysteme forciert, darunter das deutsch-französische MGCS-Pro- jekt (Main Ground Combat System), das langfristig den Leopard 2 ablösen soll. Die vorliegende Abhandlung ver- sucht die technische Entwicklung des deutschen Panzerwesens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart darzu- legen. Im Folgenden werden die wich- tigsten deutschen Panzertypen vorge- stellt und in ihren historischen Kontext eingeordnet.
Der PzKpfw IV war neben dem Panther Deutschlands wichtigster Kampfpanzer im 2. Weltkrieg. (Foto: Slg. Anderson)
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