12 Willy Messerschmitt und sein Werk bis 1945
Mitte November 1937 die Produktion der Bf 108 an, die von Augsburg ins neue Werk verlagert wurde. Der Hauptzweck des Re- gensburger BFW-Werkes aber war die Groß- serienfertigung der Bf 109, die dort Ende 1938 begann. Ab März 1938 kam der Serienbau der zweimotorigen Bf 110 hinzu. Um dies alles zu bewältigen, waren bis dahin drei neue Werk- teile in Augsburg entstanden. Damit befan- den sich auf 165.000 Quadratmeter neben Verwaltungsgebäuden unter anderem 18 Fabrikations- und Lagerhallen sowie sechs Hallen für den Einflugbetrieb in Augsburg. Zeitgleich entstanden zwei Werkssiedlungen in den Ortsteilen Hochfeld und Haunstetten. Am 11. Juli 1938 beschloss der BFW-Auf- sichtsrat in Übereinkunft mit dem RLM die Umbenennung des Unternehmens in Messer- schmitt AG, auch oder gerade um den inzwi- schen sehr bekannten Namen Messerschmitt für die Firma beziehungsweise den deutschen Flugzeugbau werbewirksam zu nutzen. Erst jetzt trugen Neuentwicklungen das offizielle Kürzel Me, wenngleich bis dahin und auch weiterhin bei Messerschmitt intern meist von der Me 108/109/110 die Rede war. Das RLM bestand jedoch im Schriftverkehr ausdrück- lich auf das korrekte Kürzel Bf. Bereits 1937 hatte Professor Messerschmitt neben Ferdinand Porsche und Fritz Todt den „Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft“ erhalten. Die Belegschaft des Augsburger Werkes wuchs von 524 Mitarbeitern im Dezember 1933 auf 6491 im Dezember 1939 an, wäh- rend der Umsatz im selben Zeitraum um mehr als 470 Prozent anstieg. Diese erfreuli- chen Zahlen verdankte man natürlich vor allem der Massenproduktion der Bf 109 in den eigenen Hallen sowie bei diversen Li- zenznehmern. Anfang 1940 fertigten bereits zehn Firmen Messerschmitt-Flugzeuge in Lizenz, allen voran die Erla Maschinenwerk
stellungen industriell zu etablieren und sich selbst bei den RLM-Verantwortlichen ins rechte Licht zu rücken. Die Lizenzbauaufträge brachten BFW nicht zuletzt dringend benötigtes Kapital sowie einen wachsenden Facharbeiterstamm. Etwa 400 Lizenzbauten galt es bis 1937 auszu- liefern und damit 25 Prozent mehr Flugzeu- ge, als man seit Firmengründung der BFW 1926 hergestellt hatte. Expansion Die offizielle Entscheidung des RLM zur Seri- enproduktion der Bf 109 veranlasste BFW 1936 zum Bau einer zusätzlichen Fertigungs- stätte. Nachdem die Stadt Augsburg mit Hin- weis auf zu erwartende Bombenangriffe einen weiteren Rüstungsbetrieb ablehnte, entschied man sich für das industrieschwache Regens- burg und seinen Flugplatz Prüfening. Be- triebsführer der am 24. August 1936 gegrün- deten Bayerische Flugzeugwerke Regensburg GmbH war Messerschmitts Freund und BFW-Aufsichtsratsvorsitzender Theo Cron- eiß. Nach dem Richtfest im Mai 1937 lief ab
Ehemalige Montagehalle des Messerschmitt-Zeigwerks Obertraubling mit Me-262- Baugruppen bei Kriegsende.
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