10 Willy Messerschmitt und sein Werk bis 1945
Messerschmitt zog sich aus der Affäre, indem er seine nach wie vor bestehende Mes- serschmitt Flugzeugbau GmbH (Mtt-GmbH) mit gekündigten BFW-Mitarbeitern auf Spar- flamme weiterbetrieb. Erst im Mai 1933, nachdem der Konkurs der BFW nach einem Zwangsvergleich abgewendet werden konnte, wurde die Mtt-GmbH wieder in die BFW eingegliedert. Mit einer gerade einmal 82-köpfigen Belegschaft ging die Arbeit nun weiter. 1933 stellte BFW das elegante Schul- und Kunstflugzeug M 35 vor – ein weiterer kleiner Lichtblick für die Augsburger. In eine neue Ära Mit der Machtergreifung der Nationalsozia- listen 1933 lief die Wiederaufrüstung des Deutschen Reichs im großen Stil an, wenn- gleich dies wegen des Versailler Vertrags nach wie vor im Geheimen geschah. Die deutsche Luftfahrtindustrie stand vor gigantischen Herausforderungen. Die vorhandenen Pro- duktionskapazitäten reichten für Großserien bei Weitem nicht. Trotz ungünstiger Voraus- setzungen gelang es in kürzester Zeit, eine neue Luftwaffe aus dem Boden zu stampfen. Treibende Kraft dieses Prozesses war das im April 1933 geschaffene Reichsluftfahrtminis- terium (RLM) unter Luftwaffenchef Her- mann Göring. Sein Staatssekretär, und damit zweiter Mann im RLM, war ausgerechnet Erhard Milch, der seit den M-20-Abstürzen ein angespanntes Verhältnis zu Messer- schmitt pflegte. So blieben Entwicklungsaufträge für Mes- serschmitt aus und es gingen zunächst nur Lizenzbauaufträge für Konkurrenzmuster an die knapp am Konkurs vorbeigeschrammte schwäbische Flugzeugbaufirma. Erst die Für- sprache von Theo Croneiß und die Bürg- schaft der Stromeyer-Raulino-Gruppe durch Lilly Stromeyer über zwei Millionen Reichs- mark, für den Fall, dass erneut ein Messer-
übernahm die staatlichen Anteile an BFW. Messerschmitt steuerte den Rest bei – insge- samt 400.000 Reichsmark. 1929 machte Messerschmitt endlich den Flugschein, blieb aber zeitlebens ein eher unsicherer Pilot. Das Tüfteln an Entwürfen und Feilen an Details erfüllten ihn, nicht das Fliegen selbst. Unter Willy Messerschmitts Federführung entstanden weiterhin zahlrei- che Flugzeugmuster, wie etwa die M 23, von der bis 1931 etwa 80 Stück verkauft wurden. Zwar erhielt BFW, wie alle anderen renom- mierten Flugzeugbauer, aufgrund der Welt- wirtschaftskrise 1929 über das Reichsver- kehrsministerium eine Subvention zugeteilt, doch wirtschaftete das Haunstettener Unter- nehmen insgesamt betrachtet zu schlecht, um geschäftlich rentabel zu sein. Zwei fatale Unfälle mit dem Verkehrsflug- zeug M 20 mündeten in einem kostspieligen Rechtsstreit mit der von Erhard Milch ge- führten Deutschen Luft Hansa (ab 1933 Luft- hansa), dem Hauptabnehmer der M 20. 1931 musste die ohnehin schon in finanzieller Schieflage befindliche BFW AG Konkurs anmelden.
Serienfertigung der Bf 109 G im Messerschmitt-Werk Re- gensburg, das nach den Erla- Werken die meisten Bf 109 herstellte – rund 11.000 Stück.
Made with FlippingBook flipbook maker