Ein Herz für Tiere

Reise

ich später in Perth auf einem Internat war, zog ich manchmal die Schuhe unter der Schulbank aus.“ Bereits als Teenager entdeckte er das Fo- tografieren und Filmen als seine Berufung und hält seither seine Heimat in großartigen Natur- und Landschaftsaufnahmen fest. Wirruwana und die umliegenden Riffe und Seegraswiesen im Shark-Bay-Meeresnatio- nalpark sind auch ein wichtiger Rückzugsort für bedrohte Meeresbewohner wie Wale, 28 Hai- und insgesamt mehr als 300 Fischarten. Bekannt ist die Region auch für eine der welt- weit bedeutendsten Populationen der Gabel- schwanzseekühe oder Dugongs. Letztere sind meerlebende Säugetiere, die zur Ordnung der Sirenia (Seekühe) gehören. Sie sind die näch- sten lebenden Verwandten der Manatis (Rund- schwanzseekühe), unterscheiden sich aber durch ihren flossenartigen, waagerechten Schwanz, der dem eines Delfins ähnelt. Als Wardle Turtle Bay erreicht, geht gerade die Sonne über dem Meer auf. Die Strandbucht ist menschenleer, jedoch haben sich bereits Schwärme von Seevögeln eingefunden. Einige von ihnen sind wohl gekommen, um den frischgeschlüpften Karrettschildkröten nachzustellen. Etliche haben es wohl nicht bis in den rettenden Ozean geschafft. Zwei Nachzüglern verhilft Wardle noch aus ihrem Nest, indem er den Sand behutsam zur Seite gräbt und die Kleinen begleitet, bis sie in den Meereswellen verschwunden sind. „Hoffentlich werden sie irgendwann hierher zurückkom- men und ihre eigenen Eier legen“. Hüter des Landes „Die Natur ist nicht tot, sie schläft nur“, sagt Darren Capewell. „Das Land war lange krank,

Bedrohte Dugongs Kaum irgendwo sonst in der Welt stehen die Chancen so gut, Gabelschwanzseekühe zu beobachten

vor Sonnenaufgang in einer Bucht bis- weilen Hunderte Meeresschildkröten auf einmal. Vom Süden Wirruwanas bis Turtle Bay im Norden sind es min- destens drei Stunden auf den Sand- pisten der etwa 80 Kilometer langen Insel. Asphaltstraßen gibt es hier nicht. Biodiversität wiederherstellen „Schon mein Urgroßvater, der die Insel 1969 kaufte, hatte versucht, hier wieder Wallabies anzusiedeln“, sagt Wardle, „er interessierte sich schon damals für Naturschutz“. Die Wiederansiedlung von einst hier hei- mischen Arten, gelang jedoch erstmals lang- fristig, als Wardles Eltern Kieran und Tory ent- schieden, die Schaffarm der Familie aufzuge- ben, in Zusammenarbeit mit westaustralischen Naturschützern und Behörden auf der Insel die vormalige Biodiversität wiederherzustellen und den Ökotourismus zu fördern. Der Weg für das „Return to 1616“-Projekt war geebnet. Die Familie Wardle führt heute die Dirk Hartog Eco Lodge, die einzige Unterkunft auf Wirruwana. Sie liegt idyllisch direkt am Meer. Die Lodge ist nach Ecotourism-Standards zertifiziert und nutzt nahezu ausschließlich erneuerbare Energiequellen wie Solar und Wind, um die Umweltbelastung gering zu halten. Camping ist auch auf ausgewiesenen Stellplätzen möglich, jedoch dürfen nie mehr als 20 Allrad-Fahrzeuge gleichzeitig auf der 630 Quadratkilometer großen Insel unterwegs sein. „Ich bin hier fernab aller Hektik und meist barfuß aufgewachsen“, erzählt Will Wardle. „Als

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72 Ein Herz für Tiere / September 2025

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