Die Wüste lebt Im François-Peron-National- park fühlen sich Meeres- und Landbewohner gleichermaßen zuhause
aber es wird langsam wieder gesund.“ Der Aboriginal Guide steht auf einer Klippe auf Wu- lyibidi, der Péron-Halbinsel, die wie die riesige Kralle eines Urzeitreptils in die mehr als 10.000 Quadratkilometer große Shark Bay greift. Wirruwana ist durch einen Meerarm mit Sand- bänken und Seegraswiesen von ihr getrennt. „Wir Malgana nennen die- sen Ort Gutharraguda“, sagt der 54-Jäh- rige, „Ort der zwei Wasser. Hier treffen sich die Energien der Wüste und des Ozeans“. Capewell führt seit vielen Jahren Touristen durch den François-Péron-Nationalpark und über die Insel Wirruwana. Seine Touren im Geländewagen, zu Fuß und im Kayak ermög- lichen Urlaubern eine einzigartige Perspektive auf die Kultur der ersten Bewohner der Region und ihre enge Verbindung zur Natur. Capewell spricht mit Tieren und selbst mit Büschen, als seinen sie Freunde. Betritt er die Halbwüste der Peron-Halbinsel, ruft er einen Willkommensgruß in der Sprache der Malgana aus. „Ich frage das Land nach seinem Wohl- befinden und bitte es, uns willkommen zu heißen“, erklärt er. „Die Malgana und Nhanda sind seit mehr als 30.000 Jahren Hüter dieses Landes“. Natur – erleben, fühlen, verstehen Auf Wulyibidi wurde bereits 1995 das „Projekt Eden“ gegründet. Nach Aufgabe der letzten von
einst sieben Schaffarmen wurde ein Teil der Halbinsel mit einem Elektrozaun vom Festland abgetrennt. Auch hier wurden invasive Arten ausgerottet und einheimische Tiere angesie- delt. „Man kann jetzt schon mit eigenen Augen sehen, wie die Wildnis zurückkehrt und dass hier beispielsweise wieder mehr Geckos und Ameisenigel leben.“ Auch wenn sich einige der sechs wiedereingeführten Arten wie Ka- ninchennasenbeutler und Bürstenschwanz- Rattenkägurus nur selten beobachten lassen, locken die Neuankömmlinge immer mehr Tou- risten in den Nationalpark. „Wir möchten, dass die Menschen, die hierherkommen, die Natur nicht nur erleben, sondern sie auch fühlen und verstehen“, sagt Capewell. „Es ist wichtig, dass gerade junge Australier neu ihren Wert erkennen“. Der Guide führt regelmäßig auch Gruppen von Schulkindern durch Wulyibidi und Wirru- wana. Manchmal übernachtet er mit ihnen in der Wildnis und bringt ihnen am nächtlichen Lagerfeuer mit Didgeridoo-Klängen und ural- ten Legenden die Welt seiner Ahnen nahe. Rückkehr zu den Wurzeln Er beobachtet wie gerade junge Menschen eine Rückkehr zu den Wurzeln Australiens suchen. „Wie die Natur, ist auch die Kultur der Urein- wohner nicht tot. Wir sehen überall, wie das Interesse an unserer Geschichte und unserer Kunst wieder auflebt.“ Natur und Kultur leben weiter – durch Erin- nerung, Interesse und neuen Respekt.
Bunte Vogelwelt Pfeifhonigfresser ge- hören zu den häufigen Arten auf Wirruwana
»Man kann sehen, wie die Wild- nis zurück- kehrt.«
September 2025 / Ein Herz für Tiere 73
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