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DAS WOHNMOBIL

REISEBUCH

Das Reise-Best-Of für Wohnmobilisten

Bergahorn vor großer Felskulisse – Kleiner und Großer Ahornboden

Angelo Dibona und Luigi Rizzi bezwangen die Wand zusammen mit den Brüdern Mayer auf einer Route, die heute mit dem Schwie- rigkeitsgrad V der Alpenskala bewertet wird. Noch ein ganzes Stück anspruchsvoller ist die Nordverschneidung der Lalidererspitze, von Mathias Rebitsch und Franz Lorenz 1947 er- öffnet: Schwierigkeitsgrad VI+ – ein Meilen- stein in der Klettergeschichte. Rebitsch, 1911 im Tiroler Brixlegg geboren, war ein kluger, vielseitig interessierter Kopf, der seine Leistungen im Fels durchaus richtig einzuordnen wusste. Nach einem geschei- terten Versuch in der Laliderer Nordwand beschrieb er den Rückzug zweier Geschlage- ner sehr anschaulich, aber ohne verkrampf- ten Blick auf den Fels: »Er [Sepp Spiegl] hatscht auf Latschenkrücken und ich trag die verbundene Hand in einer Schlinge; sie lag den ganzen schönen Herbst im Gips. Und zwei Rucksäcke hab’ ich am Buckel und eine stille Wut im Bauch. Die Wand, sie wäre so trocken jetzt.« Wir wollen da nicht hinauf, aber die Schön- heit des Karwendels kann man auch erleben, ohne ihre Gipfel zu besteigen. Das geht am Kleinen Ahornboden besonders gut und auch am Großen Ahornboden – wenigstens frühmorgens …

unbedingt logisch erscheint, aber die süd- lichste Karwendelkette, jene über Innsbruck, heißt ja auch Nordkette. Es kommt halt auf den Standort an. Auch beim Kleinen Ahorn- boden, der das Johannestal so wunderbar ab- schließt. Möglicherweise ist er nämlich grö- ßer als jener andere, der dieses Attribut im Namen trägt. Auf jeden Fall hat der »Kleine« einen unschätzbaren Vorteil: Er bleibt dem motorisierten Verkehr verschlossen. Wobei, dies nur als kleine Präzisierung, E-Bikes natür- lich ausgenommen sind, aber die blasen ja auch nichts Schädliches in die Luft … Hermann von Barth, der Karwendelmann Nicht einmal eine Wirtschaft gibt’s am Klei- nen Ahornboden, nur ein Denkmal, das an Hermann von Barth erinnert, der im Karwen- del mehrere Dutzend Gipfel bestiegen hat und manche sogar als Erster und dazu noch solo – so auch die Lalidererspitze (2588 m), am 16. August 1870. Barth kam von Schar- nitz, nahm den Weg durch das Hinterautal und stieg über die Südflanke auf zum Gipfel. An die Nordwand, immerhin 700 Meter hoch, verschwendete er wohl keinen Gedan- ken – dafür war die Zeit noch nicht reif. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie »ent- deckt«, und im Sommer 1911 war es so weit.

T O P E R L E B N I S S E y

Y ZUR FALKENHÜTTE Eine der schönsten Karwendel- Wanderungen, ein echter Klas- siker, führt vom Johannestal ins Laliderer Tal. Am Wende- punkt der ausgedehnten Runde, die im inneren Rißtal startet, steht die frisch reno- vierte Falkenhütte. Highlights am Weg: der Kleine Ahornbo- den und die Aussicht auf die Laliderer Wände (Gehzeit etwa 7 Std.). www.falkenhuette.de

© Adobe Stock – Voyagerix

Alles echte Unikate, knorrig und wetterfest, diese Berg- ahorne. Ihnen verdanken der Kleine und der Große Ahorn- boden ihre Namen (oben). Von der Falkenhütte hat man freie Sicht auf die Laliderer- wand – wenn das Wetter mit- spielt (rechte Seite oben). Die Spritzkarspitze über dem Talboden der Eng (rechte Seite unten).

Bergahorn vor großer Felskulisse – Kleiner und Großer Ahornboden

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Y NATURPARK KARWENDEL

Gewaltige Felsmauern über grünen Almen

Praktisch das gesamte Kar- wendel steht seit 1928 (!) als Naturpark unter Schutz: der größte Naturpark Tirols. In Hinterriß befindet sich das moderne Naturparkhaus, das über viele interessante Aspekte der alpinen Bergwelt infor- miert. www.karwendel.org

Nicht zufällig ist die Eng mit dem Großen Ahornboden ein Hotspot des Karwendel- Tourismus. Die Natur hat hier ein besonderes Juwel geschaffen: ein Felshalbrund über demweiten, mit knorrigem Bergahorn bestandenen Boden. So etwas lockt naturhungrige Großstädter in Massen an, was dem Zauber nicht unbedingt gut bekommt. Glücklicherweise gibt’s da noch den Kleinen Ahornboden, hinten im Johannestal …

Y DER GROSSE AHORNBODEN

F rühmorgens im Karwendel, am Großen Ahornboden. Tau glitzert auf den Wiesen, ein paar Morgennebel hängen an den Fel- sen, hoch an der Spritzkarspitze züngeln die ersten Sonnenstrahlen. Es ist still, nur leises Glockengebimmel ist zu hören: Frühstück fürs Vieh in der Eng. Was für eine Idylle – al- lerdings eine vergängliche. Drei Stunden später. Bei Hinterriß klingelt die Kasse der Mautstraße, der Parkplatz in der Eng füllt sich rasch, bei den abgestellten Fahrzeugen sind jene mit einem »M« am Nummernschild deutlich in der Überzahl. Es riecht nach Abgasen, nicht mehr nach feuch-

tem Gras. Auf der Terrasse des Alpengasthofs wird gefrühstückt, man macht ein Selfie oder fotografiert die Wurst am Teller, vielleicht sogar den Berg, der das Treiben zu seinen Füßen mit stoischer Ruhe beobachtet, von der Höhe seines immensen Alters herab. Raus aus der Stadt, in die Berge! Der Große Ahornboden macht seinem Namen alle Ehre, in doppeltem Sinn: Eng wird’s auf dem Parkplatz, eng ist auch das Rißtal an seinem Ende, umstellt von den hohen Bergen der Hinteren Vomperkette. Die heißt so nach einem Ort im Inntal, was nicht

Zu jedem Ziel die Top-Erlebnisse, die ihre Reise zu etwas ganz Besonderem machen

Die Eng (1227 m) ist ein tou- ristischer Brennpunkt im Kar- wendel, mit dem Großen Ahornboden und den schrof- fen Bergen rundum auch ein echtes Landschaftsjuwel. Ent- sprechend stark ist die einzige Zufahrt oft frequentiert. Wer etwas für die Umwelt tun will, nimmt den Karwendelbus oder fährt mit dem Fahrrad ins Rißtal. www.ahornboden.com

Chiemsee

Traunstein

Bad Aibling

Rosenheim

Bad Reichenhall

Bad Tölz

Kochel

Kufstein

Saalfelden a. St. M.

Ahornboden

Zell a. See

16

Bruck

Innsbruck

Groß- glockner 3798

1379

Brenner- pass

Brenner

Sterzing

Lienz

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Übersichtliche Kartenausschnitte für schnelle, problemlose Orientierung

Traumstraßen

DIE DEUTSCHE ALPENSTRASSE

T O P F I V E y

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Auf und Ab am Alpennordrand Die Idee einer Alpenstraße durch die Berge Oberbayerns geht auf die 1920er-Jahre zurück, und bis 1939 war gut die Hälfte der Strecke fertiggestellt. Nach dem ZweitenWeltkrieg wurden diese Teilstücke in das bestehende Straßennetz zur Deutschen Alpenstraße integriert.

Y LINDAU Das schmucke Städtchen am Boden- see ist Ausgangspunkt der Deutschen Alpenstraße. Sehenswert: der Hafen mit dem Leuchtturm und dem Bayeri- schen Löwen, die Altstadt mit dem historischen Rathaus, ihren stattlichen Bürgerhäusern und den eindrucksvol- len Kirchen. www.lindau.de Y NEUSCHWANSTEIN Einer der ganz großen Hotspots des bayerischen Tourismus, das Werk des versponnen-unglücklichen Königs Ludwig II. Die täglichen Führungen dauern etwa eine halbe Stunde. Un- bedingt zu empfehlen: Ticket recht- zeitig reservieren (geht auch online). www.neuschwanstein.de Y HERZOGSTAND Zu den schönsten Aussichtspunkten entlang der Deutschen Alpenstraße gehört der Herzogstand (1731 m). Die Seilbahn mit Talstation am Wal- chensee reduziert die Besteigung auf einen ausgedehnten Spaziergang auf komfortablem Weg (knapp 1 Std.). Y TEGERNSEE Die liebste Badewanne der Münchner, an Wochenenden und in der Ferien- zeit oft heillos überlaufen. Empfeh- lenswert: eine Rundfahrt auf dem See. Etwas ruhiger ist es am kleineren Nachbarn, dem Schliersee. www.tegernsee.de Y KÖNIGSSEE Zweifellos der schönste Alpensee Bay- erns, einem Fjord ähnlich, überragt vom Watzmann mit seiner monumen- talen Ostwand. Ein Muss für alle Besu- cher: die Schifffahrt nach St. Bartho- lomä. Den schönsten Blick auf das Gewässer bietet die Archenkanzel (1346 m; Bergwanderung vom Ort

Münchnern, die gerne in die Berge gehen, braucht man die Rotwand im Mangfallgebirge nicht vorzustellen. Der 1884 Meter hohe Berg gehört zu ihren Top-Wanderzielen. Ein Wirt- schaftsweg verbindet die Hotelsiedlung

am Spitzingsee mit dem Rotwandhaus. Das thront gerade mal eine Viertel- stunde unterhalb des Gipfels auf einem Geländerücken und ist bei den Wande- rern und Mountainbikern eine beliebte Einkehr. An sonnigen Wochenenden

herrscht viel Betrieb in der Gaststube und auf der Terrasse. Da muss der eine oder die andere möglicherweise ein bisschen länger auf die Schwammerl mit Knödeln warten. Doch das tut der guten Laune keinen Abbruch, bei der herrlichen Aussicht bis zum Großglock- ner. Viel näher der breitmassige Rücken des Hinteren Sonnwendjochs. Und weit und breit kein Auto. Ein großes Projekt Es hätte leicht ganz anders kommen können. In den 1930er-Jahren nahm die Idee einer Deutschen Alpenstraße konkrete Formen an. Angestoßen wurde das ambitionierte Projekt ein paar Jahre zuvor von einem Dr. Knorz aus Prien am Chiemsee und vom Deutschen Touring-Club dann kräftig gefördert. Dem NS-Regime kam die Initiative zupass, ließ sich damit doch prächtig Werbung in eigener Sache machen. Und Straßenbau galt ohne- hin als probates Mittel gegen die gras- sierende Arbeitslosigkeit. Die Route sollte das schmucke Boden- seestädtchen Lindau mit Berchtesga-

Das Wahrzeichen Berchtesgadens: der Watzmann.

den verbinden; sogar eine Fortsetzung übers Steinerne Meer nach Saalfelden war angedacht. Seltsamerweise fir- mierte sie, obwohl längs der Alpen- nordflanke verlaufend, unter der ganz und gar irreführenden Bezeichnung »Alpenquerstraße«. Natur bewahren Der Natur hätte das kaum gutgetan. Das ahnte wohl auch Jakob Häringer (in der Nachkriegszeit Bürgermeister von Grassau), der zunächst eine Stra- ßenvariante von der Kampenwand über die Hochplatte favorisierte, spä- ter dann aber zur Einsicht kam, »dass unsere schöne Kampenwand als Berg erledigt ist, wenn eine Straße den Frieden , die Ruhe, die Schönheit stört. […] Jeder würde mit dem Auto

fahren, das schöne Wild, die vielen Gemsen, alles wäre fort.« Rund um die Rotwand (1884 m) gibt es noch etwas Frieden und Gämsen, ja sogar Murmeltiere. Die Rotwand- hütte musste keinem Wellnesshotel weichen, ein Drehrestaurant auf dem Gipfel wurde nie gebaut. An der Rot- wand röhren keine Motorräder, höchstens ein Hirsch während der Brunft. Die bayerische Alpenstraße blieb unvollendet. Nach dem Krieg wurde sie in Deutsche Alpenstraße umbenannt, die Teilstücke mit dem bestehenden Straßennetz verbunden. An einen Weiterbau denkt heute nie- mand mehr; vielmehr setzt sich die Einsicht durch, dass Natur nicht er- schlossen, sondern geschützt werden muss.

Ausgewählte Routen der Region auf einen Blick mit informativen Texten und allen Infos zu Stell- und Campingplätzen

Idylle am Walchensee.

0

10 km

Traunstein

Chiem- see

Kaufbeuren

Rosenheim

N

Schongau

SALZBURG

Bad Tölz

Grassau

Inzell

Bad Reichenhall

Schliersee

Tegern- see

Kempten (Allgäu)

Tegernsee

Reit im Winkl

Steingaden

Bischofswiesen Berchtes- gaden

Benedikt beuern

Oberaudorf

Nessel- wang

Kochel- see

Kiefersfelden

Lindenberg

Schönau

Kufstein

Königssee, 3 Std.). www.koenigssee.de

Königssee

Ober- ammergau

Immenstadt

Pfronten

Walchen- see

Füssen

Lindau

Sonthofen

Reutte

Bad Hindelang

Garmisch- Partenkirchen

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Kitzbühel

Mittenwald

Oberstdorf

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