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MEIN ATELIER Ausdrucksstarke Bilder Step by Step malen

Alles Wissenswerte zum verwendeten Material

MAT E R i A L

Material

Malgrund Der Start in den Malprozess beginnt mit der Auswahl von Malgrund, Werkzeug und den Farbtönen. Für die Acryl- malerei können bespannte Keilrahmen und viele weitere saugfähige Bildträger Verwendung finden. Welchen Ein- fluss der Untergrund auf den Ausdruck hat, zeigen die Beispiele in der Walzentechnik. Entscheidungen zu Größe und Format des Malgrunds müssen ebenfalls getroffen werden. Neben persönlichen Vorlieben spielt dabei auch das eingesetzte Werkzeug eine Rolle. Bei der Arbeit mit der Farbwalze oder einem sehr breiten Pinsel sollte das Format entsprechend groß ausfallen. Auf intuitiver Ebene vertraut man gerne auf Formate, mit denen man bereits viel Erfahrung hat und sich daher sicher fühlt. Farben Bei der Wahl der Farben ist nicht nur der Farbton ent- scheidend, sondern auch die Eigenschaften der jeweiligen Farbe. Acrylfarben verfügen über eine unterschiedliche Konsistenz, Deckkraft und Lichtechtheit sowie über ver- schiedene Verhältnisse von Füllstoff und Pigment. So

eignet sich eine deckende oder halbdeckende Farbe mit mittlerer Konsistenz besonders gut für die Arbeit mit der Farbwalze, dem Spachtel oder dem Silikonpinsel, während weich fließende Künstlerfarben mit hoher Pig- mentierung und geringem Füllmaterial eher für Lasuren genutzt werden. Die Farbgebung der in den Materiallisten aufgelisteten Farben kann je nach Hersteller sehr unterschiedlich aus- fallen, da die Namen keiner Normierung unterliegen. Natürlich kannst du viele Beispiele auch mit anderen Farbtönen ausprobieren. Bei der Wahl anderer Farbtöne ist aber wichtig, dass sie den Tonwerten (Helligkeitswer- ten) der im Buch angegebenen Farben entsprechen, um ein vergleichbares Ergebnis erzielen zu können. Zeichnungen mit Pastellkreiden oder Zeichenkohle kön- nen monochrome Farbfelder beleben, diese durch Umran- dung besonders betonen oder einer konkreten Form zuführen. Pastell- oder Kohlelinien wirken interessanter, wenn sie unterbrochen sind und Unterschiede in Bezug auf Intensität und Breite aufweisen. Zeichenkohle ist auch ein gutes Instrument, um Bildanlagen auf ihren Hell- Dunkel-Anteil zu prüfen, wie z.B. im Bild „Auf der Suche“.

Erklärung der benötigten Techniken

T E C HN i k E N

Techniken

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Werkzeug und Technik stehen in einem engen Zusam- menhang, da ihre spezifischen Eigenschaften die Einsatz- bereiche bestimmen und die Arbeitsweise beeinflussen. Die einzig wahre Technik gibt es einfach nicht, denn die Wahl der Technik ist von der persönlichen Arbeitsweise und vom verwendeten Material abhängig. Im Laufe der Z it entwickelt man Vorlieben für bestimmte Werkzeuge und Materialien. Die hier vorgest llte Werkzeuge und Techniken zeigen einen T il d beeindruckenden Bandbreite. Experi- menti re damit und den vielleicht auch von dir selbst entdeckten geeigneten und zweckentfremdeten Alltags- gegenständen und fin e so die Technik, die am besten zu dir und deiner Malweise passt. Mit Pinsel & Co. Am häufigsten wird sicherlich der Pinsel benutzt. Er ist in den unterschiedlichsten Ausführungen erhältlich und erlaubt vielfälti e Au drucksmöglichkeiten. Einfache Strukturen in Form von Pinselspuren lassen sich sehr g mit dem Borstenpinsel in Kombination mit großer Farbaufnahme erzeugen und können unterschied- lich genutzt werden. Im Beispiel „Offen bleiben“ führten die erzeugten Höhungen zu einem gebrochenen Farbauf- trag mit der Walze. Möchte man einen glatten, ebenmäßigen Auftrag, z.B. für eine feine Grundierung, so nutzt man einen angefeuchte- ten Nylonpinsel mit weicher Borste (s. Abb. S. 44). Auch eine Art „malerische Struktur“ lässt sich bestens mit der feinen spitzen Borste des Nylonpinsels gestalten. So ent- steht aus vielen kleinen Strichen, Kringeln oder Linien eine neue Fläche. Markante Linien sind gut mit den sogenannten Modlern zu setzen, denn sie verfügen über kurze harte Borsten (Siehe Beispiel „Lass es los“). Die sogenannten Katzenzungenpinsel haben einen run- den Borstenabschluss und eignen sich für die Gestaltung von Rundungen. Beispiele finden sich im Werk „Wohin wir streben“. Aber nicht nur der Charakter eines Pinsels spielt in der Gestaltung eine Rolle, sondern auch die Handhabung .

Sind weiche Farbpartien erwünscht, wird der Pinsel flach zur Leinwand gehalten und die Farbe ohne Druck auf die Borste in die Leinwand eingearbeitet. Die Farbaufnahme ist dabei minimal und der Pinsel nebelfeucht. Geht es um Akzentuierung und das Setzen von markanten Linien, steht der Pinsel aufrecht zur Leinwand und eine mittlere Farbmenge wird über die breite oder schmale Seite des Pinsels abgegeben. Eine Kombination aus beidem schafft einen schönen Kontrast aus harter Abgrenzung und wei- chem Verlauf. Es lohnt sich, mit unterschiedlichen Pinseln zu expe- rimentieren. Für einen sicheren und zielgerichteten Umgang sollten die Einflüsse von Farbmenge, Druck, Pinselfeuchtigkeit und Haltung erprobt werden.

verschiedene Pinsel

Strukturierung durch Sand

Füllstoffe und Spachtelmassen Reliefartige Struktureffekte lassen sich mithilfe von Füllstoffen erzeugen. Die einfachste Art ist der Zusatz von Sand in viel Farbe oder in Fertigspachtelmasse. Da Acryl- farbe einen Kunstharzbinder als Bestandteil hat, bleibt der Sand an der Farbe haften (siehe „Herbstrascheln“). Diesen Kunstharzbinder kann man auch separat kaufen und ihn zur Herstellung von Spachtelmasse nutzen. Werden Marmormehl und Binder in etwa gleichen Teilen und etwas Wasser zu einer eher festeren Konsistenz ver- mengt, erhält man eine relativ kompakte Spachtelmasse. Während der Trocknung erfolgt eine Rissbildung, die sich durch Hitzeeinwirkung verstärken lässt. Im Gegensatz zur Fertigspachtelmasse ist diese offenporig und nimmt hervorragend Lasuren auf. Verwendet man dunkle Lasu- ren – siehe „Kreis-Lauf“, kommen die Strukturen beson- ders gut zur Geltung.

Fertigspachtelmassen bilden nur Risse, wenn sie extrem dick aufgetragen werden. Nach dem Auftrag der Spachtel- masse können mit unterschiedlichsten Werkzeugen, wie Messern, Pinseln, Bürsten, Spachteln, Strukturen in die noch feuchte Oberfläche gesetzt werden. Fertigspachtel- massen sind i.d.R. weiß und können eingefärbt oder nach der Trocknung bemalt werden. Auch die Art und Größe des Werkzeugs und die Maldyna- mik haben Einfluss auf die Bildung von Höhungen und Tiefen. Für einen glatten und dünnen Auftrag eignen sich breite Gummi- oder Japanspachtel. Der Spachtel wird dafür in einem flachen Winkel gehalten und mit leichtem Druck langsam geführt. Für schwungvolle und voluminöse Aufträge eignen sich Malmesser oder Malerspachtel. Wird auf den Kanten dieser Werkzeuge leichter Druck aufgebaut, so bilden sich kleine Aufwürfe oder starre Abgrenzungen. 12

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Werk mit dem Silikonpinsel

Der Silikonpinsel ist eine Art Gummispachtel mit Griff und führt je nach Ausführung und Handhabung zu unter- schiedlichen Strukturen. In allen Ausführungen kann mit ihm Farbe gespachtelt werden. Dafür wird die breite Seite genutzt und die unverdünnte Farbe ohne Druck auf die Leinwand gegeben. Für einen durchscheinenden Auftrag wird die Farbe nach dem Auftrag mit der Gummikante verschoben. Bei dieser Technik sollte man unbedingt

mehrschichtig arbeiten, da die Überlagerungen wunder- bare Nuancierungen und Strukturen ermöglichen. Für den Aufbau eignen sind auch Malmesser sehr gut. Im Handel gibt es die unterschiedlichsten Formen und Grö- ßen und jede hinterlässt ihre höchst eigene Spur. Mit die- sem Werkzeug kann das komplette Bild erarbeitet werden, es kann für Akzente sorgen oder wie im Bild „Ein Tag am Meer“ in Kombination mit dem Pinsel eingesetzt werden.

Unterschiedlicher Pinselduktus und Akzente durch Zeichnung

FA R b E A N S i C H koN T RA S T

Kraft und Stärke

2. Schritt Die entstehenden Flächen solltest du nicht zu kleinteilig anlegen und die begrenzenden Linien nicht als verbind- liche Vorgabe ansehen. Im weiteren Mal- und Gestaltungsprozess kannst du durch das Ausfüllen mit Farben Flächen miteinander ver- binden oder aber teilen und so ihre Größe verändern. Im Beispiel wird die Begrenzung bei den Farbtönen Zin- noberrot und Orange eingehalten, aber bei Gelb über- schritten. Da die Kohle durch den Farbauftrag an diesen Stellen fixiert wird, bleiben die darunter liegenden Linien sichtbar und können im weiteren Prozess der Orientierung dienen. In diesem Schritt haben die in rot-orange gehaltenen Par- tien einen deutlich höheren Anteil als die gelben. Sie geben dem Bild einen Rahmen.

Du brauchst: Keilrahmen 30 × 24 cm Acrylfarben in Zinnoberrot, Echtgelb, Orange, Permanentgrün hell, Elfenbein, Titanweiß, Cyan, Signalrot, Mittelgrau

Die Entwicklung des Werkes verdeutlicht, welche Leuchtkraft und fröhliche Wirkung ein Farbe-an-sich-Kontrast hat, weshalb dieser auch gerne zu Werbezwecken genutztwird. In der modernen Malerei finden sich viele Beispiele wie z.B. in Werken von Franz Marc oder Wassiliy Kandinsky. Bei diesem Kontrast, auch Buntkontrast genannt, handelt es sich immer um die Ver- wendung von ungetrübten reinen Farbtönen, also Farben, die weder mit Weiß noch mit Schwarz gemischt wurden. Wird Weiß oder Schwarz als Linie oder Fläche zwischen die reinen Farben gesetzt, beeinflusst dies ihre Intensität. Schwarz führt eher zu einer Minderung, Weiß stärkt den Kontrast. Weitere Kontrastformen werden in dieser Anleitung ebenfalls thematisiert.

Gesso in Weiß

Acryl-Paint-Marker, 8–15 mm, in Schwarz Farbwalze (Linolwalze), 6 cm Englische Naturkohle, 3–4 mm Pinsel, gerade Synthetikborste, 12 mm

Gestaltung einzelner Kunstwerke Step by Step, mit detaillierten Anleitungen und Fotos

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1. Schritt Grundiere zunächst den Keilrahmen – hier ein als misslungen aufgegebenes Bild –, indem du eine satte Menge Gesso mit der Walze aufnimmst und in gleich- mäßigen Querbewegungen auf der Leinwand verteilst. Auf diese Weise entstehen leichte Strukturen. Ziehe in das feuchte Gesso mit der Naturkohle freie waagerechte und horizon- tale Linien, von denen die Mehrzahl bis zum Bildrand reicht. Krakelig gezogene Linien wirken lebendiger als gerade und gleichmä- ßige.

3. Schritt Cyan ist die Komplementärfarbe von Orange, sodass sich eine Platzierung neben Orange für einen starken Kontrast empfiehlt, denn nebeneinander gesetzte Komplementär- farben unterstützen sich gegenseitig in ihrer Leuchtkraft und Farbwirkung. Bei Komplementärfarben handelt es sich um Farbtöne, die sich im Farbkreis gegenüberstehen, wie z.B. auch Gelb und Violett oder Rot und Grün. Das in diesem Schritt verwendetet Grün ist das Ergebnis einer Mischung aus Cyan und Gelb. Aus zwei Primärfar- ben gemischte Farben bezeichnet man als Sekundärfarbe. Durch die leicht unterschiedlichen Mischverhältnisse erscheint hier das obere Element heller und leuchtender als das untere. Über die Anzahl der Schichtungen kannst du zusätzlich Einfluss auf die Dichte und den Farbton nehmen.

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