IHK-Global Business Ausgabe 02/2022

LIEFERKETTENGESETZ

Anforderungen steckt. Und anderer- seits ist immer zu betonen, dass die veränderte Geschäftsbeziehung weitergeführt werden sollte und schlussendlich beide Parteien davon profitieren.

lungen inklusive den entsprechenden Dokumentationspflichten eingehal- ten werden.

Provisionszahlungen oder Gefällig- keiten sind bei weiten Teilen der Bevölkerung und in vielen Bereichen normal. Ausländische Unternehmen werden damit aber in der Regel nicht konfrontiert. Unternehmen sollten darauf achten, dass vietnamesisch- stämmigen Mitarbeitern in Deutsch- land dies bewusst ist und sie das Unternehmen nicht mit einem jahr- zehntealten Vietnambild in gefähr- liche Situationen bringen. Gibt es regionale Unterschiede? Walde: Ja! Während in Südvietnam ein gutes Produkt oder eine Dienst- leistung eine gewisse Gewähr auf wirtschaftlichen Erfolg bietet, be- nötigt man im Norden zwingend per- sönliche Kontakte. Im Hinblick auf das Lieferkettengesetz wäre es denk- bar, dass man im Norden intensiver auf die Umsetzung drängen muss als im Süden des Landes. Wie geht man vor, wenn Vereinbar- ungen nicht umgesetzt werden? Walde: Ich rate dazu, geduldig zu sein und der Kultur zu folgen. Es be- darf meist eines langen Atems. Und bei ausbleibender Umsetzung sollte man stetig und deutlich die mögli- chen Folgen aufzeigen. Was können Argumente sein? Walde: Man sollte dem vietname- sischen Partner immer vermitteln, dass es um gesetzliche Regelungen geht und nicht böser Wille hinter den

Wo müssen deutsche Firmen genauer hinschauen, was sind

länderspezifische Besonderheiten? Walde: Konfrontiert mit dem Liefer- kettengesetz werden Vietnamesen schnell sagen: „Das ist kein Problem, sag mir einfach, wie die Papiere aus- sehen müssen und dann beschaf fen wir die notwendigen Dokumente“. Wenn man etwas bewirken möchte, sollte man nicht mit dem ganzen Katalog anfangen. Besser ist es, mit ersten kleinen Maßnahmen zu be- ginnen und darauf zu drängen, dass nicht nur die Papierform stimmt, sondern auch die tatsächliche Umset- zung erfolgt. Welche Rolle spielen die Umwelt- standards? Walde: Die Einhaltung von Umwelt- standards sind eher bei der Ge- schäftspartner- oder Zuliefererwahl eine Herausforderung als bei einer eigenen Investition. Für letztere gibt es strikte Regeln, so dürfen beispiels- weise keine Maschinen ins Land gebracht werden, die älter als zehn Jahre sind. … und Korruption? Walde: Das ist ein hoch spannendes Thema! Unter Vietnamesen gibt es eine sehr verbreitete Alltagskor- ruption. Kick-back-Geschäfte wie

Das Interview führte Stella Metzger, Asien-Expertin bei der IHK Rhein-Neckar.

Deutsche Unternehmen soll- ten sich schon jetzt mit ihren vietnamesischen Partnern darüber verständigen, wie sie gemeinsam die Anforderun- gen des Lieferkettengesetzes umsetzen können.

MarkoWalde ist seit zehn Jahren Geschäftsführer der AHKVietnammit Standorten in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi.

In Vietnam sind Geduld und Pragmatismus gefragt Vietnam gewinnt für deutsche Unternehmen als Beschaffungsmarkt an Bedeutung. Dazu unerlässlich ist eine Risikoanalyse nach dem deutschen Lieferketten- sorgfaltspflichtengesetz. Marko Walde, Geschäftsführer der AHK Vietnam, zeigt die Fallstricke auf.

Welche Branchen sind vom Lieferkettengesetz am stärksten betroffen? Walde: Je älter beziehungs- weise traditioneller die Indus- triezweige sind, desto mehr wird es dort Herausforderun- gen geben. In absteigender Reihenfolge sehe ich die Textil- und Schuhindustrie, metallverarbeitende Indust- rien, die Möbelproduzenten und dann zuletzt die Elektronik- industrie. Es kommt aber auch auf die Themen an, so sind Kin- derarbeit und der Einfluss der Regierung auf die Produktion in Vietnammeines Erachtens keine Herausforderung. Wie steht es um den Arbeitsschutz in Vietnam? Walde: Im Januar 2021 trat das reformierte Arbeitsge- setz in Kraft, es ist strikt auf Arbeitnehmerschutz ausge- richtet. In der Folge wird die Arbeitsgesetzgebung regel- mäßig zugunsten der Arbeit- nehmer interpretiert. Die Personalverantwortlichen in den Unternehmen sind sehr darauf bedacht, dass die Rege-

Ihre Ansprechpartnerin zumVietnam- Geschäft bei der IHK Rhein-Neckar: Stella Metzger 0621 1709-134 stella.metzger@rhein-neckar.ihk24.de

Herr Walde, welche Rolle spielt Vietnam derzeit als Beschaffungsmarkt? MarkoWalde: Wenn es um die Gewinnung neuer Zu- lieferer geht, ist Vietnam im Moment absolut „hot“. Deut- sche, chinesische, japanische, US-amerikanische Unterneh- men suchen zur gleichen Zeit nach Zuliefereralternativen. Durch die große internatio- nale Konkurrenz können sich vietnamesische Zulieferer ihre Kunden und somit auch deren unterschiedliche Standardvor- stellungen aussuchen.

Welche Bedeutung kommt dem deutschen

SO GELINGT DIE ZUSAMMENARBEIT MIT VIETNAMESISCHEN LIEFERANTEN

VIER VORKEHRUNGEN GEGEN KORRUPTION 1. „sauber bleiben“ – sich von Beginn an nicht auf korrupte Methoden einlassen oder diese gar initiieren 2. auf vollständige Dokumentationsketten achten 3. das Beschaffungswesen nie nur auf eine Person ausrichten (mindestens Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip) 4. regelmäßige Personalwechsel vornehmen

Lieferkettengesetz dabei zu? Walde: Es genießt keine Priori- tät, ist bei Unternehmen und Behörden aber angekommen. Die Unternehmen, aber auch die Regierung, sind durchaus prag- matisch, gerade wenn es ums Geschäft geht. Ich gehe davon aus, dass die Vietnamesen es mehr undmehr berücksichtigen werden. Sie wissen, dass wir Europäer handels- und wirt- schaftspolitische Ziele kombi- nierenmit anderen Zielen wie Klima- und Arbeitsschutz.

eine kooperative Ansprache wählen, die auf weitere Zusammenarbeit ausgerichtet ist frühzeitig die Ansprache suchen sowie Vorbereitungs- und Umsetzungszeit geben für Verständnis werben: Begründung liefern, Hintergründe erklären Kooperation bei der Umsetzung anbieten lösungsorientiert agieren und ebenfalls offen auf Lösungsbereitschaft der Vietnamesen eingehen

10,3 MRD. € betrugen 2020 die Importe deutscher Unternehmen aus Vietnam.

Immer aktuelle Informatio- nen zu den Arbeitsschutz - standards und Arbeitneh- merrechten in Vietnam:

ilo.org/hanoi

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