360° NordAmerika, Ausgabe 4/2025: Leseprobe

Sehnsuchtsziel Südstaaten – Stadtabenteuer, Historie und Traumstrände als Special. Dazu folgende Regionen: Wyoming, Utah, Los Angeles, British Columbia, Saskatchewan und Nova Scotia

360° NORD AMERIKA – Reisen, Natur und Gesellschaft KANADA & USA Ausgabe 4/2025 360grad-travel.club

360°

Sehnsuchtsziel Südstaaten Stadtabenteuer, Historie und Traumstrände

1

WYOMING Winterwunderland BRITISH COLUMBIA Per Fahrrad auf dem Stewart Cassiar Highway SASKATCHEWAN Kanutage auf dem Churchill River

D,A, Europa: 9,50€ Schweiz: 13,60CHF

ISBN 978-3-96855-828-8

9 783968 558288

Die Rundum-Perspektive für Kanada und die USA NORD AMERIKA

Liebe Leserinnen und Leser,

große Ereignisse werfen ihre Schatten vor- aus: 2026 feiern die USA ihr 250-jähriges Jubiläum, während die Route 66 als „Mother Road“ 100 Jahre alt wird. Zusätz- lich findet in Kanada, den USA sowie in Mexiko die FIFA-Fußball-Weltmeister- schaft statt. Viele Anlässe zum Reisen und Erleben! Wir werden Sie auf dem Laufen- den halten. Lebensfreude, Historie und Strände zeichnen die Südstaaten aus – ein ech- tes Sehnsuchtsziel! Vier ganz besondere Regionen stellen Ihnen unsere Autoren in dieser Ausgabe vor: Wilmington und Dur- ham in North Carolina sind für Michael Juhran zwei perfekte Ziele abseits der typischen Routen. Auf „afroamerikani- schen Pfaden“ war Jörg Michel in Charles- ton unterwegs. Ebenfalls in South Carolina begeistert das Low Country: Neben dem bekannten Erholungsziel Hilton Head Island schwärmt Christian Dose jetzt vom geschichtsträchtigen Beaufort und dem pittoresken Bluffton. Und nicht zu verges- sen: „48 Stunden in Atlanta“, der Olympia- stadt von 1996 sowie Heimat von CNN und Coca-Cola. Außerdem in dieser Aus- gabe: Tipps von Jan de Jonge für Touren und Wanderungen rund um Hanksville in Utah. Dazu stellen wir Ihnen das „Winter- wunderland Wyoming“ vor, perfekt für Skifahrer und Naturfreunde.

Sportlich, aktiv und musikalisch waren unsere Autoren in Kanada: Reinhard Pantke ist von Vancouver per Fahrrad gen Norden geradelt und beschreibt im ersten Teil seiner zweiteiligen Reportage seine Erlebnisse bis Watson Lake im Yukon Territory. Und Andrea Bayer berichtet von ihren Tagen auf dem Churchill River: „Fluss der Ruhe, Fluss der Menschen“. In Ontario erkundet Mechtild Opel große Geschichte auf kleinen Straßen, während Ole Helmhausen mit Geige in Nova Scotia zum Folkfestival gereist ist. Und zu Fuß und per Kajak lässt sich die Fundy Bay in New Brunswick erleben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und unvergessliche Erlebnisse bei Ihrer nächsten Tour nach Nordamerika.

Verpassen Sie keine Ausgabe und abonnieren 360° NORD AMERIKA zum Vorzugspreis! E-Paper-Abonnement 4 Ausgaben jährlich, 14,99 € Print-Abonnement (inkl. Zugriff auf E-Paper) 4 Ausgaben jährlich, 32,00 €*

360° NORD AMERIKA Erscheinung vierteljährlich, Einzelpreis 9,50 € je Ausgabe

2

3

Ihre Redaktion 360° NordAmerika

PS: Aktuelle News bietet Ihnen jeden Monat unser Newsletter: kostenlos abon- nieren unter NordamerikaEntdecken.de

NA_3-2025_BeitragHandy

NA_3-2025_BeitragHandy

Unterwegs auf dem Churchill River in der kanadischen Provinz Saskatchewan

Weitere Infos finden Sie unter: epaper.360grad-medienshop.de/html/nordamerika/213 *das Angebot gilt für eine Lieferadresse innerhalb Deutschlands

Telefon: +49 2104 / 50631 00 Telefax: +49 2104 / 50631 56

info@360grad-medien.de www.360grad-medien.de

Inhalt

ALASKA

USA

Kanada

42 Wyoming – Winterwunderland

68 Bay of Fundy – Im Takt der Gezeiten

YUKON

76 Der Cabot Trail im Vier-

Whitehorse

Viertel-Takt – Sessions und Sightseeing

NORTHWEST TERRITORIES

Iqualuit

50 Per Fahrrad auf dem

NUNAVUT

Stewart Cassiar Highway

Yellowknife

WYOMING

Washington DC

NEWFOUNDLAND & LABRADOR

UTAH

KALIFORNIEN

Kentucky

8 North Carolina – Beachvergnügen und Kultur

ALBERTA

BRITISH COLUMBIA

St. John's

Edmonton

MANITOBA

QUÉBEC

PRINCE EDWARD ISLAND

SASKATCHEWAN

LOUISIANA

HAWAII

Victoria

Charlottetown

14 Charleston –

ONTARIO

Fredericton

NOVA SCOTIA

Auf afroamerika­ nischen Pfaden

Regina Winnipeg

Québec

Halifax

FLORIDA

NEW BRUNSWICK

OTTAWA

34 Hanksville – Wo Utahs Erde Falten schlägt und Kobolde aus Stein erwachen

20 Lowcountry –

26 48 Stunden in Atlanta – Auf den Spuren von Legenden

Toronto

Hilton Head Island und weitere Perlen

56 Kanutage auf dem Churchill River – Fluss der Ruhe, Fluss der Menschen

66 Tecumseh Parkway – Große Geschichte auf Nebenstraßen

4

5

Einsteigen

Kanada

Ausblicken

14 C harleston – Auf afroamerika­ nischen Pfaden 20 L owcountry – Hilton Head Island und weitere Perlen 26 4 8 Stunden in Atlanta – Auf den Spuren von Legenden 34 Hanksville – Wo Utahs Erde Falten schlägt und Kobolde aus Stein erwachen 40 E ndloser Sommer an Los Angeles‘ Westside 42 Wyoming – Winterwunderland

3 Starten

50 P er Fahrrad auf dem Stewart Cassiar Highway 56 K anutage auf dem Churchill River – Fluss der Ruhe, Fluss der Menschen 62 T ecumseh Parkway – Große Geschichte auf Nebenstraßen 68 B ay of Fundy – Im Takt der Gezeiten 76 D er Cabot Trail im Vier-Viertel- Takt – Sessions und Sightseeing

82 Ausblicken

6 News

82 Impressum

USA

8 N orth Carolina – Beachvergnügen und Kultur

N orth C arolina Beachvergnügen und Kultur

9

Umfangreiche Angebote erwarten Wassersportler und Angler auf Pleasure Island.

Michael Juhran

Michael Juhran ist als Reise- journalist und Mitautor von Büchern tätig. Er lebt in Königs Wuster- hausen bei Berlin.

Beim „Hollywood Location Walk“ zeigt John Hirchak auch Julia Roberts`Filmwohnung.

R aleigh, Durham oder Wilmington – kaum ein deutscher Reiseveran- stalter hat diese Orte in North Carolina in seinen Katalogen, auch wenn die weiten Sandstrände an den Küsten schon lange bei Einheimischen und Kanadiern beliebt sind. Reisende aus Deutschland erleben die USA hier abseits der üblichen Routen. Der Bundesstaat im Südosten ist unter anderem durch seinen Forschungsstand- ort „Research Triangle“ bekannt. Die Wis- senschaftshochburg zieht mit ihren drei Universitäten sowie zahlreichen Techno- logie- und Pharmaunternehmen kreative Menschen aus aller Welt wie ein Magnet an und wird auch bei amerikanischen Tou- risten zunehmend beliebter. Es ist eine Win-Win-Situation: Profitable Unterneh- men, lukrative Start-ups und gutbezahlte Forscher bringen Geld in die Countys und lassen dort Kultur, Architektur, Hotellerie und Gastronomie aufblühen. Nur zwei Autostunden östlich von Raleigh entfernt, liegt mit Wilmington einer der beliebtesten Urlaubsorte. An drei langen und breiten Stränden auf der vorgelager- ten Insel Pleasure Island lässt es sich von Ende April bis Ende September bestens relaxen und auch Surfer und Kitesurfer

Vom Strand zum Restau­ rant ist es am Carolina Beach nicht weit.

und Fernsehfilme, erzählt John Hirchak während seines „Hollywood Location Walks“ stolz. Die Drehorte für „Blue Vel- vet“, „The Crow“, „Dawson`s Creek“ oder „One Tree Hill” ließen „Wilmywood“ zur drittgrößten US-Filmstadt nach Holly- wood und New York aufsteigen. Auf der „Front Street“ lieferte sich John Travolta eine wilde Verfolgungsjagd mit der Poli- zei, Julia Roberts versuchte in der „Orange Street“ im Film „Sleeping with an Enemy“ ihrem verrückten Ex zu entkommen, Ste- ven Spielberg, Dennis Hopper und Stephen King gaben sich die Klinke in die Hand oder speisten in einem der Restaurants am malerischen River Walk, direkt am größ- ten Fluss North Carolinas, dem Cape Fear River. An jedem Abend avanciert der River Board Walk zur Flaniermeile für Einheimi- sche und Gäste, die einen Spaziergang mit dem Genuss köstlicher Fischgerichte ver- binden oder gerade von einer Schiffstour auf dem Fluss zurückkehren. Blick zurück … Doch es gab auch dunkle Zeiten in Wil- mington, erfahren Besucher man im Bellamy Mansion, einem repräsentativen Farmhaus samt Museum mit einem der wenigen erhaltenen Sklavenquartiere aus dem 19. Jahrhundert. Als sich in der Stadt nach dem Bürgerkrieg eine schwar- ze Mittelklasse etabliert hatte, rief dies den Neid reaktionärer Weißer hervor, die

im November 1898 ein schwarzes Ver- lagshaus stürmten und die demokratisch gewählte Stadtverwaltung stürzten. Bis zu 100 schwarze Bürger fielen dem in die Geschichte als Wilmington Massacre ein- gegangenen Ereignis zum Opfer, tausende flohen aus der Stadt. Anschließend ver- weigerte North Carolina seinen schwarzen Mitbürgern faktisch das Wahlrecht. Unter welch kargen Verhältnissen die Sklaven der Tabak-, Baumwoll- und Reisplanta- genbesitzer leben mussten, wird in den spärlich ausgestatteten Wohnräumen des Museums deutlich. … und nach vorne Mit seinen fruchtbaren Böden und dem feuchtwarmen Klima avancierte North Carolina im 19. Jahrhundert zur Hoch- burg des Anbaus und der Verarbeitung

kommen auf ihre Kosten. Kajak- und Stand- up-Board-Ausleihstationen ergänzen das Angebot. An Wochenenden tummeln sich Familien an den breiten Stränden, packen ihr Picknick aus und lassen es sich gutge- hen. Die zumeist kleinen Gästehäuser und Fischrestaurants sorgen für eine gemütli- che Atmosphäre, bis man beim Bummeln am Fort Fisher auf die rekonstruierten Teile des größten Forts der Konföderier- ten in der Endphase des Bürgerkrieges in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts trifft, das die Zufahrt zum Nachschubhafen in Wilmington sicherte. Zur Jahreswende 1864/65 unternahmen hier die Nordstaa- ten den größten amphibischen Angriff des Sezessionskrieges, eroberten das Fort und nahmen darauf auch Wilmington ein. Drei Monate später war der Krieg beendet. Hollywood lässt grüßen Das 120.000 Einwohner fassende Wilming- ton selbst begeistert heute mit einer Viel- zahl an klassizistischen Bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. 240 historische Wohnblocks wurden seit den 1970er- Jah- ren sorgsam renoviert, erfährt man bei einer Pferdekutschentour mit Christian Berkey und seinen beiden Zugpferden Jake und Prince. Für diese einzigartige Kulis- se begann sich auch Hollywood seit den 1980er-Jahren zu interessieren und drehte hier bislang Sequenzen für über 500 Kino-

10

11

Im Bellamy Mansion wird die Geschichte der schwarzen Sklaven­ arbeiter lebendig.

In den gemütlichen Restaurants in Wilmington fühlten sich schon Steven Spielberg, Dennis Hopper und Stephen King wohl.

Die Fabrihallen von Lucky Strike in Durham erzählen die Industriegeschichte der Region.

von Tabak mit deutlichen Auswirkungen auf die Besiedlung und die Wirtschaft des US-Staates. Erst 1997 endete in den Fabrik- gebäuden von „Lucky Strike“ in Durham die Tabakverarbeitung. Noch immer kün- det ein riesiger Komplex von roten Back- steingebäuden mit einem hohen Schorn- stein und Wasserturm von der einstigen Bedeutung der Anlage, deren Produkti- ons- und Lagerhallen jetzt Restaurants, Cafés, Butiken, Start-ups und ein Theater beherbergen. Spaziert man von hier zur etwa 15 Minuten entfernten Foster Street, begibt man sich auf eine Zeitreise von der Industriegeschichte zu einem der moder- nen Start-ups. Tina Willford gründete hier 2020 mit ihrer Tochter eine Destillerie, in

der sie hochwertige Whisky-, Rum-, Wodka- und Gin- brände produziert, die bereits mit mehreren Gold- und Silbermedaillen ausgezeichnet wurden. Einer der Tabakmagnaten namens Washington Duke hinterließ in Durham besonders nachhaltige Spuren. Dazu gehören die private Duke-Universität mit einem

ARRIVE Wilmington: nur vier Minuten vom River Walk entfernt, 4-Sterne Hotel, ab 250 USD; 101 S 2nd St, Wilmington, NC 28401, arrivehotels.com/wilmington

Die Duke-University in Durham gehört zu den angesehensten Bildungsstätten der USA.

visitnc.com

12

Die Cincy Region ist stark vom deutschen Erbe geprägt und verbindet dies auf charmante Weise mit urbanem Flair. Sie eignet sich als idealer Ausgangspunkt für Rundreisen in den Norden ebenso wie in die Südstaaten. Buchen Sie eine 11-tägige Mietwagenreise über

DURHAM discoverdurham.com

ANREISE Nonstop mit Lufthansa von Frankfurt/Main nach Ra- leigh/Durham

Sarah P. Duke Gardens: täglich 8 bis 19 Uhr, Eintritt frei; 2000 Lewis St, Durham, NC 27705, gardens.duke.edu Glass Jug Beer Lab: Bierlaboratorium, hier wird kreativ mit Bier experimentiert, täglich geöffnet; 545 Foster St Suite 10, Durham, NC 27701, glass-jug.com Ekhaya: mit Anlehnung an die traditionelle Küche der afrikanischen Bantu; 406 Blackwell St Suite 100,

beeindruckenden Campus in neogotischem Baustil sowie die benachbarten Sarah P. Duke Gardens, ein 55 Hektar großer Landschaftspark voller wohlriechender

RALEIGH visitraleigh.com

Colletta: italienische Küche, zwölf Autominuten vom Zentrum; 1 Fenton Main Street, Cary, NC 27511, collettarestaurant.com The Westin Raleigh: nur Minuten vom Flughafen ent- fernt, ab 200 USD; 3931 Macaw St, Raleigh, NC 27617, marriott.com/en-us/hotels/rduwr-the-westin-raleigh- durham-airport

Durham, NC 27701, zwelisekhaya.com Washington Duke Inn & Golf Club: exklusives Hotel in einer

Parkanlage am Uni-Campus, ab 260 USD; 3001 Cameron Blvd, Durham, NC 27705, washingtondukeinn.com

unseren Partner America Unlimited – ab 2.199€ pro Person im Doppelzimmer.

WILMINGTON & BEACHES wilmingtonandbeaches.com

Bellamy Mansion: täglich 10 bis 16 Uhr geöffnet, 15 USD Eintritt; 503 Market St, Wilmington, NC 28401, bellamymansion.org Hollywood Location Walk: 90minütige geführte Tour, täglich (Winter nur Wochenende), 13 USD; carolinabeach.com/the-hollywood-location-walk-of-old- wilmington.html Olivero: internationale Küche im Zentrum von Wil- mington; 522 S 3rd St. Wilmington, NC 28401, oliveroilm.com

Greensboro

Kitty Hawk

Durham

Die Sarah P. Duke Gardens in Durham bieten Studenten und Be­ suchern geichermaßen Erholung.

ERFAHREN SIE MEHR ÜBER DIE CINCY REGION:

Greenville

Raleigh

Charlotte

Pamlico Sound

NC

Blüten, kleinen Teichen mit Seerosen und schillernden Enten, einem japanischen Garten samt Teehaus und japanischer Brücke - wie von Claude Monet gemalt, nur in Rot. Ein kleines Paradies, in dem auch bei einem Kurzbesuch Urlaubsgefühle aufkommen.

Columbia

Wilmington

In Hütten wie diesen lebten einst die Sklaven auf der McLeod Plantation.

S purensuche zwischen Skla- venerbe, kulturellem Stolz und blühendem Handwerk: Die Sonne steht hoch über Charleston und das Meer glitzert, während sich der kleine Reisebus in Bewegung setzt. Am Steuer sitzt Tourguide Al Miller, ein älte- rer Afroamerikaner mit ruhiger Stimme und wachem Blick. Seit fast vier Jahr- zehnten bringt er Besucher zu Orten, an denen die Geschichte der schwarzen Be- völkerung lebendig wird, deren Wurzeln bis nach Westafrika reichen. Von Downtown … „Charleston war einmal die reichste Stadt Amerikas – auf dem Rücken der Sklaven“, erklärt Miller, während er seinen Bus durch das Stadtzentrum lenkt. An den Fenstern ziehen rote Ziegelhäuser, klas- sizistische Villen mit schmiedeeisernen Balkonen und Vorgärten mit blühenden

15

Charleston Auf afroamerikanischen Pfaden

Charleston vom Wasser aus gesehen

Azaleen vorbei. Fast 1500 Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert haben in Charleston die Zeit überdauert – stumme Zeugen einer Epoche, deren Glanz durch Sklavenarbeit geschaffen wurde.

und danach auf engstem Raum. Erst in den 1990er-Jahren verließen die letzten Gul- lah-Nachfahren das Anwesen. Auf einer unscheinbaren Wiese hält Miller für einen Moment inne. „Das hier ist der Friedhof der Sklaven“, sagt er leise. Kein Kreuz, kein Grabstein, nur ein handbeschriftetes Schild markiert die Fläche: „Heilige Grab- stätte unserer afrikanischen Vorfahren“, steht darauf in krakeligen Buchstaben. Es ist ein Ort des stillen Gedenkens, der tief unter die Oberfläche führt – und berührt. Reise durch die Jahrhunderte Zurück in Charleston endet Millers Tour an einem weiteren geschichtsträchtigen Ort: der Gadsden’s Wharf. An dem ehe- maligen Hafenkai kamen einst zehntau- sende versklavte Afrikaner an, bevor sie an Großgrundbesitzer verkauft wurden. Heute steht hier das im Jahr 2023 eröffnete International African American Museum – ein Ort des Lernens, des Erinnerns und der Versöhnung. Kuratorin Malika Pryor begrüßt die Besu- cher mit tragender Stimme: „In dem Museum soll nicht nur die Vergangenheit erzählt, sondern auch der Blick in die

Jörg Michel

Jörg Michel lebt in Calgary in Kanada und schreibt für Medien wie Geo, Welt am Sonntag oder die Frankfurter

Allgemeinen Sonntagszeitung. Er ist Autor der Reiseführer „British Columbia und Alberta - 50 High- lights abseits der ausgetretenen Pfade“, die bei 360° medien erschienen sind. Online findet man ihn auf Facebook unter „Jörg Michel – Stories and Disco- veries in Canada“ oder auf joergmichel.ca

Eichen säumen den Weg zum Herrenhaus der McLeod Plantation.

Im International African American Museum geht es auch um die Gegen­ wart der Afroamerikaner.

Zukunft geöffnet werden.“ Das futuristi- sche Gebäude steht auf Stelzen, um den Boden darunter unberührt zu lassen: aus Respekt vor jenen, die hier einst unter unmenschlichen Bedingungen ankamen. In den Ausstellungen erzählen Filme, Fotos und Multimedia-Installationen von den Schicksalen afroamerikanischer Familien – viele von ihnen gehörten den Gullah an. Es ist ein intensives Erlebnis, das Geschichte nicht nur erklärt, sondern spürbar macht. Über Kopfhörer kann man Gullah-Dialekte hören, eine Mischung aus englischem und kreolischem Zungenschlag.

Nach ein paar Minuten ändert sich das Stadtbild. Auf dem Weg in die Vor- orte weichen elegante Villen schlichten Holz- häusern, Flachbauten und Fast-Food-Restaurants.

schleppt wurden, um dort auf den Reis- plantagen weißer Grundbesitzer zu arbei- ten. „Die Inseln vor Charleston sind unser Erbe“, sagt Miller. Sie gehören zum Gullah Geechee Cultural Heritage Corridor, einem geschützten Kulturraum, der sich entlang der Küste von North Carolina bis Nordflo- rida erstreckt – ein lebendiges Mosaik aus Sprache, Spiritualität und Tradition. … zur Plantage Miller stoppt auf James Island, vor einem weiß getünchten Herrenhaus mit mächti- gen Säulen – der McLeod Plantation. Der Ort wirkt wie aus einem Südstaatenro- man: Jahrhunderte alte Eichen säumen das Gelände, ihre knorrigen Äste formen ein natürliches Gewölbe über dem sattgrünen Rasen. Doch hinter der malerischen Fas- sade verbirgt sich eine dunkle Geschich- te. Eine von nur zahlreichen Plantagen rund um Charleston – darunter die Boone Hall Plantation, bekannt aus der TV-Serie „Fackeln im Sturm“. „Bis zu 250 Sklaven lebten und arbeiteten hier“, erklärt Miller und zeigt auf eine Rei- he schlichter Holzhütten, die wie das Her- renhaus heute zum Freilichtmuseum der der McLeod Plantation gehören. In ihren engen Räumen knarren die Dielenböden, der Kamin rußt, die Fenster sind klein und lassen kaum Licht herein. Mehrere Fami- lien lebten hier während der Sklavenzeit

16

17

Miller hält an der Burke High School, einem wuchtigen Backsteinbau, der einst als eine der wichtigsten Bildungsein- richtungen für Afroamerikaner in South Carolina galt. „Weiße Schüler kamen erst Jahrzehnte nach dem offiziellen Ende der Rassentrennung dazu“, berichtet Miller. Über Brücken und Dämme geht es weiter – hinaus auf die flachen Inseln vor der Atlan- tikküste von South Carolina. Hier beginnt das Herzland der Gullah. So bezeichnen sich die Nachfahren jener Sklaven, die im 17. und 18. Jahrhundert aus Westafrika in den Südosten von Nordamerika ver-

An der Gadsden's Wharf landeten einst Sklaven aus Westafrika an, heute steht dort ein Museum zur afroamerikanischen Geschichte.

Tourguide Al Miller bringt Besuchern die afroameri­ kanische Geschichte von Charleston nahe.

für afroamerikanische Geschichte war zugleich das erste Museum zur Geschich- te der Sklaverei in den USA. Gullah-Kultur – bis heute aktiv Dagegen wirkt der Markt im historischen Geschäftsviertel von Charleston beinahe wie aus einer anderen Welt – lebendig, bunt, geschäftig. Von irgendwoher klingt Jazzmusik, Pferdekutschen klappern über das grobe Kopfsteinpflaster, Palmen wie- gen sich im Wind. Doch auch im City Market schlägt das Herz der Gullah- Kultur – wenn auch leiser.

del hellgrüner Halme, auf dem Schoß ein halbfertiger Korb. In kräftigen, geübten Bewegungen flicht er das sogenannte Sweetgrass zu einem kunstvollen Mus- ter. „Die Gräser habe ich selbst geerntet“, sagt Alston, ohne den Blick vom Korb zu heben. „In den Marschlandschaften rund um Charleston beginnt im Frühjahr die Erntezeit. Das ist der beste Moment – nicht zu feucht, nicht zu trocken.“ Süß- gras ist der wichtigste Rohstoff für die traditionellen Körbe der Gullah. „Meine Vorfahren haben die Körbe auf den Planta- gen geflochten, um Reis zu transportieren. Heute verkaufe ich sie an Touristen – und trage damit unsere Geschichte weiter.“ Die Körbe sind Ausdruck einer Kultur, die sich über Jahrhunderte gegen alle Wider- stände behauptet hat. Nur die Gullah selbst dürfen Sweetgrass ernten – so schreibt es das Gesetz in Charleston vor. Die Nachfrage ist groß. Viele Marktbesucher bleiben fasziniert stehen. Für viele ist es die erste Begeg-

Corey Alston arbeitet an einem Korb aus Sweetgrass.

Im Charleston City Market werden handgeflochtene Körbe verkauft.

Viel über die Geschichte der Sklaverei erfahren Besucher im Old Slave Mart Museum. Das 1938 gegründete Museum liegt im letzten großen Sklavenmarkt der Stadt. Charlestons ältestes Museum

nung mit der Kultur der Gullah. Rund eine halbe Million von ihnen leben in den USA – etwa 100.000 davon im Raum Charles- ton. „Wir sind ein robustes Volk“, stellt Alston klar und blickt auf, während er ein neues Grasbündel greift. Dann widmet er sich wieder seinem Werk – mit der Ruhe und der Würde einer Kultur, die sich nicht hat unterkriegen lassen.

Mitten im Trubel sitzt Corey Alston auf einem Klappstuhl, in der Hand ein Bün-

 discoversouthcarolina.com charlestoncvb.com ANREISE Flug: Umsteigeverbindungen mit United Airlines oder Lufthansa nach Charleston, beispielsweise über New York. AKTIVITÄTEN McLeod Plantation Historic Site: Dienstag bis Sonntag von 9 bis 16 Uhr, 20 USD für Erwachsene, viermal täglich kostenlose Führungen; 325 Country Club Drive, Charleston, SC 29412, ccprc.com/1447/ McLeod-Plantation-Historic-Site International African American Museum: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, 22,50 USD für Erwachsene: 14 Wharfside Street, Charleston, SC 29401, iaamuseum.org Old Slave Mart Museum: Montag bis Samstag, 9 bis 17 Uhr, 8 USD Eintritt; 6 Chalmers St, Charleston, SC 29401, theoldslavemartmuseum.org Charleston City Market: täglich zugänglich, Eintritt frei, 188 Meeting Street, Charleston, SC 29401, thecharlestoncitymarket.com Sites and Insights Tours: Führungen mit dem Bus durch das afroamerikanische Charleston, 40 USD pro Person; sitesandinsightstours.com

ESSEN & TRINKEN Fleet Landing Restaurant & Bar: gutes Fischrestaurant; 186 Concord St, Charleston, SC 29401, fleetlanding.net UNTERKUNFT The Mills House: historisches Südstaatenhaus aus dem Jahre 1853 in zentraler Lage unweit der Altstadt, stilvolles Ambiente, nur wenige Minuten bis zu den historischen Markthallen, ab 250 USD,

18

19

115 Meeting Street, Charles- ton, SC 29401, hilton.com/en/ hotels/chsonqq-mills-house- charleston

USA Auf dem Weg zur Traumreise

Awendaw

Summerville

Walterboro

Charleston

South Carolina

Ridgeland

Beaufort

Hilton Head Island

Mit DIAMIR auf Abenteuerreise zwischen Mega-Metropolen, kultureller Vielfalt, Nationalparks und Naturwundern. www.diamir.de/usa

Savannah

48 Stunden in Atlanta Auf den Spuren von Legenden

Autor: Christian Dose

27

Der Centennial Olympic Park erinnert an die Olympischen Spiele 1996 und ist mit vielen Attraktionen das Herz der Metropole.

Atlanta“ im amerikanischen Bürgerkrieg von 1864 dar. Zudem lässt mit vielen wei- teren Exponaten – auch in einer Villa im angrenzenden Park – die Entstehungsge- schichte der Metropole nacherleben. 13 Uhr: Lunch mit Ausblick Nach so viel Historie empfehlen sich eine Portion Lifestyle und eine Open-Air-Pau- se. Der Ponce City Market im Gebäude von Sears, Roebuck & Company aus dem Jahr 1925, dem größten Backstein- haus im Südosten, lädt mit seinem Mix aus originellen Geschäften und Cafés in historischem Ambiente zum Schlendern ein. Hervorragend isst und schaut man im Restaurant Nine Mile Station auf der Dachterrasse. Minigolf und mehr wird auch angeboten.

Z wei Friedensnobelpreisträ- ger, eine berühmte Autorin, ein renommierter TV-Sen- der, eine Marke von Weltruhm und viele weitere Attraktionen: Atlanta macht es Besuchern leicht, sich für die Metropole zu begeistern. 360° NordAmerika-Chef- redakteur Christian Dose erkundete schon in den 1990er-Jahren die Stadt. Und entdeckt sie im Sommer 2025 aufs Neue – und Orte, die ihn noch mehr begeistern und berühren. Das viele Grün und die bekannte Lebensfreude der Menschen in den Südstaaten machen den Trip in die Olympiastadt von 1996 perfekt. Tag 1:

Orte zum Innehalten: Martin Luther King, Jr. National Historical Park und die ewige Flamme im King Center (rechts)

Atlanta BeltLine Eastside Trail: bei Graffiti-Künst­ lern sowie Spazier­ gängern, Joggern und Fahrradfahrern beliebt

16 Uhr: Spaziergang und Streetart Auf in die Stadtteile: Warum Atlanta als „The City in the Forest“ gilt, lässt sich gut am Atlanta BeltLine Eastside Trail erleben. Die ehemalige Eisenbahntrasse ist heute ein beliebter Wander- und Fahrradweg. Wer am Krog Street Tunnel startet, erfreut sich zugleich an zahlreichen Murals. Nur einige Minuten entfernt: die kleine Mall Atlanta Stove Works mit Biergarten und vielem mehr in einer früheren Fabrik. Von hier aus der BeltLine gen Norden folgen, durch viel Grün und entlang vieler Cafés und Bars, darunter das Painted Park mit Liegestühlen. Man versteht schnell, war- um der Stadtteil Inman Park zu den bevor- zugten Wohnvierteln zählt. 18 Uhr: Dinner wie ein Präsident Entlang der Highland Avenue finden sich zahlreiche Restaurants. Mit besonders viel Charme und köstlicher italienischer Küche überzeugt das Amore e Amore, ein paar Meter abseits. Der frühere US-Präsi- dent Bush war ebenfalls schon hier. Wohl- tuend familiär.

ren, erinnern das Martin Luther King, Jr. National Historical Park und das King Center sowie sein Geburtshaus. Gerade wer morgens vor den Besuchermassen hierher kommt, spürt die Bedeutung der Stätte besonders – gerade rund um sein Grab inmitten eines Pools sowie an der ewigen Flamme. Ein Ort zum Innehalten. Unbedingt die Ebenezer Baptist Church bei einer geführten Tour mit einem Guide besichtigen – hier haben sein Vater und er gepredigt. Besucher sind zudem bei einem Gottesdienst in der neu errichteten Kirche der Gemeinde eingeladen. Ein paar Gehminuten entfernt lohnt sich ein Blick auf sein Geburtshaus. 11 Uhr: 360-Grad-Panoramabild Einen besonderen Einblick in die Geschichte gewährt das Atlanta History Center im mondänen Stadtteil Buckhead. Herzstück des Museums: das Cyclora- ma-Gemälde „The Battle of Atlanta“, ein imponierendes Rundumbild von 1886. Geschaffen von 17 deutschen Künstlern stellt es anschaulich die „Schlacht von

28

29

Blick von der Rooftop-Terrasse des Ponce City Market

Historie pur: Ebenezer Baptist Church (li.) und Panoramabild im Atlanta History Center

14 Uhr: Kunstgenuss Zu den herausragenden Museen zählt das High Museum of Art. Das von Stararchi- tekt Renzo Piano entworfene Haus zeigt eine Vielzahl von Kunstrichtungen: von zeitgenössisch über amerikanische Möbel bis zu den „alten Meistern“ und aktuellen Künstlern aus Europa – inklusive Werken des Malers und Bildhauers Aselm Kiefer.

9 Uhr: Auf den Spuren von Martin Luther King

Wo könnte ein Besuch besser starten als beim vielleicht berühmtesten Sohn der Stadt? An das Wirken des Friedens- nobelpreisträgers, 1929 in Atlanta gebo-

Auch von außen ein Genuss: High Museum of Art

15 Uhr: Showroom für Coca-Cola Das Museum der berühmtesten Brause der Welt ist nicht zu übersehen: Im gewal- tigen Glasbau der The New World of Coca Cola können Besucher nicht nur histori- sche Werbung bewundern, den Safe mit der geheimen Rezeptur anschauen und die Entstehungsgeschichte kennenlernen – sie können auch viele Limonadensorten des Getränkemultis probieren. Und, wie schmeckt die Inca Cola aus Peru? 16.30 Uhr: Walhaie, Delfine und mehr Auch beim wiederholten Besuch begeis- tert das Georgia Aquarium. Top-Attrak- tion ist das weltgrößte Becken! Man kann gefühlt durch das Wasser durchschlen- dern und ist von den maritimen Stars umgeben: Walhaie, Belugawale, Mantaro- chen und Delfine. Dazu bietet das Aqua- rium viele Vorführungen und mehr. 18 Uhr: Blick von oben Nun lockt der Blick aus dem Riesenrad: Bei einer Fahrt mit dem SkyView lassen sich der Centennial Olympic Park und die angrenzenden Attraktionen nochmals aus der Vogelperspektive erleben. 19 Uhr: Southern Cuisine und Cocktails Lebensfreude und Lifestyle wissen die Menschen in den Südstaaten zu genießen. Kulinarisch lässt sich das im Restaurant

Nachbau des Oval Office im Jimmy Carter Presi­ dential Library & Museum

In der New World of Coca Cola können Interessierte neue Sorten testen, die Geschichte der Brause kennenlernen und viele Limonaden probieren.

Tag 2:

12 Uhr: Olympia-Feeling Der Centennial Olympic Park ist eine herrliche Grünanlage samt Olympischen Ringen. Der Park gedenkt auch der Opfer des Attentats während der Spiele. Rund um die Grünanlage liegen mehrere belieb- te Attraktionen – unter anderem Ame- rikas größtes Aquarium und das Center for Civil and Human Rights. Vor den nächsten Besichtigungen stärkt man sich gut in Max's Coal Oven Pizzeria, bekannt köstliche Pizza im Ney York-Style aus dem angeblich einzigen Holzkohleofen in Georgia. 13.30 Uhr: Zum Sportfan werden Die Bedeutung von Football wird auch einem Europäer hier sofort bewusst. Die College Football Hall of Fame ist eine Hommage an den Sport und die Jugend – und macht es dank virtueller Technologie jedem leicht, die Faszination zu verstehen. Und am Ende der Besichtigung unbedingt selbst einen Football werfen!

9.30 Uhr: Präsidiales Museum Der kürzlich verstorbene US-Präsident Jimmy Carter war der erste Mann im Wei- ßen Haus aus Georgia. Sein eindrucksvol- les Leben – vom Farmer über das Präsi- dentenamt (zwischen 1977 und 1981) bis hin zum Nobelpreisträger und Kämpfer für Frieden – dokumentiert das Jimmy Carter Presidential Library & Museum. Ungezählte Exponate geben Einblicke in sein Leben. Eine Replik des Oval Office darf natürlich nicht fehlen. 11 Uhr: Berühmte Autorin Einer der berühmtesten Romane der Welt entstand mitten in Downtown Atlanta: In einem kleinen Apartment schrieb Mar- garet Mitchell ihr Kultepos „Vom Winde verweht“. Neben vielen Informationen zu Leben und Werk sowie der Verfilmung mit Vivien Leigh und Clark Gable ist unter anderem ihre Schreibmaschine ausgestellt.

Georgia Aquarium: imposante Unterwasser­ welt auf drei Seiten rund um die Besucher

30

31

Hartley im Hotel Kimpton Shane probie- ren, unter anderem mit Crawfish & Jala- peno Croquettes. Zum Finale unbedingt noch die Rooftopbar Moonlight ansteu- ern: relaxte Cocktails und fotogener Blick auf die Skyline.

In einem kleinen Apart­ ment dieses unschein­ baren Wohnhauses schrieb Margaret Mitchell ihren Welterfolg.

AUSFLUGSTIPP: ABENTEUER, DROHNENSHOW UND HISTORIE AM STONE MOUNTAIN Im Anschluss an 48 Stunden in Atlanta empfiehlt sich ein Tag am Stone Mountain. Wahrzeichen: ein übergroßes Relief zum Bürgerkrieg, gehauen in den blanken Granit, ähnlich wie Mount Rushmore. Mit der Seilbahn geht es bequem auf die Spitze des 290 Meter hohen und 300 Millionen Jahre alten Stone Mountain. Ebenfalls angeboten: ein Klettergarten, Fahrten mit einer historischen Eisenbahn, ein kleines Freilichtmu- seum – und vor allem eine beeindruckende Lichter-, Drohnen- und Musikshow am Abend.

Stone Mountain Park: Eintritt 40 USD inkl. vieler Akti- vitäten, Parken extra; Hotel Atlanta Evergreen Lakesi- de Resort ab 150 USD; 1000 Robert E. Lee Blvd., Stone Mountain, GA 30083, stonemountainpark.com

Am Centennial Olympic Park liegt auch die College Football Hall of Fame.

Rooftop-Bar Moonlight mit Skyline-Blick

Zwischen Dünen und Delfinen Naturabenteuer in Panama City Beach

World of Coca-Cola: täglich, 26 USD; 121 Baker St NW, Atlanta, GA 30313, worldofcoca-cola.com Georgia Aquarium: täglich, ab 45 USD; 225 Baker St NW, Atlanta, GA 30313, georgiaaquarium.org SkyView Atlanta: täglich, 20 USD; 168 Luckie St NW, Atlanta, GA 30303, skyviewatlanta.com Spartipp: Mit dem Citypass ( de.citypass.com/atlanta ) lassen sich mehrere Attraktionen zum reduzierten Preis besuchen. ESSEN & TRINKEN Nine Mile Station: 675 Ponce De Leon Ave NE, Atlanta, GA 30308, 9milestation.com Painted Park: 240 N Highland Ave NE, Atlanta, GA 30307, paintedparkatl.com Amore e Amore: 467 N Highland Ave NE, Atlanta, GA 30307, amoreeamore.com Max's Coal Oven Pizzeria: 300 Marietta St NW, Atlanta, GA 30313, maxsatl.com Hartley: im Kimpton Shane Hotel, 1340 W Peachtree St NW, Atlanta, GA 30309, hartleykitchenatl.com Moonlight: im FORTH Hotel, 800 Rankin St NE, Atlanta, GA 30308, moonlightatlanta.com UNTERKUNFT Kimpton Shane Hotel: neues Hotel mit schickem Design und großen Zimmern, nah zu U-Bahn und Art

discoveratlanta.com

ANREISE UND REISEZEIT Atlanta wird täglich von Frankfurt/Main (Lufthansa, Delta) und München (Delta) nonstop angeflogen. Vom Flughafen per U-Bahn oder Mietwagen in die Stadt. Frühjahr und Herbst sind in den ganzen Südstaaten eine angenehme Reisezeit, im Sommer teils heiß und schwül. AKTIVITÄTEN Martin Luther King, Jr. National Historical Park und Visitor Center: kostenlos; 450 Auburn Ave NE, Atlanta, GA 30312, nps.gov/malu The King Center: kostenlos, täglich geöffnet; 449 Au- burn Ave NE, Atlanta, GA 30312, thekingcenter.org Ebenezer Baptist Church: mehrfach täglich kostenlose Führungen, Anmeldung im Besucherzentrum; 407 Auburn Avenue, NE., Atlanta, GA 30312 Birth Home of Martin Luther King, Jr.: 501 Auburn Ave NE, Atlanta, GA 30312, nps.gov/malu/planyourvisit/ birth-home.htm Atlanta History Center: Dienstag bis Sonntag, 27 USD; 130 W Paces Ferry Rd NW, Atlanta, GA 30305, atlantahistorycenter.com Ponce City Market: 675 Ponce De Leon Ave NE, Atlanta, GA 30308, poncecitymarket.com High Museum of Art: montags geschlossen, 24 USD; 1280 Peachtree Rd NE, Atlanta, GA 30309, high.org Krog Street Tunnel/Atlanta Beltline Southeast Trail: Wylie St SE, Atlanta, GA 30316, beltline.org Atlanta Stove Works: 112 Krog St NE, Atlanta, GA 30307, thekrogdistrict.com/atlanta-stove-works Jimmy Carter Presidential Library & Museum: täg- lich außer Sonntag, 12 USD; 441 John Lewis Freedom Pkwy NE, Atlanta, GA 30307, jimmycarterlibrary.gov Margaret Mitchell House: montags geschlossen, 19 USD, 979 Crescent Ave NE, Atlanta, GA 30309, atlantahistorycenter.com/atlanta-history-center-midtown Cetennial Olympic Park: Centennial Olympic Park Dr NW, Atlanta, GA 30303, gwcca.org/centennial-olympic-park College Football Hall of Fame: täglich, 35 USD; 250 Marietta St NW, Atlanta, GA 30313, cfbhall.com

Ein Stück unberührtes Paradies: Shell Island, eine Barriereinsel ohne Straßen oder Hotels

Im Nordwesten Floridas, dort wo der Panhandle den Golf von Mexiko berührt, offenbart sich eine Seite des Sunshine States, die nicht nur Strandurlauber, son- dern auch Naturliebhaber in ihren Bann zieht: Panama City Beach. Hier verschmel- zen türkisblaues Meer, sanft geschwunge- ne Dünen und duftende Pinienwälder zu einer Kulisse, die überrascht – und zeigt, wie ursprünglich Florida sein kann. Im St. Andrews State Park erheben sich Reiher und Pelikane in die Lüfte, während Kajaks leise über Lagunen gleiten. Spa- ziergänger folgen Holzstegen, die durch die unberührte Küstenlandschaft führen, begleitet vom ewigen Rhythmus der Bran- dung. Ein Boot bringt Besucher hinaus nach Shell Island – eine Barriereinsel ohne Straßen, ohne Hotels, nur mit Dünen, Meer und gelegentlich einem Delfin, der neugierig die Wellen durchbricht. Doch Panama City Beach bedeutet nicht nur Stille und Abgeschiedenheit. Out- door-Erlebnisse reichen hier von Stand- up-Paddling in geschützten Buchten bis hin zu Radtouren entlang der Küste oder Schnorcheltrips im glasklaren Wasser. Wer den Nervenkitzel sucht, hebt beim Parasailing ab oder saust mit dem Jet-Ski über die Wellen. Und an Land wartet der weitläufige Conservation Park, dessen 38 Kilometer an Rad- und Wanderwegen tief in geschützte Feuchtgebiete führen. Gerade in dieser Vielfalt liegt die besonde- re Magie: mal sanft und meditativ, mal vol- ler Energie. Panama City Beach schenkt

die Freiheit, Natur auf ganz persönliche Weise zu erleben. Spätestens dann, wenn die Sonne in Gold und Violett über dem Meer versinkt und ein Lagerfeuer den Strand in warmes Licht taucht, spürt man: Hier wird Natur nicht nur Kulisse, son- dern Teil einer ganz eigenen Geschichte.

32

33

Schnorcheln in den kristallklaren Gewässern vor Panama City Beach

Museum, gutes Restaurant Hartley,1340 W Peachtree St NW, Atlanta, GA 30309, shanehotelatlanta.com

visitpanamacitybeach.com

ANREISE & BESTE REISEZEIT • Ideale Flugverbindungen via Atlanta, Charlotte oder Houston nach Northwest Florida Beaches International Airport (ECP) • Ganzjährig mild, beste Reisezeit im Frühling und Herbst NATUR-HIGHLIGHTS & AKTIVITÄTEN • St. Andrews State Park, Shell Island, Conservation Park • Kajakfahren, Stand-up-Paddling, Schnorcheln, Delfinbeobach- tungen, Radfahren, Parasailing TIPP Ideal für Roadtrips – etwa in Kombination mit Tallahassee, Orlando oder entlang der Golfküste bis New Orleans

Lake Lanier

White

Canton

Jefferson

Sugar Hill

Comer

Woodstock

Athens

Marietta

Lawrenceville

Stone Mountain

Watkinsville

Monroe

Atlanta

Stonecrest

Madison

South Fulton

Stockbridge

Covington

Nirgendwo ist der Grenz­ übertritt so einfach wie in Hyder.

R einhard Pantke ist auf einer Mammuttour von Vancouver bis ans Eismeer und fährt auf einem Rad ohne Motor nordwärts. In ersten Teil seiner Repor- tage beschreibt einige der abenteuer- lichsten Etappen auf dem Weg zwischen Vancouver und Watson Lake. Nach einigen hundert Kilometern auf Vancouver Island und der Fährfahrt nach Prince Rupert wird es einsam und aben- teuerlich, als ich auf den Stewart Cessiar Highway abbiege. Die Straße ist neben dem Alaska Highway die einzige Möglich- keit auf dem Landweg von Kanada nach Alaska zu gelangen.

51

Per Fahrrad auf dem Stewart Cassiar Highway

Schilderwald in Watson Lake

60 Kilometer vom Stewart-Cassiar High- way entfernt, liegt der kleine Ort Stewart am Ende eines lang gezogenen Meeres- arms, des 90 Kilometer langen Portland Kanals. Stewart wurde vor gut 120 Jahren gegründet und hatte zeitweise als bedeu- tender Minenort bis zu 10.000 Einwohner.

Einsamkeit und Hitze Manche Etappen haben es in sich: Es sind gar nicht mal die 120 Kilometer und die vielen Höhenmeter, sondern eher die Tatsache, dass dazwischen nichts ist. Also wenn ich „Nichts“ schreibe, dann heißt das: zwei Parkplätze mit Plumpsklo und vielleicht drei einsame Häuser oder Blockhütten. Dazu Temperaturen ab mit- tags bei 30 Grad im Schatten – fünf Liter Wasser hatte ich dabei, insgesamt sieben oder acht Liter getrunken, da ein Autofah- rer anhielt und mir was anbot! Schatten gibt es an der Strecke kaum – es sei denn, man kraxelt zu einem der Bäche hinunter und leistet den Mücken Gesellschaft. Nicht immer sind die Strecken spektaku- lär. Manchmal heißt es einfach „nur Stre- cke machen“ und den inneren Schweine- hund überwinden. Irgendwann merke ich, dass 120 Kilometer Radfahren, beladen mit über 30 Kilogramm Gepäck, bei über 30 Grad im Schatten einfach zu viel sind: Mir wird schwindlig und ich suche mir ein schattiges Plätzchen unter einer Brücke. Weite Wege Ein einheimisches Paar, das eine kleine Lodge betreibt, erzählt mir, dass sie alle zwei Woche 1300 bzw. 1400 Kilometer für den nächsten Einkauf nach Whitehorse oder Terrace fahren! Einmal zum „Shop-

Reinhard Pantke und sein vollbeladenes Biobike vor dem Bear Glacier

pen“ von Bremen nach München fahren, entlang der Strecke hier in Kanada leben dann keine 1000 Menschen. Da ich schon um sechs Uhr auf dem Rad bin, kann ich wenigstens bis Mittag die ersten 60 Kilometer bei erträglichen Temperaturen fahren. Irgendwann merke ich, dass mir leicht schwindelig wird, ein kleiner Sonnenstich kündigt sich an, ich suche mir einen kühlenden Bach, den ich mir mit den Mücken und Horseflies (gro- ßen „Pferdebremsen“) teilen muss. Aber jetzt irgendwo schlapp zu machen, könnte fatale Folgen haben: Ab dem späten Nach- mittag passiert mich in meine Richtung vielleicht noch ein Auto pro Stunde. Irgendwann erreiche ich „Jade City“, einen Weiler mit sage und schreibe 30 Einwoh- nern, bekannt für Jade. Heute besteht der

Historische Main Street von Stewart

Hyder und die Bären ... Nur zwei Kilometer entfernt liegt der „Geisterort“ Hyder in Alaska, der von etwa 80 Menschen bewohnt wird. Da der Ort eine Sackgasse ist, gibt es auf Alaskas Seite der Grenze keine Kontrollen – aber wer wieder nach Kanada zurück möchte, muss seinen Ausweis vorzeigen. In frühe- ren Zeiten fuhren viele dort rüber, um in einer der Bars ordentlich zu bechern, da die Preise auf „dieser Seite“ weit niedriger waren. Dem Treiben setzten die Dorfpoli- zisten aus Kanada aber irgendwann ein Ende. Heute gibt es rund sechs Kilometer flussaufwärts einen der besten Plätze, um Grizzlies zu beobachten. Leider sind die Lachse noch nicht vor Ort und die Bären entsprechend auch nicht. Meist kommen die Lachse ab Mitte Ende Juli: Wer das sehen will, sollte zudem ein Ticket online erwerben. Von Stewart geht es weiter nach Norden, nächster Supermarkt und wohl auch das nächste Mal Handyempfang sind in Dease Lake, das ist fast 400 Kilometer entfernt. Als Radfahrer muss man schon etwas pla- nen, wenn es darum geht, Verpflegung für ein paar Tage in den Packtaschen dabei zu haben.

Heute sind es nur noch rund 400 Einwoh- ner, es gibt mehrere Unterkünfte, ein paar Restaurants, einen Supermarkt (der alles hat von Schnürsenkeln bis hin zu Käse) und sogar eine kleine Krankenstation. Seit zwei Jahren gibt es erstmals Handyemp- fang, zumindest immer mal wieder ... Es macht Spaß, vorbei an den alten Haus- fassaden zu schlendern, die alten Bauma- schinen und Oldies zu entdecken und im kleinen Supermarkt zu stöbern. So einiges scheint hier noch aus der Pionierzeit an den Straßenrändern zu liegen.

52

53

Riesige Entfernungen sind die Normalität, während abends die Verkehrsdichte oft gegen Null geht.

Orginales (?) Schild in Hyder

Temperaturen besonders im Westen Kanadas. Ein Einheimischer sagt, dass der Highway geschlossen werden könnte, wegen der Rauchentwicklung. Das wäre der schlimmste Fall, dann bliebe auf unbe- stimmte Zeit zu warten oder „nur“ fast 700 Kilometer zurückzufahren. Ich schmeiße das Rad notgedrungen am nächsten Mor- gen auf den Pickup eines netten Kanadiers, der nach Watson Lake fährt. Drittgrößter Ort So komme ich nach Watson Lake, einem kleinen Ort der direkt am Alaska Highway liegt und nur knapp 1000 Einwohner hat und damit trotzdem der drittgrößte Ort im Yukon Territory ist, einer Provinz, die zwar eineinhalb so groß ist, wie Deutsch- land, aber keine 45.000 Einwohner hat. Nach zehn Tagen in der Wildnis kommt mir der Ort schon wie die Wiege die Zivilisation und das erste Bier schmeckt unbeschreiblich gut! In Watson Lake steht

Reinhard Pantke

Der Globetrot- ter Reinhard Pantke erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack.

Neben Touren durch Europa, Neuseeland und die Südsee war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in insgesamt 220.000 km per Fahrrad zurück. Neben Artikeln in Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buch- beiträgen und Ausstellungen ist Reinhard Pantke vielerorts präsent: reinhard-pantke.de

Idyllischer See südlich von Jade City

Boya Lake: Paradies für Angler und Paddler

„Ort“ im Wesentlichen aus einer kleinen Unterkunft und dem „Steinladen“, in dem man wunderba- re Steine und natürlich besonders Jade beziehen kann. „Bora Bora“

hohen Norden bei angenehmen Tempera- turen schwimmen kann, brachte dem See den Spitznamen „das Bora Bora Kanadas“ ein. Insbesondere an den Sommerwochen- enden füllt sich der Platz schnell. An diesem Tag ziehen immer mehr Rauch- wolken aus Nordwesten herüber und teil- weise regnet es Aschepartikel, obwohl das Feuer sicher noch 50 Kilometer entfernt ist. Für kanadische Verhältnisse ein recht kleines Feuer von 25 bis 30 Kilometer. Im Sommer wüten die Waldbrände aufgrund der langen Trockenheit und der hohen

ein mächtiger Schilderwald, der beim Bau des Alaska Highway von einem Soldaten begonnen wurde. Zehntausende Besucher folgten seitdem seinem Beispiel und stell- ten über 80.000 Schilder auf, die aus aller Welt stammen. Von hier aus geht es weiter in Richtung Whitehorse, aber das ist eine andere Geschichte. Fortsetzung folgt …

54

55

Boya Lake ist ein glasklarer See, der auch einen Campingplatz, Bootsverleih und klei- ne, sandige Badestrände hat. Die besondere Farbe und die Tatsache, dass man dort im

Lust auf Deine persönliche Traumreise?

Lust auf Deine persönliche Traumreise?

• Wasserfilter, Bärenspray und gutes medizinisches Notfallset sind ein Muss. • Kein Handyempfang bis Stewart/Hyder und an den Endpunkten, man ist in Notsituationen auf sich allein gestellt. • Kanadier sind

de-keepexploring.canada.travel drivebc.ca firesmoke.ca

hilfsbereit, sodass man in Notfällen möglicherweise mit dem Pickup mitgenommen wird.

Whitehorse

Boya Lake Watson Lake

AUSRÜSTUNG & VERHALTEN • Der Highway ist bis auf wenige Kilometer asphaltiert, der Belag oft rauer, eine breite Bereitung daher ein Muss. • Keine Radläden zwischen Terrace und Whitehorse: Pannen müssen selbst behoben werden. Daher alle gängigen Ersatzteile wie Schläuche, Kette, Ketten- glied, Speichen und einen Ersatzmantel mitnehmen. • Die Strecke ist nicht für E-Bikes geeignet ist, da teils Hunderte von Kilometern zwischen den Orten liegen. • Unbedingt mit Verhaltensregeln im Bärenland ver- traut machen!

Fort Nelson

Juneau

Sitka Fort St. John

Prince Rupert Stewart

BRITISH COLUMBIA

Inselparadies im Südpazifik Entdecke die paradiesische Inselwelt Hawai´is. 13 Tage Inselhüpfen inkl. Flug ab € 4.595,- p. P. Klassisches Westkanada Eine PKW Rundreise durch British Columbia & Alberta inkl. Banff & Jasper NP 15 Tage inkl. Mietwagen ab € 3.000,- p. P.

Williams Lake

Vancouver Island

Vancouver

Olympia

www.boomerang-reisen.de

©RCDIGITAL PHOTOGRAPHY/Shutterstock

Moderne Skulptur zum Gedenken an Tecumseh

Tecumseh Parkway Große Geschichte auf Nebenstraßen

S üdwestlich von Toronto liegen abseits der Hauptstra- ßen der Tecumseh Parkway sowie Moraviantown – ein kleines Dorf mit großer Geschichte, die von Herrnhut in der Oberlausitz bis zum legendären First-Nations-Führer Tecumseh und dem Landkrieg der USA gegen Kanada in den Jahren 1812 und 1813 reicht. Auf dem Weg zum Point Peelee National Park verlassen wir Toronto bei einem heftigen Gewittersturm, doch bald klart es auf. Südlich von London wechseln wir auf eine Nebenstraße. Die Felder des fla- chen Farmlands werden hier durch viele Hecken unterbrochen. Plötzlich erscheint linkerhand ein Park mit schönen hohen Bäumen und gepflegtem Rasen. Wir stoppen am Schild „Fairfield Museum“ – und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zwar erweist sich das klei- ne Museum als geschlossen, aber unter den Bäumen informiert eine große Tafel über die Umstände der Gründung von Fairfield am Thames River, an dessen Ufer der schmale Park liegt: Das Volk der Lenape, auch Delaware genannt, siedelte ursprünglich in einem Gebiet, das heute zu den US-Bundesstaaten Delaware, New Jersey, Pennsylvania und New York gehört. Sie waren jedoch zunehmend den Über- griffen weißer Siedler und Milizen und fortgesetzter Vertreibung bis hin nach Ohio ausgesetzt. Deutsche Wurzeln Deutsche Missionare der Brüdergemeinde aus Herrnhut in der Oberlausitz waren schon im 18. Jahrhundert in den USA unter

Zweisprachige Tafeln zur Geschichte Fairfields

der Bezeichnung „Moravian Church“ aktiv. Sie konnten vielen Lenape Schutz bieten – jedenfalls vorübergehend. Nach einem grausamen Massaker an mehr als 90 Lena- pe im Missionsdorf Gnadenhütten in Ohio im Jahr 1782 führten vier Missionare ihre „Schutzbefohlenen“ mit ihren Viehherden über die Grenze ins heutige Kanada zum Thames River.

63

Steine mit Namen symbo­ lisieren die Anordnung der Wohnhäuser.

Hier entstand inmitten der damaligen Wildnis bald das prosperierende Dorf Schönfeld (später englisch: Fairfield), eine der ältesten Ansiedlungen in dieser Region. Etwa 150 bis 200 Lenape bauten hier Mais an, hielten Weidetiere, ernteten

Page 1 Page 2-3 Page 4-5 Page 6-7 Page 8-9 Page 10-11 Page 12-13 Page 14-15 Page 16-17 Page 18-19 Page 20-21 Page 22-23 Page 24-25 Page 26-27 Page 28-29 Page 30-31 Page 32-33 Page 34-35 Page 36-37 Page 38-39 Page 40-41 Page 42-43 Page 44-45 Page 46-47 Page 48-49 Page 50 Page 51 Page 52

360grad-travel.club

Made with FlippingBook Online newsletter maker