360° NordAmerika, Ausgabe 4/2025: Leseprobe

Stück weiter erinnert eine moderne Stele an den Gründer David Zeisberger. Unweit davon stehen in einer Reihe vier Informa- tionstafeln zur Geschichte Fairfields. Sie sind beschriftet mit „Tecumseh Parkway“ – und hier kommen wir zum nächsten Abschnitt der Geschichte, bei dem Fair- field von Invasoren aus den USA geplün- dert, angezündet und in Schutt und Asche gelegt wurde: Ganz gegen ihren Willen wurden die Lenape in den britisch-ame- rikanischen Krieg von 1812/13 hineingezo- gen, bei dem die USA die damals britische Kolonie Kanada erobern wollten. Die Bri- ten hatten eine Allianz gebildet: An ihrer Seite kämpfte ein Bündnis von Kriegern verschiedener indigener Nationen aus den USA, die sich im Kampf gegen ihre zunehmende Verdrängung unter dem Chief Tecumseh vereint hatten. Im Herbst 1813 kam es zur Schlacht am Thames River. Bereits im September hat- te die britische Armee Fairfield besetzt. Die meisten Lenape verließen das Dorf; Schule und Kirche wurden zum Lazarett. Als sich Anfang Oktober die US-Armee annäherte, machte man das enge Flusstal zum Schützengraben. Doch für die Allianz

Blockhaus als Teil des Museums

Ahornsirup, jagten und fischten. Als Gründer der Siedlung galt der Herrnhu- ter Missionar David Zeisberger, der flie- ßend Unami sprach und auch Schul- und Gesangbücher in der Sprache der Lenape verfasste. Im Park sehen wir in den Boden eingelas- sene Steinplatten, sie symbolisieren die damalige Anordnung von Kirche, Schule und den einzelnen Wohnhäusern. Ein

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Viele unterschiedliche Gräser umgeben das Monument.

verlief die Schlacht fatal: Die Briten flohen nach der ersten Attacke und ließen ihre indigenen Verbündeten im Stich, wobei Tecumseh tödlich verwundet wurde. Gedenkstätte Nur drei Kilometer weiter südlich stoppen wir erneut, weil geschwungene Röhren aus Edelstahl in der Sonne glänzen. Sie bilden eine auffällige Skulptur von etwa 15 Meter Durchmesser, deren Form an die Linien auf einem Schildkrötenpanzer erin- nert. Wir haben den Tecumseh Monument Park erreicht, wieder ein Platz mit vielen hohen Bäumen direkt am Thames River – die Fortsetzung des Tecumseh Parkway. Die moderne Skulptur zum Gedenken an Tecumseh soll seinen Mut und seine Visionen symbolisieren. Auf einem ellip- tischen Band oben lassen sich Umrisse von Vögeln, Fischen und anderen Tie- ren erkennen, darunter auch ein Puma – Tecumsehs Clan-Tier. Der umgebende „Place of Many Grasses“ mit unterschied-

lichen Grassorten steht für die Vielzahl der damals am Bündnis beteiligten First Nati- ons. Unweit davon gibt es zwei weitere Gedenksteine für Tecumseh, die aus frü- heren Jahrzehnten stammen. Entlang des Parks sind analog zu den vier Tafeln von Fairfield weitere elf Informationstafeln in

Tecumsehs Tod in der Schlacht am Thames River, Farblithografie von 1813

Denkmal für Tecumseh aus den 1960er-Jahren

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