Mitspielen oder einfach nur dabei sein: Ceilidhs machen Laune!
O le Helmhausen war mit Geige auf Cape Breton Island unterwegs – aber das ist optional: Man muss nicht un- bedingt fiedeln können, wenn man auf einer der schönsten Straßen Kanadas unterwegs ist, die gälische Seele erleben möchte und zur Zeit des Folkfestivals zu einem musikalischen Roadtrip startet. Kaum rolle ich über den Canso Causeway nach Cape Breton Island, hämmert es aus dem Radio: „Long Night“ von Rawlins Cross. Dudelsack, Tin Whistle, Bodhrán, E-Gitarre, Bass, Drums – Gaelic Folk trifft Rock, Vergangenheit auf Gegenwart. Purer Zufall, göttliche Fügung? Ich bin nicht hier wegen der Laubfarben im Oktober, nicht wegen der Aussicht. Ich bin hier wegen der Musik, der alten gälischen Seele, die hier noch lebt. Deshalb fährt auch meine Geige mit. Sieben Jahre Unterricht, ein paar Orchester – genug, um mitzuspie- len, denke ich. Und Oktober ist ohnehin
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Celtic Colours: Die Herbstfarben auf Cape Breton Island zählen zu den schönsten Kanadas.
perfekt: Celtic Colours, das internationale Folkfestival, findet mit über 50 Konzerten in 36 verstreuten Gemeinden statt. Zwar ist Celtic Colours ein besonderes High- light, aber die gälische Musik hier lebt natürlich das ganze Jahr über – in Pubs, Gemeindezentren und Küchen, bei Festen und den Ceilidhs genannten Küchenpar- tys, die immer offen sind für Zuhörer und Mitspieler. Erster Einsatz Doch das mit dem Mitspielen wird eine andere Sache. Schon im Buddy MacMaster Fiddle Camp in Judique merke ich: Klassi- sche Geige ist hier eher hinderlich. Keine Noten, kein Blatt vor Augen. Fiddle-Lehrer Kenneth MacKenzie spielt vor – Tunes nach Gehör, überliefert von Gaelic-Ikonen wie Scotty Fitzgerald, der keine einzige Note schrieb. Wir, fünf Eleven aus Kanada
Der Cabot Trail im Vier-Viertel-Takt Sessions und Sightseeing
Zur Party hier entlang: Ceilidhs steigen auf der ganzen Insel.
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