360° NordAmerika 03/2025: Leseprobe

Manche Bärenmütter haben schwarzen und weißen Nachwuchs.

riechen: Es stinkt penetrant nach verwe- sendem Fisch. „Das ist gut. Es zeigt, dass die Lachse bereits die kleinen Bäche zum Laichen hinaufziehen, um dort zu ster- ben“, erklärt er. Und das wiederum locke die Bären an, die im undurchdringlichen Regenwald ansonsten kaum zu finden wären. Marvens Stamm nennt sie „Spirit Bears" – Geisterbären. Es ist ein passender Name, denn die Schwarzbären mit dem weißen Fell leben verstreut über eine riesige Flä- che im gemäßigten Regenwald an der Nordküste British Columbias, der seit 2006 als sogenannter Great Bear Rain Forest unter Schutz steht. Wissenschaft- ler schätzen, dass weniger als 400 dieser Bären in dem sieben Millionen Hektar

großen Küstenabschnitt zwischen der Nordspitze von Vancouver Island und Alaska umherstreifen. Auf Princess Royal Island, wo wir auf Bären-Pirsch sind, soll es immerhin etwa 120 Kermode-Bären geben. So heißen sie offiziell, benannt nach dem Zoologen Francis Kermode, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts zum ers- ten Mal in freier Wildbahn erforschte. Er schätzte, dass auf dem Festland nur einer von 40 bis 100 Schwarzbären ein weißes Fell besitzt. Auf Princess Royal Island hin- gegen soll einer von zehn Schwarzbären weiß sein. Fragen der Forscher und … Kermode hat herausgefunden, dass die Geisterbären keine Albinos sind. Und natürlich auch keine Eisbären, die so weit entfernt von der Arktis nicht vorkommen. Damit ihr Nachwuchs die auffällig helle Fellfarbe bekommt, müssen beide Eltern- teile eines weißen Bären das rezessive Gen MC1R besitzen, das bei Menschen für rote Haare und blasse Haut verant- wortlich gemacht wird. Die Eltern ihrer- seits müssen selbst aber nicht weiß sein. Es kommt deshalb vor, dass weiße Bären Eltern mit schwarzem Fell haben. Damit

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Auch normalen Schwarzbären begegnet

man an der Küste British Columbias.

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